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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-10-19 · Heft 42 (19.10.1906) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 42 (19.10.1906)
Date
1906-10-19
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Berlin, 19. Oktober 1906. 70. Jahrgang. no « Mx Gemeindevote. ÜSrllage zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums. korrklpondrn-m und Kachrichtm. Deutschland. 8. Ätzrlin, 15. Oktober. Der Verein für jüdische Geschichte und Literatur hat ein sehr reichhaltiges Winterprogramm aufgestellt. Die Vorträge finden, da der bisherige Saal wegen des großen Andrangs von Besuchern nicht mehr ausreichte, künftig im Oberlichtsaale der Philharmonie, Bernburgerstraße 22/23, statt. Das Programm der Vorträge ist folgendes: Dienstag. 23. Oktober 1906: Professor Dr. Max Schmid-Aachen über „Josef Israels und Max Liebermann" (mit Lichtbildern); Donnerstag, 8. November 1906: Professor Dr. Ludwig Stein-Bern über „Der Monotheismus in erkenntnistheoretischer Beleuchtung"; Donnerstag, den 29. November 1906: Rabbiner Dr. F. Rosenthal-Breslau über „Der talmudische Faust"; Donnerstag, 6. Dezember 1906: Professor Dr. Martin Philippson über „Reiseerinnerungen aus dem Orient"; Donnerstag, 10. Januar 1907: Professor Dr. Wilhelm Bacher-Budapest über „Ein jüdisch persischer Dichter des 14. Jahrhunderts"; Donnerstag, 24. Januar 1907: Professor Dr. Hugo Winkler über „Die Ausgrabungen im Orient"; Donnerstag, 5. Februar 1907: Archivrat Professor Dr. Warschauer-Posen über „Die mittelalterliche Auswanderung der deutschen Juden nach dem Osten"; Donnerstag, 7. März 1907: Rabbiner Dr. K. Werner-München über „An den Wendepunkten jüdischer Geschichte"; Donnerstag, 21. März 1907:' Dozent Dr. Hirsch Hildesheimer über „Der Tierschutz im Judentum". Auch die populärwissenschaftlichen Unterhaltungsabende finden im Oberlichtsaale der Philharmonie statt und zwar wird Frau Marie Pospischil-Hamburg das Drama „Jakob" von Ludwig Klausner-Dawoc rezitieren; Dr. Ludwig Fulda und Frl. Josefa Metz werden aus eigenen Dichtungen lesen und zum Schluß wird Frau Irene Triesch ihre Rezitation biblischer Gedichte vorführen. — Beginn pünktlich 8V2 Uhr abends. — Die Fortbildungskurse des Vereins finden in der Jüdischen Lesehalle, Oranieuburgerstraße 28, statt, und zwar werden unterrichten an jedem Montag: Dozent Dr. Wohlgemuth Hebräisch in zwei Kursen, an jedem Mittwoch: Prediger Dr. Bleichrode Geschichte der Juden in Spanien. ■A. Berlin, 14. Oktober. Der Kaiser genehmigte die Zuwendung des verstorbenen Rentiers Albert Siegfried Cohn an die Stadt Berlin im Betrage von 613 710 Mark zur Unterstützung und Erweiterung vorhandener und zur Errichtung neuer Volksbibliotheken. Derselbe Stifter hat auch dem Unterstützungsverein deutscher Buchhändler 15 000 Mark und der Reuterstistung (Asyl für Kaufleute) 10 000 Mark zugewandt. Genehmigt wurde ferner die Zuwendung der verstorbenen Witwe Joh. Simon geb. Salinger (Kapital eine Million Mark, zur Errichtung eines interkonfessionellen Waisenhauses für Mädchen im Alter von 12 bis 18 Jahren. 6r. Berlin, 15. Oktober. Am 31. d. M. beginnt Dr. Eugen Israel in seinem Ambulatorium, Thurmstr. 62, für Damen einen Kursus der praktischen Krankenpflege mit Demonstrationen und Uebungen. —- Die Wärterin nimmt Anmeldungen bis zum 29. Oktober entgegen und erteilt nähere Auskunft. Für Mitglieder jüdischer Wohltätigkeitsvereine wird das Honorar auf 6 Mark ermäßigt. — Zempelbttrg, 1. Oktober. Am Versöhnungstage trug sich in der hiesigen Synagoge ein seltener Vorfall zu. Die Polizei mußte gegen den Kaufmann L. einschreiten, weil er sich der Anordnung des Shnagogenvorstandes nicht fügte. Er benutzte beharrlich einen Sitz in den ersten Bankreihen, weigerte sich aber, den dafür festgesetzten Betrag zu bezahlen. Der Synagogenvorstand wies ihm einen anderen Platz an, der billiger ist, aber er leistete keine Folge. Nun bat der Synagogenvorstand die Polizei um Hilfe. Nachdem diese den Kaufmann gewarnt hatte, erschien am Freitag abend kurz nach Beginn des Gottesdienstes ein Polizist in der Synagoge und brachte den Widerspenstigen auf den ihm angewiesenen Sitzplatz. Das ist ein unerhörter Vorfall. sd. Stolp, 2. Oktober. Das neue Raphael Wolff-.Stift wurde heute mittag in feierlicher Weise seiner Bestimmung übergeben.' Durch letztwillige Verfügung stiftete der verstorbene Kaufmann N. Wolff ein Kapital von 100 000 Mark zur Erbauung eines Hospitals zur Aufnahme alter, arbeitsunfähiger Leute beiderlei Geschlechts, jedoch sollte die Hälfte der Wohnungen für Insassen jüdischen Glaubens reserviert bleiben. — Das neu erbaute Stift macht einen würdigen Eindruck; sein Erbauer ist der Architekt Nöser hier. r. Pasewalk, im Oktober. Das Kindesalter ermangelt des religiösen Bedürfnisses, da das Kind harmlos unter dem Schutz seiner sorgenden Umgebung dahinlebt; da aber nur das, was in das Herz der Jugend gepflanzt wird, zu einer Macht des Gemütes sich heranbilden kann, darf die Religion und der Religionsunterricht dem Kindesalter nicht vorenthalten bleiben. Die Befestigung des religiösen Bedürfnisses und tiefere Einsicht in das Wesen der Religion und Konfession kann mit dem Abschluß des schulpflichtigen Alters noch nicht erreicht sein, und so ist es eine selbstverständliche Forderung, die jeder Gebildete an diehöheren Schulen stellt, daß derReligionsunterricht auch über die Zeit der Konfirmation hinaus als verbindliche Schuleinrichtung bis in die obersten Klassen durchgeführt wird. Eine Lücke findet sich hier nur für die jüdischen Schüler. Die wenigsten höheren Schulen kennen den Religionsunterricht für diese Schüler als eine Einrichtung der Schule, sie überlassen ihn der jüdischen Gemeinde und ignorieren diesen wichtigen Unterrichts- und Erziehungsgegenstand gänzlich. Die Kultus gemeinde wiederum sorgt gewöhnlich nur bis zur Konfirmation für den religiösen Unterricht ihrer Heranwachsenden Jugend, und so geht den jüdischen Schülern höherer Schulen die Gelegenheit, tiefere religiöse Einsicht auf der Schule zu gewinnen, gemeinhin verloren. Einen Wandel hierin erstrebt der Rabbiner der hiesigen Gemeinde, Herr Dr. Finkel, schon seit längerer Zeit und hat bei dem Direktor des Progymnasiums, Herrn Dr. Varges, Bereitwilligkeit zum Eingehen' auf diesen Plan gefunden. Auch die Kultusgemeinde selbst, welche sich zurzeit noch zurückhaltend verhält, wird gewiß den uneigennützigen Bemühungen . ihre Mitwirkung nicht versagen können, wenn sie auch die Initiative nicht ergriffen hat. welche eigentlich bei der Begründung des Progymnastums vor sieben Jahren schon hätte einsetzen müssen. Herr Dr. Finkel beabsichtigt, auch den konfirmierten Schülern des Progymnasiums regelmäßig fortlaufenden Religionsunterricht zu erteilen, und die Schulleitung ist geneigt, den jüdischen Religionsunterricht dem Gesamtunterricht insoweit anzngliedern, daß die für die Leistungen erteilten Zensuren den vierteljährlichen Schulzensuren zugefügt werden und bei der Feststellung der Gesamtprädikate zu entsprechender Mitbewerbung gelangen sollen. Diese Einrichtung würde der Gerechtigkeit gegenüber dem jüdischen Religionsunterricht entsprechen und auch äußerlich von günstiger Wirkung sein. Herr Dr. Finkel hofft, daß die maßgebenden hohen Behörden solcher organischen Angliederung des jüdischen Religionsunterrichts wohlwollend gegenüber stehen werden und vielleicht so der Anstoß zu einer Besserung der betreffenden Unterrichtsverhältnisse für die ganze Provinz Pommern gegeben wird. ff. Posen, 8. Oktober. Seit einer Reihe von Jahren hat auch hier die Sitte Verbreitung gefunden, daß bei Todesfällen Verwandte und Freunde ihre Teilnahme durch Kranzspenden zum Ausdruck bringen. Der aufmerksame Beobachter kann sich jedoch der Tatsache nicht verschließen, daß in neuerer Zeit gerade in den angesehensten Kreisen aller Glaubensbekenntnisse sich vielfach Widerspruch gegen diese Art der Teilnahmebezeugung geltend ruacht. Es wird darauf hingewiesen, daß die Ausgaben für Kranzspenden von Jahr zu Jahr wachsen, während es andererseits schwieriger sein wird, die erforderlichen Mittel für Kranken- und Armenpflege aufzubringen. Der Ge-

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