Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 70 (1906)
- Issue
- Heft 40 (5.10.1906)
- Date
- 1906-10-05
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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nach Königstein gebracht. Eröffnet wurde dieser durch eine Musikkapelle, dann folgte der Synagogenchor aus Frankfurt, alsdann die am Bau beschäftigt gewesenen Personen, Bezirksrabbiner und Kantor, die Thoraträger, die Vorstandsmitglieder und Ehrengäste, die Mitglieder der Kultusgemeinde, denen sich 'sehr viele Glaubensgenossen, zum Teil aus weiter Ferne herbeigeeilt, angeschlossen hatten; die Vereine von Königstein und Falkenstein waren mit ihren Fahnen mit im Zuge. Hierauf folgte die Feier in Königstein, eingeleitet durch Gesang des Frankfurter Synagogenchors, Anzünden des ewigen Lichts, Umzug und feierliches Einheben der Thorarollen. Dann hielt Herr Bezirksrabbiner Dr. Silberstein die Festpredigt und schloß mit einem Gebet für die kaiserliche Familie. Der Feier wohnten der Vertreter des beurlaubten Landrates, die städtischen Körperschaften von Königstein, der Gemeindevorstand von Falkenstein, der evangelische Geistliche Herr Pfarrer Bender und viele andere bei. Der Schöpfer der Synagoge ist der Baumeister Münchhausen aus Köln. In hochherziger Weise hat Freifrau W. C. von Rothschild eine nicht unbedeutende Beihilfe zum Shnagogenbau zugesteuert. Abends fand ein Festessen im Saale Procasky statt, an welchem Magistrat und Stadtverordnete, Herr Pfarrer Dr. Elsenheimer und viele andere teilnahmen. Die einmütig betätigte Schmückung der ganzen Stadt legte Zeugnis ab von deui guten Einvernehmen der Einwohnerschaft aller Konfessionen. Möge diese Toleranz beständig fortdauern! i. München, 27. September. Am 19. d. M. ist hier im besten Mannesaller der allgemein geschätzte Landgerichtsrat Joseph Uhlfelder plötzlich gestorben. Die Beerdigung fand am 21. d. M. unter großer Teilnahme weiter Kreise auf dem hiesigen Friedhofe statt. Mit den zahlreichen Verwandten gaben dem mitten in seiner Berufstätigkeit Gestorbenen das letzte Ehrengeleite der Senatsprästdent des Landgerichts München II v. Ziegler mit den Direktoren Halenke und Herbert, der.Erste Staatsanwalt Loderund sämtliche Räte, viele Richterbeamte aller übrigen Gerichtsbehörden, Rechtsanwälte, Offiziere u. a. m. Rabbiner Dr. Werner führte in seiner Trauerrede aus, daß der plötzliche Tod des edlen Mannes in weiten Kreisen großen Schmerz bereitete, insbesondere aber in der Familie, die heute an ihrem hohen Feiertage ihr Liebstes ins Grab senken müsse, herausgerissen aus seinem glücklichen Familienleben, aus seinem Berufe, der ihm allseitig Anerkennung brachte, mitten im schönsten Mannesalter, nachdem er sein Lebensideal, das er so heiß erstrebt, erreicht hatte. Senatspräsident v. Ziegler sührte am Grabe aus, daß der Verstorbene seit drei Jahren dem Landgericht München II angehörte und sich durch reiche Kenntnisse und Fähigkeiten als hervorragendes Mitglied zeigte. „Mit ihm betrauern wir einen vorzüglichen Richter und pflichtgetreuen Freund und Kollegen. Sein Andenken wird, und das soll der Trost für die Familie sein, stets ein gesegnetes sein." e. Karlsruhe, 26. September. Anläßlich des 80. Geburtstages des Großherzogs und des goldenen Ehejubiläums des Großherzogspaares fand gestern der Empfang der aus den Herren Geh. Oberregierungsrat Dr. Mayer, Konferenzrabbiner Dr. Appel von Karlsruhe und Stadtrat Stockheim von Mannheim bestehenden Abordnung des Großh. Oberrats der Israeliten durch das Jubelpaar im Thronsaale statt. Dieselbe überreichte in kunstvoller Kapsel eine von dem jungen badischen Maler Ernst Kaufmann in München auf Pergament gemalte Widmungsurkunde folgenden Inhalts: Durchlauchtigster Großherzog, Gnädigster Fürst und Herr! Durchlauchtigste Großherzogin, Gnädigste Fürstin und Frau! Von dem innigen Wunsche beseelt, zu dem hehren Doppelfeste, das in diesen Tagen die Herzen aller guten Badener höher schlagen macht, Eueren Königlichen Hoheiten eine besondere Freude zu bereiten, haben namens der israelitischen Religionsgemeinschaften des Großherzogtums Oberrat und Synodalausschuß unter lebhafter Zustimmung der israelitischen Gemeinden des Landes den Entschluß gefaßt, in dem Solbade Dürrheim, das der Fürsorge Euerer Königlichen Hoheiten so viel verdankt und dessen Entwicklung Eueren Königlichen Hoheiten so sehr am Herzen liegt, ein Hospiz für israelitische Kinder und minderbemittelte Erwachsene zu errichten, das mit Euerer Königlichen Hoheiten gnädigster Erlaubnis HöchstJhre Namen tragen und so für alle Zeiten ein Denkmal der alle Kreise und Schichten des badischen Volkes mit gleicher Liebe umfassenden Wohlfahrtspflege sein soll, durch die unser hochherziger Landesvater und unsere treu sorgende Landesmutter nun schon ein halbes Jahrhundert lang in glücklichem und beglückendem Verein so reichen Segen gestiftet haben. Es wird unser angelegentliches Bestreben sein, daß die Ausführung unseres Vorhabens, für welche uns die wertvolle Sympathie und Förderung der Großh. Forst- und Domünendirektion zugesichert ist, zu Euerer Königlichen Hoheiten Wohlgefallen gereiche. Der Allgütige gewähre unserem Volk und Land noch Jahrzehnte lang die Gnade, Euere Königlichen Hoheiten als die hehrsten Vorbilder zu allem Guten und Segensvollen an seiner Spitze zu sehen. In tiefster Ehrfurcht verharren namens der untertänigst treugehorsamsten israelitischen Religionsgemeinschaft des Grobherzogtums Der Oberrat. Der Synodalausschuß. Geh. Oberregierungsrat Dr. Mayer, der den Inhalt der Urkunde verlas, fügte folgende Worte hinzu: „Gepriesen sei der Weltenkönig, der einen Abglanz seiner Hoheit sterblichen Menschen verleiht!" Diesen alten Segen beten wir im Angesichte Euerer Königlichen Hoheiten mit besonderer Ergriffenheit. Möge der allgütige Gott die innigen Gebete und treuen Wünsche aus den Herzen aller Glieder der Landessynagoge für Euere Königliche Hoheiten und das ganze Großherzogliche Haus erhören und in Erfüllung gehen lassen! Seine Königliche Hoheit der Großherzog dankte huldvoll sür die Gefühle der Anhänglichkeit und Treue und den Ausdruck, den sie in der Ansprache gefunden, besonders aber auch für die wohltätige Stiftung, der er seine besten Wünsche widme. Er bitte, seinen Dank weiter zu übermitteln. Auch die Großherzogin drückte wiederholt ihre herzliche Freude üher die geplante Anstalt aus; sie werde sich nicht nehmen lassen, auch selbst zu der gewiß segensreichen Stiftung beizutragen, und freue sich, daß die reichen Erfahrungen, die man bei dein neuen Kindersolbade (einer Anstalt des badischen Frauenvereins) gemacht habe, hier gute Dienste leisten könnten. Die Mitglieder der Abordnung erhielten Einladungen zur Einsegnung des Jubelpaares in der Schloßkirche sowie zur Festvorstellung im Hoftheater. Gesterretch-Nngarn. Wien, 2. Oktober. Zufolge Beschluß der israelitischen Kultusgemeinde wird in diesem Schuljahre eine Bildungsanstalt für israelitische Religionslehrer an Wiener Volks- und Bürgerschulen errichtet. Die Anstalt wird aus einer Klasse mit vierjährigem Lehrkurse bestehen. Der Unterricht ist unentgeltlich. Die Bewerber haben nachzuweisen, daß sie die ersten vier Klassen einer Mittelschule oder Bürgerschule mit gutem Erfolge absolviert haben. — Eine sehr merkwürdige Nachricht bringen die politischen Blätter aus Budapest. Danach soll die israelitische Kultusgemeinde daselbst beschlossen haben, einen Weltkongreß aller jüdischen Gemeinden nach Pest einzuberufen beKufs Beratung _von. Schnitten, damit die Mächte zugunsten der russischen Juden intervenieren. Hoffentlich handelt es sich hier um eine gewöhnliche Zeitungsente. — Anläßlich der Schlußsteinlegungs¬ und Einweihungsfeier des Kaiser Franz - Joses-Jubiläumstempels hat der Vorstand dieser Tempelgemeinde ein Huldigungstelegramm an den Kaiser abgeschickt, worauf aus der Kabinettskanzlei Sr. Majestät folgende telegraphische Antwort einlief: „Seine kaiserliche und königliche Apostolische Majestät danken für die anläßlich der feierlichen Einweihung des Franz Josef-Jubiläumstempels dargebrachte Huldigung." Nach Schluß der gottesdienstlichen Feier hat der Statthalter hpn.Böhmen bemerkt: „Ich bitte, mein Erscheinen bei der Feier dtzr Einweihung als Beweis der selbstverständlichen Anerkennung der vollen Gleichberechtigung aller Konfessionen und der hohen Achtung aufzunehmen, die wir Ihrem Bekenntnisse entgegenbringen. — Professor Dr. Ignatz Goldziher in Budapest hat von der Universität Aberdeen anläßlich ihrer Vierhundertjahrfeier den Ehrendoktortitel erhalten. — Der außerordentliche Professor sür Germanistik und deutsche Literaturgeschichte an der Wiener Universität Dr. Max H. Jellinek, ist zum ordentlichen Professor für diese Fächer ernannt worden. Jellinek ist 1868 in Wien als zweiter Sohn des unvergeßlichen Predigers Dr. Adolf Jellinek geboren. — Der außerordentliche^ Professor^ der. Chemie an der Wiener Universität