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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-10-19 · Heft 42 (19.10.1906) · p. Seite 497

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 42 (19.10.1906)
Date
1906-10-19
Page
Seite 497 (sequence 5)
Language
German
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497 MWWDWWWWWWMWWWWW sprachst Du von Deiner Liebe zu Deinen Brüdern, aber zu gleicher Zeit auch von Deiner Liebe zur schwedischen Kultur, die Du verehrtest und die eins mit Deinem Wesen geworden ist." Stimmungsvoller Gesang der Studenten leitete die Feier ein und schloß sie ab und ließ die Trauer sich in Wehmut auflösen. Wunderbare Kränze und Sträuße bedeckten bald den Grabhügel. Es war, wie gesagt, eine selten ergreifende, erhebende Feier, und wir Juden in unseren Solidaritätsgefühlen können uns freuen, einen solch edlen Menschen zu den Unsrigen rechnen zu dürfen, mag auch die Trauer um den Verlust um so tiefer sein. Erwähnen will ich noch, daß Levertin in seine Gedichte auch einen Zyklus „jüdischer Gesänge" ausgenommen hat und daß unter den auch ins Deutsche übersetzten „Rokokonovellen" eine reizende kleine Erzählung jüdischen Inhalts voll des innigsten Gefühls für alte Gebräuche sich befindet. T. K. Heinrich Laube und die Inden. Von Dr. H. H. Houben. as „Junge Deutschland" ist bereits so alt geworden, daß die Hundertjahrfeiern seiner Mitglieder einsetzen. Vo^ einigen Jahren konnte schon aus diesem Anlaß an Ludol^ Wienbarg erinnert werden; jetzt ist der Zweitälteste dieser Schriftstellergruppe Heinrich Laube, der spätere langjährige und so erfolgreiche Burgtheaterdirektor in Wien, dessen bei Gelegenheit seines hundertsten Geburtstages allerorten gedacht wurde. Und auch an dieser Stelle, muß seiner gedacht werden, denn wie das ganze Junge Deutschland, von sozialem Geiste erfüllt und dem Lessingschen Humanitätsideal folgend, mit einer gewissen in der Zeit liegenden Vorliebe sich des Judenproblems .annahm. so hat auch Laube zu denen gehört, die sich nicht schrecken ließen durch den Wolfgang Menzelschen Unkenruf „Das junge Palästina", womit die ganze damalige Schriftstellergeneration in Mißgunst gebracht werden sollte, sondern sich mit Bewußtsein trennten von. den Vorurteilen der Masse und es nie versäumten, mit Wort und Schrift für ihre Meinung einzustehen. Schon bei seinem ersten Auftreten in der Literatur nahm Laube Gelegenheit, sich einmal über diese Frage zu äußern, und zwar in einem Theaterartikel, der für ihn von besonderer Bedeutung werden sollte. Er war im Sommer 1832 nach Leipzig gekommen, ursprünglich mit der Absicht, nach Paris zu reisen, wohin ihm aber zuletzt das Reisegeld fehlte. So setzte er sich in Leipzig fest und schrieb seine ersten Bücher, eine Geschichte Polens und eine Sammlung politischer Briefe, die unter dem gemeinsamen Titel „Das neue Jahrhundert" bald darauf erschienen. Alter Gewohnheit folgend — denn er war schon als Breslauer Student Theaterkritiker gewesen — besuchte er auch das Leipziger Schauspielhaus, und eines Tages drängte es ihn, über das dortige Theaterwesen sehr kritische Aufsätze zu schreiben, die sein Verleger Reclam zum „Leipziger Tageblatt" brachte, wo sie auch erschienen und so viel Aufsehen machten, daß der Verleger Leopold Voß dem kecken Unbekannten die Redaktion der alten „Zeitung für die elegante Welt" antrug, die Laube auch mit Dezember 1832 übernahm. Als er in diesen Aufsätzen das Repertoir der Leipziger Bühne Revue passieren ließ, kam er auch auf ein Stück „Ben David" zu sprechen, das der Schauspieler Neustadt aus dem Spindlerschen Roman „Der Jude" zurechtgezimmert hatte. Es ist bezeichnend für Laube, daß er die Aufführung dieses Stückes billigte, obgleich es auf keinen literarischen Wert Anspruch machen konnte, und er tat dies, wie er offen gestand, lediglich der Tendenz des Stückes wegen; es sei ein Spiegel des unchristlichen Treibens der Christen gegen die Juden seit 1800 Jahren, das die Simonisten trefflich bezeichnet hätten mit dem Ausspruch: „Die Juden kreuzigten Christum, die Christen kreuzigen dafür 1800 Jahre die Menschheit in einem Volke, den Juden." Darum, so schloß er den ersten dieser Theaterartikel, „empfehle ich Stücke wie Ben David aufs dringendste, obwohl ich kein Jude, sondern nur ein schlechter Christ bin". Auf diese Stellungnahme Laubes haben natürlich die Eindrücke gewirkt, die er in seiner Jugend von der jüdischen Bevölkerung seiner Heimat erhalten hat. Laube ist aus Schlesien gebürtig, als Sohn eines armen Maurers in Sprottau, und hier kannte man noch nichts vom Judenhaß; es wohnten auch nur ganz vereinzelte Familien dort, wie wir dies auch in Laubes späterem Roman „Der Schatten-Wilhelm", der das ganze kleinstädtische Milieu seiger Vaterstadt in liebenswürdiger Weise widerspiegelt, geschildert wird. Als Laube mit vierzehn Jahren, nachdem er die heimatliche Stadtschule absolviert hatte, nach Glogau aufs Gymnasium übersiedelte, war er bei feiner völligen Mittellosigkeit gezwungen, sich durch Stundengeben und Freitische mühsam durchzuarbeiten, und dies führte ihn wahllos in die Häuser der Christen und Juden. „Montags," so erzählte er später in seinen Erinnerungen, „aß ich bei einem jüdischen Destillateur, dessen Sohn mein warmer Freund geworden, und ich kriegte immer zerkochtes, rotes Rindfleisch mit roten Rüben. Beides gar nicht nach meinem Geschmacke. Aber ich ging gern hin, ein Vorurteil gegen Juden habe ich nie gehabt, die Leute waren so gut, und in die Innigkeit einer jüdischen Familie wurde ich gleichsam ausgenommen. Die Armut hat ihre Vorzüge: sie wurde lehrreich für mich." Auf dem Gymnasium zu Glogau lernte Laube auch hebräisch, aber es muß nicht sonderlich gut mit diesem Unterricht bestellt gewesen sein, da er ihn nicht einmal in den Stand.setzte, die Schilder an den Häusern der jüdischen Kaufleute zu lesen, und als er sich eine Reihe von Jahren später in Breslau auf das theologische Examen vorbereiten wollte, begann er zunächst damit, seine hebräischen Kenntnisse zu vervollständigen. Schon morgens früh um 5 Uhr besuchte ihn zu diesem Zweck ein junger Israelit, mit dem er die Propheten des Alten Testaments las; aber er lernte nichts dabei, obgleich er einen Lehrer hatte, wie er ihn kaum besser wünschen konnte; denn jener junge Israelit war Julius Fürst, der später berühmte Orientalist. Drei Jahre lang hat Laube Theologie studiert, zunächst drei Semester in Halle und dann in Breslau, und der studentische Verkehr, den er hauptsächlich im Kreise der Burschenschaft suchte, wird ihm kaum Begegnungen mit israelitischen Kommilitonen verschafft haben. In Breslau machte dann Laube seine literarischen Lehrjahre durch, indem er in einen poetischen Studentenverein geriet, das Organ dieses Vereins, die Zeitschrift „Aurora", herausgab, Theaterkritiker an Schalls „Breslauer Zeitung" und an der „Schlesischen Zeitung" wurde und sogar auch als Dramatiker debütierte. Alles dies betrachtete er damals noch als eine amüsante Spielerei, und erst die Julirevolution brachte in ihm den Mann der Feder hervor. Politischer Schriftsteller wollte er werden, aber da er in richtiger Selbsterkenntnis sein Wissen hierzu noch für viel zu fragmentarisch ansah, zog er sich zwei Jahre in die Einsamkeit zurück, er wurde Hauslehrer auf schlesischen Gütern. Von dort kam er dann nach Leipzig, wo er in der geschilderten Weise debütierte, die „Elegante

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