Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 70 (1906)
- Issue
- Heft 37 (14.7.1906)
- Date
- 1906-07-14
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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- 2 hielt durch die Beweisaufnahme diese Angabe für nachgewiesen und erkannte gegen Wolpe auf Freisprechung. Dagegen wurde unter Bestätigung des ersten Urteils die Berufung des Miller verworfen, da das Amt eines Vorbeters sich als dasjenige eines Synagogenbeamten charakterisiere, weil ein solches eine rituelle Notwendigkeit in dem jüdischen Gottesdienst darstelle und von besonders hierzu auserwählten Personen versehen werde. 0. Stettin, 5. September. Auf das vor einigen Tagen eingereichte Gesuch des Herrn Rabbiner Dr. Vogelstein, in welchem derselbe die Bitte aussprach, die jüdischen Soldaten wegen des Neujahrsfestes schon am 19. September aus dem Manöverfelde in ihre Garnisonorte zu entlassen, ist soeben folgendes als dringlich bezeichnetes Telegramm vom Generalkommando des zweiten Armeekorps eingetroffen: „Bis 19. d. M. ist der größte Teil der Mannschaften entlassen. Soweit dies nicht der Fall, wird Soldaten jüdischen Bekenntnisses Gelegenheit gegeben, ihren religiösen Bedürfnissen nachzukommen. Generalkommando." Durch diesen Bescheid werden die Besorgnisse vieler Eltern, deren Söhne im zweiten Armeekorps dienen, beseitigt werden. r. Breslau, 9. September. Aus Anlaß der Anwesenheit des Kaisers in unserer Provinz sind u. a. folgende Orden und Auszeichnungen verliehen worden: Den Roten Adlero.rden IV. Klasse erhielten: Sanitätsrat Dr. Berliner in Kattowitz, Justizrat Friedmann in Glogau, Kaufmann Schlesinger in Breslau, den Kronenorden HI. Klasse: Geheimrat Prof. Rosan es hier, Stadtrat Grunwald in Ratibor, Ratsherr Pragler in Rybnik. Prof. Dr. Freudenthal wurde zum Geh. Regierungsrat, Jnstizrat Dr. Ludwig Cohn hier zum Geh. Justizrat, die Rechtsanwälte Boas und Freudenberg in Beuthen zu Justizräten, der Sanitätsrat Dr. Berliner in Bunzlau zum Geheimen Sanitätsrat ernannt. — Am Sonntag mittag fuhr die Kaiserin nach dem Besuch in der St.' Hedwigskirche nach dem israelitischen Krankenhause in der Hohenzollernstraße, wo sie von dem Vorstande empfangen wurde. Die Kaiserin besichtigte unter Führung der betreffenden Chefärzte die einzelnen Stationen und sprach sich lobend über die Einrichtungen, namentlich über die Operationssäle aus. i. Magdeburg, 5. September. Am 1. d. M. feierte, wie schon erwähnt. Herr Dr. Moritz Spanier sein silbernes Jubiläum als Lehrer und Sekretär der hiesigen Shnagogengemeinde. Bei dem am Morgen unter starker Beteiligung der Gemeinde abgehaltenen Gottesdienst hielt Rabbiner Dr. Wilde eine zündende Rede, in der er auf. die Bedeutung des Lehrerstandes hinwies. Sein Thema war: Die Gemeinde ehrt sich selbst, die ihre Lehrer ehrt. Mittags erschienen im Hause des Jubilars Deputationen der Gemeindeverwaltung und verschiedener Vereine, die unter herzlichen Glückwünschen wertvolle Geschenke überreichten und in längeren Ansprachen die Verdienste des Jubilars während seiner fünfundzwanzigjährigen Wirksamkeit hierselbst feierten. Am Sonntag Vormittag fand dann in der Aula der Religionsschule noch eine erhebende Schulfeier statt. Köln, 8. September. Vom 28. v. M. bis 1. d. M. tagte hier die Jahreskonferenz der zionistischen Weltorganisation. Die „Jahreskonferenz", die nur von den Funktionären der zionistischen Organisation beschickt wird, tritt immer in den Jahren zusammen, in denen kein „Kongreß" stattfindet. Die diesjährige Konferenz war gut besucht. Den Vorsik führte der Präsident des Aktionskomitees, Herr David Wolffsohn-Köln, der auch den Rechenschaftsbericht erstattete. Zionistische Landesverbände oder Gruppen sind in Australien, Neuseeland, Japan, China, der Mandschurei, Malakka, Aegypten, Südafrika, Marokko, Argentinien, Brasilien, Nordamerika, Kanada und allen Staaten Europas. Die Haupttätigkeit der Jahreskonserenz bestand darin, die Berichte über den Stand der Bewegung in den einzelnen Ländern entgegen zu nehmen und die Direktiven für die Zeit bis zum nächsten Kongresse festzusetzen. Besondere Aufmerksamkeit wurde den palästinensischen Angelegenheiten gewidmet. Mit besonderer Genugtuung nahm die Jahreskonferenz von den außerordentlich schnellen Fortschritten der Kunstgewerbeschule „Bezalel" in Jerusalem Kenntnis und bewilligte ihr einen Kredit zum Kauf eines Grundstücks und Bau eines Schulhauses. Dieses Institut ist berufen, die Juden Palästinas in kunstgewerblicher Heimarbeit auszubilden. Als ein bemerkenswertes Detail aus den Palästina betreffenden Verhandlungen sei hervorgehoben, .daß die Jahreskonferenz für die Waisen des blutigen Pogroms von Kischinew, die von zionistischer Seite nach Palästina hinübergesührt und dort zu tüchtigen Handwerkern und Ackerbauern herangebildet worden sind, den Boden für eine Farm zur Verfügung stellte. Im übrigen sprach sich die Konferenz mit Nachdruck dahin aus, daß bei ungeschwächter Fortführung der politisch-diplomatischen Verhandlungen die praktischen Vorbereitungsarbeiten in Palästina mit allen Mitteln zu fördern seien. Ein großer Teil der Beratungen galt dem Ausbau der Organisation. Für das Institut des „Jüdischen Nationalfonds", auS dessen Mitteln Boden in Palästina gekauft werden soll, und der aus kleinsten Spenden bereits bis auf 1V2 Millionen Francs angewachsen ist, wurde die gesetzliche Form geschaffen. Das Statut der Jüdischen Kolonialbank wurde dahin festgelegt, daß ihre kolonisatorische Tätigkeit auf Palästina und den Orient begrenzt wird. Die Jahres- ' konferenz nahm weiter die Berichte der Propaganda und der volkswirtschaftlich-statistischen Kommission entgegen. Großes Interesse boten die Mitteilungen des Vorsitzenden der Kommission zur Erforschung der Ursachen und Wirkungen der Pogrome, deren Ergebnisse in einem groß angelegten Werke der Oeffentlichkeit vorgelegt werden sollen. 6. Frankfurt a. M., 5. September. Hier ist am 12. d. M.einer unserer geachtetsten Mitbürger gestorben, der Direktor der Deutschen Effekten- und Wechselbank, Hermann Rais. Am 14. d. M. fand unter lebhafter Beteiligung die Leichenfeier statt. Auf dem Friedhofe entwarf Rabbiner Dr. Seligmann ein Bild des Dahingeschiedenen und rühmte seine Herzensgüte. Direktor Karl Herzberg sprach namens der Deutschen Effekten- und Wechselbank und ihrer Verwaltung dem unermüdlichen Mitarbeiter Dank für seine vorbildlich bleibende Hingebung und Pflichttreue aus. Direktor Dr. S. Adler brachte namens der Frankfurt-Loge dem verehrten Bruder, der seit Bestehen der Loge ihren Zielen eifrig und unermüdlich seine Kraft widmete, den Abschiedsgruß. Charles L. Hallgarten, der Vorsitzende des Gumpertzschen Siechenhauses, würdigte die Verdienste von Rais um diese humanitäre Anstalt, in der er jedem Kranken als ein Freund gegenüberstand. Endlich brachte Herr Hauck.für die Witwen- und Waisenkasse von Mitgliedern der Vereinigten Stadttheater dem Mitbegründer und Vorstandsmitglied dieser Anstalt deren Tank für das segensreiche Wirken des Verstorbenen dar. i. Karlsruhe, 9. September. Anläßlich des Jubelfestes unseres Großherzogs haben folgende Herren Auszeichnungen erhalten: Der Vorsitzende Rat beim Verwaltungshof, Geheimer Regierungsrat Dr. D. H. Mayer wurde zum Geheimen Oberregierungsrat, der Domänenrat M. Rei nach bei der Forst- und Domänendirektion zum Geh. Finanzrat ernannt. Ferner haben erhalten das Ritterkreuz erster Klasse: mit Eichenlaub: der spanische Konsul H. Nauen in Mannheim; das Ritterkreuz erster Klasse mit Eichenlaub des Ordens vom Zähringer Löwen : der Oberlandesgerichtsrat Dr. Stein hier, der Obmann des Ausschusses der Aerzte, Medizinalrat Dr. I. Lindmann in Mannheim, der Stadt- und Konferenzrabbiner Dr. M. Steckelmacher in Mannheim; das Ritterkreuz erster Klasse: die Handelsrichter Kaufmann L. Ettlinger hier, Großkausmann I. Darmstädler in Mannheim, die Rechtsanwälte A. Kusel hier und M. Sinauer in Freiburg, Dr. Abraham Staadecker in Mannheim, der Bezirksrabbiner Dr. B. Mayer in Bühl, die Stadträte M. Stockheim in Mannheim, Bankier F. Hamburger und Rechtsanwalt Dr. F. Weill hier, der Rechtsanwalt und Stadtverordnete Dr. M. Friedberg hier, der Fabrikant W. Schräg in Bruchsal, der Privatmann A. Lenel in Mannheim, der Kaufmann B. Bodenheimer in Mannheim, der Fabrikant E. R e i s in H e i d e l b e r g; das Ritterkreuz 2. Klasse: der Synagogenrat F. Mayer hier, die Synagogenratsvorsteher und Bezirksältesten Stadtrat L. Marx und E. Carleb ach in Heidelberg, der Kaufmann W. Fulda inMannheim; das Verdienstkreuz vom Zähringer Löwen: der Volksschulhauptlehrer Heidingsfeld in Freiburg, der Synagogenvorsteher und Gemeinderat Bernheim in Tiengen, die Bezirks ältesten H. Halle in Hocken heim und L. Hochstetter in Ladenburg; die kleine goldene Verdienstmedaille: der Kanzleigehilfe F. Wilhermsdörfer beim Oberrat der Israeliten; die Friedrich Louisen-Medaille erhielten: der praktische Arzt L. Fried - berg und die Frau Minna Wertheimer in Bruchsal, die Frau