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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-11-02 · Heft 44 (2.11.1906) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 44 (2.11.1906)
Date
1906-11-02
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 die Baupläne liegen fertig vor. Auch ein neuer israelitischer Friedhuf muß, den Stistungszwecken gemäß, errichtet werden, wozu ein Kostenaufwand von mindestens 30 000 bis 40 000 Kronen erforderlich ist. Die Heilerfolge waren befriedigend. Die religiösen Institutionen des Asyls erfuhren im letzten Jahre eine wesentliche Ausgestaltung. In einein zweckmäßig eingerichteten Raum des Tempelgebäudes wird der Religionsunterricht für die jüdischen Schüler aller Volks¬ und Mittelschulklassen des Meraner Kurbezirks durch Herrn Bezirksrabbiner Dr. Tänzer erteilt. Ferner findet allwöchentlich ein Jugendgottesdienst mit Predigt statt. Der Etat schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 70 000 Kronen ab, von denen nur 3140 Kronen auf Jahresbeiträge entfallen. Das Vermögen der Stiftung, die unter anderem auch arme israelitische Kurgäste mit kräftiger Mittagskost versieht und ihnen Barunterstützungen gewährt, beträgt 136 748 Kronen, wovon ungefähr ein drittel auf das Asylgrundstück entfällt. fr Vmr Msh und ssern. — Anläßlich der Eröffnung der Berliner Handelshochschule haben folgende Herren Auszeichnungen erhalten: den Kronenorden dritter Klasse: Stadtrat Dr. Maximilian Weigert, den Roten Adlerorden dritter Klasse: Geheimer Kommerzienrat Edmund Helsft, den Roten Adlerorden vierter Klasse: Architekt Richard Wolffenstein. — Dem Rechtsanwalt und Notar Justizrat Alfons Kempner, einem der ältesten Berliner Anwälte, ist der Charakter als Geheimer Justizrat verliehen worden. — Herrn Professor Dr. Mendel, dem bekannten Psychiater, der seit über 30 Jahren der Pankower Gemeindevertretung angehört und sich um die Errichtung des neuen Gemeinde-Krankenhauses außerordentlich verdient gemacht hat, ist anläßlich der Eröffnung! desselben der Titel „Geheimer Medizinalrat" verliehen worden. — Die! Rote Kreuzmedaille dritter Klasse wurde verliehen der Frau Fabrikbesitzer und Stadtrat Herzfeld-Graudenz, Frau Fabrikbesitzer Krojanker-Berlin, Frau Kommerzienrat Aronsohn-Bromberg, verw. Frau Geheimer Kommerzienrat Heimann-Breslau, Frau Hotelbesitzer Sa chs-Patschkau (Kreis Neiße), prakt. Arzt Dr. Königsfeld-Gleiwitz, prakt. Arzt Geh. SanitÜtsrat Dr. med. Bo ckenheimer und Kaufmann Speyer-Frankfurt a. M. — Frau Regina Reißer in Breslau hat aus dem Großherzoglich badischen Geheimen Kabinett den verbindlichen Dank des Großherzogs und der Großherzogin für einen zu deren goldenem Ehejubiläum verfaßten und in der Zeitschrift „Mode und Haus" veröffentlichten Festartikel erhalten. — Aus Kiel wird geschrieben: Die Auswanderung aus Rußland nimmt anscheinend stetig zu. Während früher viele Dampfer aus Finnland mit Auswanderern einliefen, kommen die Auswandererschiffe neuerdings fast ausschließlich von Libau. Durchweg sind die Dampfer, die direkt nach Newyork fahren, stark oder gar voll besetzt. Dieser Tage landete ein Dampfer bei Holtenau die Leiche einer hochbetagten Jüdin, die kurz nach der Einschiffung in Libau den Strapazen und Aufregungen erlegen war. Die Glaubensgenossen bestatteten die Leiche auf dem Kieler jüdischen Friedhof. — Die jüdische Gemeinde zu Au gs b n r g feiert dieser Tage ein Jubiläum. Es find nämlich 50 Jahre verflossen, seit den Juden dort endgültige Aufnahme gewährt und das Bürgerrecht verliehen wurde. — Der König von Schweden hat dem Kurarzt Dr. Leo Klemperer in Karlsbad das Ritterkreuz 1. Klasse des Wasa-Ordens verliehen. — In Lodz hat das Börsenkomitee sich an den Handelsminister mit dem Gesuch gewandt, die Bestimmung aufzuheben, durch die es Personen nichtchristlicher Konfessionen untersagt ist, Börsenümter an der örtlichen Börsenversammlung zu bekleiden. — Russische Blätter veröffentlichen Briefe, die reaktionäre Volksführer an den Grafen Pü ckler-Klein-Tsch irne gerichtet haben. In diesen Briefen wird der Dreschgraf dringend aufgefordert, seine gesegnete Tätigkeit nach Rußland zu verlegen, da doch der Prophet im eigenen Lande nicht geschätzt wird. Glückliche Reise! — In der letzten Sitzung des russischen Klubs in Warschau wurde ein Brief des Präsidenten des „Verbandes der wahren Russen". Piruschkewitsch, vorgelesen, worin dieser dem Klub den Vorwurf macht, daß er nicht aktiv genug gegen die Uebermacht (£!) der Juden auftrete. In den darauf folgenden Debatten bedauerten die Redner, daß der Klub zu wenig einflußreich sei, um mit Erfolg in Polen gegen die Juden anzukämpfen. Es wurde beschlossen, Agitatoren nach den vorwiegend von Ruthenen bewohnten Gouvernements Siedlce und Lublin zu senden, die die Landbevölkerung veranlassen sollen, Bittgesuche an den Minister auf Vertreibung der Juden aus den Dörfern zu richten. — Die Polizei in Petersburg kontrolliert die wohnberechtigten der dort lebenden Juden, von denen viele das Wohnrecht nicht besitzen sollen. — In der jüdischen Bevölkerung von Odessa herrscht große Panik wegen der Absichten des „Bundes des russischen Volkes" eine Manifestation und Judenmetzeleien zu veranstalten. Der Stadthauptmann erklärte dem Rabbiner, der deshalb Vorstellungen erhob, er selbst habe Drohbriefe erhalten und werde keine Demonstration zulassen. — Major Dreyfus' wurde durch Ministerialbeschluß zum Artilleriekommandanten des Bezirkes St. Denis ernannt. — Albert H. Jessel in London ist zum Königlichen Rat ernannt worden. — Simon Wolf in Washington feierte am 28. d. M. seinen 70. Geburtstag. Es sind großs Dienste, die er dem Orden der Benai Berit und der Judenheit eine lange Reihe von Jahren hindurch geleistet hat. Wolf hat sich auch auf staatlichen Gebieten hervorragend betätigt und die größte Wertschätzung erworben; er erfreut sich in Amerika allgemeiner Anerkennung. — In Algier ist. am 18. d. M. der frühere Präsident des dortigen Konsistoriums, der allgemein geachtete Advokat Salomon Honel, im 78. Lebensjahre gestorben. Wird bei fungenkrankheiten, Keuchhusten Katarrhen, Skrofulöse, Snfluenza von zahlreichen Professoren und Aerzten täglich verordnet. Hebt Appetit und Körpergewicht, beseitigt Husten, Auswurf, Nachtschweiss. Da minderwertige Nachahmungen angeboten werden, bitten wir stets zu (Thiocoi io, Orangensirup ho) Hoffmann-La Roche & Co. Grenzach (Baden). Sirolin verlangen: Originalpackung „Roche“. Erhältlich in den Aooth. k M. 3.20 p. Fl. 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