Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 70 (1906)
- Issue
- Heft 38 (21.9.1906)
- Date
- 1906-09-21
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Dagegen sollte den: Vorsitzenden des Rabbinerverbandes in Deutschland zur Kenntnis gegeben werden, daß die Stimmung des Westpreußischen Rabbinerverbandes dahin gehe, die Erklärung des Zentralausschusses nicht zur seinigeu zu machen. (Bravo! Die Red.) Nach kurzer Pause hielt Dr. Rosenthal einen sehr interessanten Vortrag über das vorher angekündigte Thema: „Zerlegung und Quellenscheidung eines Mischnahtraktats". Hieran schloß sich eine eingehende Besprechung des Vortrags. Der von Dr. Eppenstein gestellte Antrag auf Gleichstellung des Religionsunterrichts an höheren Schulen und der Antrag Dr. Nordheimers auf Ausarbeitung eines Vokabulariums für den Unterricht beim Gebetübersetzen wurden nach eingehender Debatte schließlich zurückgezogen. Auch bei der Besprechung über die Dimissiorale nahm man von einer Beschlußfassung Abstand, weil ohne Bezirksrabbinate und Bezirksverbände sich keine festen Normen für die Tätigkeit des Rabbiners in dem jeweiligen Bezirk aufstellen lassen. Mittlerweile war die Zeit so vorgerückt, daß die von Tr. Rosenberg zusammengestellten Grundlehren der jüdischen Religion, mit denen der Barmizwah-Knabe unter Erlernung der betreffenden Belegstellen bekannt zu machen sei, nicht mehr in Beratung gestellt werden konnten. Er wurde deshalb ersucht, sie vervielfältigen und den einzelnen Kollegen zugehen zu lassen, damit diese ihm ihre Abänderungsvorschläge schriftlich übermitteln könnten. Sodann schloß der Vorsitzende die Verhandlungen, nachdem als nächstjähriger Versammlungsort vorläufig Thorn in Aussicht genommen worden war. Kp. Aus der Provinz Posen, im September. Die Vertretung der Synagogengemeinde in Gostyn hat den Bau einer großen- Leichenhalle beschloffen und gleichzeitig eine Ausgabe von über 3000 Mark zur Umwährung des dortigen israelitischen Friedhofes bewilligt. — Kaufmann Cohn in Krojanke ist zum stellvertretenden Bürgermeister daselbst neugewählt worden. — Kantor Jospe in Ko sch min hat einen Ruf nach Hirschberg in Schlesien erhalten. — Der kürzlich verstorbene Kaufmann Schönlank in Posen hat der Synagogengemeinde in Schönlanke 3000 Mark vermacht. — In Obersitzko ist Frau Bertha Manasse gestorben; dieselbe war Mitbegründerin und Vorstandsmitglied des dortigen israelitischen Frauenvereins. — Kaufmann Chaim in Znin ist zum ersten und Kaufmann Leiser daselbst zum stellvertretenden Korporationsvorsteher gewählt worden. — In Pose n ist neulich im Alter von 65 Jahren der Kaufmann Julius Krakauer gestorben. Derselbe warlangjährigesVorstandsmitglied des Vereins wohltätiger Freunde daselbst. — In Ro gowo ist neulich der älteste Bürger der Stadt, Kaufmann M. Lewin, im Alter von 87 Jahren gestorben. Derselbe war lange Jahre Stadtverordneter und Vorstandsmitglied der dortigen jüdischen Gemeinde. n. Breslau, 11. September. Am Montag, den 10. d. M., besuchte, wie ich schon kurz berichtet, die Kaiserin, die sich anläßlich der Kaisermanöver seit voriger Woche hier aufhält, unter vielen Wohltätigkeitsanstalten auch das hiesige jüdische Krankenhaus. Sie wurde von Herrn Eduard Sachs, der ihr einen Blumenstrauß überreichte, den Vorstandsmitgliedern und den Anstaltsärzten begrüßt. Sie besichtigte zunächst die innere Abteilung unter Führung des Herrn Sanitätsrat Dr. Sandberg. Bei dem Rundgang durch die Krankenzimmer sprach die hohe Frau in liebenswürdiger Weise mit mehreren Kranken und drückte ihnen freundlich die Hand, dann ließ sie sich die chirurgische Abteilung unter Führung des Herrn Privatdozenten Dr. Georg Neindach zeigen und bewunderte die glänzenden Einrichtungen der Operationssäle. Sie sprach öfters ihre Freude und Anerkennung über das Gesehene aus. Nachdem sie sich noch freundlich bei dem Vorstande und den Aerzten bedankt hatte, verabschiedete sie sich und verließ das Krankenhaus. — Zu den Auszeichnungen habe ich noch nachzutragen, daß Justizrat Berger den Titel Geheimer Justizrat, Dr. Wilhelm Reinbach den Titel Sanitätsrat, Sanitätsrat Dr. Sachs in Bunzlau den Titel Geheimer Sanitätsrat erhalten haben; die Rote Kreuz-Medaille III. Klasse wurde Dr. med. Ludwig Goldschmidt, der Rote Adlerorden IV. Klasse Landesgerichtsrat Dr. Weil, hier, und Landesgerichtsrat Wendriner in Görlitz verliehen. — Unser Rabbiner Herr Dr. Rosenthal wurde auch als Mitkurator des „Prinzeß Luisen-Heim" zur Audienz zur Prinzessin Eitel Friedrich besohlen, die unter anderem auch Herrn Dr. Rosenthal in liebenswürdiger Weise in ein längeres Gespräch zog. — Am 11. d. ist hier der allgemein bekannte Geheime Medizinalrat Prof. Dr. Hermann Cohn im 70. Lebensjahre gestorben. Diese Nachricht wird weithin schmerzliche Trauer erregen. Cohns Bedeutung war hervorragend und mannigfaltig. Er zählte zu den ersten Vertretern der Augenheilkunde, er war ein Bahnbrecher auf dem Gebiete der Schulhygiene. Weit bekannt sind die auf Cohns Anregung angestellten anthropologischen Untersuchungen in sämtlichen Schulen über Farbe der Augen und Haare. Der Einfluß, den Cohn aus die Hygiene ausgeübt hat. ist ein ganz bedeutender, er erlebte auch die Genugtuung, von allen Selten als bahnbrechender Gelehrter und Menschenfreund anerkannt zu werden. Diese Anerkennung fand insbesondere einen öffentlichen Ausdruck, als ihm 1883 der Kronprinz, der nachmalige Kaiser Friedrich, persönlich die goldene Staatsmedaille überreichte. Ehre seinem Andenken! P. M. Hamburg, 14. September. Der gestrige Tag wird in der Geschichte unserer Gemeinde ein Gedenktag bleiben. An diesem Tage wurde die Synagoge in der Elbstraße geschlossen und die neue Synagoge vor dem Dammtor am Bornplatz eröffnet. Nachdem schon am vorigen Sonnabend die in der Gegend vor dem Dammtor provisorisch eingerichtete Synagoge feierlich geschlossen worden war, fand gestern mittag die letzte Andacht in dem unter dem Namen „Altonaer Schul" bekannten Gotteshause in der Elbstraße statt. Diese Synagoge wurde im Jahre 1788 von Sonnin, dem Baumeister der vor einigen Monaten durch Feuer zerstörten großen Mich'aeliskirche, erbaut und 1789 ihrer Bestimmung übergeben. Im Laufe der vielen Jahre stellte sich das Bedürfnis nach einer Synagoge in dem Stadtteile, der jetzt von der Mehrzahl der jüdischen Bewohner bevölkert wird, vor dem Dammtor immer fühlbarer ein und so ging der Synagogenverband der Deutsch-Israelitischen Gemeinde endlich mit dem schon lange geplanten Bau vor. Regierungsbaumeister Friedheim und Architekt Engel übernahmen die Ausführungen des jetzt als Zierde unserer Stadt fertigen Baues, der 700 Männer- und 500 Frauenplätze faßt. Was die Feierlichkeiten in den beiden Synagogen anbetrifft, so sei hier kurz folgendes erwähnt: Zur Schlußfeier in der Elbstraße war das Gotteshaus bis auf den letzten Platz gefüllt, und Oberrabbiner Hirsch hielt, nachdem das Mincha-Gebet verrichtet und durch den Oberkantor Süskind ein Psalm vorgetragen war, die Abschiedspredigt, die viele Anwesende, die ihre ganze Lebenszeit in diesem Raume ihre Gebete verrichtet haben, zu Tränen rührte. Vor geöffneter Lade wurde dann das Schlußgebet von Neilah von Kantor und Gemeinde gerufen, Schofar geblasen und ein Schlußpsalm rezitiert. War dies ein Trauergottesdienst, so gestaltete sich die Eröffnung der neuen Synagoge am Bornplatz zu einem Freudenfest. Mit dem Glockenschlage 7 Uhr, dem festgesetzten Zeitpunkte, betraten der Vertreter des Senats und der Bürgerschaft in dem hier üblichen Ornate dieser hohen Körperschaften das Gotteshaus, und der neue Oberkantor Rosenblatt begann das Na towa, das von dem unter Leitung des Oberkantor Dreiblatt eingeübten vierstimmigen Männerchor rezitiert wurde. Alsdann zündete Herr Oberrabbiner Hirsch unter dem Hersagen des Letielleebejunu-Gebetes die ewige Lampe an und Oberkantor Süskind sang den Psalm 122. Nach Beendigung des Gesanges übergab der Bauführer Herr Friedheim den Schlüssel dem Vorsitzenden des Vorstandes Herrn Hermann Gumperz, der ihn an den Senator Kaehler mit der Bitte, das Hauptportal zu öffnen, weitergab. Es folgte das Einbringen der Prächtig geschmückten Gesetzesrollen in die heilige Lade. Beim Umgänge mit dieser von Vorstehern der Gemeinde und des Synagogenverbandes getragenen Thorarollen sang Oberkantor Rosenblatt mit Chor den Psalm 18, 19—29 und Psalm24. Oberrabbiner Hirsch sprach das Gebet für Kaiser und Senat zunächst in hebräischer Sprache, schloß daran seine Festrede, die auf die Bedeutung eines Gotteshauses im allgemeinen und auf die besondere der Hamburger Gemeinde hinwies und mit dem deutschen Gebet für Staat, Stadt und Gemeinde schloß. Mit dem Absingen des Psalm 150 schloß der offizielle Teil der Einweihungsfeier. K. Duisburg, 13. September. Eine seltene Ehrung ist vor einiger Zeck dem Stadtverordneten und Repräsentanten der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herrn Max Kolski, zuteil geworden. Am 5. Juli waren es 25 Jahre, daß Herr Kolski, der schon seit Jahren Chef der Feuerwehr-Abteilung des Turnvereins ist, dieser Abteilung als Mitglied beigetreten ist. Die Turnerfeuerwehr ließ es sich nicht nehmen,