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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-07-27 · Heft 30 (27.7.1906) · p. Seite 358

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 30 (27.7.1906)
Date
1906-07-27
Page
Seite 358 (sequence 10)
Language
German
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358 wurden. Auch, wie ich Dir notiert, möchte ich über die Abarbanels etwas erfahren, was ich nicht aus christlichen Duellen schöpfen fmut. Wolf hat diese alle in seiner Bibliothek angeführt. Bagl ist dürftig. Schudt hat ebenfalls etwas zusanunengerafft. Bartolocci habe ich noch nicht gelesen. Wenig, unbegreiflich wenig enthalten die spanischen Historiker von den Juden. Ueberhaupt: hier ist ägyptische Finsternis. Ende dieses Jahres denke ich den Rabbi fertig zu haben. Es wird ein Buch sein, das von den Zungen aller Jahrhunderte als Quelle genannt werden wird." Nun folgt die Promotion des Dichters und — seine Taufe. Es ist vom psychologischen Standpunkte aus charakteristisch/ daß er gerade in jener Zeit am eifrigsten an seinem „Rabbi" arbeitete. Es scheint in der Tat, als hätte er mit diesem Werke eine Art Ehrenrettung oder Selbstverteidigung beabsichtigt. „Grüße mir Zunz recht herzlich," schreibt er am 22. Juli 1825.') „Sage ihm, daß ich ihm recht sehr danke für seine Notizen. In Granada haben 1492 wirklich Juden gewohnt, denn sie werden in der Kapitulation dieser Stadt ausdrücklich erwähnt. Ueber Abarbanel habe ich die Dissertation von Majus (vita Abarbanelis) über ihn aufgetrieben, alle christlichen Quellen zusammengestellt, aber sehr dürftig." Für den Seelenzustand Heines in jener Zeit, in der er um äußerer Vorteile willen der Idee treulos wurde, die er durch seine Studien und Arbeiten liebgewonnen hatte, ist die Stelle in dem mm folgenden Briefe an Moser, wahrscheinlich aus Lüneburg von Anfang Oktober 1825, sehr merkwürdig?) „Da mal die Rede von Büchern ist, so empfehle ich Dir Eolowins Reise nach Japan. Du ersiehst daraus, daß die Japaner das zivilisierteste, urbanste Volk auf der Erde sind. Ja, ich möchte sagen: das christlichste Volk, wenn ich nicht zu meinem Erstaunen gelesen, wie eben diesem Volke nichts so sehr verhaßt und zmn Greuel ist, als eben das Christentum. Ich will ein Japaner werden. Es ist ihnen nichts so verhaßt wie das Kreuz. Ich will ein Japaner werden. — Vielleicht schicke ich Dir heute noch ein Gedicht aus dem Rabbi, worin ich leider wieder unterbrochen worden. Ich bitte Dich sehr, das Gedicht, sowie auch, was ich Dir von meinen Privatverhältnissen sage, niemandem mitzuteilen. Ein junger, spanischer Jude, der sich aber aus Luxusübermut taufen läßt, korrespondiert mit dem jungen Jehuda Abarbanel und schickt ihn: jenes Gedicht, aus dem Maurischen übersetzt. Vielleicht scheut er es doch, eine nicht sehr noble Handlung dem Freunde unumwunden;u schreiben, aber er schickt ihm jenes Gedicht. — Denk nicht darüber nach —-Sobald ich in Hamburg oder in Berlin zur Ruhe komme, will ich den Rabbi fortsetzen." So geht es auch im nächsten Jahre fort. Am 9. Januar 1826 schreibt er an Moser:") „Wenn ich nur Ruhe gewinne, den Rabbi ausschreiben zu können!" Und im folgenden Briefe (14. Februar 1826):«) „Auch den Rabbi will ich — gegen Deine engherzige Mahnung — hier fertig machen, und er soll schon im zweiten Teil meiner Reiseschriften erscheinen, deren erster Teil im Verlage von Hoffmann & Campe diese Ostern herauskommt." Noch im Mai desselben Jahres schreibt er an Zunz?) „Im zweiten Teil der Reisebilder erscheint der Rabbi, und zwar sehr beschnitten — doch sollen in demselben Teil noch viele Kuriosa enthalten sein." Und ebenso an Josef Lehmann") (26. Mai 1826): „Im zweiten Bande soll ebenfalls der Rabbi erscheinen, und ich bin darauf gefaßt, daß ich als- ') Ib. 458. 2) ib. 464 ff. Eolowins Reise nach Japan, deutsch von Schulz. (Leipzig 1817.) ->) Ib. 497. 4) Ib. 480. 5) Ib. 486. ", Ib. 489. dann in der fromm-christlichen Welt ganz verhaßt bin. Ich hoffe, es wird mir alsdann nicht viel mehr daran gelegen sein." Noch zwei Monate später *) (8. Juli 1826) bleibt er, gegen die engherzige Mahnung MoserS, bei seiner Absicht: „Der zweite Teil soll Ende des Jahres gedruckt werden. Er soll viel Verwunderliches enthalten, z. B. den Rabbi. „Und Dich hat niemals ratend beschützt die Göttin der Klugheit, Pallas Athene!" Du hast recht, und hast immer recht." (Fortsetzung folgt.)? Der Jude von Ssllknltedt. Ein Märchen von Mathilde von Leinburg. IV. streckte dem Mönch die bebenden Hände entgegen, zog ihn aufgeregt ganz nahe zu sich hin, und als derselbe begütigend nach dem Grunde dieser plötzlichen Angst fragte, vertraute ihm Eliel nach und nach die ganze Szene mit den Kindern auf der Landstraße an und seine Befürchtung, nun doch vielleicht getauft zu sein. Der Mönch war wütend über' diesen Unfug der Schuljugend. Er stampfte mit dem Fuß auf, und manch unfrommes Wort entfuhr seinen Lippen. „Er kriegt schon noch seine Prügel, der Racker, wenn ich ihn erwische!" war der ständige Refrain seiner nicht endenwollenden Zornesausbrüche, und erst allmählich wurde er ruhig genug, um Eliel von der Ungültigkeit dieses Bubenstreiches versichern zu können. Er sprach noch lange mit ihm, erklärte ihm dies und jenes, bis Eliel, von Müdigkeit übermannt, befriedigt und getröstet eingeschlafen war. Da segnete der Mönch den anders gläubigen Greis, dessen zähes Festhalten am alten Väterglauben ihn tief gerührt hatte, und ein heißes Gebet um Frieden unter den Menschen stieg aus seinem Herzen zum Himmel empor. * * * Im „Judenhanse" wurden die letzten Lichter ausgelöscht. Eliel wird wohl zu angegriffen gewesen sein von dein langen Stehen in der Synagoge und ist deshalb die Nacht über in der Stadt geblieben, dachte sich seine Gattin und begab sich zur Ruhe. Aber der Schlaf wollte nicht kommen. Es blieb doch immerhin nur eine Vermutung, daß Eliel in der Stadt übernachtete, er war am Ende doch krank geworden. Wenn ihm nur nichts Böses zugestoßen war, hatten die Judenverfolgungen in der letzten Zeit nicht-sehr überhand genommen? Und unruhig wälzte sich die Greisin auf ihrem Lager hin und her, in ihren halbwachen Träumen von Schreckensbildern verfolgt. Mit einem Schrei fuhr sie aus kurzem Schlummer empor- Nein, sie wollte nicht länger ruhen, die Träume waren zu schrecklich. Sie kleidete sich in der Morgendämmerung an, und auf eine fröhliche Wiederkehr des Gatten hoffend, suchte sie das Zimmer so freundlich als möglich zu gestalten, deckte den Tisch mit Sorgfalt, pflückte von dein Efeu, der sich zum Fenster des alten Gemäuers hineinrankte, wand eine Girlande daraus und legte sie quer über den Tisch. Der erste Sonnenstrahl hüpfte ins Zimmer und ließ das Werk ihrer Hände in freundlichstem Lichte erscheinen. So festlich wurde Eliel noch nie empfangen, der wird Augen machen! I) Id. 492.

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