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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-11-09 · Heft 45 (9.11.1906) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 45 (9.11.1906)
Date
1906-11-09
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Berlin, 9. November 1906. 70. Jahrgang. No 45 Dxr (Aemrtndebüte. Veilsge zur „AUsemeinen Leitung deL Judentums". Korrespondenzen und Mschrichtrn. Deutschland. 8. Berlin, 5. November. Die Armeukommission der jüdischen Gemeinde zu Berlin hat eine Broschüre über die Wohlfahrtseinrichtungen für jüdische Hilfsbedürfti.ge in Berlin und Vororten herausgegeben. Das Heft enthält eine vollständige übersichtliche Zusammenstellung aller Hilfsquellen, wie Stiftungen, Vereine usw., an die sich jüdische Hilfsbedürftige, wenden können. Es entspricht tatsächlich einem tiefgefühlten Bedürfnis, das wohl schon oft sich geäußert hat, aber lange vergeblich der Befriedigung entgegensehen mußte. Der gegenwärtige verdienstvolle und tatkräftige Vorsitzende der Armenkommission, Herr Dr. Wilhelm Feilchenfeld, hat sich durch die Herausgabe dieser Schrift ein großes Verdienst erworben. Der Inhalt ist systematisch folgendermaßen gegliedert: I. Allgemeine Fürsorge für Arme, II. Fürsorge für verschämte Arme, III. Fürsorge für Kranke, IV. Fürsorge für ältere Personen, V. Fürsorge für Frauen, VI. Fürsorge für Kinder, VII. Fürsorge für Blinde, Taubstumme und Geisteskranke, VIII. Fürsorge für verschiedene Berufe, IX. Fürsorge für Studierende,- X. Fürsorge für Durchreisende. XI. Fürsorge für Leidtragende, XII. Fürsorge für Bestrafte und deren Familien, XIII. Fürsorge für in Mietenot befindliche Personen, XIV. Bekleidung, XV. Brennmaterialien, XVI. Gewährung von Darlehen. Zum Schluß folgt ein Kalendarium und ein alphabetisches Register. Das ganze Heft gibt ein anschauliches Bild von dem Umfang und der Ausdehnung der Wohltätigkeitspflege innerhalb der jüdischen Gemeinde zu Berlin. 8. Berlin, 30. Oktober. In der heutigen, zahlreich besuchten Delegiertenversammlung des „Verbandes für jüdische Wohltätigkeitspflege", welche zum ersten Male in dem prächtigen, großen Sitzungssaale der Armenkommission im zweiten Verwaltungsgebäude der hiesigen Gemeinde stattfand, wurde nach der Wiederwahl der turnusmäßig ausscheidenden Ausschußmitglieder Dr. Hildesheimer, Direktor Dr. Minden. Eugen Caspary und Frau Juläe Neumann vom Vorsitzenden des Verbandes ein kurzer Geschäftsbericht vorgelegt. In einem sehr interessanten und instruktiven Vortrage erörterte alsdann der stellvertretende Vorsitzende des Verbandes, Herr Dr. Wilhelm Fe il ch en fe ld - Charlottenburg, das Thema „Stiftungsbestimmungen". In seinen Darlegungen unternimmt es der Referent, eine Klärung über die Prinzipien zu geben, die bei Errichtung von Stiftungen beobachtet werden sollen, eine Klärung, die um so notwendiger ist, als die Stiftungen nach ihrer Anzahl und den aufgewendeten Summen eine sehr wesentliche Rolle in der sozialen Fürsorge spielen. Aus der Fülle seiner Erfahrungen heraus, die ihm die tägliche Beschäftigung mit den verschiedenartigsten Stiftungsbedingungen in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Armenkommission der hiesigen jüdischen Gemeinde bringt, weist er an der Hand zahlreicher Beispiele auf die Bestimmungen hin, die eine verständige Ausnutzung der Mittel ganz oder teilweise vereiteln, auf die Neigung, die Kuratoren nur aus der Familie des Stifters wählen zu lassen, auf die häufig zu weitgehende Beschränkung der Stiftungsmittel zugunsten der Verwandten des Stifters oder zugunsten eines engumgrenzten Kreises, der eine wirksame Verwendung der Mittel erheblich erschwert, auf die unzweckmäßigen Bestimmungen über die Verwaltung des Geldes; vor allem sollten jedoch nicht Bestimmungen getroffen werden, welche den Wechsel der Zeiten und der Verhältnisse nicht berücksichtigen. Zum Schluffe seiner streng sachlichen Ausführungen empfiehlt der Redner, bei Abfassung eines Legates den Rat einer juristisch geschulten Person, und zwar am besten einer solchen, die mit der Wohlfahrtspflege vertraut ist, einzuholen, den Kreis, aus dem die Kuratoren entnommen werden sollen, nicht zu eng zu fassen und die Wahl der Kuratoren, abgesehen von der ersten vom Stifter selbst bezeichneteu, einer zuverlässigen Instanz zu übertragen. Er rät ferner, eine Verwandtenklausel zur Berücksichtigung aus den Mitteln der Stiftung nur bis zum vierten oder fünften Glied sich erstrecken zu lassen oder aber die Geltung der Klausel auf 25 bis höchstens 50 Jahre festzusetzen, das Stiftungsziel nicht kleinlich zu fassen und beschränkende Bestimmungen möglichst zu vermeiden, damit die Kuratoren der Stiftung innerhalb des Rahmens des Stistungszweckes freie Hand behalten und den Ansprüchen einer veränderten Zeit Rechnung tragen können. Nur wenn die Stifter in möglichst großzügiger Weise ihre Legate errichten, dann werden sie, so schließt der Redner, ihrem Namen ein dauerndes und gesegnetes Andenken sichern. Der Dank für diese Ausführungen, dem die Versammlung durch lebhaften Beifall Ausdruck gab, zeigte sich auch in dem gefaßten Beschluß, das Referat drucken zu lassen und an die Verbandsmitglieder zur Versendung zu bringen. In der im Anschluß an den Vortrag sich rege entwickelnden Diskussion macht der Vorsitzende der Versammlung die Mitteilung, daß man heute eine gesetzliche Handhabe besitze, um testamentarisch fest gelegte Bestimmungen, die nicht mehr in den Rahmen der Zeit passen, abändern zu können. Es wurde ferner die Frage über die Einrichtung einer Sammelstelle für plötzlich hilflos gewordene jüdische Kinder, die sich als eine dringende Notwendigkeit herausgestellt hat, ventiliert und im Prinzip die Errichtung einer solchen, vom Jüdischen Kinderheim zu eröffnenden, beschlossen, vorausgesetzt, daß die Verbandsvereine sich an den Kosten hierzu beteiligen; ebenfalls im Prinzip beschlossen wurde die Errichtung eines Verbandsbureaus, tu welchem sämtliche Arbeiten der angeschlossenen Vereine zentralisiert werden sollen. Berlin, 6. November. Aus Anlaß des 25 jährigen Bestehens des Akademischen Vereins für jüdische Geschichte und Literatur an der Universität Berlin setzt der Verband alter Herren dieses Vereins einen Preis von 600 Mark aus für die beste Bearbeitung des Themas: Die Ethik der Propheten. 1. Es sotten die ethischen Anschauungen der Propheten auf Grund historischkritischer Forschungen in ihrer Entwicklung ermittelt und systematisch dargestellt werden. 2. Dem Verfasser bleibt es Vorbehalten, alle Propheten oder nur einzelne in den Kreis seiner Untersuchungen zu ziehen. Es muß aber bei einer Det'ailbehandlung stets die historische Entwicklung berücksichtigt werden. 3. Philologische Detailuntersuchungen liegen außerhalb des Untersuchungsgebietes. Die Arbeit soll den Umfang von sechs Druckbogen tunlichst nicht übersteigen. Zur Bewerbung um den Preis ist jeder zugelassen. Die Bewerbungen sind bis zum 1. November 1907 zu richten an den Vorsitzenden Herrn Zahnarzt Lipschitz, Berlin, Mohrenstraße 26. Das Manuskript ist mit einem Kennwort zu versehen. Dasselbe Kennwort muß ein verschlossenes Kuvert tragen, das den Namen des Verfassers enthält. Der „Verband alter Herren" des Akademischen Vereins für jüdische Geschichte und Literatur erwirbt mit der Zuerteilung des Preises das Recht der Veröffentlichung der Arbeit. Das Preisrichteramt haben übernommen die Herren Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Cohen- Marburg, Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Freudenthal-Breslau und Professor Dr. Goldziher-Budapest. Die Zuerteilung des Preises erfolgt im Februar 1908. 8. Berlin, 31. Oktober. Im Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens sprach vor dicht gefülltem Auditorium der an der hiesigen jüdischen Reformgemeinde als Chordirigent amtierende Kapellmeister Eduard Levy über „Jüdische Musik und Musiker". Der Vortragende führte in seinen einleitenden Gedanken aus, daß es vornehmlich die künstlerische Kultur eines Volkes sei, die es auf eine hohe und vorbildliche Stufe in der Entlvickelung des Menschengeschlechtes nach einem idealen Ziele führe; er bewies an den klassischen Griechen, wie überlegen diese allen anderen Völkern des Altertums gewesen wären und welchen maßgebenden Einfluß sie kraft ihrer künstlerischen Kultur noch auf die heutige Zeit ausübten; er zeigte auf Grund dieser Tatsachen, mie schwerwiegend

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