Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 70 (1906)
- Issue
- Heft 41 (12.10.1906)
- Date
- 1906-10-12
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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70. Jahrgang. No. 41. Berlin, 12.‘Oktober 1906. Beilage zur. „Allgemeinen Rettung deK Judentums". Sorrelpondmren und Aachnchtrn. Deutschland. 8. Berlin, 8. Oktober. Der Verband für Statistik der Inden, diese Organisation, welche in ihren Anfängen mit mangelndem Verständnis für die gemeinnützige Bedeutung ihrer Arbeiten zu kämpfen hatte, hat in diesem Jahre eine sehr gedeihliche Entwicklung genommen. Dank den Veröffentlichungen des Bureaus für Statistik der Juden wurde die Tragweite und Unerlüßlichkeit jüdisch-statistischer Erhebungen fast von sämtlichen jüdischen Organisationen und hervorragenden Gemeinden anerkannt. Demzufolge wurden dem Verband für Statistik Jahressubventionen bewilligt und von manchen Organisationen Vertreter in das Kuratorium des Verbandes entsandt. Zu den Körperschaften, die schon in den früheren Jahren den Verband für Statistik durch Jahresbeiträge oder Ankauf einer größeren Anzahl von Publikationen subventionierten, Jewish Colonisation Association, Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Großloge und mehrere Einzellogen des tt. O. Bnei Brith, Deutsch-Israelitischen Gemeindebund, Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, jüdische Gemeinde von Berlin» Breslau und Posen, traten neuerdings hinzu: Deutsche Konferenzgemeinschaft der Alliance Israelin Universelle mit einem Jahresbeitrag von 200 Mark und einer, einmaligen Subvention von 1000 Mark; Hilfsverein deutscher Juden mit einem Jahresbeitrag von 500 Mark; mit Jahresbeiträgen von 200 Mark die jüdischen Gemeinden in Frankfurt, Hamburg, Wien; mit Jahresbeiträgen von 100 Mark: die jüdischen Gemeinden in Danzig, Stettin, Kassel, Köln; mit Jahresbeiträgen unter 100 Mark: die jüdischen Gemeinden in Hannover, Beuthen, Aachen, Wiesbaden, Mainz, Eleiwitz, Elberfeld, Kattowitz. Als Vertreter der Deutschen Konserenzgemeinschaft der Alliance Israelite Universelle ist Geheimer Kommerzienrat Goldberger in das Kuratorium des Verbandes eingetreten. Auch der Hilfsverein deutscher Juden wird durch ein Vorstandsmitglied im Kuratorium vertreten sein. Der Vorstand des Verbandes hat eine Kommission für wissenschaftliche Arbeiten gebildet, deren Vorsitz der bekannte Statistiker Dr. Julius Rothholz übernommen hat, daneben eine Konlmission für Propaganda, an deren Spitze Herr Richard Cassel steht. Ferner hat der Vorstand Herrn Dr. Bernhard Kahn, Sekretär des Hilfsvereins.deutscher Juden, als Mitglied kooptiert. s. Berlin, 10. Oktober. Die ebenerschienene Nummer 22/23 der Mitteilungen des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde wird sicher in allen Kreisen lebhaftem Interesse begegnen. In dem einleitenden Artikel beantwortet Rechtsanwalt Wilhelm Plonsker in sachlicher und eingehender Weise die Frage: Was ist in der jüdischen Gemeinde zu Berlin seit den letzten Jahren geleistet worden? dahin, daß die Gemeindeverwaltung überall und stets bemüht gewesen ist, ihren Verwaltungskörper und ihre Organisation auszubanen, daß beide Parteien, die liberale wie die konservative, zurzeit friedlich zum Wohle der Gemeinde wirken und daß die Verwaltung liberal ist, d. h. tolerant gegen alle Parteischattierungen, die sie in sich vereinigt. Das ist die sogenannte Herrschaft der Liberalen! Es folgt ein ausgezeichneter Aufsatz von Rabbiner Dr. H. Vogelstein-Stettin über den Zionismus, und den Abschluß bildet eine lesenswerte Betrachtung über „Das Leben der Großstadt und seine Gefahren für das Judentum." Wir empfehlen die Lektüre der Mitteilungen allen, die sich für unser Gemeindeleben interessieren, auf das wärmste. s. Berlin, 7. Oktober. Das neue große Krankenhaus, das die jüdische Gemeinde auf dem von der Stadt Berlin erworbenen Gelände an der Schul- und Exerzierstraße erbaut, wird im nächsten Frühjahr in Angriff genommen werden. Auf dem elf Morgen großen Terrain befindet sich jetzt die Laubenkolonie Nordkap, die 226 Lauben zählt. Diese müssen im Laufe des Winters den Platz räumen. Gegenüber der neuen Anstalt, die ihren Eingang auf der Nordseite der Exerzierstraße erhalten wird, besitzt die jüdische Gemeinde aus der Südseite schon drei Häuser, die der Altersversorgung dienen. Die Preisbewerbungen für den Neubau waren bis zum 1. Oktober d. I. einzureichen und wird demnächst die aus ersten Architekten und Sachverständigen zusammengesetzte Prüfungskommission zur Entscheidung über die vielen eingegangenen Entwürfe berufen werden. Die neue Anstalt wird zunächst mit 200 Betten ausgestattet und alle Einrichtungen besitzen, welche die moderne Wissenschaft fordert; auch wird aus freiwillig gesammelten Spenden voraussichtlich gleichzeitig eine größere Frauenabteilung und Entbindungsanstalt an das neue Krankenhaus angeschlossen werden. Die wohlhabenden Mitglieder der Gemeinde seien darauf aufmerksam gemacht, daß der Ausschuß für die 200-Jahrfeier der Krankenpflege in der jüdischen Gemeinde, welcher die Sammlung für die gynäkologische Abteilung und Entbindungsanstalt ins Werk gesetzt hat, bittet, ihm weitere Spenden und Bettstiftungen für den Zweck zugehen lassen zu wollen. ■/V Berlin, 8. Oktober. Am 15. d. M. abends 9 Uhr wird in ihrem alten Heim in der Kaiserstraße Nr. 10 die von den hiesigen Bnei-Vriß-Logen gegründete jüdische To ynbeehalle wieder eröffnet. Den Zweck und die segensreiche Wirksamkeit dieses Instituts dürfen wir bei den Lesern unseres Blattes als bekannt voraussetzen. Das Programm wird in derselben Weise wie in den Vorjahren durchgeführt werden. Die Tohnbeehalle wird während des Winterhalbjahres allabendlich, mit Ausnahme des Freitags, geöffnet sein. Die Verwaltung der Tohnbeehalle ladet besonders die Aermsten unter den Armen der hiesigen jüdischen Bevölkerung zu regem Besuche ein. 8. Berlin, 8. Oktober. Das Damen-Hilfskomitee für die notleidenden Juden in Palästina veranstaltet am 13. d. M. abends in den Sälen der „Gesellschaft der Freunde", Potsdamerstr. 9. ein Wohltätigkeits- (Simchath Thora-) Fest, dessen Ertrag für die jüdischen Volksküchen in Palästina bestimmt ist. Das Fest wird durch ein Konzert eingeleitet, für das im Dienst der guten Sache erste Künstler ihre Mitwirkung bereitwilligst zugesagt haben. Der billige Eintrittspreis von 2 Mark, inklusive Kaffee, ermöglicht auch größeren Familien den Besuch des Festes. 8. Berlin, 7. Oktober. Abermals ist unsere Gemeinde von einem Verlust betroffen worden. Am 4. d. ist hier der Rentier Louis Sieskind im 70. Lebensjahre verstorben. Der Heimgegangene, aus einer altangesehenen jüdischen Familie stammend, nahm seit jeher an allen Gemeindeangelegenheiten den wärmsten Anteil. Er gehörte seit Jahren dem Repräsentantenkollegium, ferner vielen Kommissionen und Wohltätigkeitsvereinen an, und seine Pflichttreue, sein Elfer und das lebhafte Interesse, das er allen jüdischen Angelegenheiten widmete, sichern ihm ein ehrenvolles Andenken in unserer Gemeinde. Lp. Aus der Provinz Posen, im Oktober. Zum Hauptlehrer der mehrklassigen jüdischen Volksschule in Beuthen ist Lehrer Schürmann aus Castrop in Westfalen ernannt worden. — Der aus Ostrowo stammende Kaufmann Silber in Berlin hat seiner Vatergemeinde 400 Mark mit der Bedingung übersandt, daß die Zinsen dieser Summe zur Schmückung seiner Elterngräber verwendet werden. — Kaufmann Moses Fabian in Schönlanke ist zum Vorsteher des dortigen Repräsentantenkollegiums gewählt worden. — Kaufmann Michaelis Levy in Moschni ist zum Vorstandsmitglied der evangelischen Schule daselbst gewählt worden. Die Schule wird auch von einigen jüdischen Kindern besucht. — Die Synagogen gemeinde in Schocken hat sich dem Rabbinat in Rogasen angeschlosseu. — Durch Zuwendung eines aus Neustadt bei Pinne stammenden Bankiers ist es der dortigen Synagogengemeinde möglich gewesen, das Gotteshaus vollständig zu renovieren. Das restaurierte Gebäude ist jetzt durch Rabbiner Dr. Grün fel d aus Pinne eingeweiht worden. — Justizrat Voß in Ostrowo ist zum Stadtverordnetenvorsteher und Deputierten des Kreistages daselbst neu gewählt worden. — Oekonomierat D. Goldstein in Ostrowo ist zum Direktor des