Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 17 (8.2.1838)
- Date
- 1838-02-08
- Page
- Seite 66 (sequence 2)
- Language
- German
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66 llch Morgens und zu Mincha geschieht. Auch zu Mincha werden Klaglieder gesungen. Die Torarollen sind an diesem Tage schwarz'bekleidet und eben so die Lade umhangen. Am Purim stehen zwei Parnasim, jeder mit einer langen weißen Wachskerze in der Hand, dem Vorsänger beim Ablesen des Buches Ester zur Seite. Chanuka-Lichter werden nur von Oel, nie von Wachs gebrannt. Unsere freundliche Sitte der Blumenkleidung am Wochenfeste haben die Portugiesen nicht, auch nicht die chaldäischen Lieder Akdamut Millm und Jezib Pitgäm. Dagegen singen sie Nachmittags Vers um Vers in die Runde die Asbarötb des Gabirol (Verse auf die 613 Mizwot). Am Hüttenfeste ist das Lulab mit vielen buntfarbigen seidenen Bändern und Schleifen ganz umwickelt. Nach dem Hauptgottesdicnste wird jedesmal in der Gemeinde-Laubhütte, unter Vorsitz des Chasans, eine kurze Mahlzeit von Brod und Wein gehalten. Diese Mahlzeiten erinnerten mich lebhaft an die Liebesmahle der ersten Christen und an das, vielleicht auch genetisch mit derselben verwandte talmudische Diktum, daß seit Zerstörung des Tempels zu Jerusalem der Tisch des Menschen an die Stelle des Altars als Sühnungsmittel getreten sei. Die Meisten hier und in Altona glauben — freilich nicht din-mäßig — mit dieser Ceremonie schon ihrer Oabanas-Pflicht gänzlich entledigt zu sein. Am Passah-Abend, wo man in der Esnoga ei« volles Hallel stngt, wird auch in den Familien die Hagadä mit dem Hallei völlig geschlossen, und nichts weiter hinzugefügt. In der Baracbä vor Hallel wird jedesmal, je nachdem man es ganz oder halb liest, likrö oder ligmör gesagt. Simcbät-Tora wird mit vielerAuszeichnung gefeiert. Die beiden sogenannten Religions-Bräutigame (Noivos de ley) werden schon am ersten Neujahrs-Abende zugleich mit den jährlichen drei Parnasim (Senhores deMängamäd s "IDVC ] genannt, weil sie einen abgesonderten etwas erhöhten Stand haben; wo sie am Schlüsse jedes Gottesdienstes bleiben, bis Alles fort ist, damit jeder sie im Abgehen grüßen könne) gewählt, und haben nicht nur während der Festzeit mancherlei kleine kirchliche Functionen auszuüben, sondern es liegt ihnen eigentlich auch statutenmäßig ob, das Jahr über mit den Regierungs-Behörden die Angelegenheiten der Gemeinde zu verhandeln. Gewöhnlich wählt man in den größer» Gemeinden junge Männer von den vornehmsten Familien, denn diese Aemter sind für die, welche ihnen Ehre machen wollen, durch die gebräuchlichen Frühstücke, Galla-Anzüge, Spenden jc. sehr kostspielig. Am Vorabend des 8. T. so wie auch Morgens (und eben so am Sabbat Bereschit) werden die Noivos von den Rabbinen, Parnasim rc. in Prozession aus ihren Häusern in die Esnoga geführt, und sitzen da auf Sesseln mit dreieckigen Hüten vor dem Hecbäl, Tora-Rollen im Arme haltend. Der Chasan überreicht ihnen ein hebräisches, zu ihrem Ruhme von ihm selbst verfertigtes oder complirtes Gedicht, das er auch vor ihnen absingt u. s. w. Sie jlesen beide ihre Parascha's selbst ab, während die Damen fortwährend Confect vom Chore herunterwerfen. Der Schluß-Kadisch an diesem Tage wird von der ganzen Gemeinde gesungen. Der Cohanim-Segen wird nicht weggelassen. Die Fasten am Montag, Donnerstag und Montag werden von einzelnen Chasidim gehalten, aber nicht in der Esnoga gefeiert, wol aber die sogenannten kleinen Eipur. Tage unter dem Namen Mischmarä’s. Die Leidtragenden haben in jedem Morgen- und Abend- Gottesdienst 4 KadescLim (einschließlich K. rabanän, welcher von ihnen allen zugleich gesprochen wird) und Kadd. rabanan mit Baracbü vor DgAlenu, den ein Einzelner spricht, der dies Benesicium für die Woche hat. Die Ministrationen (Mizwot) werden in Altona nie, in Hamburg blos an Festtagen und für den Versöhnungstag schon am vorhergehenden Sabbat, meistbietend verkauft. Sobald dies geschehen ist, oder wenn nicht verkauft ward, sobald der Parnas (»residente seine Anordnung getroffen hat, verkündigt der Chasan der Reihe nach den Erfolg mit de» Worten: Mi sche-beräch hu jebarech a o Sr. N. N. 1. que abrirä as portas do Hecbäl (Oeffnen). 2. que lovarä o Säfer tord (hin - und zurücktragen) 3. que desenfascara 0. 8. T. (Abwickeln der Mappa) NB. Bunte Mappen mit Namen der Kinder sind nicht gebräuchlich. gebraucht wer-/4 que fara o misva de Ez chajim (Abden. 1 nähme der silbernen Paremente und des Mantels). 5. que accompanbara o 8. T. (Begleiten). 6. que levantarä o 8. T. (Hagbaliä, Aufzeigen) NB. Geschieht vor dem Vorlesen. Außerdem werden noch ausgetheilt: Caxinha, d. i. die Büchsensammlung am folgenden Montag und Donnerstag und misva das faltas d. i. Ersatzmann für einen etwa ausbleibenden Ministranten. Segan, Maflfrr und Maschlim werden nicht besonders verkauft, und Hagbaba erhalten nur solche, die von ihrer Fähigkeit, - die Torarolle nach Gebrauch sehr hoch und weit ausgespannt langsam nach allen vier l Seiten zu wenden, Proben abgelegt haben. 0. Sr. N. N. Diese doppelt, wenn 2. 8. T.