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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-08-03 · Heft 31 (3.8.1906) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 31 (3.8.1906)
Date
1906-08-03
Page
– (sequence 13)
Language
German
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70. Jahrgang. No. 31. ßlH^ftl&ßTßOtß Berlin, 3. August 1906 Beilage zur „Allgemeinen Leitung de§ Judentums". Lorrrlpondrnrm und Kachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 30. Juli. In der letzten Sitzung des Ausschusses der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums waren anwesend die Herren: Adler, Braun, Cohen, Karpeles. Lucas, Philippson, Porges, Simonien, Weiße. Entschuldigt die Herren: Bacher, Bärwald. Baneth, Bloch, Guttmann, Kroner, Maybaum, Posnanskh, Rosenthal, Schwarz, Steckelmacher, Werner. Professor Philippson eröffnete die Sitzung mit herzlichen Dankesworten für die Adresse des Ausschusses zu seinem 60. Geburtstag und begrüßte den jüngst in den Ausschuß gewählten Rabbiner Dr. Porges. Es folgte die Beratung der Tagesordnung. Zunächst referierte Professor Philippson über die Lösung der Beziehungen zu der Leipziger Verlagsfirma Veit u. Co. sowie über Verhandlungen mit anderen Firmen. Er machte von den Anerbietungen Mitteilung, die verschiedene Buchhändlerfirmen gemacht haben. Die Versammlung beschloß, es dem Vorstand zu überlassen, mit einem der in Betracht kommenden Verleger für den „Grundriß" abzuschließen und begrüßte es freudig, daß als erster Band des „Grundriß der Wissenschaft des Judentums" die Apologetik von Dr. M. Güdemann bereits in nächster Zeit erscheinen wird. Sodann wurden Briefe der Herren Dr. Bloch und Dr.Kroner verlesen, die eine weitere Ausgestaltung der Generalversammlung fordern. Es sollen deshalb die nachfolgenden Herren ersucht werden, in der nächsten Generalversammlung Vorträge zu halten: Professor Cohen über die „inneren Beziehungen Kants zum Judentum", Dr.Brann über die „Geschichte der „Monatsschrift", Dr. Eschelbacher über die „Auffassung des Judentums in der christlichen Theologie der Gegenwart". Bezüglich der^Bermania Judaiea“ wurde mitgeteilt, daß das Register zum ersten Band erschienen ist. Auf Antrag von Dr. Adler wird Professor Kracauer-Frankfurt in die Kommission neu hinzugewählt. Ueber das „Maimonideswerk" berichtete Professor Simonsen, daß im Herbst dieses Jahres der Druck begonnen werden kann. Professor Cohen regte die Ausgabe von Sonderabdrücken der einzelnen Beiträge an. Dr. Brann machte einzelne technische Vorschläge. Zum „Corpus tanaiticum“ wird die Subvention für Herrn Jawitz und seinen Gehilfen auf sechs Monate weiterbewilligt. Es folgt sodann das Kapitel der Subventionen, dessen Einzelheiten sich der öffentlichen Berichterstattung entziehen. Leider mußten viele der Förderung in hohem Maße würdige Anträge abgelehnt werden, da die verfügbaren Mittel der Gesellschaft für dieses Jahr fast erschöpft sind. Es ist mehr als bedauerlich, daß unsere jüdischen Mäcene die Gesellschaft bisher so wenig bedacht haben, daß diese nicht all den großen Aufgaben, die an sie herantreten, gewachsen ist. Zum Schluß machte Dr. Brann die erfreuliche Mitteilung, daß von den gesammelten Aufsätzen des sel. Professor David Kaufmann (brei Bände in deutscher, einer in hebräischer Sprache) der erste Band binnen Jahresfrist erscheinen wird. Der Ausschuß nahm diese Ankündigung mit Freude und lebhaftem Dank für Herrn Dr. Brann entgegen — und alle Leser werden das Gefühl dieser Freude sicher teilen. £2 Berlin, 31. Juli. Seinen 70. Geburtstag feierte gestern der bekannte Sanskritist und Jndologe Professor Gustav Oppert. Zu Hamburg geboren, ein jüngerer Bruder des 1905 verstorbenen Asshriologen Julius Oppert, studierte er in Bonn, Leipzig, Berlin und Halle und wurde einige Jahre nach seiner Promotion an der Bibliotheca Bodleiana angestellt, wo er auch die Sammlung hebräischer Manuskripte zu katalogisieren hatte, die sein Vorfahr, S. Oppenheimer, zur Zeit der Türkenkriege als Günstling Kaiser Leopolds I. und durch Vermittlung des Prinzen Eugen begonnen hatte, und die, von dessen Sohn, D. Oppenheimer, fortgesetzt und bedeutend erweitert, nach verschiedenen Wechselfällen in die berühmte Oxforder Bibliothek gelangt war. Sehr bald wurde er alsdann Bibliothekar der Königin von England im Schlosse von Windsor, von wo er 1872 nach Madras ging, wo er die ordentliche Professur für Sanskrit am Presidency College übernahm. In dieser Stellung verblieb er bis zum Jahre 1893, um dann über Nordindien, China, Japan und Amerika nach Europa zurückzukehren. Er ließ sich in Berlin nieder, wo er seine Kenntnis der einheimischen nichtarischen Sprachen Indiens, der sogenannten dravidischen Sprachen, als Privatdozent in den Dienst der Universität stellte. Er behandelt vorwiegend die beiden wichtigsten dieser Sprachen, das Telugu und das Tonuil. Oppert geht dem Vernehmen nach damit um, die Ergebnisse seiner Studien in einer „Kulturgeschichte der Inder" zusammenzufassen. Professor Oppert ist. wie sein verstorbener Bruder, ein glaubenstreuer Jude, der an den Angelegenheiten des Judentums warmen Anteil nimmt. Seit einem Jahrzehnt gehört er dem Kuratorium der „Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums" an und arbeitet mit Eifer und Interesse für diese Institution. Das Kuratorium und das Lehrerkollegium der Anstalt brachten denn auch dem verdienten Gelehrten ihre herzlichsten Glückwünsche dar. Berlin, 30. Juli. Wir haben bereits wiederholt charakteristische Proben von sozialdemokratischem Antisemitismus mitgeteilt. Jetzt leistet sich eine neue besonders hübsche Entgleisung in dieser Richtung die sozialdemokratische Breslauer „Volksmacht", indem sie an eine vom Direktor der Hamburg-Amerika-Linie, Ballin, ausgegangene Dienstanweisung folgende Bemerkungen knüpft: „Seine Majestät Herr Ballinleben. Herr Albert Ballin ist der Freund Wilhelm II. Er gebietet vielen Tausenden, die jedem Wink von ihm — wenn sie ihm nicht gerade mal nebenbei einen Strich durch die Rechnung machen — gehorchen. Er ist Großadmiral der größten Handelsflotte der Welt. Fürsten sind seine Gäste und der deutsche Kaiser fährt ihn auf einer Pinasse höchsteigenpersönlich nach einem Besuche auf der Kaiserjacht an Bord seines Schiffes zurück. Was Wunder, wenn der kleine Jude mit der ordenbesäten Brust schließlich selbst die Allüren eines „Angestammten" sich aneignet, und wenn er reist wie ein echter Gottesgnadenmann." „Mausche oben!" hieß es vor nicht allzulanger Zeit im „Vorwärts". Das Zentralorgan ist, seitdem Frau Rosa Luxemburg in die Redaktion ein getreten ist, etwas vorsichtiger geworden, in der Provinz aber scheinen die Genossen aus ihrem Herzen keine Mördergrube zu machen. Schrimm, 20. Juli. Taten, inspiriert vom finstersten Aberglauben, wie er wohl kaum im Mittelalter grassiert haben dürfte, bildeten den Gegenstand einer Verhandlung, mit der sich die Strafkammer zu beschäftigen hatte. Angeklagt war der Landwirt Franz Ogrodowski aus Roheim (früher Baranowo-Hauland), dem die Anklage zur Last legte, zahlreiche Leichenschändungen verübt, Friedhofsanlagen und Gegenstände, die zur religiösen Verehrung bestimmt sind, in mehreren Fällen vorsätzlich beschädigt, beziehungsweise zerstört zu haben. Die Taten des Angeklagten haben zur Zeit ihrer Begehung eine ungeheure Aufregung in den Tatorten hervorgerufen. Die erste Leichenschändung wurde im März 1905 in Moschin, einem kleinen Landstädtchen und Ausflugsort in der Nähe von Posen, verübt. Der in unmittelbarer Nähe des jüdischen Friedhofes wohnhafte Mühlenbesitzer Karl Reichelt bemerkte zu der angegebenen Zeit mehrere Tage hindurch ein offenstehendes Grab. Als dieses nach längerer Zeit nicht zur Benutzung gelangte, machte er von seiner Wahrnehmung dem Kaufmann Levh, Vorsteher der Synagogengemeinde, Mitteilung, worauf sich dieser nach dem Tatorte begab und hierbei die Feststellung machte, daß das Grab des etwa drei Wochen vorher beerdigten Tischlermeisters und Handelsmannes Markus Rosenberg gewaltsam geöffnet und aus dem Sarge von der Leiche der Kopf abgetrennt und entwendet worden war. An seiner Stelle befand sich ein Klumpen gefrorener Erde. Man stand vor einem Rätsel; Feinde hatte der 82 Jahre alt gewordene Verstorbene nicht gehabt, im Gegenteil, er hatte sich allgemeiner Beliebtheit erfreut. Die Staatsanwaltschaft, die von der Entdeckung sofort in Kenntnis gesetzt worden war, stand gleichfalls vor einem Rätsel, da außer den *

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