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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-02-08 · Heft 17 (8.2.1838) · p. Seite 67

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 17 (8.2.1838)
Date
1838-02-08
Page
Seite 67 (sequence 3)
Language
German
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67 Wer Mizwot kauft, behalt sie gewöhnlich für sich selbst, und erhält eben wie jeder, der eine Offerte gemacht hat, einige Tage später eine gedruckte Rechnung in portugiesischer Sprache. Hier noch eine Notiz, die ich Sie aber bitte unserm B. zu verschweigen, und ihm das Herz nicht schwer zu machen. Unsere Titel Chaber sowohl als Moreau, um die er es sich so sauer werden ließ, finden in den portugiesischen Synagogen durchaus keine Anerkennung!!! Der erste ist uemlich ganz und gar nicht, der zweite blos für angestellte Rabbinen in ihrem eigenen Sprengel gebräuchlich, die jedoch gewöhnlich nur Chachäm genannt werden. Gelehrte werden zwar mit dem Titel Chacham zur Tora gerufen, was aber blos als Compliment zu betrachten ist. Was nun die Art des Vortrages der Gebetstücke, die Melodien und Modulationen von Seiten der Gemeinde soml als des Vorsängers betrifft, so sind solche von der unsrigen sehr verschieden, und Sie erwarten, wol auch nicht, daß ich sie Ihnen durch eine Beschreibung anschaulich macken kann. Im Ganzen ist zu bemerken, daß die correcte und allgemeine gleichförmige Accentuation erst eine gleichmäßige takthaltende Singweise möglich macht, was, wenn der hebräische Chörgesang gleich der deutschen Sylbe vor Sylbe sich der Melodie anschließen soll, bei unsrer regellosen Skansion total unausführbar ist. Möge bei uns der Chasan noch so schön singen^ die Gemeinde, welche die Quantität der Sytben nicht kennt und nicht achtet, wird nie einen Satz gehörig herausbringen. So werden denn hier die metrischen Lieder nicht allein, sondern auch die andern poetischen Stücke, die in ungefähr paffende Melodien gebracht sind — wenn nicht, wie freilich oft geschieht, Verwirrung im Tempo entsteht — ganz taktmaßig abgesungen, Zu der letztgenannten Klaffe zähle ich die wichtigen Psalmen; als: die Einleitungs- Psalmen , den 29. beim Torawegsetzen, Hallei und namentlich das Lied vom rothen Meere, wie es am Sabbatmorgen gesungen wird, und wovon ich Ihnen die Melodie beilege. Bon der ersteren (metrischen) Klasse nenne ich sammtliche Selicbot und Pismonipi und bann vor allem Adon ngOlam und Jigdäl, nach deren Schematen o-, u-und -, --die meisten metriichen Stücke verfaßt sind. Auch eine jigdäl-Melodie schicke ich Ihnen hierbei. Vom Baiei-Gesang ist zu erwähnen, daß die ersten Psalmen blos hergelesen werden, und der Vorsänger einen jeden nachziehend beschließt. So geht's fort bis piläcbta lemösera, bann fangt die Gemeinde im Chor an leebä esbäcb zu singen bis ballelujäh. Hierauf beginnt der Vorsänger die für biesen Tag vorgeschriebene B6du-Melodie, indem er den ersten Theil derselben singt, und die Gemeinde schließt mit bem zweiten Theile alle viermal auf die Worte Bodu etc. Nun wird Mia Hamezär rasch gelesen, bis die Gemeinde im Chdre wieder anfangt Pitchu etc., dann der Vorsänger Aaa etc. Odechä wird wiederholt, Barüch habä aber nicht. Figurirte Melodien kommen, wie gesagt, selten vor, und zwar vornehmlich am Festabend bei den Kadeschim, wo denn die Melodie beim Schlußverse des Einleitungspsalms schon anhebt. Ich füge zwei solcher Melodieen anliegend bei, damit Sie sehen, daß die Lücken durchaus nicht, wie bei uns mit einem endlosen la la la la ausgefüllt werden. Der hiesige Chasan trägt gewöhnlich vortrefflich vor, zumal da es ihm gelungen ist, seinen schönen Bariton von dem sonst bei den Portugiesen, nach Semilasso's Bemerkung, auch bei den Mauren beim Singen gebräuchlichen Näseln fast ganz zu befreien. Andere Stücke werden zwar blos gelesen und leider in der Regel mit der empörenden Eilfertigkeit, die unsere Alten mit dem Ausdruck schlüpfern bezeichnen; allein es ist doch einigermaßen für Einklang gesorgt, da weit mehr Absätze gemacht werden, als bei uns, und der Vorsänger dann jedesmal nachstngt (den Sijum macht). So z. B. wird Niscbmat bis Hu Piou im Ehor gesungen, von da bis zu Ende gelesen mit 5 Absätzen. In Einet wejazib wird 6 Mal abgesetzt rc. An Feiertagen singt die Gemeinde auch Schirä chadascbä etc. im Chor. Ich lege Ihnen hier auch eine 8arkä-Tabelle in freilich taktlosen Noten bei, welche Sie der bei uns am Neujahr üblichen ähnlich finden werden; die aber wenigstens in Herr Cassuto's Munde einer emphatischen Declamation poetischer Stellen vielen Spielraum laßt. Die Baftara hat noch eine andere Sarka und die Megilöt wieder eine andere. Uebrigens ist nicht zu laugnen, daß viele dieser Melodien weit lebhafter und munterer klingen, als bei uns, die wir gleich den protestantischen Christen, mit denen wir leben, die Idee von Andacht und Weinerlichkeit nicht wol zu trennen vermögen. Es gibt indeß auch einige sehr triste und wahrhaft rührende Melodieen für dreSündenbekenntnisie, für das Kolnidrd, und bei den Beerdigungen u. s. w. Wirkliches Weinen aber sinder nie, weder vom Vorsänger noch von der Gemeinde, selbst am Kippur-Tage nicht Statt. Die Gemeinde ist im Wesentlichen sehr gut ekngelernt, und zur Noth könnte fast jeder Mann ein mittelmäßiger Vorsänger sein, was mehr sagen will, als das Aehnliche bei uns. Sie haben durchgehens ungemein starke Bruststimmen, deren sie sich zum Unglück der Nachbarschaft so nachdrücklich bedienen, daß man von außen die schwache Menschenzahl auf das Zehnfache und noch höher schätzt. ES bedarf keiner Erwähnung, daß diese par excelleace

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