Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-10-26 · Heft 43 (26.10.1906) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 43 (26.10.1906)
Date
1906-10-26
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3228690-3228734--63022-3290219
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

ifjauten Frage zu beschäftigen haben. Es handelt sich um die Entsendung eines offiziellen Vertreters der israelitischen Konfession ins Magnatenhaus. Bei Durchführung der Reform des Magnatenhauses im Jahre 1885 konnte bekanntlich ein offizieller kirchlicher Vertreter des Judentums in die^Pairskannrier nicht delegiert werden, weil die Rezeption der israelitischen Konfession noch nicht durchgeführt war. Allein durch die Schaffung des G.-A. Xb.II 1895 erfolgte die Rezeption der Juden, ohne daß die Gleichberechtigung dieser Konfession auch durch ihre offizielle Vertretung im Magnatenhause zum Ausdruck gebracht worden wäre. Run wird diese Frage im Parlament aufs Tapet gelangen. Der Präsident Julius Justh unterbreitete nämlich eine diesbezügliche Petition des Tolnaer Munizipiums, und schon in den nächsten Tagen wird der Petitionsausfchuß die Frage der Entsendung eines offiziellen Vertreters der israelitischen Konfession ins Magnatenhaus erörtern, um diesbezüglich dem Abgeordnetenhause einen konkreten Antrag zu unterbreiten. Es ist zweifellos, daß sich bei Verhandlung der Petition über diesen Gegenstand im Hause eine interessante Debatte entwickeln wird, doch wäre es natürlich verfrüht, über das Schicksal der Petition schon jetzt ein Prognostikon zu stellen. — Eine Abordnung der galizischen Juden, bestehend aus dem Präsidenten der Kultusgemeinde in Lemberg Dr. Schaff, dem Präsidenten der Lemberger Handelskammer Dr. Edlen v. Horowitz, dem Präsidenten der Krakauer Kultusgemeinde Dr. Tilles und dem Landtagsabgeordneten Doktor Löwenstein, konferierte mit der parlamentarischen Kommission des Polenklubs und den polnischen Mitgliedern des Wahlreformausschusses in Angelegenheit der Wahlkreiseinteilung Galiziens. Die Abordnung führte darüber Beschwerde, daß von den ursprünglich den Juden zugesicherten sieben Mandaten nur fünf wirklich gesichert erscheinen. Die Abordnung verlangteeine Aenderung der Wahlkreiseinteilung in der Weise, daß acht Mandate den Juden Galiziens gesichert erscheinen. In der Konferenz der Abordnung^der galizischen'Juden mit der parlamentarischen Kommission des Polenklubs erklärten die Mitglieder der letzteren, daß nach der bisherigen Wahlkreiseinteilung. Galiziens der jüdischen Bevölkerung Galiziens sieben Mandate gesichert erscheinen. Die parlamentarische Kommission des Polenklubs erklärte sich trotzdem bereit, auf Grund neuer Berechnungen weiteren Wünschen der jüdischen Bevölkerung Galiziens entgegenzukommen. Na, na! — Die Präsidentenwahl in der jüdischen Gemeinde Budapest ist beendet. Hofrat Dr. Philipp Weinmann wurde mit Akklamation gewählt. Ferner Josef v. Hatvany- Deutsch und Dr. Wilhelm Grauer, und in den Ausschuß Ludwig Baumgarten, Ministerialrat Dr. Ludwig Ballai, Dr. Emanuel Rozsavölgyi und Julius Winterberg. — Wie man aus Rosenberg in Ungarn meldet, ist dort der Präsident der israelitischen Knltusgemeinde, Jakob Klein, einstimmig zum Stadlrichter (Bürgermeister) gewählt worden. Vun Kah und jfern. --- Der Privatdozent der Berliner Universität Dr. Josef Horovitz hat einen Ruf als Professor des Arabischen an die mohammedanische Universität Aligarh (Indien) zunächst auf zwei Jahre angenommen. — Der Fabrikbesitzer und Handelsrichter C. L. Netter, Mitinhaber der Firma Wolf Netter LJacobi, ist zum Ehrenbürger seiner Vaterstadt Bühl in Baden ernannt worden. — Der Kaufmann Salom ott Haberland, Begründer der Berlinischen Bodengesellschaft, würde zum Kommerzienrat ernannt. — Am 21. d. M. feierte das Ehepaar Wolfs Lißner und Henriette geb. Lewin hier das Fest der goldenen Hochzeit. Der Jubelbräutigam steht im 77., die Jubelbraut im 72. Lebensjahre. — In Schöneberg wohnen nach der letzten Volkszählung unter 141 010 Einwohnern 6929 Juden. Zum Leiter des Statistischen Amts der Stadt Schöneberg hat der Magistrat Dr. R. Kuczynski gewählt. Der Gewählte steht im Alter von .'10 Jahren und hatte zuletzt die Leitung des Statistischen Amtes der Stadt Elberfeld inne. — Im Vierteljahre Juli-September 1906 sind im Regierungsbezirk Breslau folgende Zuwendungen an juristische Personen landesherrlich genehmigt worden: des verstorbenen Rentners Martin Litt au er aus Berlin an die Stadtgemeinde Breslau mit 200 000 Mark, des verstorbenen Konsuls N eander Alexander aus Wilmersdorf bei Berlin an die Freimaurerloge Horus in Breslau, Tochterloge der Großen Loge von Preußeu, genannt Royal-Aork zur Freundschaft in Berlin, mit 13 000 Mark. — Der außerordentliche Professor der Mathematik in Breslau, Dr. Georg Landsbergerhielt einen Ruf an die Universität Kiel. — Sein 50jähriges Doktorjubiläum beging kürzlich der Rabbiner Dr. Baeckin Lissa Die philosophische Fakultät der Universität Leipzig sandte ihm aus diesem Anlasse ein herzliches Gratulationsschreiben. -7- Zum Ehrenbürger ernannte die Stadtverordnetenversammlung in Solingen den langjährigen ersten Beigeordneten Stadtverordneten Geheimen Kommerzienrat Gustav Coppel. — Am 11. d. M. waren fünfzig Jahre seit dem Bestehen der Synagoge in Rieder-Marsberg verflossen. Aus diesem Anlaß fand seitens der Gemeinde eine Jubiläumsfeierlichkeit statt, die einen erhebenden Verlauf nahm. — In Bonn ist ein alter Veteran von 1866 und 1870/71, Herr R. Schmitz, gestorben, der die Feldzüge von 1866 und 1870/71 mitgemacht harte und wegen seiner militärischen Tüchtigkeit zum Unteroffizier befördert worden war. Als Mensch und als Jude war er gleich hoch geschätzt. An der Bestattung nahmen Kriegervereine, Metzgerinnung und andere Korporationen mit trauerumflorten Fahnen teil. — Nach 430 Jahren wurde in den letzten Feiertagen wieder ein jüdischer Gottesdienst in Passau abgehalten. — In Mannheim ist im Alter von 52 Jahren der Journalist Isidor Katz gestorben. In der Aera Bismarcks wurde er wegen Beleidigung in einer politischen Zeitungspolemik bestraft und aus Berlin - Charlottenburg ausgewiesen. Er schrieb u. a. .Das Drama von Meyerling", das er anläßlich des Todes des Kronprinzen von Oesterreich unter dem Pseudonym Egon v. Wallenstein veröffentlichte, das seinerzeit bedeutendes Aufsehen erregte. — In Laupheim ist Herr David Hofheimer, langjähriges Mitglied des Kirchenvorstandes, im Alter von 62 Jahren gestorben. Er hatte eine umfangreiche gemeinnützige Tätigkeit entfaltet. Stadt und Gemeinde beklagen den Heimgang des vortrefflichen Mannes. — Infolge der gegenwärtig in Lodz grassierenden Scharlach-Epidemie sind die in der Stadt bestehenden zehn städtischen israelitischen Elementarschulen auf Veranlassung des Arztes dieser Schulen, Dr. Krukowski, geschlossen worden. — In Bialhstock wurde eine neue Gesellschaft E§ra8 Nidochim gebildet, die es sich zur Aufgabe stellt, Juden, die auswandern, mit Rat und Geld zu unterstützen. — Nach den letzten Feststellungen betrug die Mitgliederzahl der jüdischen Vereinigung „Bund" 83 890, davon 25 000 in Polen. — Vor einigen Wochen hat sich auf der Vorstadt Praga bei Warschau ein „Verband wahrer Juden" gebildet, der sich die Bekämpfung der Revolution mit Polizeimitteln zur Aufgabe gestellt hat. Dieser Ver. band hat bereits während der letzten jüdischen Feiertage seine Tätigkeit begonnen. Zu gleicher Zeit hat sich auch ein ähnlicher aus „intelligenten Christen" bestehender Verband gebildet, dessen Gründer und Führer bereits eine gut bezahlte Stellung im polizeilichen Gesundheitsamte mit dem Rechte, Zivilkleidung zu tragen, erhalten hat. — Bei einer Beratung im russischen Wegebauministerium sprach sich die Majorität gegen die Diensteinstellung von Juden aus, selbst wenn sie zum christlichen Glauben übergetreten seien. — Das Komitee der neuen Partei „Friedliche Erneuerung" in Odessa ersuchte den Grasen Heiden telegraphisch, beim Ministerpräsidenten Stolypin wirksame Maßregeln gegen die hiesigen Schwarze Hundert- Organisationen zu fordern. Stolypin versprach, den hiesigen Behörden Befehle in diesem Sinne zukommen zu lassen. — Dem „Journal" wird aus Algier gemeldet, daß in dem Orte Chellala mehrere jüdische und arabische Zauberer verhaftet worden, weil sie Kinderleichen ausgruben, um aus deren Knochen ein Zauberpulver zu bereiten Bis jetzt ist die Schändung von zwei Kinderleichen konstatiert worden. — Das Aktionskomitee der zionistischen Weltorganisation hat beschlossen, in Palästina eine große Waisenanstalt zu errichten, die für russische Judenkinder bestimmt sein soll, die in den letzten Pogromen ihrer Eltern beraubt worden sind. Die angestellten Erhebungen haben ergeben, daß sich noch eine beträchtliche Anzahl solcher Waisen in Rußland findet, deren Angehörige nicht mehr in der Lage sind, die Erziehung der Kinder zu übernehmen. Das Aktionskomitee hat die Vorarbeiten zur Ausführung seines Planes bereits begonnen und hat auch die anderen großen jüdischen Korporationen eingeladen, sich an dem Werke zu beteiligen. — Der Generalanwalt I. A. Jsaacs in Melbourne ist zum Richter am höchsten Gerichtshof für Australien ernannt worden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.