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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-11-16 · Heft 46 (16.11.1906) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 46 (16.11.1906)
Date
1906-11-16
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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m Stellvertreters an Stelle des ausgeschiedenen Geheimrats Pinn er. Die Wahl wird in 14 Tagen in öffentlicher Sitzung erfolgen. s. Berlin, 11. November. Im „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" hielt am 8. d. M. Herr Professor Dr. Ludwig Stein vor einem dichtgefüllten Auditorium aus den besten Kreisen der Gemeinde den zweiten der öffentlichen Vorträge über den „Monotheismus in erkenntnistheoretischer Beleuchtung". Wir halten es für unmöglich, aus dem festen Gefüge eines so bedeutsamen philosophischen Vortrags einen Auszug zu bringen, der auch nur annähernd den Inhalt desselben wiedergibt und ein Bild von der Bedeutung desselben gewährt. Deshalb begnügen wir uns für heute mit dem Hinweis darauf, daß die Arbeit in der „Deutschen Revue" im Druck erscheinen wird, und konstatieren nur den tiefen Eindruck, den der Vortrag auf das gesamte Auditorium hervorgebracht hat. — Auch in den auswärtigen Literaturvereinen hat die Winterarbeit wieder mit voller Kraft eingesetzt. In Hamburg sprach Professor Dr. M. Philippson über „Die Juden im Orient", in Memel Bibliothekar Dr. H. Loewe-Berlin über „Palästina, Land und Leute", in Tilsit Dr. Rosenthal-Pr.-Stargard über „Die biblischen Königsbücher und Shakespeares Königsdramen", in Königsberg stud. M. Smoira über „Moses in der jüdischen Sage", in Lautenburg Herr Adolf Bukofzer-Danzig über „Die Kunst zu leben und als Jude zu leben", in Rakel Frau Regina Reisser-Breslau über „Wilhelm v. Humboldt und seine Familie in ihren Beziehungen zum Judentum", in Hohensalza Redakteur Dr. Moses-Berlin über „Neuere Ghettodichter", in Kassel Professor Philippson über„Reiseerinnerungen aus dem Osten", in Magdeburg Dr. Moses über „Moderne jüdische Dichtung", in Köln Rabbiner Tr. Franck „Ein Rückblick auf das verflossene Jahr", Dr. Hanover über „Sabbatai Zevi", in Hattingen (Ruhr) Frau B. Leiser-Köln über „Die Kulturarbeit der jüdischen Frau", in Essen Dr. I. Goldstein- Darmstadt „Spinoza", Dr. I. L oewenberg-Hamburg „Aus eigenen Dichtungen", in Dortmund Dr. B. Jacob über Schillers „Sendung Mosis". Wir bitten unsere Freunde, uns auch in diesem Winter regelmäßig Notizen über die Vorträge in den Literaturvereinen zugehen zu lassen. — Berlin, 13. November. Aus dem Deutschen Bureau der Alliance Israelite Universelle erhalten wir folgende Mitteilung: Im Laufe des letzten Jahres, vom Oktober 1905 bis Oktober 1906, hat die Alliance Israelite Universelle in die gemeinsame Kasse der jüdischen Hilfsorganisationen in London zur Unterstützung der verfolgten russischen Juden 803525 Francs eingezahlt, außerdem nach Petersburg 100000, nach Odessa 310000, für Bialystok 25000 Francs überwiesen. Ferner sind von der Alliance IsraSlite Universelle in demselben Zeitraum 240000 Francs an unmittelbaren Zuwendungen an.russische Juden außerhalb Rußlands gemacht worden. Ein sehr erheblicher Teil des letztgenannten Betrages kam in Berlin und in anderen deutschen Städten zur Verteilung. Tie Beiträge, die aus den Mitteln und durch die Vermittelung der Alliance Israelite Universelle für das russische Hilsswerk zur Verwendung kamen, haben sich demnach in dem Jahr Oktober 1905/06 auf 1478000 Francs belaufen. Berlin, 12. November. Der Hilfsverein der Deutschen Juden hatte in seiner letzten Sitzung Mitte September die Errichtung eines zweiten Kindergartens in Jaffa beschlossen, da der Kindergarten, den er bereits dort unterhält, nicht mehr den Bedürfnissen der jüdischen Bevölkerung genügt, die sich durch den Zustrom russischer Flüchtlinge im Laufe weniger Monate außerordentlich vermehrt hat. Das Schul- und Kindergartenkomitee des Hilfsvereins in Jaffa teilt nunmehr unter dem 2. November mit, daß alle nötigen Vorrichtungen zur Errichtung des zweiten Kindergartens bereits getroffen sind. Ein Lokal ist in der jüdischen Vorstadt Newe Zedok gemietet, das nötige Mobiliar angeschafft und eine Lehrerin engagiert worden. Die Eröffnung erfolgt jetzt. Die Aufnahme der bedürftigen russischen Kinder, die meist armen Familien angehören, erfolgt unentgeltlich. Der Zudrang russischer Kinder zu der Knabenschule in Jaffa, die der Hilssverein im Mai dieses Jahres begründet hat, ist gleichfalls außerordentlich stark. Zwei Drittel der 50 Schüler, die die Anstalt besuchen, sind russische Emigrantenkinder. Auch die Aufnahme dieser Kinder erfolgt teils unentgeltlich, teils unter Bedingungen, die den pekuniären Verhältnissen der Elfern in wertestem Maße Rechnung tragen. < ££5 Berlin, 12. November. Das Komitee für Ferienkolonien jüdischer Kinder, bekanntlich ein Zweigkomitee des großen Berliner Komitees, hat sich nach dem Hrnfcheiden seines langjährigen Führers, des Herrn Adolph Mayer, neu konstituiert. Zum Vorsitzenden ist Herr Rabb. Dr. L. Blumenthal, Monbijouplatz 4, gewählt worden. Sämtliche Zuschriften sind an genannten Herrn zu richten. Geldsendungen hingegen an den Schatzmeister des Komitees, Herrn Paul Schlesinger, Oranienburgerstraße 66. Berlin- 11. November. 'Der Verein „Freunde der Taubstummen Jedide Jlmim" wendet sich zu dem bevorstehenden Chanukahfest mit einem Aufruf an die jüdische Jugend, sie auffordernd, den beigelegten Sammelbogen fleißig zu benutzen und so an dem Werke der Liebe und Barmherzigkeit kräftig mitzuarbeiten/ Die vom Verein in Weißensee unterhaltene Anstalt ist die einzige jüdische Taubstummen-Anstalt im deutschen Reiche, in der diese unglücklichen Kinder erzogen und zu werktätigen Menschen herangebildet werden. Es werden gegenwärtig in der Anstalt 45 Kinder erzogen, die aus den verschiedenen Provinzen des Reiches stammen. Die Zahl der taubstummen jüdischen Kinder in Deutschland ist aber eine weit höhere und leider von Jahr zu Jahr im Zunehmen begriffen. Der Verein müßte daher über ganz andere Mittel verfügen, um allen diesen unglücklichen Kindern die Pforten seiner Anstalt öffnen zu können. Obwohl der Verein sich in hohem Maße der unausgesetzten Teilnahme edler Menschenfreunde zu erfreuen hat, so hält er es doch im Interesse der von ihm vertretenen Sache für seine Pflicht, jede Gelegenheit wahrzunehmen, um das große jüdische Publikum an jene Unglücklichen zu erinnern, deren Fürsprecher er ist. Leider hat sich der Ertrag der vorjährigen Jugendsammlung gegen die vorangegangenen Jahre verringert. Wir bitten deshalb dringend, dem so segensreich wirkende!: Verein erhöhte Beachtung zu schenken. Herr Rentier Adolph Salomon, Berlin-Charlottenburg, Knesebeckstr. 35/36, nimmt mit Vergnügen Gaben für den Verein entgegen. i. Stargard i. Pom., 6. November. Am 24. v. M. veranstaltete der Hilfsverein der de utschen Juden eine Propagandaversammlung, deren Resultat ein überaus befriedigendes war. Das Referat hatte Herr Siegmund Bergel-Berlin, Mitglied des geschäftsführenden Ausschusses, übernommen. Er gab zunächst einen Ueberblick über die Entstehungsgeschichte des Hilfsvereins, dessen Begründung eine Ehrensache für die deutschen Inden gewesen sei und um dessen Entwicklung sich Männer wie James Simon und Dr. Nathan .die größten Verdienste erworben haben. Sodann schilderte der Redner, was der Verein trotz seines kurzen Bestehens bereits Großes geleistet habe, und wie er unablässig bestrebt sei, die Juden der östlichen Länder durch Einrichtung von Hausindustrien und Handwerkerschulen arbeits- und erwerbsfähig zu machen. Im Mittelpunkte des Vortrages stand natürlich das russische Hilfswerk, das gegenwärtig die Kräfte des Hilfsvereins vornehmlich 'in Anspruch nimmt. Durch die fesselnde Darstellung selbst erlebter Vorgänge wußte der Referent ein anschauliches Bild von der traurigen Lage der russischen Inden zu entwerfen und alle Zuhörer aufs tiefste zu ergreifen. Es bedurfte daher nur noch eines warmherzigen Appells des Rabbiners Dr. Silberstein, um sämtliche Anwesende zum Beitritt zum Verein zu veranlassen und ein Lokalkomitee zu begründen. dev Provinz Posen, im November. Der jüngst in Warschau verstorbene Kaufmann Jacobi hat seiner Heimatstadt P.akosch 1800 Mark, und zwar je 600. Mark für jede Konfession, hinterlassen. — Lehrer S. Spieldoch in Buk ist zum ersten Vorsitzenden des dortigen Lehrervereins gewählt worden. — Kaufmann Isaak Strantz in Gnesen ist zum Kommissionsrat ernannt worden. In Consta dt ist jüngst die Synagoge nach vollständiger Renovierung feierlich eingeweiht worden. — Kaufmann L. Plonski i» Zirke ist anläßlich seiner 35jährigen Wirksamkeit als Stadtverordneter bezw. Magistratsmitglied daselbst und in Anerkennung seiner reichen Verdienste um städtische Interessen zum Ehrenbürger ernannt worden. — Kaufmann Kronthal in Posen ist zum unbesoldeten Stadtrat daselbst neugewählt worden. — Kaufmann Saling er in Marien bürg ist zum Stadtrat daselbst gewählt worden. — Der praktische Arzt Dr. L ev y in Ti e g enh of ist zum Vorsitzenden des dortigen '7»;’ /r.?.?-:.v,

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