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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-08-03 · Heft 31 (3.8.1906) · p. Seite 370

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 31 (3.8.1906)
Date
1906-08-03
Page
Seite 370 (sequence 10)
Language
German
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-- 370 -— aufrichtigen Freundschaft. Ihren am 19. April 1689 erfolgten Heimgang betrauerte Teixeira innigst. Im Januar des Jahres 1698 wurde Teixeira im Hinblick auf seine unvergänglichen Verdienste vom dänischen König Christian V. zum Residenten Westfalens ernannt. Der Hamburger Senat wollte diese Ernennung mit Rücksicht darauf, daß Dänemark schon einen anderen Vertreter habe, nicht anerkennen und ersuchte den König um ihre Widerrufung. Der König gab zwar dieser Bitte keine Folge, allein der in feinem Ansehen gekränkte Teixeira verließ Hamburg, siedelte nach Amsterdam über und wurde sofort Vorsteher dieser bedeutenden, blühenden Gemeinde. Am 15. Juni 1705 schloß der angesehenste Jude seiner Zeit, der fromme Manuel Teixeira, seine Augen. Auch die starke Hand der Zeit erwies Gnade seinem monumentalen Grabmale. Die Geschichte ist unsere Lehrerin und Meisterin, und wir sollen ihre gelehrigen Schüler sein. Der Adel verpflichtete einst, so lautet das unparteiische Urteil unserer Geschichte, unsere Bevorzugten und Vornehmen. Sie erwarben sich bedeutende Verdienste um Staaten und Könige, errichteten sich jedoch auch bleibende Denkmale in den treuen Herzen ihrer Glaubensbrüder. Ihr edles Beispiel möge auch uns, Söhnen einer glücklicheren Zeit, voranleuchten, eingedenk der goldenen Worte unseres uralten jüdischen Adelsbriefes: „Ihr sollet mir sein ein Reich von Priestern und ein heiliges Volk." Drr Nabbj von Lschsrach. Ein Beitrag zur Charakteristik Heines. IV. nun wird es still von dem Werke in Heines Briefen. Im zweiten Teil der „Reisebilder", der zu Ostern 1827 erschien, war der „Rabbi" nicht enthalten. Erst fünf Jahre später, in einem Briefe an Friedrich Merckel aus Paris ') (24. August 1832) wird das Werk wieder erwähnt: „Ein Roman ist mir mißglückt; doch werde ich wohl in einer Sammlung, welche ich diesen Winter besorge, und worin ich auch den Rabbi hineinschmeiße, einige Romanstücke geben." Heine hatte also damals wahrscheinlich die Absicht, das Werk in den ersten Band des „Salon" aufzunehmen. Diese Absicht wurde jedoch durch die traurige Katastrophe einer Feuersbrunst vereitelt, welche im Hause seiner Mutter, die damals auf dem Neuenwall 28 in Hamburg wohnte, ausbrach und alle Manuskripte des Dichters, die er seiner Mutter in Verwahrung gegeben hatte, vernichtete. Unter diesen Manuskripten befanden sich nach seinen eigenen Mitteilungen^) (17. März 1837) die Memoiren, „der Roman seines Lebens", ferner (16. Juli 1833) sämtliche Briefe von Rahel bis aus einen, und endlich der „Rabbi von Bacharach". Nach den bestimmten Versicherungen, die mir Charlotte Embden gemacht, war der „Rabbi von Bacharach" vollendet, als das Manuskript in ihrer Wohnung verbrannte. Wir haben kein Recht, an diesen Versicherungen zu zweifeln. Auch nach den eigenen Mitteilungen Heines, die noch folgen werden, sind wir zu dieser Annahme berechtigt. Wie mir Frau Embden wiederholt erzählte, hatte der bekannte Hamburger Tempelprediger Dr. Gotthold Salomon das ganze Werk gelesen und es als ein vollendetes Sittengemälde des alten Judentums belobt. i) IX. 13. i) 2) Ib. 22. 76. Vgl. auch die Schilderung dieser Feuersbrunst in den Erinnerungen der Fürstin della Rocca S. 37 und in ihren Skizzen S. 37 ff. Adolf Strodtmann behauptet dagegen, daß nur der Anfang des Werkes ein Raub der Flammen geworden sein könne. ') Er fügt hinzu: „Vermutlich besaß Heine noch eine Abschrift der ersten beiden Kapitel und begann später die Fortsetzung hinzuzudichten; wenigstens ist in dem mir vorliegenden Manuskripte nur das unvollendete dritte Kapitel und die Bemerkung, daß der Schluß ohne Verschulden des Autors verloren gegangen, von Heines eigener Hand geschrieben." Dieses Argument ist allerdings ein sehr triftiges. Vergleicht man die drei erhaltenen Kapitel des Fragments miteinander, so wird man bald zu der Erkenntnis gelangen, daß das dritte auf einen ganz anderen Ton gestimmt ist als die beiden ersten. Kein Zweifel, daß dasselbe erst 1840 entstanden. Am 17. Juli d. I. bietet Heine seinem Verleger den vierten Teil des „Salon" an. Er schreibt darüber^): „Der vierte Teil besteht erstens aus einem ungedruckten Sittengemälde, wovon ich nur noch ein Fragment besaß (der Rest verbrannte bei meiner Mutter) und welches ich hier ergänzen wollte. Ich ergänze es jetzt notbedürftigst, es wird etwa sieben bis acht Bogen betragen, und ich schicke Ihnen das Manuskript in zwei Sendungen mit der Briefpost." Drei Tage später schreibt er an denselben'): „Ich habe dieses mittelalterliche Sittengemälde vor etwa fünfzehn Jahren geschrieben, und was ich hier gebe, ist nur die Exposition des Buches, das bei meiner Mutter verbrannt ist — vielleicht zu meinem Besten. Denn im Verfolge traten die ketzerischesten Ansichten hervor, die sowohl bei Juden wie Christen viel Zetergeschrei hervorgerufen hätten." Und abermals drei Tage später'): „Ich hoffe, daß Ihnen der Rabbi gefällt, und ich glaube, daß das Thema zeitliche Interessen und Sympathien berühren wird; wenigstens wird das Buch als ein beachtenswertes Originalwerk unter meinen anderen Büchern eine honette Stellung einnehmen." Das ist alles, was wir von Heine über seinen „Rabbi" hören, und wir sind nunmehr wohl zu diesen Schlußfolgerungen berechtigt: Der „Rabbi von Bacharach" war Heines erstes Prosawerk. Es war so gut wie vollendet, als das Manuskript 1833 in Haiuburg verbrannte. Das dritte Kapitel ist 1840 entstanden, und Heine mochte wohl damals den Versuch unternommen haben, das Werk zu vollenden; es war dies aber ein Unternehmen, das in den veränderten Lebensverhältnissen und bei seiner damaligen Lage wohl kaum gelingen konnte. Nachdem wir die Geschichte des Fragments kennen gelernt, wollen wir nun das Werk selbst einmal näher betrachten, das auch als Torso noch das ungeteilte Interesse, ja die aufrichtige Bewunderung aller Leser verdient. Als Heine den vierten Teil.des „Salon" zugleich mit seinem Buche über Börne in die Welt hinausschickte, hegte er die Hoffnung"), daß „das unschuldige Lamm" von dem „brüllenden Löwen" mit fortgeriffen werden würde, aber diese Hoffnung täuschte ihn. In dem betäubenden Lärm, den seine Schrift gegen Börne hervorrief, ging der vierte Teil des „Salon" vollständig verloren. Der „Rabbi von Bacharach" blieb ein Stieftind der Kritik bis auf diesen Tag. Keiner der Beurteiler Heines hat sich eingehend mit demselben befaßt; die meisten drückten sich mit einigen billigen Lobsprüchen an dem Werke vorüber. Dabei ist es interessant zu beobachten, wie gerade die größten Gegner Heines dieses Werk am meisten loben. Unter diesen nimmt *) Bd. IV, S. VIII der ersten Gesamtausgabe, Hamburg 1861. 2) IX. 158. 3) Ib. 159. 4) Ib. 160. Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß die Erzählung in der ersten Originalausgabe den Titel: „Der Rabbi von Bacherach" trägt. In den späteren Ausgaben heißt es immer: Bacharach. 5) Ib. 158.

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