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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-11-02 · Heft 44 (2.11.1906) · p. Seite 526

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 44 (2.11.1906)
Date
1906-11-02
Page
Seite 526 (sequence 10)
Language
German
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526 Lin Mimiklsnger und rin Lsbbiner uns dem XIN. yshrhundrrt über dir Behandlung drr jfrau. Von Professor Tr Adolf Biach, Rabbiner in Brüx. s erben sich Haß und Vorurteil wie eine ew'ge Krankheit fort, könnte man mit einer Variation des bekannten Goetheschen Wortes ausrufen. Es braucht wohl nicht erst liervorgehoben zu werden, wie man sich immer aufs neue bemüht, darzulegen, die Frau habe bei den Juden stets nur eine inferiore Stellung eingenommen. Mehr als ausführliche Entgegnungen sprechen folgende Urteile über die Behandlung der Frau, die Reinmar von Zweier, der „ernste männliche Spruchdichter" und Minnesänger aus dem 13. Jahrhundert und der berühmte Rabbiner Rabbi Mei'r aus Rothenburg a. d. Tauber ausgesprochen haben. Reinmar von Zweier bemerkt: „Ist das Weib eigensinnig und boshaft, zieh' deine Freundlichkeit aus und greif' nach einem großen Knittel, den miß ihr auf dein Rücken, je mehr, desto besser, mit aller Kraft, daß sie dich als Meister erkenne und ihrer Bosheit vergesse." (Angeführt bei K. Weinhold: „Die deutschen Frauen in dem Mittelalter". 2. Auflage, 2. Bd., Wien 1882, S. 4.) Rabbi Mei'r aus Rothenburg dagegen bemerkt in einem seiner Responsen: „Ich habe eine Ueberlieferung, daß der Ehemann, der seine Frau schlägt, strenger zu bestrafen sei als der, welcher seinen Nächsten schlägt. Denn die Frau hat er ja mehr zu ehren als jeden anderen Menschen. Bei Nichtjuden trifft man oft eine solche schlechte Behandlung der Frau. Ein Jude sollte dies, Gott bewahre, nicht tun. Wer aber so gefühllos ist, den sollte man in den Bann tun und züchtigen; die Hand sollte man ihm abhauen, wenn er von einer solchen ehrlosen Behandlung der Frau nicht abläßt." (Berliner, Aus dem Leben der deutschen Juden im Mittelalter. Berlin 1900.) Ob auf diese Gegenüberstellung schon von anderer Seite hingewi'esen wurde, ist mir nicht bekannt; mir trat dieser gewaltige Kontrast vor Augen, als ich zufälliger Weise die Werke Berliners und Weinholds hintereinander las. Man läßt sich zwar sehr gerne durch die Worte „Frauendienst", „Minnedienst" irre führen und glaubt darin einen Beweis für die Hochschätzung der Frau im Mittelalter zu finden. Mit Recht aber hebt Johannes Scherr in seiner „Deutschen Kultur- und Sittengeschichte" hervor, daß die strengsittlichen häuslichen und ehelichen Zustände germanischer Vorzeit, wie wir sie aus dem Tacitus kennen, in der Blütezeit der ritterlichromantischen Gesellschaft nicht mehr bestanden. „Es war an ihre Stelle Konvenienz und sogar Frivolität getreten." (Deutsche Kultur- und Sittengeschichte, 11. Auflage, Leipzig 1902, S. 114.) Und in seiner „Geschichte der deutschen Frauenwelt" (Leipzig 1865) bemerkt ebenderselbe Schriftsteller: „Der Frauendienst war mehr oder weniger überall, vorab in Frankreich, „die Untergrabung des Grundpfeilers der Gesellschaft, der Ehe. Der Unterschied, welchen die Courtoisie zwischen Herrin, d. i. Geliebte, und Ehefrau statuierte, war ein tiefunsittlicher. Die Geliebte war das Ideal des Mannes, die Frau dagegen, gleichviel ob Gattin, Schwester oder Tochter, durchweg nur das gehorsame, dienende, oft genug vernachlässigte und mißhandelte Weib. Im galanten Frankreich gab es eine gesetzliche Bestimmung, welcher zufolge ein Mann seine Frau ungestraft schlagen und verwunden durfte, falls er ihr nur kein Glied zerbrach und keine lebensgefährliche Wunde beibrachte" (a. a. O. S. 182). Selbst aus dem herrlichen Nibelungenliede geht hervor, daß die Frauen geschlagen wurden, denn Kriemhild bemerkt an einer Stelle: „Auch hat er so zerbläuet zur Strafe meinen Leib." Ein weiterer Kommentar zu diesen Urteilen, die mehr als ganze Bände sprechen, ist wohl überflüssig. Aus trüber Ertt Eine historische Erzählung. X. neben den Personen, die mehr oder weniger an Monzos Schicksal, dessen Leben noch immer in Gefahr schwebte, beteiligt waren, verfolgte. auch ein anderer mit größter Aufmerksamkeit die Krankheitsphasen des jungen Grafen von Ramira. Dieser Mann war der Gardunja - Capatoz Mateo. Mateo war in die Verhältnisse zu sehr eingeweiht, als daß er nicht den Zusammenhang zwischen dem Duell in der Herberge zur „la Buen Ventura" und der Unterredung, die er neulich mit Alonzo bei den Ruinen gehabt hatte, hätte ahnen sollen, und er war gewissermaßen darüber erfreut, daß dieses neue Ereignis die ganze Sachlage mit einem Schlage ändern mußte. Zum erstenmal während seiner Amtstätigkeit widerstrebte es hier dem Capatoz, einen ihm aufgetragenen Mord ausführen zu lassen, zum erstenmal dachte er daran, ein Leben zu retten, für welches ihm der Kaufpreis bereits ausgezahlt war. Mehrere Gründe ließen ihn diesen für einen Gardunja- Hauptmann gewiß höchst befremdenden Entschluß fassen. Vor allem fühlte er sich durch den befehlenden Ton, in dem man ihm den Mord aufgegeben hatte, und durch die Drohung mit der Appellation beim Hermana mayor in seiner „Spitzbubenehre" ungemein gekränkt. Für Mateo war diese Beleidigung die härteste, die man ihm überhaupt antun konnte, da sich jeder Capatoz für den unbeschränkten Beherrscher seiner Provinz hielt und sich nur insofern vom Oberhaupt des ganzen Bundes abhängig fühlte, als er verpflichtet war, diesem einen verhältnismäßig größeren Anteil von jedem Geschäftsgewinn zukommen zu lassen. Dazu kam noch die Berechnung der Verluste, die ihm Diegos Tod unfehlbar bringen würde; der letztere zahlte in der Tat regelmäßige Abgaben an die Gardunja, um, wie er sagte, das Leben seiner Freunde zu sichern, aber in Wirklichkeit, um der Geheimhaltung seiner Geschäfte sicher zu sein. Ein dritter und mächtiger Beweggrund befestigte den Capatoz in seinem Entschluß, nämlich die Erkenntlichkeit, die er Diego für die Wohltaten und den Schutz schuldete, den der würdige Mann einst seiner Frau und seinem Kinde hatte angedeihen lassen. Dieses Gefühl hatte in der Brust des Räubers mit einer Zähigkeit Wurzel geschlagen, deren nur solche verwilderte Charaktere fähig sind, wenn einmal ein guter Gedanke ihre unbezähmbaren Leidenschaften zu besiegen wrmocht hat. Der Capatoz war also entschlossen, Diego der Rache des Grafen zu entziehen; das Unternehmen war für ihn schwierig; er riskierte dabei eine einträgliche Stellung und vielleicht auch sein Leben, denn der Hermana mayor und die gewöhnlichen Räuber selber straften ohne Erbarmen die geringste

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