Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 70 (1906)
- Issue
- Heft 38 (21.9.1906)
- Date
- 1906-09-21
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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3 diesen Gedenktag zu einer besonderen öffentlichen Ehrung ihres beliebten Chefs zu gestalten. In der Abendstunde wurde im Beisein vieler Ehrengäste und. einer großen Schar von Zuschauern auf dem Uebungsplatze am Stapeltor zu Ehren des Gefeierten eine Schul- und eine Löschübung abgehalten, die allgemeine Bewunderung hervorrief. Nach Schluß derselben hielt Herr Oberbürgermeister, Geheimer Regierungsrat Lehr eine Ansprache, in der er in warmen Worten den idealen Wert der freiwilligen Feuerwehr als Ansporn zu opferfreudigem Bürgersinn betonte und Herrn Kolski als Muster solchen Sinnes rühmte. Namens des Rheinischen Feuerwehrverbandes überreichte er darauf dem Jubilar die Denkmünze für 25jährigen Dienst als Feuerwehrmann und schloß seine Ansprache mit einem von den zahlreichen Anwesenden freudig aufgenommenen Hoch auf Herrn Kolski. Unter den Anwesenden seien noch genannt Herr Brandmeister Zingler als Vertreter der hiesigen Berussseuerwehr. sowie Vertreter der freiwilligen Feuerwehren von Ruhrort. Meiderich. Oberhausen, Mühlheim (Ruhr), Neuß usw. Bei dem sich an die Hebung anschließenden Feuerwehrkommers wurde Herrn Kolskt_^in silberner Lorbeerkranz und seiner Gemahlin ein geschmackvolles. Blumenarrangement als Geschenk der von ihm geleiteten Abteilung überreicht. So legte der ganze Verlauf der Feier ein beredtes Zeugnis dafür ab, welcher Beliebtheit sich Herr. Kolski in hiesigen Bürgerkreisen erfreut. Möge es ihm noch lange vergönnt sein, in gleich frischer Weise für Stadt und Gemeinde zu wirken. Gesterretch-Ungarn. ZS Wien, 17. September. Unsere braven Christlich- Sozialen fahren unentwegt fort, den Kaiser herabzusetzen und beit Thronfolger mit erheucheltem Byzantinismus zu huldigen. So hat Monsieur Lueger anläßlich des Feuerwehrtages wieder eine Rede mit versteckten Angriffen gegen den von allen Parteien geliebten Monarchen gehalten, die ihmin jeden! andern Lande sicher einen Majestätsbeleidigungsprozeß zugezogen hätte. Bei uns ist eben alles möglich. Nur ein Jude sollte es sich nicht herausnehmen, etwas Derartiges zu sagen. Glücklicherweise nimmt es sich auch keiner heraus, denn die österreichischen Juden lieben ihren Monarchen wirklich und ehrlich — nicht wie die Christlich-Sozialen, bloß wenn er „ihren Willen tut"! — Ein sichtbares Zeichen dieser Liebe ist auch der Kaiser-Jubilänms-Tempel in Prag, der gestern feierlich eingeweiht wurde. Derselbe wurde als Ersatz sür die drei altehrwürdigen Tempelgebäude: Zigeuner-Synagoge, Große Hof-Synagoge und Neu-Synagoge, welche sämtlich im Assanierungsrayon gelegen sind ' und aus diesem Grunde abgetragen werden mußten, nach den Plänen und unter der Leitung des berühmten Architekten und Vaurates Wilhelm Stiaßny erbaut. — Der Kaiser hat dem Rabbiner Samuel Winter in Nasice (Slawonien) das goldene Verdienstkreuz mit der Krone verliehen. — Am 4. d. M. ist in Äottitz der Schriftsteller Dr. Gustav Ritter von Schlesinger gestorben. Im Jahre 1869 verlieh ihm der Kaiser den Orden der Eisernen Krone 3. Klasse. Auf Grund der Ordensstatuten wurde er am 15. Oktober 1869 in den Ritterstand erhoben. Der Heimgegangene war ein treuer Jude und hingam Judentum bis an sein Lebensende in aufrichtiger Pietät. — In Sob orten ist der durch seine literarischen Arbeiten auch in weitern Kreisen bekannte Rabbiner Heinrich Gala ndaner während des Festes zu Ehren seiner silbernen Hochzeit von einem Schlaganfall betroffen worden und bald darauf gestorben. Er stand im 53. Lebensjahre. Vrm Ash und ssrrn. , - Zum Prosektor am Krankenhause Am Friedrichshain wurde der Privatdozent für. pathologische Anatomie an der hiesigen Universität Dr. Ludwig Pick gewählt. Dr. Pick war 1892—1899 Leiter der pathologisch-anatomischen Abteilung der Klinik von Professor Dr. Landau und seitdem Privatdozent. Seit 1904 ist er Prosektor des Krankenhauses der jüdischen Gemeinde zu Berlin. — Nach den Angaben in der Zeitschrift des Kgl. Preuß. Etat. Bureaus 1906, 1. Abteilung (Berlin 1906) waren unter 6523 jugendlichen Personen, die im Jahre 1903 auf Grund des Gesetzes vom 2. Juli 1900 zur Fürsorge-Erziehung überwiesen wurden, 16 Juden. — „Ein Hohenzoller im Jndenhause".. Unter dieser Spitzmarke macht die Stettiner „Deutsche Hochwacht^ ihrem bekümmerten Herzen wie folgt Luft: „An den Kaisertagen in Breslau wird Prinz Eitel Friedrich nebst Gemahlin bei dem Fabrikbesitzer Sternberg Wohnung nehmen. Es wird nicht gemeldet, ob er dort auch (koscher) beköstigt werden soll. Aber könnte Herr Sternberg nicht wenigstens vorher „geadelt" werden?" Und das nennt man antisemitischen Patriotismus. Einer der angesehensten deutschen Kliniker, Geh. Medizinalrat Professor Wilhelm Ebstein in Göttingen, tritt mit Beginn >es Wintersemesters von seinem Lehramt zurück. Ebstein vollendet in einigen Monaten sein 70. Lebensjahr. - In Dortmund ist der Maler- und Anstreichermeister Aron Mansbach er, Mitglied der israelitischen Gemeinde, der bereits seit zirka 20 Jahren als Vorstandsmitglied der Malerinnung angehörte, jetzt zum Obermeister gewählt worden. Herr Mansbacher gehört auch als Mitglied der Handwerkskammer an, ist Beisitzer für Meister- und Gesellenprüfungen für den Stadt- und Landkreis Dortmund. — Der Praktische Arzt Dr. med. Grünberg in Lippstadt wurde zum Stabarzt d. L. befördert. — An der Umgestaltung der antisemitischen „Deutschen Volkswacht" des Landtagsabgeordneten Hirsche l zu einem täglich erscheinenden Blatte sollte, wie süddeutsche Blätter gemeldet hatten, auch der nationalliberale Reichstagsabgeordnete Freiherr Heyl zu Herrnsheim sich mit Kapital beteiligt haben. Freiherr von Hehl erklärt jetzt diese Nachricht für unrichtig. Und Graf Oriola? — Rabbiner Dr. Z. Auerbach in Elberfeld hat in Anerkennung seiner langjährigen erfolgreichen Tätigkeit als Rabbiner der Gemeinde und als Religionslehrer an den höheren Lehranstalten den Roten Adlerorden IV. Klasse erhalten, der ihm in Gegenwart einer Abordnung des Vorstandes und der Repräsentanten der Synagogengemeinde seitens des Oberbürgermeisters überreicht wurde. — Die Einweihung der neuen Synagoge in Königstein ist am 3. d. M. erfolgt. Die Uebergabe des Schlüssels und Oeffnung des Portals erfolgt durch den Bezirksrabbiner Dr. Silberstein in Wiesbaden. — Anläßlich des Jubelfestes in Baden nmrden nochKonunerzienrat Viktor Lenel in Mannheim zum Geh. Kommerzienrat, der Bankier Dr. August Hohenemser daselbst zürn Kommerzienrat ernannt. — Die israelitischen Religionslehrer Samson Heibet in Gondelsheim, David Freitag in Ladenbnrg, Seligmann Fleischmann in Böd igheim haben die kteinegoldene Verdienstmedaille erhalten. - In Grabow i. S. ist Herr Julius Marcus im Alter vou 79 Jahren gestorben. Derselbe war Jahre lang Vorsteher der dortigen jüdischen Gemeinde. — In Kopenhagen hat der noch ziernlich rüstige Postmeister Josef Michaelsen seinen 80. Geburtstag gefeiert. Er ist ein Sohn armer jüdischer Eltern. Im Jahre 1868 fand er für die Portofrage eine praktische Lösung: ein gleiches Porto für Briefe nach allen Ländern hin. 1868 wurde vom dänischen Auswärtigen Amt eine von Michaelsen in französischer Sprache verfaßte und seinen Vorschlag enthaltene Schrift allen ausländischen Regierungen und Postverwaltnugen zugestellt — und im Dezember 1868 wurde Stephans bekannte „Denkschrift" veröffentlicht, dersMichaelsens Vorschlag zugrunde lag. Von allen Seiten, auch von ausländischen Postverwaltungen, wurde Michaelsen aus Anlaß seines 80jährigen Geburtstages geehrt. Der König ließ ihm die goldene Verdienstmedaille überreichen, eine Medaille ist zu seiner Ehre geprägt worden und seine Büste, in Marmor gehauen, wird im Natio.nalmuseum im Schloß Frederiksborg ausgestellt werden, während seine Bronzebüste im neuen Zentralpostgebäude Platz finden wird. Wie verlautet, wird nächstesJahr eine der Nobelprämien Michaelsen zuerkannt werden. — In Warschau wurde iim 12. d. M. das ganze Judenviertel stark mit Truppen besetzt und durch eine Kette von Schildwachen von anderen Teilen der Stadt abgeschnitten. Der Verkehr wurde ganz eingestellt. Niemand g.laigt in dieses Viertel und niemand wird herausgelassen. Um der Möglichkeit von Zusammenstößen im Dunkeln vorzubeugen, find für die kommenden jüdischen Feiertage die Abendgottesdienste bereits abgesetzt worden. — Ende Oktober findet in Petersburg ein Kongreß des Verbandes zur Erreichung der Gleichberechtigung der Juden statt. Der Kongreß wird die Frage der Beteiligung der Juden an der bevorstehenden Wahlkampagne beraten. — Der Flecken Kupin im Bezirke Kamenez, der von 200 jüdischen Familien bewohnt wird, ist durch Bauern aus der Umgegend gänzlich ausgeplündert und verbrannt worden. — In Bern wurde am 10. d. M. die neue Synagoge eingeweiht. Die Festpredigt hielt Rabbiner Dr. Littmann -Zürich.