Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 70 (1906)
- Issue
- Heft 37 (14.7.1906)
- Date
- 1906-07-14
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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3 Konsul Henrrette Bielefeld, die Frau Finanzminister Marie Ellstätter, Exzellenz, der Kaufmann L. Ettlinger, die Frau Bertha Gut mann, der Kommerzienrat R. Herrmann, der Stadtrat F. Hamburger, Frau Justina Löwinger, der Nervenarzt Dr. M. Neu mann, der Fabrikant I. Schnuriwann, der Bankier M. A. Strauß, Frau Jenny Wormser hier, Herr I. Ab erle, Frau Alice Bensheim er, Fabrikdirektor A. Bensinger, Frau Emma Dreyfuß, die Kaufleute A. Fuld, E. Hirsch, der Geheime Kommerzienrat K. Ladenburg und dessen Gattin Jda, Frau Liese Lenel, der Kaufmann K. Nöther, Frau Konsul L. Simon in Mannheim. Gesterretch-Angarn. A Wien, 10. September. Schon vor längerer Zeit wurde hier ein Verein zur Kolonisation Palästinas begründet. Aber, wie es nun einmal hier geht, man hat bis jetzt absolut nichts von der Tätigkeit dieses Vereins gehört. Jetzt erläßt der Vorstand ein Zirkular, in dem er eifrige Tätigkeit im Interesse der Sache verspricht. Nun, wir wollen sehen, ob es dabei bleibt. Das Zentralkomitee des Vereins bilden die Herren: Wilhelm Stiaßny, Baurat, Vorsitzender, Leopold Sachs, Kaiserlicher Rat, Stellvertreter, Emil Horner» Prokurist des Hauses S. M. von Rothschild, Kassierer, Dr. Ernst Franz Weisl, Hof- und Gerichtsadvokat, Schriftführer, und Dr. Sigmund Zins, Hof- und Gerichtsadvokat, Stellvertreter. Dem Vorstand gehören ferner an die Herren: Licco Adutt, Vorsteher der türkisch-israelitischen Gemeinde. Redakteur Dr. Josef Bloch, Universitätsprofessor Dr. S. Ehrmann, Kultusvorstand, Oberrabbiner Dr. M. Güdemann, David Ritter von Gutmann, Dr. Edmund Kohn, Architekt, Oscar Marmorek, Universitätsprofessor Dr. Josef Pollak, Präsident des Humanitätsvereins B. B., Richard Rapaport, Rabbiner Dr. Adols Schmiedl, Ignaz Schiff, Schriftsteller Heinrich (Jork) Steiner, Dr. Alfred Stern, Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Wien, Dr. Bela Taujsig und Hosrat Siegmund Taussig, Kultusvorstand. — Am 5. d. M. ist hier der Kommerzienrat Gottlieb Taussig, Mitglied des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde, im 73. Lebensjahre gestorben. — Ferner ist hier der in weiten Kreisen bekannte Karlsbader Arzt Dr. Emmerich Hertzka de Tepla aus Pest infolge einer Operation gestorben. Schon sein Vater war beinahe ein Menschenalter hindurch Badearzt in Karlsbad. Der jetzt Heimgegangene hat sich viel Liebe erworben, besonders hat er auch den zur Kur anwesenden preußischen Beamten und ihren Angehörigen seit etwa zwanzig Jahren unausgesetzt Rat und Hilfe erwiesen. Infolge dieser langjährigen, hervorragenden Tätigkeit und seiner bekannten Herzensgute wurde er im Einverständnis mit der österreichisch-ungarischen Regierung vom Kaiser zum Königlich Preußischen Sanitätsrat ernannt. Ferner erhielt er vor mehreren Jahren den Roten Adlerorden und wurde in weiterer Anerkennung seiner hingebenden Tätigkeit, was unseres Wissens bei Ausländern bis jetzt noch niemals geschehen war, zum Ordensfeste nach Berlin eingeladen, um die Ordensdekoration im königlichen Schlosse in Empfang zu nehmen. Bei dieser Gelegenheit zeichneten die kaiserlichen Majestäten ihn nach der Tafel durch Ansprachen aus. In ärztlichen Kreisen war Hertzka de Tepla ebenfalls sehr angesehen. — Um die in der israelitischen Kultusgemeinde Pilsen erledigte Stelle des ersten Rabbiners haben sich bereits zahlreiche Bewerber gemeldet. Der Kultusvorstand wird jedoch erst nach den hohen Feiertagen sich mit der Frage der Besetzung des Rabbinates eingehend befassen. Bis dahin werden weitere Bewerbungen entgegengenommen. Eine formelle Ko^ikurrenzausschreibung findet nicht statt. Nutzwild. 0. Helfirrgfors, 1. September. In unserer Stadt wurde am 30. v. M. nach langen und eifrigen Bemühungen eine neue Synagoge feierlich eingeweiht, Die Festpredigt hielt der Oberrabbiner Professor Klein aus Stockholm. Sie erregte allgemeines Aufsehen. Die neue Synagoge ist ein zweistöckiges, mittelgroßes, in westeuropäischem Stil gehaltenes Gebäude. Im unteren Stockwerk befindet sich eine Schule, die aus vier großen Klassenzimmern und einem Rekreationssaal besteht, sowie die Wohnung des Lehrers. Die Baukosten betragen 110 000 finländische Mark. Die Synagoge in Helsingsors, wo gegen 60 jüdische Familien leben, ist der erste jüdische Tempel in Fiuland. Sie ist nach Plänen erbaut, die der schwedische Architekt Jakob Ahrenberg in Helsingfors entworfen hat. Von Msh und Lern. Dem Handelsrichter E. L. Netter, Mitinhaber der Firma Wolf Netter & Jacobi, hat der Großherzog von Baden die Friedrich- Luisenmedaille verliehen. — Durch den Verein für Arbeitsnachweis wurden im Monat August d. I. 236 Personen in Stellung gebracht und 37 Personen haben vorübergehende Beschäftigung erhalten. — Der Fabrikbesitzer Louis Nathan zu Nowawes hat den Kronenorden IV. Klasse erhalten. — Herr Wilhelm Chotzen, ehemals Zwirnfabrikant, welcher seit 50 Jahren in Ziegenhals (Schlesien) wohnt, veranstaltet, obwohl nur wenige israelitische Familien und keine Synagoge vorhanden, alljährlich an den hohen Festtagen in seiner Villa Gottesdienst und da im Orte zu wenige erwachsene Männer, werden fehlende von außerhalb, zumeist jüdische Soldaten, herangezogen; in diesem Jahre ist es zum fünfzigsten Male, daß der ehrwürdige Greis selbst vorbetet und die wenigen dort lebenden Glaubensgenossen die hohen Festtage würdig feiern. — Kommerzienrat Gustav Coppel in S oli n gen wurde zum Geheimen Kommerzienrat ernannt. — Zur Umwandlung der antisemitischen „Deutschen Volkswacht" in ein Tageblatt haben die Herren Graf Oriola 10 000 Mark und Freiherr v. Hehl zu Gerresheim ebenfalls 10 000 Mark beigesteuert. Und das sind die Führer der nationalliberalen Partei in Hessen! — Der Kaiser von Oesterreich h.at auf Vorschlag des Ministers a latere dem Agramer Oberrabbiner Dr. Hozea Jacobi, als Anerkennung für seine auf dem Gebiete des Religionswesens entfaltete Tätigkeit, das Ritterkreuz des Franz Josefordens verliehen. — Oberrabbiner Dr. Wertheimer in Genf, der seit 1874 nebenamtlich als Professor der semitischen Sprachen an der dortigen Universität wirkt, ist aus Gesundheitsrücksichten von seinem Lehramt zurückgetreten. Der Gelehrte steht im 75. Lebensjahre. — Der jüngst verstorbene Deputierte M. R. Bischoffsheim hat 75 000 Franks für wissenschaftliche Zwecke, 20 000 Franks für jüdische Wohltätigkeitsinstitute in Paris und 5000 Franks der jüdischen Gemeinde in Nizza vermacht. Die Summe seiner für die Pariser Universität begründeten Stiftungen beträgt über 2500000 Franks. —In Neapel ist Cav. Leone Vita Lattes, der Präsident und einer der Begründer der jüdischen Gemeinde, am 25. v. M. im 86. Lebensjahre gestorben. — In Karlsbad ist am 5. d. M. der Londoner Großkaufmann Louis Spitzl gestorben, welcher vor zwei Jahren mit seinen Transportschiffen die Blockade von Port Arthur durchbrach und der russischen Armee Kanonen und Proviant zuführte. Spitzl starb infolge einer Ohroperation im 48. Lebensjahre. — Anläßlich des Ausstandes jüdischer Bäcker fanden am 4. d. M. im Ostende Londons große Ruhestörungen statt. Die Gesellen zerstörten mehrere Bäckereien, worauf die Schutzleute mit Knütteln eingriffen. Im Handgemenge kamen mehrere gefährliche Verwundungen vor. Sieben Gesellen wurden verhaftet und zwei nach dem Krankenhause geschafft. — In Siedlce (Polen) fand am 9. d. M. ein förmlicher Pogrom statt. 100 Personen wurden getötet, 200 verwundet. Die Zahl der Verhafteten beträgt etwa 1000. Der Pogrom war wohlvorbereitet! — In Kertsch explodierte auf dem Boden der Hauptsynagoge eine Bombe; eine Person wurde getötet, eine andere verwundet. Die Synagoge wird militärisch bewacht.— In Odessa kam der bekannte Universitätsprosessor und Mitglied der Schwarzen Hundert, Nicolsky, der in Rußland frei herumsährt, an. Er brachte für die Schwarze Bande 2000 Mann ans, die gegen die Juden Vorgehen sollen. — Gregor Wilenkin ist zum russischen Finanzagenten in Tokio ernannt worden. — Der Kaid Anslus besetzte mit 300 Bewaffneten am 4. d. M. Mogador und befahl den jüdischen Kaufleuten, von denen mehrere unter dem Schutze europäischer Mächte stehen, das Maurenviertel zu räumen und nach dem Ghetto in Mellah zurückzukehren, widrigenfalls ihre Häuser und ihr sonstiges Eigentum verbrannt werden würde. Zwei englische Kreuzer in Gibraltar haben den Befehl erhalten, sich sofort nach Mogador zu begeben. Die Konsuln dieser Stadt besürchten, daß die muselmännischen Einwohner in ihrem Fanatismus gemeinsame Sache mit den aufrührerischen Stämmen gegen die Europäer und Juden machen.