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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-08-03 · Heft 31 (3.8.1906) · p. Seite 368

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 31 (3.8.1906)
Date
1906-08-03
Page
Seite 368 (sequence 8)
Language
German
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Einige Beispiele sollen dieses erläutern: Als kurze Zeit nach seiner Verlobung der Vormund Saskias Einspruch gegen die Verbindung erhob, malte er sich als Simson, der seinem Schwiegervater droht/ und als 1634 die Hochzeit stattfand, schuf er das große Gemälde der Dresdener Gallerte: „Die Hochzeit Simsons." Ein Jahr später starb ihm sein erstgeborenes Kind und gramgebeugt gab ihm die Erzählung der Opferung Isaaks den Stoff zu dem wundervollen Werke der Petersburger Hermitage. Inniger Dank spricht aus dem „Opfer Manoahs", das 1641 entstand, als er die Geburt eines Kindes erwarten durfte. 1652 starb Saskia, der Vermögensverfall begann und die Gläubiger drängten. Wiederum war es die Bibel, die ihn zu der Radierung „David im Gebet" (Bartsch 41) führte. Nur flüchtige Striche decken das Blatt, Person und Umgebung sind nur angedentet, nichts ist ausgeführt, und doch, ist wohl jemals das Gebet einer zerknirschten Seele so inbrünstig dargestellt worden wie hier? 1659 mußte Rembrandt Haus, Hab und Gut verlassen; durch übertriebene Anschuldigungen mußte seine Erbitterung gegen seine Mitbürger wachsen, und er gab seinen Gefühlen Ausdruck in „Moses zerschmettert die Gesetzestafeln" und „Potiphars Frau verklagt Joseph". ES folgten Jahre schweren Ringens. Es galt als 53 jähriger von vorn beginnen. „Ich lasse Dich nicht. Du segnest mich denn", diese Worte des Patriarchen spornten ihn immer wieder an (vergl. das Bild im Kaiser Friedrich- Museum zu Berlin), und die Kunst segnete ihn. Wie die Lieder des jugendlichen David dem finster dreinblickenden Saul Ruhe und Frieden brachten'), so hat ihm seine Kunst den Lebensabend verschönt, in dem seine Werke von gleicher Kraft und Schaffensfreude wie früher künden. — Wenn uns auch das Inventar nach seinem am 8. Oktober 1669 erfolgten Tode nichts als einige Kleidungsstücke als sein eigen angibt, so kommt das nur daher, weil sein ganzer — nebenbei gesagt nicht unbeträchtlicher Besitz — auf den Namen seiner Erben eingetragen war. Daher ist auch die Annahme irrig, daß Rembrandt an den Bettelstab gelangt sei. Der innige Einfluß seines Lebens hat Rembrandt befähigt, in seine Darstellungen des Alten Testaments — es sind 40 Gemälde, 14 Radierungen und 60 Zeichnungen — diese Fülle von Gedanken und Gefühlen zu legen, die ihn zu dem bedeutendsten bildnerischen Ausleger der Bibel erhoben haben. Zu den Mitteilungen über das Verhältnis Rembrandts zu Manasse ben Israel sei noch ergänzend hinzugefügt, daß Rembrandt sogar zu einem kabbalistischen Werke Man asses: „La piecha gloriosa o de la estatua de Nebucadnosar“, das in spanischem Text in Amsterdam 1655 (5415) erschienen ist. vier Radierungen in 10 Zentimeter-Blatthöhe fertigte. Es ist dies der einzige mir bekannte Fall, daß ein andersgläubiger Künstler ein Werk dieser jüdischen Geheiunvissenschaft illustrierte. Manasse wohnte auch bis zu seiner Reise nach England (1656) in der Joodenbreestiaat, wo Rembrandts Haus stand. Line adelige Milche Familie im 17. Jahrhundert. Von Oberrcibbiner Tr. Julius Diamant. er Altmeister und Pfadfinder der modernen jüdischen Wissenschaft, der große Dr. Leopold Zunz, beginnt den zweiten Abschnitt seines im Jahre 1855 erschienenen epochäleir Werkes „Die synagogale Poesie des Mittelalters" mit den ') Gemälde im Besitze des Tr. A. Bredius im Haag. klassischen Worten: „Wenn es eine Stufenleiter von Leiden gibt, so hat Israel die höchste Staffel erstiegen; wenn die Dauer der Schmerzen und die Geduld, mit welcher sie ertragen werden, adeln, so nahmen es die Juden mit den Hochgeborenen aller Länder auf; wenn eine Literatur reich genannt wird, die einige klassische Trauerspiele besitzt, welcher Platz gebührt dann einer Tragödie, die anderthalb Jahrtausende währt, gedichtet und dargestellt von den Helden selber?" Unsere politische Geschichte ist seit der Auflösung des jüdischen Reiches, seit der Zeit, da wir mit der Heiligen Schrift in der Hand und den weltbeglückenden Ideen der Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und allgemeinen Menschenliebe im Herzen unsere Wanderschaft antraten zu den mannigfachen Nationen und Völkern, um den großen Zukunftstempel der in Frieden und Liebe vereinten Menschheit aufzubauen, vornehmlich die Geschichte unserer Leiden und Verfolgungen, unseres einzigen Martyriums. Wir sind nicht in der glücklichen Lage, den Namen jener Helden, die ihre Hingabe und Liebe für ihren väterlichen Glauben mit ihrem Herzensblut bezeugten, in unserem synagogalen Kalender ein Denkmal errichten zu können, denn wahrlich die Minuten der Stunden würden nicht hinreichen zu ihrer Vereinigung. Unsere Geschichte hatte vornehmlich Dulder und Geduldete, die selbstredend in die Geschichte ihrer Zeit nicht eingreifen konnten, sie wollten unbekannt bleiben und unbemerkt leben, um weniger leiden zu müffen. Es bereitet uns daher eine überaus große Freude, wenn wir im düstern Buche unserer Geschichte auch freundliche Bilder erblicken. Der für die Wissenschaft des Judentums leider viel zu früh Heimgegangene geniale Proseffor Dr. David Kaufmann betrachtete es als Ehrenpflicht der modernen jüdischen Geschichtsforschung, jenen Glaubensgenossen, die in den finsteren Jahrhunderten unseres so überaus langen Mittelalters eine bevorzugte, vornehme Stellung einnahmen, mehr Aufmerksamkeit zu widmen, ihr Leben und Wirken, ihre Verdienste und Würden eingehender zu schildern. Solche Gestalten will ich nun vorführen, Helden der Glaubenstreue, Männer von großen Verdiensten und bedeutenden Würden, zwei Mitglieder der altadeligen jüdischen Familie Teixeira, Diego und sein Sohn Manuel. Das Jahr 1492 zeigt auf den Tafeln der Weltgeschichte den Beginn der Neuzeit. In unserer Geschichte ist es das traurigste Jahr des Mittelalters. lieber 300 000 Juden mußten mit blutendem Herzen Spanien verlassen. Ströme von Tränen flössen auf die Ruhestätte der Ahnen, die über ein Jahrtausend hier gelebt, an seinem Blühen und Gedeihen, an seinem Glanz und Ruhm eifrig gearbeitet haben. Der größere Teil der Unglücklichen flüchtete nach Nordafrika, Italien und der Türkei, der kleinere wähnte in Portugal eine neue Heimat finden zu können, wo sie jedoch noch grausamer behandelt wurden. Die nicht die Seelenstärke und den Löwenmut besaßen, ihre Anhänglichkeit und Treue zum Glauben der Väter mit ihrem Gute oder Blute zu besiegeln, nahmen zum Scheine das Christentum an und betätigten und befolgten im Geheimen die religiösen Satzungen und Vorschriften des Judentums. Die allergrausamsten Verfolgungen der Inquisition, die sich vornehmlich gegen diese „anusim" (Gezwungene) oder Marannen richtete, vermochten sie nicht zu vertilgen. Sie schöpften Ausdauer und Mut aus der Hoffnung, daß sie ein freies Land finden werden, wo sie ihre heuchlerische, qualvolle Maske ablegen können. Das Jahr 1579 erfüllte ihre Hoffnungen. Die blühendsten Provinzen, reiche Schatzkammern Spaniens, riffen sich los vom Mutterlande, und Wilhelm von Oranien legte den Grund zur

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