Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 70 (1906)
- Issue
- Heft 38 (21.9.1906)
- Date
- 1906-09-21
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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70. Jahrgang. So. 38. Herlin, 21. September 1906. Der Gemeindevote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deF Judentums;". korrrhmndmrm und Machrichtm. Deutschland. Berlin, 17. September. Die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums sendet uns das Verzeichnis der im Winter-Semester 1906/1907 zu haltenden Vorlesungen. Herr Dr. Baneth wird lesen: 1. Talmud babyl. Kidduschin, Kap. IV, 4 Stunden, Montags und Donnerstags 10—12 Uhr. 2. Talmud babyl. Nedarim, Kap. 1, 4 Stunden, Mittwochs und Freitags 10 bis 12 Uhr. 3. Einleitung in den Talmud, 1 Stunde. Donnerstags 12—1 Uhr. 4. Jore De’a (Tur und Schulchan ’Aruch, Fortsetz.), 2 Stunden. Mittwochs 8—10 Uhr. 5. Eben lia’ezer XVII (Forts.), 1 Stunde, Montags 12—1 Uhr. 6. Mischne Thora, Buch 7, 2 Stunden, Montags und Donnerstags, 9—10 Uhr. Herr Dr. El bogen wird lesen: 1. Genesis mit dem Kommentar des R. Samuel b. Meir, 1 Stunde, Dienstags 10—11 Uhr. 2. Talmud babyl. Moed Eaton, Kap. III 4 Stunden, Sonntags und Mittwochs, 8-10 Uhr. 3. Geschichte der Juden in Deutschland, I. Teil, 2 Stunden, Mittwochs und Freitags 10—11 Uhr. 4. Geschichte der Schriftauslegung, 2 Stunden, Sonntags 10—12 Uhr. 5. Historische Uebungen, 2 Stunden, Dienstags 8—10 Uhr. Herr Prof. Dr. MaYbaum wird lesen: 1. Midrasch Tancliuma, 1 Stunde, Dienstags 8—9 Uhr. 2. Homiletische Uebungen, 2 Stunden, Freitags 8—10 Uhr. Herr Dr. Da hu da wird lesen: 1 Das Buch Hiob, 2 Stunden, Dienstags und Freitags 10—11 Uhr. 2. Die Bücher Samuelis mit archäologischen und historischen Exkursen, 3 Stunden, Montags 10— 12 Uhr, Freitags 11—12 Uhr. 3. Hebräische Grammatik mit stilistischen Uebungen, 3 Stunden, Montags, Dienstags und Freitags 12—1 Uhr. 4. Religiöse Gedichte des Jeduha ha-Levi, 1 Stunde, Dienstags 11— 12 Uhr. 5. Lektüre arabischer Texte für Fortgeschrittene (privatissime), 2 Stunden in noch zu bestimmenden Stunden. Herr Dr. Freund wird lesen: Das Gesetz „lieber die Verhältnisse der Juden" vom 23. Juli 1847, II. Teil, 2 Stunden, Montags und Donnerstags 5—6 Uhr. — Ferienkurse. Herr Geh. Regierungsrat Prof. Dr. He rma un Co hen - Marburg wird solgende Vorlesungen halten: 1. lieber die Philosophie Platons, 8 Stunden (in den beiden ersten Wochen des Monats März 1907). 2. lieber die Voraussetzungen der jüdischen Religionsphilosophie des Mittelalters in der griechischen Philosophie (Uebungen in den Weihnachtsserien und in den beiden ersten Wochen des Monats März 1907.) — Die Eröffnung des Winter-Semesters findet am 22. Oktober um 12 Uhr vormittags statt. 8. Berlin, 16. September. Der Jahresbericht des Reichenheimschen Waisenhauses der jüdischen Gemeinde (Weinbergsweg 13) für die Zeit vom 1. April 1905 bis 31. März 1906 ist soeben erschienen. Erzogen wurden im Berichtsjahre in der Anstalt 42 Knaben und 28 Mädchen; entlassen neun Knaben und zehn Mädchen, die sich teilweise dem kaufmännischen Berufe widmeten, zum andern Teil ein Handwerkerlernen. Die Gesamtausgaben beliefen sich auf57310,17 Mk., die durch die Zinsen aus den dem Waisenhaus gehörigen Fonds und durch einen Zuschuß der jüdischen Gemeinde in der Höhe von 27 553,81 Mark aufgebracht wurden. Die Gesamtausgaben für einen Zögling betrugen 800,37 Mark für das Jahr. Der Verpflegungssatz pro Kops und Tag 56 Pfennig. Der eiserne Fonds der Anstalt ist um 5000 Mark aus dem Legat des Buchhändlers Alb. Cohn vermehrt worden, zahlreiche, zum Teil recht erhebliche Beträge flössen den Stiftungen der Anstalt zu. Das Sparkassenguthaben ehemaliger und gegenwärtiger Zöglinge erreicht die stattliche Summe von mehr als 34 000 Mark. Alle Zöglinge besuchen öffentliche Schulen, erhalten aber im Hause außer Nachhilfe in den Schularbeiten noch Unterricht in Gesang, Turnen und Handfertigkeit. Die ehemaligen Zöglinge finden einen Sammelpunkt im „Reichenheim-Verein". Die Anstalt untersteht der Verwaltung eines Kuratoriums, das aus folgenden Herren sich zusammensetzt: Sanitütsrat Dr. Julius Stern, Vorsitzender, Geheimer Sauitätsrat Dr. Julius Boas, stellvertretender Vorsitzender, Professor Tr. Sigismund Btaschke, Ernst Meyer, Julius Rosenheim, James Simon, Professor Dr. Adolf Bagiusky. Ehrendamen der Anstalt sind: Frau Jda Feist, geb. Neichenheim, Dr. Anna Ginsberg, Hedwig Lachmann, Gertrud Moffe, Margarete Rosenheim. Geleitet wurde das Waisenhaus bis zun: Schlüsse des Verwaltungsjahres von Professor Dr. Moritz Jutrosinski. Der Bericht enthält ein Wort „Zum Abschied", das alle, die den scheidenden Direktor und seine bisherige Wirksamkeit kennen, tief ergreifen wird, ferner die Schilderung der Feier und der Ehrungen, die Herrn Professor Jutrosinski aus diesen: Anlaß hi so reichem Maße zuteil geworden sind. Der gegenlvärtige Direktor ist Dr. Siegmund Feist, der bisher Leiter der Privat-Real- und Handelsschule in Mainz war. Mnrienwerder, im September. Am 2. d. M. hielt der West - preußische Rabbinerverband seine Jahresversammlung ab. Von den zwölf in unserer Provinz amtierenden Rabbinern waren neun erschienen und zwar Dr. Eppenstein-Brießen, Dr. Freudenthal-Danzig, Dr. Guttmann-Culm, Dr. Mnnch-Berent, Dr. Nordheimer-Schwetz, Dr. Piek-Straßburg, Dr. Rosenberg-Thorn, Dr. Rosenthal-Pr.-Stargard, Dr. Silberstein-Elbing; entschuldigt fehlten Dr. Schich-Zempelburg, Dr. Wehl-Kouitz und Dr. Loevy-Graudenz. Der Vorsitzende Dr. Rosenberg eröffnete die Sitzung mit einigen begrüßenden Wörter: und ging dann alsbald zur Erstattung des Jahresberichts über. Aus demselben ist zunächst die vom Vorstand im Verein mit dem Ausschuß des Verbandes der Westpreußischen Synagogengemeinden entfaltete Tätigkeit betreffs Gründung von Bezirksrabbinaten hervorzuheben. Auf Vorschlag der vorjährigen Versammlung sollten zunächst die zum Jnspektionsbezirk Straßburg gehörigen Gemeinden zu einem festenRabbinats- und Vezirksverband vereinigt werden. Zu diesem Zweck fand auch am 4..Marz unter Leitung des Vorstehers des Westpreußischeu Synagogenverbandes eine Besprechung in Graudenz statt, zu der die betreffenden Gemeinden bis auf eine ihre Vertreter gesandt hatten. Doch machte sich unter diesen eine so große Meinungsverschiedenheit über die Zweckmäßigkeit des zu gründenden Verbandes, sowie über die Rechte und Pflichten der Rabbinen, bezw. der Bezirksgemeinden geltend, daß man zu keinem abschließenden Resultat gelangte und die Sache demnach noch heute der Erledigung harrt. Von Interesse sür weitere Kreise dürfte die in dem Bericht gegebene Mitteilung sein, daß das Provinzialschulkollegium der Provinz Westpreußeu vom Verband der Westpreußischeu Synagogengemeinden einen Lehrplan für den jüdischen Religionsunterricht an höheren Schulen ein ge fordert hat, um dessen Benutzung an bei: ihm unterstellten Anstalten zu empfehlen. Die Ausarbeitung desselben übernahmen Dr. Freudenthal und Tr. Rosenberg, da die Sache schnelle Erledigung heischte und der Rabbinerverband nicht sofort zusammenberufen werden konnte. Ferner berichtete der Vorsitzende von seiner Teilnahme an der Versammlung des Verbandes deutscher Juden am 30. Oktober 1905 und den am 28. August 1905 und 7. Mai 1906 stattgehabten Ausschußsitzungen des Rabbinerverbandes in Deutschland und über die in letzterem gepflogenen Beratungen. Am Schlüsse des sehr eingehenden Berichts betonte er das gute Einvernehmen zwischen dem Rabbinerverband und dem Verband der Westpreußischen Synagogengemeinden. An den Bericht knüpfte sich eine lebhafte Debatte, bei welcher insbesondere Dr. Freudenthal eingehend über den gegenwärtigen Stand der Reliktenkasse Auskunft gab. Darauf legte Dr. Guttmann den Kassenbericht vor, der verhältnismäßig günstig abschließt. Der dritte Punkt der Tagesordnung war die Beratung bezw. Gutheißung des vom Provinzialschulkollegium eingeforderten Lehrplans. Die für denselben aufgestellten Grundsätze wurden in allen ihren Teilen von der Versammlung gutgeheißen und an dem Lehrplan selbst ganz unbedeutende, zumeist nur redaktionelle Ausstellungen gemacht. Derselbe wird nächstens durch den Druck veröffentlicht. Bei der darauf folgenden Beratung über den R o si nsch en Gesetzentwurf wurde von einer direkten Stellungnahme abgesehen.