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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-09-21 · Heft 38 (21.9.1906) · p. Seite 451

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 38 (21.9.1906)
Date
1906-09-21
Page
Seite 451 (sequence 7)
Language
German
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451 können daher der Auferstehung teilhaftig werden. Bald erweitert sich jedoch der Gesichtskreis, und es wird für die Gottesfürchtigen oder Frommen der Heidenwelt ein Anteil am jenseitigen Leben, das nicht mehr das messianische Zeitalter, sondern die Ewigkeit zum Inhalt hat, beansprucht. Für die Rabbinen im Talmud sowie für die chasidäischen Begründer der Synagoge mit ihrer Liturgie ist die leibliche Auferstehung Gegenstand des Glaubens. Nur die wunderbare Oeffnung der Gräber führt zur künftigen Welt, zum Olam haba. Die Unsterblichkeit der Seele dagegen, ein Gegenstand sehnsüchtiger Hoffnung und Ahnung in einzelnen Psalmen, wurde zur Sache der Ueberzeugung in den Kreisen, die unter dem Einfluß platonischer Ideen standeN, also für hellenistische Juden, wie z. B. der Verfaffer des Buches der Weisheit, und für Haggadisten derselben Geistesrichtung. (Siehe den Midrasch zu Psalm 48, 15 und die Note bei Buber.) Es blieb dieser Glaube ein rein philosophischer Begriff, für den man im Mittelalter erst ein neues hebräisches Wort schaffen mußte: Haskarat ha Nefesch. Wie stellt sich nun Maimonides zu dieser Frage? Sonderbar, hier gehen der Dogmatiker und der Philosoph weit auseinander. Der Dogmatiker sieht sich durch die Mischnah Sanhedrin X, 1, gezwungen, der rabbinischen Lehre gemäß, den Glauben an die Wiederauferstehung der Toten im letzten Glaubensartikel zu betonen, steht jedoch nicht an, denselben in seinem Mischnah-Kommentar, wie in seinem Traktat Naamar Tehijat ha Methim im bildlichen Sinne zu deuten und die Fortdauer der Seele dafür zu setzen. Der Philosoph im Moreh (11,27; III, 51 vergleiche .lad ha chazakah H. Teschubah VIII, 1—8) ignoriert nicht nur den Auferstehungsglauben ganz und gar, sondern will, nach dem Vorgang der arabischen Aristoteliker, nur dem Weisen, deffen erworbene Vernunft, je nach dem Grade der Vollkommenheit, den sie erreicht hat, Teil der göttlichen Vernunft, der aktiven Intelligenz geworden ist, Unsterblichkeit zuerkannt wiffen. Ganz natürlich erfuhr diese Auffassung der jenseitigen Welt, die für die Seele des schlichten, frommen Gläubigen und Guten keinen Funken von Hoffnung hat, die schärfste Opposition seitens wahrhaft religiöser Gemüter, deren Wortführer Crescas (Or Adonai II, 6) und Abraham ben David ans Posquieres in s. Note zu H. Teschubah VIII, 8 waren. Es ist immer wieder dieselbe einseitige Verstandesrichtung, die den wahrhaften Glauben illusorisch macht und der Seele eine ideale Welt vorspiegelt, die sie nimmer befriedigen kann. Da bietet doch Chasdai Crescas Systein von einer göttlichen Welt der Liebe, die aus Gott hervorquillt und zwischen ihm und der Menschenseele eine Verwandtschaft erzeugt, die ihr sittliches und unsterbliches Wesen ausmacht, eine in jeder Hinsicht tiefere Auffassung der Religion und der Gottesnatur, namentlich wenn wir das Prinzip der Gerechtigkeit mit dem der Liebe verschmelzen oder vertauschen. Wir haben uns die Besprechung des zwölften Artikels, der den Glauben an die Ankunft des Messias betrifft, auf zuletzt aufgespart, weil er im Maimonidischen System einen rein politisch-nationalen und kaum religiösen Charakter hat, den ihm die Rabbinen und Apokalyptiker zu verschiedenen Zeiten gegeben haben. Diese haben den Messias mit gewiffen übernatürlichen Eigenschaften bekleidet, weil er mehr oder minder große jenseitige Hoffnungen erfüllen soll. Für den Rationalisten Maimonides soll er bloß die Davidische Dynastie wieder aufrichten. Von der weltgeschichtlichen Aufgabe des Messias im Sinne der Propheten, die in ihm die Verkörperung des höchsten religiösen Ideals der Menschheit erblickten, ist bei ihm hier keine Rede, obgleich er in seinem Jad ha chazakah H. Melakim. XI, 4 die Stifter der christlichen und mohammedanischen Religion als göttliche Werkzeuge, berufen, die Zeit der messianischen Alleinherrschaft Gottes herbeizuführen, erklärt, und damit dem Messias eine universal-religiöse Bedeutung vindiziert. Hier hat er nur die Schale festgehalten und den Kern des Glaubens fallen lassen. Darum konnte Albo mit Recht ihm den Vorwurf machen, daß der Glaube an einen persönlichen Messias, oder gar an eine messianische Dynastie, wie sich Maimonides im Mischnah - Kommentar ausdrückt, durchaus keine fundamentale Bedeutung im Judentum habe, wie der Talmud selbst bezeugt. (Siehe Jkkarim IV, 42—45.) Albo war es darum zu tun, das christliche Dogma vom übermenschlichen Messias von Grund auf zu erschüttern, dabei ließ er die weltgeschichtliche Bedeutung der Messiashoffnung des Judentums außer Augen. Es ist das Verdienst Juda Halevis, den Glauben an die Auserwähltheit Israels zur Bedeutung eines Hauptlehrsahes des Judentums erhoben zu haben, wie Schechter in seinem Artikel über die Dogmen des Judentums hervorhob; und man darf sagen, daß er auch eine klarere Vorstellung von der weltgeschichtlichen Aufgabe des Christentums und des Islams für die Vorbereitung der Heidenwelt für die messianische Zeit hat als Maimonides (h'uzari IV, 23). Auf alle Fälle bildet die Mission Israels, das messianische Endziel der Weltgeschichte dadurch herbeizuführen, daß die Heidenvölker zur Verehrung des Einzig-Einen gebracht und das Gottesreich der Wahrheit und Gerechtigkeit, der Liebe, des Friedens und der Heiligkeit auf der ganzen Erde aufgerichtet werde, einen der Glaubensgrundsätze des Judentums. Es ist jedoch ein vergeblicher Versuch, denselben in den Maimonidischen Glaubensartikel vom Messias hineinlesen zu wollen. Lin kulturhiltorilches Ounolum. Von Prof. Dr. Ludwig Geiger. ^m Laufe des 18. Jahrhunderts, nachdem die deutschen y Juden nach Mendelssohns Vorgang sich der deutschen Sprache zu bedienen gewöhnt hatten, erschienen vielfach, von einzelnen oder von Gemeinden heransgegeben, Gedichte zur Begrüßung fürstlicher Persönlichkeiten, zur Feier von Siegen und Friedensschlüssen oder von fröhlichen Ereignissen in den Herrscherfamilien. Diese Gedichte, meist hebräisch und deutsch abgefaßt, sind selten wirkliche Bereicherungen der Literatur, sondern mühsame Znsammenstoppelungen schlechter Verse. Sie dürfen auch nicht eben als Gradmesser der patriotischen Begeisterung der späteren Poeten betrachtet werden, denn was blieb den gequälten Inden übrig, außer der: „freiwilligen" Geschenken, die man von ihnen bei Gelegenheiten, wie die obenerwähnten, erwartete, auch noch dichterische Huldigungen als äußerlich erkennbare Zeichen ihrer Loyalität darzubringen. Für die Drucklegung solcher Gesinnungstüchtigkeiten, wie für den Ankauf der die Treue besiegelnden Geschenke mußte der Klingelbeutel herumgehen oder es mußte, wenn die freiwilligen Opfer zu geringfügig ausfielen, von Gemeindewegen eine bestimmte Auflage ausgeschrieben werden. Solche Subskriptionslisten und Rundschreiben wurden aber als Interna behandelt; sie wurden höchstens dem Gemeindearchiv einverleibt, wenn man sich nicht geradezu bestrebte, solche Beurkundungen der Wohlhabenheit, die für andere Fälle gefährlich werden konnten, schnellstens aus der Welt zu schaffen. Jedenfalls ist mir unter derartigen Berliner Veröffentlichungen keine bekannt, in der außer den Poesien Zirkulare von Gemeindevorständen!! )i •i f jj

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