Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 70 (1906)
- Issue
- Heft 35 (31.8.1906)
- Date
- 1906-08-31
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 König Friedrich Wilhelm IV., die feierliche Eröffnung der hiesigen israelitischen Waisenknaben-Anstalt. Fünf Jahre später wurden zum Erwerb eines eigenen Gebäudes durch Kabinettsordre vom 14. August 1841 ein beihilfliches Gnadengeschenk von 300 Reichstalern gewahrt. — Die Anstalt hat seit ihrem bald siebzigjährigem Bestehen mehr als 200 Zöglinge als brave und nützliche Mitglieder dem bürgerlichen Leben zugeführt. Kp. Alts der Provinz Posen, im August. Lehrer Jacubowski in Neuenburg beging neulich sein 25jähriges Dienstjubiläum. Herr Jacubowski, ein Zögling des Berliner Lehrerseminars, hat die ganze Zeit an derselben Schule gewirkt. — Derlangjährige Direktor des Vorschußvereins in Ostrowo, Oekonomierat D. Go ldstein, hat sein Amt medergelegt; an seine Stelle ist der Kaufmann Salv Joseph: daselbst gewählt worden. — Der Fabrikbesitzer Isidor Kallmann in Argen au hat neuerdings zur Errichtung eines Kaiser Friedrich - denkmals wiederum 1000 Mark gespendet. — Lehrer Josephso.hu in Rakwitz, der kürzlich dort sein 25jähriges Dienstjubiläum beging, hat von dem dortigen Lehrerverein aus diesem Anlasse eine goldene Uhr als Geschenk erhalten. Zerkow, 20. August. Die hiesige jüdische Schule zählt, wie die „Pos. Ztg." berichtet, nur einen Schüler, mit dem sich nun der Lehrer täglich 5 Stunden beschäftigen muß. Da der Knabe hierdurch geistig zu sehr angestrengt wird, will sich der Vater desselben an die zuständige Behörde wenden, daß der Unterricht täglich auf drei Stunden ermäßigt wird. Die Regierung gedenkt die Schule aufzulösen, denn dieser eine Knabe würde ihr und der jüdischen Gemeinde jährlich ungefähr 2400 Mark kosten. o. Nakel, 19. August. Am 6. d. Mts. waren 25 Jahre verflossen, seit Herr Dr. Perlitz sein Amt als Rabbiner der hiesigen jüdischen Gemeinde angetreten. Gestern vormittag HV2 Uh? versammelten sich die Mitglieder des jüdischen Korporationsvorstandes und Repräsentantenkollegiums, die Herren des jüdischen Schulvorstandes, sowie die Vorstände der verschiedenen jüdischen Wohltätigkeitsvereine und viele Freunde des Hauses in der Wohnung des Jubilars, um ihm zu diesem Ehrentage auch offiziell herzliche Glückwünsche zu überbringen. — Nachdem ein mehrstimmiger Kinderchor unter Harmoniumbegleitung die Feier mit der Bernh. Kleinschen Motette über den 23. Psalm: „Der Herr ist mein Hirt" eingeleitet, ergriff zuerst Herr L. Baerwald als Vorsitzender des Gemeindevorstandes das Wort. In längerer Ansprache wies er darauf hin, wie der Jubilar während seiner vieljährigen Amtstätigkeit einer friedlichen Entwicklung der Gemeinde treu gedient und wie er seines geistlichen Lehr- und Seelforgeramtes allzeit mit Liebe und Hingabe gewaltet habe; in tiefer Rührung gedachte der Redner des Tages, da er selbst den Jubilar in sein Amt ein geführt habe, mit dem vereint er nun diese 25 Jahre für die Gemeinde wirken durste. Nachdem er des weiteren auch der Frau Dr. Perlitz für die werktätige Nächstenliebe, wie sie diese im Rahmen des jüdischen Frauenvereins jederzeit treu, unermüdlich und unverdrossen geübt, gedankt, überreichte er dem Herrn Jubilar ein Portefeuille mit Wertpapieren und schloß mit heißen, innigen Glück- und Segenswünschen für das Wohl des Jubilars und seiner Familie. — Aufs tiefste bewegt dankte dieser: Der Vorstand der Gemeinde, sowie die Gemeinde selbst habe während der 25 Jahre seiner hiesigen Amtstätigkeit seinem Streben und Wirken so viel Wohlwollen und Verständnis entgegengebracht, habe ihm aus Anlaß der mannigfachen Familienfestlichkeiten in seinem Hause soviel Güte und Freundlichkeit erwiesen, und er selbst, sowie seine Familienmitglieder haben hier viel treue und hingebende Freundschaft gefunden, daß er die Stunde segne, die ihn in diese freundliche und friedfertige Gemeinde geführt habe. Mit herzlichstem Danke für alle Beweise der Liebe und des Wohlwollens und mit inniger Fürbitte für das fernere Wohl der Gemeinde, ihrer Vertreter und jedes einzelnen in ihr, sowie für die gedeihliche Weiterentwicklung ihrer wohltätigen Institutionen schloß tiefgerührt der Jubilar. — Nunmehr sprach Bürgermeister Riedel namens des jüdischen Schulvorstandes herzliche Worte der Anerkennung für die pflichttreue Hingabe des Herrn Dr. Perlitz, die er in seinem Amte als Ortsschulinspektor sowohl, wie auch als Mitglied des Schulvorstandes nun fast 25 Jahre bewiesen habe, und erwähnte rühmend auch dessen Tätigkeit als Religionslehrer an der städtischen gehobenen Mädchenschule; als Festgabe werde die Körperschaft ein Bild, das leider nicht rechtzeitig zu beschaffen gewesen sei, in einigen Tagen überreichen; der Redner gab dem Wunsche Ausdruck, dem Jubilar möge es noch lange Jahre vergönnt sein, in geistiger und körperlicher Frische seiner Aemter zum Wohle der Schule zu walten. — Dr. Perlitz dankte bewegt für diese Wünsche, die ein ^erneuter Beweis der Güte und Liebe seien, die ihm-der heutige Tag in so übervollem Maße bringe; er wolle auch ferner gern und freudig seine Kraft der Schule, der sein ganzes Herz gehöre, widmen; er wünsche Gottes reichsten Segen der Stadt und ihren Bewohnern allen. — Alsdann widmete Lehrer Peczkowski herzliche Glückwünsche dem Jubilar sowohl, als auch einer seiner wichtigsten Schöpsungen in hiesiger Gelneinde, der am 20. November 1881 eröffneten hebräischen Unterrichtsanstalt, die durch ihren ununterbrochenen 25jährigen Bestand ein strahlendes Ruhmesblatt in des Jubilars segensreichem Wirken sei; auch diese Religionsschule könne in diesem Jahr mit ihrem Begründer und Dirigenten das 25 jährige Jubelfest begehen; über beiden möge Gottes Segen walten zum Heile unserer Jugend. — Nachdem Dr. Perlitz auch Herrn Peczkowski als seinem langjährigen Mitarbeiter herzlichst gedankt hatte, überreichten die vereinigten jüdischen Schüler und Schülerinnen des Gymnasiums, der gehobenen Mädchenschule und der Volksschule dem Jubilar ein Festgeschenk. — Mit dem Gesang des Psalmes 122, 7—9 „Sei Friede in deinen Mauern und Glück in deinen Räumen" schloß die erhebende und stimmungsvolle Feier. x Schwientochlowitz, im August. Von hier wird der „Breslauer Morgenzeitung" geschrieben: Wie der Blitz verbreitete sich hier die Kunde von einem Menschenraube zu „Nitualzwecken". Die jüdischen Handelsleute Rechnitz und Klatter aus Polen waren geschäftshalber nach Schwientochlowitz gekommen. Rechlitz hatte seine beiden Knaben mitgebracht, die unterwegs in Streit gerieten, der in eine Prügelei ausartete. Der Vater trat dazwischen und strafte die Knaben ab, die deshalb zu weinen begannen. In der dichten Volsmenge. die im Nu um die Handelsleute sich gebildet hatte, verbreitete sich sofort die Kunde, die zwei Knaben seien christlicher Herkunst und von den Juden geraubt worden, um abgeschlachtet zu werden. Der Pöbel fiel über die beiden Männer her, mißhandelte sie in überaus roher Weise und schleppte sie zu dem Gendarmeriewachtmeister Skolik, der die Menge jedoch sofort auseinandertrieb und der bedauernswerten, mißhandelten Gesellschaft seinen Schutz angedeiben ließ. Der Vorgang spielte sich gegen 10 Uhr abends ab, und wenn nicht einige besonnenere Leute darunter gewesen wären, die den Pöbel von weiteren Ausschreitungen abhielten, so wären die Mißhandelten kaum mit dem Leben davongekommen. Dieses Beispiel beweist von neuem, wie sehr das oberschlesische Volk noch der Aufklärung bedarf. I. Lübbecke, 15. August. Hier feierten Herr M. N. Rosenberg und dessen Gemahlin das Fest der goldenen Hochzeit im Kreise aller ihrer Kinder und zahlreicher Enkel; ein Sohn, seit vielen Jahren in Amerika wohnhaft, überraschte die Eltern und vervollständigte den Festkreis der. Familie. Dankbare Hände hatten die von treuem Wirken und glücklichsten Ehebunde zeugende Wohnstätte der Jubilare aufs prächtigste geschmückt. Von nah und fern liefen zahlreiche briefliche und telegraphische Glückwünsche nebst sinnigen Aufmerksamkeiten ein; das Lübbecker Kreisblatt ehrte die Gefeierten in einem herzlichen Artikel. Einige Tage zuvor überreichte der Bürgermeister Pütz in: Namen des Kaisers dem noch rüstigen, geistesfrischen und sehr gebildeten Ehepaare die goldene Ehejubiläums-Medaille mit herzlicher Ansprache. Die jüdische Gemeinde und ein großer Teil der Bürgerschaft ließen es sich nicht nehmen, dem Greisenpaare ihre Ovationen darzubringen, während die Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr sie mit einem Ständchen erfreute. Herr Rosenberg bekleidete in hiesiger Synagogengemeinde lange Zeit das Amt des Vorsitzenden der Repräsentanten in Pflichttreue; Frau Rosenberg kann hingegen auf eine 50jährige Mitgliedschaft zum „Israelitischen Frauenverein" zurückblicken, in welchem sie häufig die Funktionen der Vorsteherin bezw. Rendautin erfolgreich ausübte. Möge der Herzensbund des Jubelpaares noch durch viele glückliche Jahre gesegnet werden! — Am 14. d. M. wurde der ehemalige langjährige Vorsteher des Synagogenbezirkes Buer-Melle-Rabber, Herr S. Rose in Buer unter großem Gefolge zu Grabe gebracht. Mit dem Entschlafenen, der ein hohes Alter erreichte, ist ein zielbewußter, tüchtiger Leiter seiner Gemeinde