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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-09-18 · Heft 39 (18.9.1906) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 39 (18.9.1906)
Date
1906-09-18
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 und Empfindungen auszusprechen. Die Predigt, die auf alle Zuhörer sichtbar einen tiefen Eindruck machte, klang in ein Gebet für das Wahlder Gemeinde ans. Mit dem Vortrag des Psalms 121 schloß der Festgottesdienst. Am nächsten Tage erschien eine große Zahl von Deputationen in der Wohnung des Jubilars, um demselben unter Ueberreichung wertboller Geschenkeihre Glückwünsche darzu bringen. Kommerzienrat Grünfeld gab den Empfindungen des Gemeindevorstandes, Stadtrat Guttmann denen der Repräsentanten Ausdruck. Besonders hervorgehoben sei die Ansprache des Geistlichen Rats Prof. Dr. Flöckner, der als stellvertretender Direktor die Glückwünsche des Lehrerkollegiums des Königlichen Gymnasiums überbrachte. Auch der Landrat des Kreises Beuthen, Dr. Lenz, beglückwünschte persönlich den Jubilar. Am Abend hatte sich im großen Saale des Hotel Sanssouci ein zahlreiches Publikum zu der Feier eingefunden, die auf Veranlassung ihres Leiters, Dr. Galliner, von der Religionsschule veranstaltet wurde. Eingeleitet wurde das Fest durch eine Jnbel-Ouverture. die von zwei Schülern gespielt wurden In der Festrede wies Dr. Gattiner darauf hin, daß in der heutigen Zeit an den Rabbiner andere Anforderungen gestellt wörden, als früher. Gleichwohl solle auch heute noch „Lernen und Lehren" den Kernpunkt seines Schaffens bilden. Hierauf überreichte der Sekundaner Bruno Goldstein mit einer Ansprache im Namen der Religionsschule eine kostbare Menorah. An einen sehr stimmungsvollen, von Frau Dr. Pick gedichteten und von Fräulein Käthe Schindler vorgetragenen Prolog schloß sich ein Vorspiel und nach einigen vorzüglichen musikalischen Darbietungen das von Obersekundaner Friedrich Gillis zum Jubiläum seines Lehrers verfaßte gedankenreiche Festspiel „Rabbi einst und jetzt", das durch den Druck weiteren Kreisen bekannt zu werden verdiente. Hierauf begann dann der Kommers für die Erwachsenen, den Herr Dr. med. Stahl ans Tarnowitz, ein Schüler des Jubilars, als Prüside leitete. i. Zittau, 18. September. Unsere Gemeinde konnte für die Ämtshauptrnannschasten Zittau und Löbau durch die Opserwilligkeit mehrerer Mitglieder nunmehr eine Synagoge erbauen. Das neue prächtige Gebäude erhebt fich in Zittau in sehr anmutiger Lage. Die feierliche Einweihung fand am Sonntag unter Teilnahme der königlichen, städtischen und hiesigen kirchlichen Behörden statt. Unter den Festteilnehmern bemerkte man Plmtshauptmann von Beschwitz, Oberbürgermeister Oersel, verschiedene Stadträte und Stadtverordnete, den evangelischen Pfarrer Rieuhardt und den katholischen Pfarrer Zrntner. Das Weihewvrt in dem neuen Gotteshause sprach nach den üblichen Zeremonien Rabbiner Dr. Winter-Dresden, die Festrede hielt Prediger Dr. Feinberg-Zittau. Mit einem Schlußwort des greisen Rabbiners Dr. Freund-Görlitz endete dann die Feier. Während der Festtasel. die abends stattfand, wurde an den König von Sachsen folgendes Telegramm abgesandt: „Anläßlich der Einweihung der hiesigen neuerbauten Synagoge bringen die versammelten Vertreter der sächsischen israelitischen Religiousgemeinden Ew. Majestät ehrfurchtsvollen Huldigungsgruß dar. M. Glaser? Etwa eine Stunde nach Absendung des^Telegramms ging folgende aus Schloß Pillnitz datierte Antwort ein: „Seine Majestät der König lassen für den Huldigungsgruß allerhöchst seinen ' herzlichen Dank aussprechen. Major von der Decken. Flügel-Adjutant vom Dienst."; " 1. Frankfurt a. M., 13/ September. Ueber den I u d en f r i e d h o f ach'Börneplatz hatte die „Frankfurter Zeitung", geschrieben, daß derselbe bis 1928 verträglich im Besitz der israelituchen Gemeinde bleiben würde. „Dann wird sich zeigen," so hieß es weiter, „ob dem. Friedhof däs gleiche Schicksal beschieden sein wird, wie dem berühmten Prager Judenfriedyos, der vor kurzem der Altstadterneuerung weichen müßte? 'Zur Richtigstellüng dieser Notiz teilt uns das „Komitee zur Erhaltung und Wiederherstellung der Grabdenkmäler auf dem alten istaelitischen Friedhös am Börneplgtz" mit, daß das Jahr 1928 keinerlei Aenderung an dem Besitzrecht der Gemeinde herbeiführen wirb; es _ ist dtzr Gemeinde nur bis zu diesem Jahre nicht gestattet, eiste Veränderung oder Bebauung des Friedhofs vorzunehmen. Das wohlerwvvbene, Polle Cige'ntümsrecht der israelitischen Gemeinde ist schon durch eine Urkunde vom 15. Oktober 1316 ausdrücklich beglaubigt. Menschlicher Voraussicht nach wird die Gemeinde niemals sich dieses Besitzes entäußern, noch Veränderungen oder Bebauungen auf der Stätte dieses einzigartigen Kulturdenkmals vornehmen oder dulden. Eine Straßendurchführung ist, nachdem der Plan zur Erschließung jener Gegend der Altstadt fertig gestellt ist und die neue Straße längs des Friedhofes vorüber führt, ausgeschlossen. Gerade diese erwähnten Umstände geben dem vor zwei Jahren gebildeten Komitee die sichere Grundlage für ein erfolgreiches Wirken, das dahin zielt, vor allem den ungefähr 7000 Grabsteine enthaltenden Friedhof nach Möglichkeit unversehrt den kommenden Zeiten pietätvoll zu überliefern und ferner der Geschichts- und Kunstforschung, der sich auf dieser altehrwübdigen Stätte ein so gewaltiges und verheißungsvolles Studienfeld bietet, die Wege zu ebnen. Zum Schluß teilt das Komitee mit, daß von seinen bisherigen umfangreichen Vorarbeiten demnächst der Oeffentlichkeit Kenntnis gegeben werden soll. o. Osnabrück, 14. September. Gestern vormittag um 11 Uhr fand die Einweihung unserer neuen Synagoge statt, in Anwesenheit von Vertretern der königlichen und städtischen Behörden sowie der Synagogengemeinde und zahlreicher Gäste. Die begleitenden Gesänge, deren textlicher Inhalt Psalmen nachgedichtet ist, wurden vom Oberkantor und dem Sängerchor der Gemeinde Hannover unter Orchesterbegleitung gesungen. Die Feier begann mit dem Eingangslied „Wie schön sind deine Zelte, Jakob", die Festpredigt hielt Landrabbiner Dr. Loeb aus Emden; hieran schloß sich das Weihegebet für das Haus und das vorher angezündete ewige Licht, sodann folgte die Fürbitte für die Gemeinde, die Stadt und die kaiserliche Familie. Abends fand im Vereinshause bei einer Beteiligung von 400 Personen ein Festbankett statt. Aufführungen von bezüglichen Theaterstücken und ein Tanz beschlossen die schöne Feier. Daß es dabei an Ansprachen von den verschiedenen Seiten nicht fehlte, versteht sich von selbst. Der Vorsteher der Osnabrücker Synagogengemeinde, Herr Carl Blumenfeld, dankte in herzlichsten Worten dem anwesenden Baumeister S. Münchhausen aus Köln für die Erbauung des trefflich gelungenen Werkes, welches nach dem Ausspruch zahlreicher Sachverständiger eine der schönsten Synagogen Deutschlands sei; es sei ein groß angelegtes, monumentales Bauwerk und eine Zierde der altehrwürdigen Stadt Osnabrück. Der Verlaus des ganzen Festes war ein derartiger, daß alle Teilnehmer, aber vor allem die ganze jüdische Gemeinde, mit hoher Befriedigung auf den Tag der Einweihungsseier zurückblicken dürfen. Gesterretch-Angsrn. # 2$len, 24. September. In der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 18 d. M. richtete der radikal polnische Abgeordnete Breiter an die Gesamtregierung die Aufforderung, auf das Ministerium des Aeußeren einzuwirken, damit es im-Einvernehmen mit den Negierungen aller Knlturstnaten feierlichen Protest gegen das bestialische System der Repressalien in Rußland erhebe und alle diplomatlschen Beziehungen zu diesem Staate adbreche, solange von der russischen Regierung der wildeste Terrorismus gehandhabt werde. — Die „Zeit" vom 15. d. M. schreibt: „Der zuletzt in einem Untersuchungsreferat des Landesgerichtes tätig gewesene Landesgerichtsrat Dr. Heinrich Goldmann $ vor einigen Tagen aus Grund eines von ihm beim Oberlandesgericht überrelchten Gesuches pensioniert worden. Wie! erinnerlich, verzeichneten wir vor einiger Zeit das in juristischen I Kreisen kolportierte Gerücht, daß eine dem Funktionär zugedacht gewesene Ernennung zum Vorsitzenden des Berufungsgerichtes in letzter Stunde zurückg-enommen worden sei, weil die Beisitzer des betreffenden Senats erklärt hätten, unter einem jüdischenPräsidenlennichtzu votieren. Diese Mitteilung wurde von offizieller Seite dementiert. Landesgerichtsrat Dr^ Goldmantt hat in seinem Penstonsgesuch als Motiv seines Rücktrittes Krankheit angegeben." — In Brody - Zloczow hatte eine Reichsrats-Nachwahl sür den verstorbenen Dr Emil Byk stattgesunden. Von den zahlreichen Bewerbern um das Mandat ist der vom Polen- Klub begünstigte Dr. Gold in Zloczow als Sieger hervorgegangen. Der Zionist Adolf Sand aus Bamberg,- sein Hauptkonkurrent, blieb in der Minorität. — In Trebitsch ist am 9. d. M. der Rabbiner Dr. Samuel'Pollak, einer der gelehrtesten Rabbiner unseres Landes, der 25 Jahre hindurch segensreich in seiner Gemeinde gewirkt hat, nach kurzen Leiden gestorben. Ehre seinem Andenken! — Der oberste -Gerichtshof hat eine wichtige Entscheidung in Ehesachen gefällt. Es handelt sich um die in New-Iork geschlossene Ehe eines Juden

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