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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-08-10 · Heft 32 (10.8.1906) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 32 (10.8.1906)
Date
1906-08-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Berlin, 10. Anglist 1906. 70, Jahrgang, üo. 32. Der Geineindevote. Drilsge zur „Allgemeinen Leitung deß IudentumK". korrelpondtnrm und Sschrichtm. Deutschland. s. Berlin, 1. August. Der Rentier Alexander Loewenherz feierte am 29, v. M., wie schon kurz gemeldet, in voller geistiger und körperlicher Frische seinen 70. Geburtstag. Als Begründer der. Firma Alexander Loewenherz, die an hiesiger Börse zum erstenmal ein Prämiengeschäft in großem Maßstabe organisiert hat, ist er in weiteren Kreisen bekannt, und noch heute steht sein Name an der Spitze des Prämien-Kursberichts einer großen Tageszeitung. Auch iNr kommunalen Interesse war Alexander Loewenherz als Mitglied verschiedener Steuerkommissionen tätig, und im engeren Kreise wirkt er noch im Vorstande der jüdischen Reformgemeinde, zu deren Begründern sein Vater zählte. Viele Deputationen, die den Jubilar in seinem Sommerheim zu Groß-Lichterfelde durch Ansprachen beglückwünschten, legten Zeugnis ab von der Beliebtheit, deren er sich in weiten Kreisen erfreut. 8. Berlin, 5. August. Die Fürsorge für die Pogrom-Waisen, die außerhalb Rußlands ihre Erziehung erhalten sollen, ist von den jüdischen Organisationen der Leitung der Großloge für Deutschland U. ö. B. B. unterstellt worden. Die Alliance Israelite Universelle hat jedoch dieses Werk der Menschenliebe nicht ohne ihre Teilnahmegeschehen lassen wollen und hat deshalb für die Bialystoker Waisen fünf Freistellen in der Israelitischen Erziehungsanstalt zu Ahlem bei Hannover gestiftet. Als Erziehungsbeitrag für diese Waisen hat die Alliance zunächst 16 000 Mark bestimmt, und zwar rechnet dieser Betrag gesondert neben der Summe von 20 000 Mark, die die Alliance zur Linderung der ersten Not nach Bialystok geschickt, und auch neben den 100 000 Rubeln, die sie in Gemeinschaft mit den Bruderinstituten in Europa und Amerika für das heimgesuchte Bialystok angewiesen hat. Die Alliance handelt hierbei lediglich nach ihren Satzungen und und Traditionen, die ihr anbefehlen, jedes Leid, das irgendwo unseren Glaubensbrüdern in ihrer Eigenschaft als Juden widerfährt, als selbsterfahrenes Leid zu betrachten. 8. Berlin, 5. August. Am 23. und 24. v. M. weilten hier die Delegierten der „Vereinigungen jüdischer Akademiker" von München und Straßburg i. E., um mit den Vertretern der V. I. A.- Berlin die Gründung eines „Bundes Jüd ischer Akademiker" zu beraten. Die Festlegung der Bundesstatuten und die Stellung, die der Bund gegenüber den Zeitströmungen innerhalb der jüdischen und akademischen Welt einttehmen sollte, waren Gegenstand der zwei Tage dauernden Verhandlungen. Am Dienstag abend wurde der Bund einstimmig begründet. Zum gegenwärtigen Präsidialverein wurde der V. I. A.-Berlin gewählt, deren Vorsitzender cand. Phil. I. Wohlgemuth statutengemäß zugleich zum Vorsitzenden des Bundes ernannt wurde. Der Bund erstrebt, alle Vereinigungen jüdischer Akademiker, die auf dem Boden des gesetzestreuen Judentums stehen, zu verbinden, damit sie so, geeint, sich selbst untereinander stützen können, und nach außenhin eine mächtige Phalanx bilden gegen alle das Wesen des Judentums bedrohende Tageserscheinungen. Dieses hehre Ziel kann nur erreicht werden, wenn alle Kräfte, die sich in der akademischen Welt bereits befinden und die, welche ihr noch zugeführt werden sollen, sich einen. Daher rufen wir allen denen zu, denen die lebendige Fortpflanzung der jüdischen Gedankenwelt Lebensnerv und Lebensinhalt bedeutet: „Führet uns alle diejenigen zu, die einst als akademische Bürger zugleich die Träger der lichtvollen jüdischen Ideenwelt sein sollen!" Möge dies Streben Anklang finden und dem Judentum zum Heile gereichen! e. Posen, 20. Juli. Einer der geachtetsten Bürger hiesiger Stadt, Herr M. Scherek, beendete am Montag, den 16. d. M., sein 80. Lebensjahr. Derselbe zählt zu den ältesten Mitgliedern unserer Synagogengemeinde. Bei allen Wohlfahrtseinrichtungen ist der Jubilar mit Rat und Tat obenan. Darum waren die Vereinsvorstände fast vollzählig als Gratulanten erschienen. Eine offizielle Feier fand nicht statt; wahrscheinlich ist es der Wunsch des Jubilars gewesen. Nur die Familienmitglieder im engsten Kreise feierten den Geburtstag ihres Oberhauptes. Möge der hochbetagte Greis noch recht lange den Seinen erhalten bleiben. W. Kolherg, 2. August. Am 28. v. M. beging das jüdische Kurhospital sein 32. Stiftungsfest. Der Eingang des Hauses sowie die Synagoge selbst waren durch Baumwerk und Guirlanden festlich geschmückt. Zn Verbindung mit dem Sabbatgottesdienst wurde dieser bedeutungsvolle Tag durch einen Festgottesdienst verherrlicht. Schon vor Beginn dieser weihevollen Feier war die Haussynagoge von den zahlreichen Badegästen, sowie auch von den im Hause befindlichen Pfleglingen bis auf den letzten Platz gefüllt, so daß noch ein großer Teil der Festgemeinde in den Hallen und Korridoren Platz suchten. Nach Verlesung des Gotteswortes und des Prophetenabschnittes erhielt erst die festliche Bedeutung des Tages durch die Festpredigt des Rabbiner Dr. Goldschmidt die eigentliche Weihe. Der Redner knüpfte in seiner Betrachtung an das Prophetenwort Jesaias 1, 27 an und führte aus, daß Recht und Menschenfreundlichkeit die beiden unerschütterlichen Säulen der sittlichen Welt seien. Am Schlüsse seiner Betrachtung gab der Redner in einem Rückblick auf die 32 jährige segensreiche Wirksamkeit der Anstalt dem Danke an die zahlreichen Wohltäter, insbesondere für die im Lause des Jahres ins Leben getretenen Stiftungen und namhaften Schenkungen, warmherzigen Ausdruck. Der Gottesdienst schloß mit einer erhebenden Totenfeier, zum ehrenden Gedächtnis an die zur ewigen Ruhe eingegangenen Wohltäter. Zur Nachfeier des Stiftungsfestes fand am 1. d. M. ein Wohltätigkeitskonzert zum Besten der Anstalt im großen Feftsaale des hiesigen Strandschlosses statt, welchem hervorragende Künstler in uneigennütziger Weise ihre Wirkung zugewendet hatten; das Konzert erfreute sich wie in den Vorjahren einer recht zahlreichen Teilnahme durch die Badegäste und Einheimischen. n. Breslau, 22. Juli. Am 18. v. M. starb hier Herr Justizrat Callomon, wie schon kurz gemeldet. Derselbe gehörte zu den angesehensten Rechtsanwälten und Notaren unserer Stadt. Er war auch seit 1902 Mitglied der Repräsentantenversammlung, in deren Diensten er seine ganze freie Zeit mit aufopferungsvoller Bereitwilligkeit widmete. Wie beliebt und angesehen der Heimgegangene, sowohl in unserer Stadt, als auch unter seinen Kollegen gewesen ist, bewies die Trauerfeier, die am 20. v. M. auf dem alten Friedhose auf der Losestraße stattfand. Zwei Wagen, reich beladen mit Blumenspenden, fuhren dem imposanten Leichenzug voraus, der sich vom Trauerhause nach dem Friedhofe bewegte. Besonders herrliche Kränze hatten der Vorstand der Anwaltskammer und des Konsum- Vereins, denen der Heimgegangene als Vorstandsmitglied angehört hatte, sowie die Rechtsanwälte des Landgerichts, das Kuratorium der Fränkelschen Stiftungen, in deren Diensten der Verstorbene als Justitiar gestanden hatte, und der Synagogenvorstand gespendet. Zahlreiche Richter des Landgerichts und Kollegen, sowie Mitglieder derjenigen Wohlfahrtseinrichtungen und Vereine, denen der Verblichene angehört hatte, waren erschienen, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Rabbiner Dr. Guttmann hielt die Leichenrede, in der er ein anschauliches Lebensbild des Verstorbenen entwarf und ganz besonders die Schlichtheit seiner Persönlichkeit und seinen Wohltätigkeitssinn hervorhob. Dann wurde der Sarg zum Grabe getragen und der Erde übergeben. Sein Andenken sei zum Segen! 1. Benthen lO.-Schl.), 1. August. In einer der letzten Stadtverordnetensitzungen gab Rechtsanwalt Freudenberg namens der liberalen Partei des Stadtverordnetenkollegiums die Erklärung ab, daß von dieser Partei die Einleitung des Strafverfahrens gegen die antisemitische „Ober schlesische Zeitung" in Beuthen wegen eines in der letzten Sonntagnummer enthaltenen Artikels betreffend die lebte Stadtratswahl, in welchem gegen die jüdisch-liberale Partei

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