Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 70 (1906)
- Issue
- Heft 47 (23.11.1906)
- Date
- 1906-11-23
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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-- 2 - Vetbandes. Die Seeleuzabl der Verbandsgemeinden beträgt 15 183. An Stelle des von Königshütte nach Brandenburg a. H. versetzte:: Amtsgerichtsrats Kempner wurde Stadtrat Albert Goldstein zu Königshütte in den Vorstand gewählt. In der Leitung des Verbandes trat insofern eine Aenderung ein, als Justizrat Schüller wegen Ueberbürdung mit Berufsgeschäften den Vorsitz niederlegte und Amtsgericktsrat Gloganer in Tarnowitz zun: Vorsitzenden gewühlt wurde. Der Vorstand besteht zurzeit aus folgenden Personen: Amtsgerichts rat Glogauer-Tarnowitz, Vorsitzender; Justizrat Berger-Königshütte stellvertretender Vorsitzender; Justizrat Schüller-Gleiwitz; Stadtrat Wiener-Kattowitz; Rentier Kochmann-Gleiwitz, Schatzmeister; Kommerzienrat Grünfeld-Beuthen O.-S.; Kaufmann Eugen Pollak-Zabrze; Stadtrat Albert Goldstein-Königshütte. Ter von bem Verbände der Deutschen Juden geleiteten Bewegung zum Zwecke einer den Juden günstigen Gestaltung des Volksschulunterhaltungsgesetzes hat sich der Vorstand angeschlossen. Er hat der an das Haus der Abgeordneten gerichteten Bitte, dasselbe möge beit von dem Verbände der Deutschen Juden gemachten Vorschlägen entsprechen, unter Hinweis auf die eigenartigen Verhältnisse der öffentlichen Volksschulen im Regierungsbezirk Oppeln besonderen Ausdruck gegeben. Es wurde dargelegt, wie die in nuferem Regierungsbezirk an acht Orten mit 580 Schülern und acht Lehrern bestehender: öffentlichen jüdischen Volksschulen, sowie die an acht Orten mit 857 jüdischen Schülern und elf jüdischer: Lehrern bestehenden Simultarrschulen in ihrem Fortbestände gefährdet seien, wenn der Entwurf Gesetzeskraft erlangt. Den Gemeinden Ratibor und Groß-Strehlitz hat der Verband als Zuschuß zu den- Kosten der rituellen Beköstigung israelitischer Strafgefangener während des Passahfestes 140 Mark gewährt. Beihilfen hat der Verband geleistet für die Seelsorge in der Strafanstalt zu Groß-Strehlitz 50 Mk., für die Schüler der Lehrerbildungsanstalt in Hannover 30 Mark, für die vom Verein israelitischer Lehrer iu Schlesien und Posen veranstalteten Ferienkurse 50 Mark. Wie in den früheren Jahren, so hat sich auch im Berichtsjahre der Verbandsvorstand die Sorge für den Religionsunterricht angelegen sein lassen. Diese Sorge betätigte sich nach zwei Richtungen, nämlich in der Revision des Religionsunterrichts in den rabbinerlosen Gemeinden durch einen Rabbiner und in der Unterstützung des Religionsunterrichts in kleineren Gemeinden und in ländlichen Orten. Es bestehen zehn Revisionsbezirke, von welcher je einer einem Rabbiner im Verbandsbezirke Zugewiesen ist. Die Aufwendungen des Verbandes für den Religionsunterricht beliefen sich auf 900 Mark Auf Anregung der Berbandsleitung hat der Verband der Rabbiner Oberschlesiens einen Minimallehrplan ausgearbeitet, welcher für Schulen mit nur zivei Stunden Religionsunterricht wöchentlich und auf sieben Schuljahre bestinunt ist. Ter Bestand der^ Verbandskasse betrug am 1. April 1905 979,89 Mark, am 1. April 1906 110^,97 Mark. Das israelitische Waisenhaus zu Rhbnik wird nach Maßgabe der neuen Waisenhaussatznngen vom 23. Oktober 1904 und der Waisenhausordnung von: 30. April 1905 geleitet. Das Kuratorium besteht zurzeit aus folgenden Personen: Justizrat Schüller-Gleiwitz, Vorsitzender, Stadtrat Prager-Rybnik, Rabbiner Dr. Cohn-Kattowitz, Fabrikbesitzer Schück-Ratibor. Die Anstalt steht unter der bewährten Leitung des Waisenhausdirektors Katz. Ende März waren 15 Knaben und neun Mädchen anwesend. — In der unter Vorsitz des Amtsgerichtsrats Gloganer in Mhslowitz abgehaltenen 18. Hauptversammlung, in welcher zunächst der von uns seinem Inhalte nach oben mitgeteilte Jahresbericht erstattet wurde, erteilte man nach Prüfung der Rechnungen des Gemeindeverbandes und seines Waisenhauses nach dem Antrag der Revisoren der Verwaltung Entlastung. Der Haushaltsetat für das Waisenhaus 1906/07 balanziert in Einnahme und Ausgabe mit 14 565 Mark. Rabbiner Dr. Goldschmidt-Königshütte gab seiner besonderen Befriedigung über den Knabenhandsertigkeitsunterricht und über die Pflege des Anstaltsgartens Ausdruck. Der Haushaltsetat des Gemeindeverbandes wurde in Einnahme und Ausgabe mit 1900 Mark festgesetzt. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder Herren Berger, Grünfeld, Gloganer, Kochmann, Schüller und Wiener wurden wiedergewählt. An Stelle des verstorbenen Amtsgerichtsrat Levy wurde Jnstizrat Kaiser-Beutheu gewählt. Gemäß den neuen Satzungen wurde der Vorstand durch drei weitere Mitglieder ergänzt. Es sind dies die Herren Dr. Blumenfeld-Myslowitz, Fabrikbesitzer Schück-Ratibor und Kaufmann Kassel- Neisse. Ferner wählte man als Abgeordnete zur Kassenprüfung die Herren Kommerzienrat Grünseld-Beuthen und Kaufmann Lichtenberg- Gleiwitz, sowie schließlich als Mitglied irt das Waisenhauskuratdfriuiu an Stelle des verstorbenen Aultsgetichtsräts Levh Herrn Fabrikbesitzer Breit-Beuthen. Schließlich hielt Herr Justizrat Schüllet-Gleiwitz einen Vortrag über beit Rosinschen Entwurf eines Gesetzes über die Organisation der jüdischen Gemeinden in Preußen. — Hannover, 17. November. Die diesjährige ordentliche Sitzung des Kuratoriums der Israelitischen Erziehungsanstalt zu Ahlem fand am 11. d. M. in den Räumen der Zion-Loge in Hannover statt. Zunächst wurden Wahlen erledigt. Die nach dem Turnus ausscheidenden Mitglieder wurden mit Ausnahme des Herrn N. Landauer in Würzburg wiedergewählt. An seine Stelle wurde Herr Karl Schiff-Berlin, Behrenstraße 47, in das Kuratorium berufen. Die von den Nechnungsrevisoren geprüfte Rechnung des Jahres 1905 wurde genehmigt, ebenso der Voranschlag für das Jahr 1907. Derselbe schließt mit einem Defizit von 5000 Mark ab, gegenüber dem vorjährigen Defizit von 13000 Mark. Er zeigt also immerhin eine merkliche Besserung der Finanzlage, die hauptsächlich der großen Opferwilligkeit weiter Kreise zu verdanken ist. Von dem schriftlich vorliegenden Bericht des Vorstandes, auf dessen Verlesung verzichtet wurde, nahm das Kuratorium ohne Debatte Kenntnis. Der Bericht verbreitet sich sehr ausführlich über alle Zweige der Verwaltung und erwähnt unter anderem, daß im Berichtsjahre 6 Lehrlinge als Gärtnergehilfen und 8 Haushaltungsschülerinnen entlassen sind, von letzteren nahmen 5 Dienstbotenstellungen an, während 3 zu ihren Eltern zurückkehrten. Seit dem Bestehen der Anstalt sind nunmehr 130 junge Leute als Gärtner ausgebildet worden, von denen nur ein geringer Bruchteil abgesprungen ist. Nachgewiesenerlnaßen sind 90 ihrem Beruf treu geblieben, etwa 25 erfüllen ihre Militärpflicht oder haben in letzter Zeit keine Nachricht von sich gegeben.. Die Anstalt steht mit ihren ehemaligen Zöglingen in regelmäßigem Briefverkehr, aus zahlreichen Mitteilungen der jungen Leute geht hervor, daß sie mit ganzem Herzen an ihrem Berufe hängen und mit ihrem Verdienst zufrieden sind. Hamburg, 15. November. Das Repräsentanten - kollegium der Deutsch-Israelitischen Gemeinde hielt im neuen Gemeindebureau in der Kaiser Wilhelmstrabe unter Vorsitz des Herrn I. Alexander eine Versarnmlung ab. Es handelte sich um die Beschlußfassung über den von einer gemischten Kommission bearbeiteten Entwurf eines neuen Ge mein destatuts, der die Genehmigung des Gemeindevorstandes gefunden hat und dem Repräsentantenkollegium zur Mitgenehmigung unterbreitet wurde. Von prinzipieller Bedeutung in diesem Statut ist die Beteiligung der Frauen an der Armen- und Wohlfahrtsverwaltung und die Vermehrung der Mitgliederzahl der beiden Kommissionen auf je 40. Andere Bestimmungen des Statuts haben eine Fassung bekommen, durch die eine freiheitliche Entwicklung der Gemeinde gewährleistet erscheint. Herr Gustav Tuch brachte folgenden Antrag ein: „Das Reprasentantenkollegium ersucht den Vorstand, mit dem Synagogen- und dem Tempelverband darüber in Verhandlung zu treten, daß den Mitgliedern dieser Verbände die Gemeindemitgliedschast, soweit sie sie noch nicht besitzen, ohne weiteres eingeräumt werden solle, wogegen die Verbände die Satzungen dahin zu ändern haben, daß hinfort die Verbandsmitgliedschaft von der Gemeindemitgliedschast abhängig ist." Herr Dr. Samson meinte, man dürfe den Mitgliedern der Verbände nicht die Pflicht der Steuerzahlung an die Gemeinde auferlegen. Er beklagte, daß in Hamburg nicht, wie in Preußen und anderen Staaten, ein Zwang für alle jüdischen Einwohner bestehe, der Gemeinde anzugehören. Der Bestand der Gemeinde werde für die Dauer nur daun gewährleistet, wenn das Staatsgesetz nach dieser Richtung hin geändert werde. Herr Tuch wandte sich gegen die Anschauungen des Vorredners. Im Interesse der Stärkung der Gemeinde und der Einigkeit in ihr sei die Annahme seines Antrages wünschenswert. Das Staatsgesetz, das seit 40 Jahren für alle Konfessionen bestehe, werde in dieser Zeit, wo man in andern Ländern die Trennung der Kirche vom Staat durchführe, gewiß nicht geändert werden. Der Antrag Tuch wurde mit allen gegen zwei Stimmen abgelehnt. Der neue Statutenentwurf wurde daraus einstimmig angenommen. Nach Ablauf von vier Wochen muß eine zweite Lesung