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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-11-02 · Heft 44 (2.11.1906) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 44 (2.11.1906)
Date
1906-11-02
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 und bittet herzlich, es auch dieses Jahr zu Chanukah in den Bestredungen für unsere Schuljugend zu unterstützen. 1360 jüdische Kinder, welche das Komitee im vorigen Jahre mit Kleidung. Stiefeln und Lehrmitteln versehen konnte, denken dankerfüllt an ihre Wohltäter, welche ihnen das freudige Bewußtsein verschafft, daß der Arme nicht verlassen ist. Es ist das Streben gewesen und wird es immer bleiben, durch die Gabe nach sorgfältiger Auswahl des Notwendigen und Nützlichen in den Kindern den Sinn für Ordnung und Sauberkeit zu wecken und ihren Fleiß anzuspornen. Auch dieses Jahr hoffen viele Hunderte auf die gleiche Wohltat: wir sind gewiß, daß ihre Hoffnung dank den edlen Gebern in Erfüllung gehen wird. Das Komitee besteht aus folgenden Damen: Frau Julie Neumann, Vorsitzende, Potsdamerstraße 121s, Frau Markus Adler, Frau Max Benjamin, Frau Julius Böhm, Frau Geheime Sanitätsrat Flatow, Frau.Dr. Frankl, Frau Leopold Friedmann, Frau Tr. Ginsberg, Frau Dr. Crabower, Frau Anna Jtzig, Frau Prof. Dr. F Liebermann, Frau Sanitätsrat Dr. Mühsam, Frau Louise Oliven, Frau Lonis Oppenheim, Frau Helene Schönwald, Frau Emma Sieskind, Frau Sanitätsrat Dr. Stern, Frau Dr. Ungerleider, Frau Sanitätsrat Dr Otto Wiesenthal. i. Potsdam, 28. Oktober. Am Mittwoch ist unser allgemein beliebter Oberkantor S. Schönberger infolge eines Unfalls im 55. Lebensjahre gestorben. Er war mit dem Schnellzuge von Berlin gekommen und bemerkte nach dem Verlassen des Zuges das Fehlen seines Regenschirms. Unbeachtet des bereits gegebenen Abfahrtszeichens sprang er nochmals in das von ihm benutzte Abteil zurück, um den Schirm zu holen. Auf dem Trittbrett des sich in Bewegung setzenden Zuges strauchelte Schönberger und fiel so unglücklich, daß ihm von den Rädern beide Beine unterhalb der Knie abgefahren wurden. Bewußtlos brachte man den Schwerverletzten nach dem St. Josephskrankenhause, wo sofort eine Amputation vorgenommen werden mußte. Die Beerdigung fand heute unter allgemeiner Beteiligung statt. Die Grabrede hielt Rabbiner Dr. Kälter. Dann sprachen namens der Gemeinde Justizrat Friedländer, namens des Kantoren-Verbandes Kantor Bellak-Frankfurt a. O.. namens der Hilfskasse für Kantoren Kantor Kalischer-Berlin. Hierauf fand eine Trauerfeier in der dichtgefüllten Synagoge statt, bei der Kantor Friedmann-Berlin den LI Mole racharnim in ergreifender Weife rezitierte. — Schönberger hat sich in mannigfacher Hinsicht große Verdienste erworben. Seit 1881 gehört er der Synagogengemeinde als Oberkantor an, und erst vor wenigen Monaten konnte er unter allgemeiner Teilnahme sein 25 jähriges Amtsjubiläurn begehen. Erfolgreich hat er fick um eine zeitgemäße Ausgestaltung des Gottesdienstes bemüht. Auch in den nichtjüdischen Kreisen der Stadt war Schöneberg eine allbeliebte und bekannte Persönlichkeit. Durch seine von wahrhafter Empfindung zeugenden Kompositionen, vor allem aber durch seine segensreiche Tätigkeit als erster Vorsitzender des Kantorenverbandes hat er sich um die jüdische Gesamtheit verdient gemacht. Möge ihm drum die Erde leicht sein, denn das Andenken des Gerechten ist ein Segen! — Atrmswalde (N.-M.), 28. Oktober. Das 25 jährige Amtsjubiläum unseres Lehrers und Predigers Altmann fand am vorigen Sonntag unter Teilnahme der gesamten Gemeinde, vieler Verwandten, Kollegen und ehemaliger Schüler des Jubilars statt. Am Vormittag gratulierten die Gemeindevertretung und ehemaligen Schüler. Der Vorsteher Arnholz hielt an den Jubilar eine Ansprache, in der er die Verdienste desselben um die Gemeinde würdigte. Als Geschenk überbrachte der Vorsteher den Beschluß der Gehaltserhöhung. Die früheren Schüler ehrten ihren Lehrer durch Ueberreichung eines kostbaren Pelzes, der Frauenverein überreichte ebenfalls ein Geschenk. Abends fand ein Festbankett statt, auf dem Oberkantor Sarason- Stettin, Prediger Nischkowsky-Wachnowik, Dr. Moses-Berlin und andere Ansprachen hielten. i. Posen, 24. Oktober. Der Sterbetag des Rentiers David Tuch wurde gestern in der Israelitischen Waisen-Knäbenanstalt seierlrch begangen. Nach Beendigung des Anugebets in der Anstaltssynagoge sangen die Kinder das Adaun-Aulom, worauf der Waisenvater vor der heiligen Gotteslade das Gebet für das Seelenheil des Dahingeschiedenen verrichtete. Danach sprach ein Waisenknabe das Kadischgebet. — Von . dem Verstorbenen, welcher in Wreschen lebte, wurde eine bedeutende Geldsumme hypothekarisch sichergestellt, deren Jahreszinsen zu wohltätigen Zw cken bestimmt sind. Der hiesigen Waisenknaben-Anstalt wurde ebenfalls ein entsprechend v Betrag hergegeben, damit der Todestag des Testators nach jüdischer Weise festlich begangen werde. Ferner werden am Jahrzeitstage aus den aufgelaufenen Zinsen des Stammkapitals arme Schulkinder mit Wintersachen versehen, Ortsarme unterstützt, sowie Kultusbeamte und gelehrte Männer in der Stadt Jerusalem fürreligiöse Leistungeil honoriert. n. Breslau. 27. Oktober. Am 22. d. M. verstarb zu Breslau an den Folgen einer Operation der Rentier Emanuel Falk im Alter von 74l/2 Jahren. Mit ihm ging der letzte Sproß des durch seine talmudische Gelehrsamkeit weit bekannten Dyrhenfurter Rabbiners dahin, und in ihm beklagt das Judentum einen seiner treuesten Söhne. Er hat stets in Wort und -Tat seine aufrichtige Anhänglichkeit an das Judentum bezeugt. Sein Wohltätigkeitssinn war weit über die Grenzen seiner Vaterstadt bekannt; er war stets der Fürsorge für die Armen und Notleidenden bedacht und war seinen . Verwandten und seiner Familie immer ein treusorgender Berater und Vater. An seiner Bahre trauern in tiefem Schmerze seine treue Gattin, die Tochter des gelehrten Rabbi Hirsch Kalischer, der seinen jetzt verstorbenen Schwiegersohn lvegen dessen großer talmudischen Kenntnisse hoch schätzte, seine zahlreichen Kinder und Enkelkinder. Ehre seinem Andenken! t'. Beutyen O.-S., 23. Oktober. Der seit ca. Zwei Jahren in der hiesigen Synagogengemeirlde mit Erfolg wirkende Kantor und Lehrer Herr Hugo Goliuski kam bei der Besetzung der ernten Kantorstelle in Eroß-Glogau in die engere Wahl. Die Gemeindebehörden, die inzwischen von seiner aussichtsvollen Kandidatur erfahren haben, bewilligten dernlelben, um ihn auch weiter an seine hiesige Stelle zu fesseln, eine Gehaltszulage von 600 Mark, und verbleibt nun Herr Goliuski in hiesiger Gemeinde. cl. Speyer, 24. Oktober. Auch in diesem Jahre fand gestern hier, am Sitze ^er Königlichen Regierung, die Anstellungs- Prüfung der Schuldienstex pektanten statt Zu diesem Zwecke wurde wiederinn Herr Bezirksrabbiner Dr. Landsberg-Kaiserslautern durch Regierungsentschließung vom 26. September dieses Jahres als Kommissionsmitglied einberufen. Für die der mündlichen Prüfung vorangehende schriftliche Prüfung wurden den israelitischen Kandidaten folgende Themata zur Bearbeitung gestellt: 1. Aus der systematischen Religionslehre.' Erklärung des zweiten Gebotes und Widerlegung der falschen Auffassung desselben. 2. Aus der Kirchengeschichte: Esras Bedeutung in der Geschichte des Judentums. 3. Aus dem Kirchendienst: Inhalt und Bedeutung des Kadisch- Gebetes. — Die mündliche Prüfung fand in Gegenwart der für diesen Zweck gebildeten Negierungskommission statt und erstreckte sich besonders auf jüdische Geschichte, und Blbelkunde, aus Religionslehre und Dogmatik. Gesterretch-Nngarn. Z\ Wien, 29. Oktober. Noch nie habe ich mich so freudig dementiert wie diesmal. Unser verehrter Lektor Fried mann Lebt und wirkt wie seit Jahrzehnten in seinem Amte voll Eifer und Freude. Es war eine falsche Todesnachricht. Jedenfalls wird der allgemein geschätzte Gelehrte aus den Nekrologen erfahren haben, welche Verehrung ihm die Mitwelt entgegenbringt. Wenn nach dem alten Sprichlvort Totgesagte noch lange leben, so hat auch diese falsche Nachricht ihrGutes gehabt. — Ein Jude, Dr. Jakob Zuckermann, ist in diesen Tagen anläßlich seiner Pensionierung zum Generalstabsarzt ernannt worden. Dagegen ist ein aktiver Generalstabsarzt, Dr. Josef Ulrich, ein wahrhaft edler und glaubenstreuer Jude, im 63. Lebensjahre in Brünn gestorben. — Der Jahresbericht des Asyls für jüdische Kranke in Meran über die Saison 1905 bis 1906 konstatiert eine Steigerung der an dasselbe gestellten Ansprüche. Sämtliche Plätze waren während des letzten Jahres besetzt, und eine große Zahl würdiger GesuchsteUer mußte abgewiesen werden, weil die Räume und die Mittel der Anstalt eine Ausdehnung der Hilsstätigkeit nicht gestatteten. Die Ausführung des längstgebotenen und geplanten Erweiterungsbaues bezeichnet der Bericht daher als eine unaufschiebbare Notwendigkeit. Der Bauplatz ist bereits erworben und

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