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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-08-24 · Heft 34 (24.8.1906) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 34 (24.8.1906)
Date
1906-08-24
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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n. Breslau, 14. August. Am 11. d. fand die Beerdigung des Fabrikbesitzers und Handelsrichters Heinrich Hamburger, der am Freitag plötzlich in Dresden gestorben ist, auf dem Friedhofe in der Lohestraße statt. Autzerordentlich groß war die Zahl derer, die erschienen waren, ihm die letzte Ehre zu erweisen. Die Feier wurde mit einem Aesang eingeleitet. Dann hielt Herr Rabbiner Dr. Guttmarin die Trauerrede. Er schilderte den Verstorbenen als einen Mann mit reichen Gaben des Geistes und Charakters. Liebe, Treue und Gerechtigkeit waren die Grundzüge seines Wesens. In seinem Berufe zeigte er große Umsicht. Unter den Klängen des Liedes: „Es ist bestimmt in Gottes Rat" wurde der Sarg der Erde übergeben. Ehre seinem Andenken! — Am 25. v. M. haben die Ferienkurse für jüdische Lehrer ihr Ende erreicht. Dieselben waren von 32 Lehrern und Lehrerinnen besucht. Man konnte allgemein die Wahrnehmung machen. daß die Teilnehmer mit Eifer und. großem Interesse den Vorlesungen folgten. Zn einer gemeinsamen Besprechung sprachen die Teilnehmer den Wunsch arls, daß diese Kurse jedes Jahr stattfinden sollten. Lehrer Moops übernahm es, diesen Wunsch den maßgebenden Persönlichkeiten zu übermitteln und ebenso den Gemeindebehörden für die gewährte Förderung des Unternehmens zu danken. Am 24. v. M. fand noch ein gemütliches Zusammensein der Teilnehmer statt, das einen sehr angenehmen Verlauf nahm und die Anwesenden bis zum frühen Morgen in angeregter Unterhaltung zusammenhielt. r. Magdeburg, im August. Am 10. d. M. fand die feierliche Einführung unseres neuen Rabbiners Dr. Georg Wilde ans Breslau statt. Nach dem Minchagebet wurde der Herr Rabbiner von den Mitgliedern des Vorstandes und der Repräsentantenversammlung von dem Konferenzzimmer des Gemeindehauses aus in die festlich geschmückte, von Gemeindemitgliedern dichtgesüllte Synagoge geleitet, woselbst der Vorsitzende des Vorstandes, Herr I. Lindenthal, das neue geistliche Oberhaupt, den Nachfolger des Dreigestirns: Philippson, Güdemann, Rahmer, mit einer sinnigen Ansprache herzlich begrüßte, auf die an einen Rabbiner zu stellenden Anforderungen': Charakterfestigkeit, Friedfertigkeit, wohlwollende Gesinnung gegen jedermann hinwies; die Gemeinde, so betonte der geschätzte Redner» bringe ihm Ehrerbietung und Sympathie entgegen; wenn er das Vertrauen rechtsertige. so würde der heutige Tag ein freudiger Gedenktag für die Gemeinde allezeit bleiben. Der Herr Vorsitzende schloß mit des Psalmisten Wort: Gepriesen sei, der da kommt im Namen Gottes, wir begrüßen Sie aus dem Hause des Ewigen. Dr. Wilde, der bereits Peßach und Schownans durch seine geistvollen Predigten, die sich von jedem hohlen Pathos und schauspielerischer Geziertheit fernhielten, die Mitglieder unserer Gemeinde für sich gewonnen hatte, hielt dann seine schwungvolle Antrittsrede, die auf alle Zuhörer einen herzerhebenden Eindruck machte. Der Prediger verglich einleitend die Entwicklungsgeschichte des Judentums mit der Wandlung an Baum und Blüte; das Judentum sei einem^Baume vergleichbar, der in starkem Boden wurzele, aber auch der Sonnenstrahlen zu einer gedeihlichen Entwicklung bedürfe. Verfehlt sei das Bestreben, den alten Baum gewaltsam von seiner Stelle zu rücken, verfehlt ihn mit dumpfer Mauer zu umgeben und die dürren, abgestorbenen Blätter eifrig st und ängstlich zu hüten. Die Hauptgrundsätze des Judentums seien schon von Abraham gelehrt worden: Es gibt nur einen Heiligen Gott; er hat nur ein Heiligtum — die Welt und das Wohl unserer Mitmenschen. Auch Salomo hat später bei der Einweihung des Tempels ähnliches gesprochen und damals sicherlich die Priester ermahnt, Nachsicht und Duldung zu üben, und sich stets dessen bewußt zu bleiben, daß nicht das Haus, das er erbaut habe, sondern daß die Welt die Wohnstätte Gottes sei. Wir müßten wie Salomo wissen, daß Gott überall ist, aber wir rufen ihn an in seinem Hause, das seinem Namen geweiht ist; alles preist Gott, wir aber sollen es in der heiligen Sprache tun; das Gute lebt überall, wir aber sollen es vor allem im jüdischen Hause suchen und pflegen. Unter Zugrundelegung von Leviticus 8, 33 und 35, kennzeichnete der Redner die Pflichten eines Geistlichen, der immer bemüht sein müsse. Augen und Herzen seiner Mitglieder auf das Hohe und Erhabene im Judentum zu richten, und schloß mit einem innigen Gebet zu Gott, ihm Krast zu verleihen, jene Vorsätze 'auszuführen, daß sein Wirken sich zu einem segensreichen gestalten möge. D Witten, 8. August. Hier hat am 5. d. M. der 38. Verbandstag Rheinisch-Westfälischer Bildungsve reine getagt. Zugleich fand die Feier des 40jährigen Bestehens des hiesigen Bildungsvereins statt, bei der Oberbürgermeister Dr. Haarmann in seinem Trinkspruch die Geschichte des Vereins rekapitulierte und unserem emer. greisen Prediger und Lehrer I. O/twald eine Anerkennung spendete, wie er sie schöner fich nicht wünschen tonnte. Dieselbe ist um so beachtenswerter, als Herr Ostwald seinerzeit von den Antisemiten unter Führung des berüchtigten verstorbenen Dr. König in Witten aus der Leitung des Bildungsvereins verdrängt worden war. Und nun dieses glänzend.e Lob aus dem Munde des Wittener Oberbürgermeisters, der u. a. folgendes sagte: Die Erinnerung an die damalige Zeit sei geeignet, ihn wehmütig zu stimmen, wenn er daran denke, wie seitdem einer nach dem anderen dahingegangen sei, nur wenige Säulen ständen noch ausrecht, darunter ein kleines Säulchen, H er r O stw a 1 d, der Gründe r de s Vereins, dessen Verdienste sich aber weit über die Grenzen des Bildungsvereins erstreckten. Denn wo es fich darum gehandelt habe, gemeinnützige Angelegenheiten zu fördern, da sei Herr Ostwald stets mit warmem Herzen, mit Rat und Tat dabei gewesen. Die jüdische Gemeinde könne sich glücklich preisen, daß ein so allgemein geachteter Mann solange als Lehrer und Kultusbeamter ihr gedient habe. Hierauf ergriff der Bereinsvorsttzende, Oberlehrer Stölting, das Wort. Der Dank, der dem Vorstände zuteil geworden, gebühre wohl weniger ihm als denjenigen Männern, die den Verein gründeten. Zwei Herren weilten noch in unserer Mitte, die sich um die Gründung und Entwicklung des Bildungsvereins große Verdienste erworben hätten; es seien Herr Jakob Oftwald und Herr Hermann Krüger sen. Von ersterem sei die Anregung ausgegangen, von ihm seien auch die ersten Aufrufe unterzeichnet worden; Herr Ostwald sei also der eigentliche Gründer, und ihm gebühre in erster Reihe der Dank des Vereins. Um nun diesem Danke Ausdruck zu geben, habe der Vorstand beschlossen, ihn zum Ehrenmrtgliede des Vereins zu ernennen. Herr Stölting überreichte dann unter dem Beifall der Festversammlung dem Jubilar die Ehrenurkunde, bestehend tu einem künstlerisch ausgestatteten Diplome. Sichtlich gerührt nahm Herr Ostwald die Urkunde in Empfang, worauf er in längeren Ausführungen, sich zugleich auch zum Dolnietsch der dankbaren Gefühle des Herrn Krüger machend, dem Verein für die ihm so ganz überraschend gekommene hohe Ehrung herzlichsten Dank sagte. 0. Hörde, 15. August. Hier tagte anfangs der Woche der rheinisch-westfälische Verband der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur. Anwesend waren Vertreter der Vereine Bochum, Gelsenkirchen, Wattenscheid, Ellen, Dortmund, Hörde, Witten und Elberfeld. Nach einigen geschäftlichen Mitteilungen des Vorsitzenden Gähnlein-Bochum wurden interne Vereinsangelegenheiten besprochen und die Rednerliste für den kommenden Winter festgesetzt. Der in Unna neugegründete Verein wurde in den Verband ausgenommen und in längerem Gedankenaustausch Essen als Vorort für die nächsten Jahre in Vorschlag gebracht. Die Haupttätigkeit des Verbandes liegt in dem dankenswerten Entge^nkommen der größeren Vereine, durch Zahlung höherer Honorare auch den kleineren Vereinen die Möglichkeit zu schaffen, Männer von Ruf als Redner zu gewinnen. B. Geestemünde, 15. August. Von den Gemeindekvllegien war beim Provinzialrat der Antrag gestellt, den Geestemünder Frei markt im Jahre 1907, welcher auf die Tage vom 8.—11. September fallen würde, mit Rücksicht auf die während dieser Zeit stattfindenden jüdischen Festtage —- Neujahr und Fasten Gedaljah — welche zahlreiche Marktbezieher sernhalten würden, auf einen früheren Termin, Und zwar auf die Tage vom 28.—31. Juli zu verlegen. Der Provinzialrat hat' diesem Anträge entsprochen. — Emden, 10. August. Um den Juden zu suchen, der sich alle Jubeljahre einmal bereit finden läßt, fich zum Christentume zu bekehren, zog vor kurzem der Vertreter des Westdeutschen Vereins für Israel, der Pastor Wagner aus Köln, nach Ostfriesland. Er schlug sein Feldlager gegen den semitischen Teufel zunächst in der reformirten Kirche zu Emden auf und rückte dem Bösen mit einer geharnischten Predigt zu Leibe über

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