Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 70 (1906)
- Issue
- Heft 31 (3.8.1906)
- Date
- 1906-08-03
- Page
- Seite 367 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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367 des Kollegen Fabisch-Göttingen über den liturgischen Gesang in der jüdischen Schule die Ueberzeugung aus, daß die allgemeine Einführung des liturgischen Gesanges als obligatorischer Lehrgegenstand in der Religionsschule im Interesse des Gottesdienstes erstrebenswert ist." Mit allgemeinen Besprechungen, in denen noch manche anregende allgemeine Fragen lebhaft diskutiert wurden, so unter anderem ein vorgelegter Statuten-Entwurf für eine Sterbekasse vom Kollegen Nathan-Rakwitz, schloß der erste Tag der Generalversammlung. Nach der anstrengenden Tagung, welche, von morgens 11 Uhr bis abens 7 Uhr dauernd, nur kurze Zeit zur Einnahme des von der Dresdener jüdischen Gemeinde gespendeten opulenten Frühstücks unterbrochen worden war, trat jetzt das Vergnügen in seine Rechte. Ein gemeinschaftliches Abendessen und ein darauffolgender Gang durch Dresdens prächtige Straßen unter Führung der Dresdener Kollegen erfrischte die ermatteten Körper und Geister. Der zweite Tag der Sitzung war hauptsächlich der Statuten-Beratung gewidmet. Vor Eintritt in die Tagesordnung begrüßte der Vorsitzende den erschienenen Rabbiner der Dresdener Gemeinde, Herrn Dr. Winter, der sich an allen folgenden Beratungen mit großem Eifer beteiligte. Die Statuten wurden nach stundenlanger, eingehender Beratung — ein gedruckter Statuten-Entwurf der betreffenden Kommission der Versammlung lag vor — besonders nach den Vorschlägen der Kollegen Henle-Hamburg und Zivi-Elberfeld, von der Versammlung angenommen, und es wurde beschloffen, sie gedruckt mit dem Protokolle jedem Mitglieds zugehen zu lassen. Nach dieser Beratung erfolgte die Wahl des Vorstandes (neun Mitglieder) aus sechs Jahre mit dreijährigem Ausscheidungsturnus. Es wurden gewählt: Schönberger-Potsdam (Vorsitzender), Henle-Hamburg (stellvertr. Vorsitzender), Fabisch-Göttingen (1. Schriftführer), Kirschner-München (2. Schriftführer), Zivi- Elberfeld (Rendant) und vier Beisitzer: Rosenthal-Berlin, Jacobsohn-Leipzig, Bellak-Frankfurt a. O. und Hostein- Dresden. In den darauffolgenden allgemeinen Besprechungen wurden aus der Mitte der Versammlung noch wertvolle Anregungen dem Vorstande gegeben. Eingehende Erörterung erfuhr die Frage: Welche Stellung nimmt der Allgemeine Deutsche Kantoren-Verband zu der Kantoren-Sektion des Lehrerverbandes ein? Einstimmig — auch die anwesenden Mitglieder letzterer Kommission vertraten diese Ansicht — wurde folgende Resolution gefaßt: „Die Kantoren-Sektion kann nur als eine Institution des Lehrer-Verbandes, nicht als ein Verein im Verbände gedacht werden. Nur als erstere hat sie Daseinsberechtigung." Es folgte darauf das eingehende Referat des Vorsitzenden der Kommission für Kantoren - Vor- und -Fortbildung, Kollege Heule - Hamburg. In allseitig erschöpfender, klarer und überzeugender Weise erörterte der Referent das Was und Wie der Kantoren - Vor- und -Fortbildung. Er stellte scharf umgrenzte Forderungen für das Mindestmaß dessen auf, was man von einem modern gebildeten Kantor an Kenntnissen im Hebräischen, in Musik, Gesang, Liturgie usw. fordern müsse, und zeigte zugleich, wie der aufgestellte Plan im Anschluß an bestehende Institutionen realisiert werden könne. Daß ein Kantor mit solch gediegener und künstlerischer Ausbildung etwa sich zu gut halten könnte, in einer kleinen oder mittleren Gemeinde zu amtieren, das sei nicht zu befürchten. Für die nötige Korrektur sorge schon die natürliche Veranlagung, die die Bäume nicht in den Himmel wachsen lasse. Die Gründlichkeit und das Folgerichtige aller in dem Referate gemachten Ausführungen riefen den lauten Beifall der Versammlung hervor, und allseitig erkannte man an,' daß niemand etwas Wesentliches zur Ergänzung der vorgetragenen Gedanken und Pläne zu sagen wußte. Das Referat soll als Grundlage für eine eingehende Denkschrift, die den maßgebenden Faktoren zu überreichen ist, dienen. Als letzter Punkt der Tagesordnung folgte der Vortrag des Kollegen Zivi - Elberfeld, über „Ursprung und Entwicklung der jüdischen Musik". Der instruktive Vortrag enthielt viel Neues und Anregendes. Der Raum eines Protokolls verbietet leider, auf den genauen Inhalt des mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrags näher einzugehen. Jedenfalls legte er von dem wissenschaftlichen Streben, das einen großen Teil der heutigen Kantoren erfüllt, das beste Zeugnis ab. Zum Schluß dankte der Vorsitzende allen Anwesenden für das große Interesse, das sie durch allseitiges Ausharren bis zum letzten Augenblick den Verhandlungen entgegengebracht hatten. Er sprach ferner den Referenten den Dank der Versammlung für ihre große Mühe aus und gedachte in ehrenden Daukesworten der Gastfreundschaft der Dresdener Gemeinde. Mit hoffnungsvollen Worten für die Zukunft des Allgemeinen Deutschen Kantorenverbandes schloß dann der Vorsitzende die Generalversammlung. H. Fabisch, Schriftführer. Koch einmal Krmbrandt und die Inden. Von Karl Schwarz-Berlin. dem interessanten Artikel „Rembrandt und die Juden" von Dr. Adolph Kohut in Nr. 28 dieses Blattes gestatte ich mir, hier einige Ergänzungen anzusühren, die vielleicht von allgemeinem Interesse sind. Rembrandts Vater war ein Müller; er besaß in Leiden am Ende der Stadt, da wo der Rhein sich ihr am meisten nähert, eine Windmühle. Als Rembrandt um 1631 nach Amsterdam übersiedelte, arbeitete er daselbst in der ersten Zeit Porträts auf Bestellung, gab aber diese Beschäftigung auf, als ihm durch seine Verheiratung mit Saskia von Uilenburgh genügend Vermögen zu sorgenlosem Leben zukam. Von einer Ueberschüttung mit Aufträgen von den Reichen und Großen der Erde kann wohl kaum die Rede sein, da wir fast nur Amsterdamer Bürger als Besteller kennen. Und da er eben frei von dem Einfluß anderer war, schuf er in seinen Werken seine eigenen Gedanken. Nur was sein Innerstes bewegte, stellte er dar, und in dieser Gruppe nehinen seine biblischen Werke den ersten Platz ein. Vom Elternhause her hatte er die Liebe für die Heilige Schrift mit ins Leben genommen. Die Bildnisse seiner Mutter zeigen uns fast stets die alte Frau mit der Bibel, und daß auch ihn dies Buch stets begleitete, zeigt das Inventar seines Besitzes, das nach seinem finanziellen Zusammenbruch gerichtlich ausgenommen wurde, und das unter nur wenigen Büchern eine Bibel erwähnt. Um Rembrandts Werke ganz verstehen zu können, muß man sie als Kommentar seines Lebens betrachten; sie sind seine genullte und radierte Biographie. Wenn ein wichtiges Ereignis oder eine Seelenstimmung sein Innerstes bewegte, so klangen sogleich die Erzählungen der Bibel in ihm wieder, sprachen ihm Trost und Ermutigung zu oder liehen seinem Dank die Worte. Dann schuf feine Hand die unvergänglichen Werke, die, vom Herzen kommend, jedem zu Herzen gehen.