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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-11-02 · Heft 44 (2.11.1906) · p. Seite 527

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 44 (2.11.1906)
Date
1906-11-02
Page
Seite 527 (sequence 11)
Language
German
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WWWMWW^WWWWWW WWWWZ 527 Verletzung der Statuten der Gesellschaft, und unter diesen Umständen hatte er keine Vergebung zu erwarten. Das neuliche Duell konnte dem Capatoz zu Hilfe kommen und die Ausführung seines Planes unnötig machen. Er verfolgte also, wie gesagt, mit derselben Aufmerksamkeit wie die unmittelbar beteiligten Personen die verschiedenen Phasen dieses Ereignisses, vergaß aber dabei nicht, jeden Augenblick auf die Ausführung seines Planes gefaßt zu sein. So vergingen einige Tage; endlich besiegte Alonzos Jugend und kräftige Konstitution die Gefahr der Krankheit, nachdem er lange zwischen Tod und Leben geschwebt hatte, der junge Mann war gerettet. Diego fiel bei dieser Nachricht eine Zentnerlast von der Seele, obwohl er noch immer einer gewissen Unruhe darüber, daß er noch nicht alles wisse, nicht Herr werden konnte; Juanitas bleiches und trauriges Antlitz begann sich wieder zu erheitern, während Fernandos Schrecken nur noch größer wurde. Als der letztere in seinem Gefängnis die Nachricht erhielt, daß Alonzo in der Besserung begriffen sei, hielt er sich und die Seinen, sowie alle Marannen, die damals in den Ruinen gewesen waren, für verloren. Jeden Morgen erwartete er aus dem Gefängnis der Manifestation in das der Inquisition übergeführt zu werden. Indessen Tage vergingen, sein Prozeß nahte dem Ende, Alonzo lebte, er ging sogar aus, aber nichts von dein, was Fernando gefürchtet -hatte, trat ein. Die Ueberraschung des jungen Mannes war groß. Was hatte Alonzo am Abend der Versammlung bei den Ruinen gemacht und was bedeuteten die Worte, die er gesprochen hatte? Indessen hatte der Graf, als sein Sohn einmal außer Gefahr war, daran gedacht, sein Vorhaben endlich auszuführen. Die Gefangenschaft Fernandos kam ihm sehr gelegen: denn auf diese Weise war Juanita, nach der Ermordung Diegos, ohne jeden Beschützer und fiel noch bedeutend leichter in seine Hand. Aber der Graf beeilte sich nicht; er wollte soviel wie möglich Zeit zwischen dem Duell, dem sein Sohn fast zum Opfer gefallen wäre, und Diegos Ermordung verstreichen lassen, um jeden Verdacht zu zerstreuen. Uebrigens hatte er nichts zu versäumen, vorausgesetzt daß Fernando in Anbetracht seiner Untersuchung noch im Gefängnis blieb. Dazu kam noch, daß er, der Fernando niemals angeklagt hatte, jetzt, da sein Sohn gerettet war, noch viel weniger an die Rache denken durfte. Der Capatoz seinerseits erwartete täglich das Losungswort, welches für die Stunde der Ausführung festgesetzt war, und war fest entschlossen, das Verbrechen zu hindern. Im Geheimen hoffte er nämlich immer noch auf eine Wendung der Verhältnisse, die den Mord unnötig machte. Aber eines Abends als der Capatoz wie gewöhnlich in der „roten Herberge" vor dem französischen Tore saß, nahm ein Mann ihm gegenüber Platz. Mateo betrachtete den Neuangekommenen, den er nicht kannte. „Es ist Zeit," sagte dieser kalt und trocken. Wie man sich erinnern wird, war dies das ausgemachte Losungswort. DerCapatoz bebte, einen Augenblick glaubte er falsch gehört zu haben; deswegen blieb er, ohne zu antworten, unbeweglich sitzen. „Es ist Zeit," wiederholte der Unbekannte in demselben Tone, indem er dabei den Gardunja-Hauptmann scharf fixierte. „Es ist gut," antwortete jener, der jetzt keinen Zweifel mehr über die Absichten des Unbekannten hegte, „es ist gut." Der Unbekannte verbeugte sich leicht, leerte langsam das vor ihm stehende Glas und schien sich um Mateo nicht mehr zu kümmern. Dieser erhob sich, warf einen schnellen Blick auf die Anwesenden und machte ein für den Uneingeweihten unmerkliches Zeichen. Einige Trinker, die in einer Ecke des Saales zusammen saßen, hatten wohl darauf geachtet. Dann entfernte sich der Hauptmann schnell. Eine Viertelstunde später trafen die vier Personen, denen der stumme Ruf des Capatoz gegolten hatte, ihren Vorgesetzten in einer gewissen Entfernung von der Herberge, an dem gewöhnlichen Versammlungsplatze. Diese noch ganz jungen Leute nannte man die Gardunja Floreadores, d. h. Strauchräuber. Sie waren gewandte Spitzbuben, die aus den Bagnos von Sevilla, Malaga und Mellila entkommen waren. Sie trugen auch den Namen i „Geseueo", weil sie erst das Noviziat als „Chivatos" durchgemacht hatten. Sie mußten dann noch zwei Jahre der Gesellschaft „treu und redlich" dienen, ehe sie zum Range eines „Guapo" oder wirklichen Mitgliedes der Gardunja emporstiegen. Kein öffentliches und heimliches Unternehmen war so gefahrvoll, daß ein Floreador es auf Befehl des Capatoz nicht versucht hätte, um seinen Schutz zu erhalten und schneller den Rang eines Guapo zu erhalten. Diese Leute standen dem 1 Provinzialliauptmann jederzeit unbedingt zur Disposition, und Mateo hatte auf ihre Ergebenheit gerechnet, um das Rettungswerk, welches ihm die Dankbarkeit gegen Diego einflößte, vollbringen zu können. Er setzte ihnen also auseinander, daß er ihrer zu einer geheimen Expedition bedürfe, die ihnen außer seiner besonderen Gunst eine bedeutende Belohnung einbringen würde, unter dev Bedingung, daß sie das tiefste Stillschweigen über die Sache inne hielten. Das war für die Floreadores ein doppelter Gewinn, da sie nicht, wie die anderen Guapos, ein Anrecht an die Einnahmen der Gesellschaft hatten und nur von zufälligem Nebenverdienste leben mußten. Ebendeshalb verfehlten sie auch keinen Abend, sich in der „roten Herberge" einzufinden, um beständig der Befehle Mateos gewärtig zu sein. Der Capatoz gab ihnen nun genaue Instruktionen über j alles und schickte sie fort, nachdem er für den folgenden Tag Ort und Stunde zu einer neuen Zusammenkunft festgesetzt hatte. ' (Fortsetzung folgt.> Sprechlnal. Geehrter Herr Doktor! (^^er neue italienische Unterrichtsminister ist nicht mein Vater Vittore Nava, sondern der Deputierte Luigi Nava, Professor au der Universität in Bologna, ehemaliger Ackerbauminister. Wenn deutsche Blätter erzählen, daß mein Vater Minister geworden, bezeugt dies nicht nur, das; sie schlecht unterrichtet finb, sondern auch, daß die betreffenden Journalisten die italienischen Verhältnisse schlecht kennen. Erstens wäre es kein Wunder, wenn ein Jude hier Minister geworden wäre. Das ist in Italien schon öfters geschehen, und vor kurzer Zeit war der Kriegsminister ein Jude. Wenn zweitens die Bewunderung dadurch entsteht, daß in diesem Falle ein Jude Kultusminister wäre, so muß man bemerken, daß das Ministerium, wo Professor Rava Minister und mein Vater Beamter, das Unterrichtsministerium (Wrustero della pubbika istruzione) ist, das bei uns mit dem Kultus nichts zu tun hat. Die

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