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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-07-20 · Heft 29 (20.7.1906) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 29 (20.7.1906)
Date
1906-07-20
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Damen und Herren, wenn auch nicht in direktem Aufträge, doch dessen sei er gewiß, im Sinne und Geiste der Gemeindevertretung. Er führte weiter aus, daß wir uns freuen können, daß Breslau die Stätte geworden ist, in der diese Einrichtung begründet wurde, und von der sie auch bereits hinausgezogen sei in eine andere Provinz. Er-begrüße die Anwesenden zu der Arbeit, die sie Vorhaben, die ja zunächst zur eigenen Fortbildung geschehe, aber auch der Gesamtheit der Glaubensgenossenschaft zugute komme. „Für uns Israeliten ist ja stets der höchste Ruhm gewesen, ein Schüler zu sein, immer weiter zu lernen, sich immer weiter auszubilden und sich immer mehr zu vertiefen in den Born der Weisheit." Breslau sei eine Stätte, wo wir aus dem Borne der Weisheit schöpfen können, da wir Fürsten des Geistes und der Gelehrsamkeit in unserer Mitte haben, die unser geistiges Leben durch ihre unermüdliche Tätigkeit im Dienste der jüdischen Wissenschaft zu befruchten wissen. Warm unterstützt werden alle diese Bestrebungen von unserer Gemeindevertretung und unseren Gemeindeverbänden. Ein gutes Zeichen wäre es, daß ein großer Teil der Teilnehmer von» vergangenen Jahre wiedergekommen ist. Redner wünscht den Erschienenen, daß sie sich wohl fühlen in unserer Stadt und unserer Gemeinde, daß sie geistig gestärkt und gehoben in die alten Wirkungskreise zurückkehren mögen, um dann dort das zu verwerten, was sie hier an geistigen Schützen gewonnen haben. Zum Schlüsse wünscht er zu der bevorstehenden Arbeit Gottes Segen und allen freudige Erinnerung an die Zeit, die sie hier verlebt haben. Darauf begannen sofort die Vorlesungen mit Religionsphilosophie (Jehuda Halevi) von Herrn Dr. Horovitz. Am Abende vorher hatten sich die erschienenen Teilnehmer zu einer Besprechung versammelt gehabt. Lehrer Moops entbot im Namen des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen, von dem die Einrichtung des Ferienkursus ausgegangen ist, den Kollegen und Kolleginnen den Willkommensgruß. Er überbrachte die besonderen Grüße des Vorsitzenden Professor Dr. Badt, der leider durch die Ferienreise am Erscheinen gehindert ist. Seinem regen Eifer sei das Zustandekommen des Unternehmens auch wieder zu danken. Warm unterstützt ist die Einrichtung worden durch die Opferwilligkeit unserer Gemeindevertretung, der Verbände, wie durch einzelne Provinzialgemeinden und durch die werktätige Hilfe Privater. Zu besonderem Danke müsse man auch dem verehrten Lehrkörper des jüdisch-theologischen Seminars und anderen Lehrkräften verpflichtet sein für ihre selbstlose Hingabe im Interesse der Sache. Redner hofft, daß die Teilnehmer mit derselben Befriedigung auf den zweiten Ferienkursus Zurückblicken werden können, wie auf den ersten. Der Kursus weist eine Teilnehmerzahl von etwa 30 auf, darunter 7 Damen. Den größten Teil der Besucher stellt unsere Stadt und unsere Provinz, dann folgt Posen mit 5, Pommern mit 1, Brandenburg mit 2 Lehrern und Westpreußen mit 1 Vertreterin. Neu ausgenommen wurde noch auf besonderen Wunsch verschiedener Kollegen in den Studienplan: Apologetik des Judentums. Herr Rabbiner Dr. Deutsch hatte sich in liebenswürdiger Weise bereit erklärt, im Laufe des Kursus in drei Vorlesungen das Gebiet zu behandeln. — Breslau, 12. Juli. Der Verwaltungsbericht des Verbandsausschusses des Bezirksgemeindeverbandes Breslau-Liegnitz für das neunte Geschäftsjahr 1905/1906 bietet ein Bild stiller, unablässiger und unverdrossener Arbeit. Durch Gewährung von Beihilfen konnte der Verband folgenden Gemeinden Hilfe zuteil werden lassen: Löwenberg, Festenberg, Wohlau, Freiburg, Herrnstadt, Trebnitz, Schwirz, Winzig, Neusalz, Steinau, Namslau (f. Reichthal), insgesamt zwölf Gemeinden zusammen 1522,50 Mark. Neben der Sorge für die Existenz der Verbandsgemeinden war die Aufmerksamkeit des Verbandes auf die Erhaltung und Förderung kultuellen Lebens in ihnen in Anspruch genommen. In dieser Beziehung war es in erster Reihe die bei den Gemeinden so beliebt gewordene Zusendung von Predigern an den hohen Feiertagen, die er sich auch im vergangenen Jahre angelegen sein ließ. Auf dem gleichen Gebiete der Förderung des Kultus ist der Verband durch Gewährung von Beihilfen für Vorbeter an den hohen Festtagen tätig gewesen. Diese erhielten die Gemeinden Goldberg, Inner, Winzig, Festenberg, Wohlau, Trebnitz, Neusalz. Reichthal, Glatz und Bunzlau. Einen weiteren Zweig der Fürsorge für die Pflege kultueller Einrichtungen bildete, wie bisher, auch die Gewährung von Prämienbeihilfen, durch die es den Gemeinden ermöglicht wird, ihre Beamten und deren Hinterbliebene für den Fall des Todes oder der Dienstunfähigkeit wenigstens einigermaßen sicher zu stellen. Es erhielten die Versicherungsbeihilsen mit je 50 Mark die Beamten in Schweidnitz, Jauer, Ohlau, Steinau, Münsterberg, Namslau, Löwen, Waldenburg und Strehlen. Es sind ferner im abgelaufenen Berichtsjahre 21 Schulen inspiziert worden. Die inspizierten Schulen sind von 188 Schülern besucht worden, unter denen 106 Mädchen und 82 Knaben waren. Das Resultat der Inspektion kann als nicht ungünstig bezeichnet werden. Der Eifer der Lernenden wurde, wie im Vorjahr, so auch in diesem Jahre anzuspornen gesucht, indem den Herren Inspektoren Prämien für die besten Schüler zur Verfügung gestellt wurden. In das Gebiet der Tätigkeit betreffend den Unterricht fällt auch die wiederum gewährte Subvention für die von dem Verein israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen eingerichteten Ferienkurse. Der Ausschuß des Verbandes besteht aus den Herren Stadtrat Pringsheim-Breslau, Vorsitzender, Landgerichtsrat Wollstein-Breslau, stellvertretender Vorsitzender, Rabbiner Dr. Guttmann-Breslau, Dr. med. Reich-Breslau, H. Cohn- Liegnitz, Rabbiner Dr. Freund-Görlitz, Justizrat Friedmann-Glogau, Jnstizrat Ledermann-Hirschberg, H. Naphtali-Schweidnitz. i. Benthen, 10. Juli. Zu einer würdigen Feier gestaltete sich in der jüdischen Volksschule der Akt der Amtsentlassung des in den Ruhestand getretenen Hauptlehrers Max Rosen bäum. Namens des Magistrats war Stadtrat Guttmann, namens der Synagogengemeinde Rabbiner Dr. Galliner erschienen. Die festlich gekleideten Knaben und Mädchen der Oberstufe intonierten die Feier mit dem Gesang des Liedes „Lobt froh den Herrn". Rabbiner Dr. Kopfstein bestieg hierauf das Katheder, dankte in längerer und gehaltvoller Rede Herrn Rosenbaum im Namen der Schulbehörde für die während einer fast vierzigjährigen erfolgreichen Lehrtätigkeit bewiesenen Treue im Berufe und heftete an die Brust des Scheidenden den ihm verliehenen Adler der Inhaber des Königlichen Hausordens von Hohenzollern, nachdem zuvor die Allerhöchste Kabinettsordre verlesen war. Stadtrat Guttmann sprach Worte des Dankes namens des Magistrats; der dienstälteste Lehrer Freudenthal im Namen des gesamten Lehrerkollegiums. Herr Rosenbauw dankte hierauf tiefbewegt, ermahnte die Schulkinder, stets der Lehren eingedenk zu sein, welche die Liebe zum Vaterlande und dem angestammten Herrscherhause beträfen und brachte ein Hoch aus den Kaiser aus, in das die Anwesenden begeistert einstimmten. Nachdem die Nationalhymne verklungen war, dankte ein Schüler namens aller Mitschüler und Mitschülerinnen. Mit einem Liede wurde die Feier geschlossen. ' Gleiwitz, im Juli. Am 14. v. M. fand hier eine Versammlung des Oberschlesischen Rabbinerverbandes statt. Anwesend waren die Herren Rabbiner Dr. Cohn-Kattowitz, Dr. Munz- Gleiwitz, Dr. Kopfstein-Beuthen, Dr. Kaatz-Zabrze, Dr. Baeck-Oppeln, Dr. Norden-Myslowitz, Dr. Dienemann-Ratibor, Etlguther-Neisse, Dr. Braunschweiger-Kattowitz und Dr. Galliner-Beuthen. Nach den Darlegungen des Vorsitzenden Dr. Cohn über die gemeinsame Arbeit des Oberschlesischen Gemeindebundes und des Rabbinerverbandes in betreff des Religionsunterrichts und der Förderung des religiösen Lebens in den kleineren rabbinerlosen Gemeinden wurde von der Versammlung über die Feststellung eines Minimallehrplanes für die Religionsschulen der kleineren oberschlesischen Gemeinden eingehend verhandelt. Hieran schloß sich eine Besprechung interner Verbandsangelegenheiten. -- Hamburg, 5. Juli. Der Israelitische Stellenvermittlungs-Verein hielt seine diesjährige Generalversammlung unter Vorsitz des Herrn Julius Nosenstock ab. Der Vorsitzende teilt mit, daß das Resultat des letzten Jahres denen der früheren Geschäftsjahre gleichkomme, jedoch hinter demjenigen des vorletzten etwas zurückstehe. Der Referent besprach alsdann die Tätigkeit des Vereinsvorstandes gegenüber dem der Bürgerschaft momentan vorliegenden Antrag auf vollständige Schließung der Kontore an Sonn- und Feiertagen, welcher, wenn er Gesetz werde, eine schwere Schädigung für die orthodoxen Prinzipale und Gehilfen Hervorrufe. Aus dem erstatteten Jahresbericht ist zu entnehmen, daß von 87 neu gemeldeten und 46 vom Vorjahre restierenden Bewerbern 51 plaziert und 31 in Bearbeitung blieben. Seit Bestehen des Vereins (1892) wurden 745 Stellen besetzt. Die Einnahmen und Ausgaben des

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