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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-07-20 · Heft 29 (20.7.1906) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 29 (20.7.1906)
Date
1906-07-20
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Berlin, 20. Juli 1906. Der Orimtndrbore. Deilsgr zur „Allgemeinen Lelrnng deK IndentumK". Sorrklpondmrm und Kachrichtm. Deutschland. 8. Berlin, 15. Juli. Eine bekannte Vertreterin der bürgerlichen Frauenbewegung, Fräulein Alice Salornon, wurde gestern von der philosophischen Fakultät zum Doktor promoviert. Ihre Arbeit, die vollständig in Schmollers und Serings staats- und sozialwissenschaftlichen Forschungen erscheinen wird, behandelt die Ursachen der ungleichen Entlohnung von Männer- und Frauenarbeit. Fräulein Salomon, die Tochter eines Berliner Kaufmanns, steht im 35. Lebensjahre und hat sich Praktisch und theoretisch mit volkswirtschaftlichen, besonders sozialpolitischen Fragen beschäftigt. Seit mehreren Jahren unterrichtet sie am Viktoria-Lyzeum, in den Kursen der Gruppen fürsoziale Hilfsarbeit und an der Handelsschule des Lettevereins. Seit 1899 leitet sie die Mädchen- und Frauengruppen für soziale Hilfsarbeit, die der Ausbildung zur Wohlfahrtspflege dienen. Die Doktorprüfung bestand sie mit dem Prädikat eum laude. ■A. Berlin, 16. Juli. Ein Vermächtnis in Höhe von 22000 Mark hat die verstorbene Rentiere Frau Lichtenstein der Stadt Berlin zugewendet mit der Bestimmung, daß 20000 Mark zu einer Stiftung verwandt werden, aus deren Zinsen bedürftige Frauen und Kinder ohne Unterschied der Konfession unterstützt werden sollen. Der Rest von 2000 Mark soll dem städtischen Asyl für Obdachlose überwiesen werden. ■JV Berlin, 15. Juli. Der Apell der Presse, und zwar nicht nur der liberalen, an die Behörden, dem Unfug zu steuern, den Graf Pückler trotz der an ihm zu vollstreckenden Freiheitsstrafe fortgesetzt anrichtet, scheint endlich Erfolg gehabt zu haben. Kurz vor seinem Auftreten in einer am 9. d. M. angesetzten Versammlung wurde der Graf aus Veranlassung der Staatsanwaltschaft aus seinem Hotel abgeholt und nach Weichselmünde in seine Festungshaft zurückgebracht. Die Veranlassung dazu dürften die mehrfach stattgehabten Auflösungen seiner Versammlungen gegeben haben. 8. .Berlin, 15. Juli. Am 11. d. M. ist in Konstanz nach längerem Leiden der Direktor der Gesellschaft für elektrische Unternehmungen in Berlin, Samuel Kocherthaler, im Alter von 47 Jahren gestorben. Derselbe gehörte seit acht Jahren dem Vorstande dieser Gesellschaft an, welche seiner genialen kaufmännischen Leitung, seiner rastlosen Energie und großen geschäftlichen Umsicht in hohem Grade die erfreuliche Entwicklung verdankt, die sie in den letzten Jahren genommen hat. Vorher war er in Madrid Leiter der Elektrizitätsgesellschaft Levi & Kocherthaler. Noch bis in die letzten Tage seines hoffnungslosen Leidens mit der Sorge um das Wohl der Gesellschaft beschäftigt, wurde Kocherthaler, in der Blüte des Mannesalters und auf dem Höhepunkte seines Schaffens stehend, durch einen zu frühen Tod hinweggerafft. Sein Wirken sichert ihm bei den zahlreichen Unternehmungen im In- und Auslande, an deren Durchführung er an hervorragender Stelle mitzuwirken berufen war, ein ehrenvolles Angedenken. Der Heimgegangene war ein Schwager des Herrn Oberlehrers Levi in Stuttgart, unseres geschätzten Mitarbeiters. Die Beerdigung fand am Sonntag auf dem Friedhof in Weißensee statt. Unter der großen Zahl der Leidtragenden bemerkte man die Geheimräte Isidor Loewe und Kopetzky, Direktor Mamroth von der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft, Konsul E. Gutmann, die Direktoren der Diskontogesellschaft Tr. Artur Salomonsohn und Erich, Direktor Ziemßen von der Akkumulatorenfabrik Mariendorf, den Geheimen Justizrat Dr. Kempner, Generaldirektor Rosengarten, Direktor Oliven und den Fabrikanten Netter vom Vorstand der jüdischen Gemeinde. Die Gedächtnisrede hielt Prediger Dr. Klemperer von der Berliner Reformgemeinde. — Marienburg, im Juli. Die zehnte Jahresversammlung des Vereins jüdischer Religionslehrer Westpreußens fand am 4. v. M. im Blumenthalschen Restanrant hier statt. Anwesend waren außer einigen Gästen 15 Mitglieder des Vereins. Die herzliche Begrüßungsansprache des Vorsitzenden Herrn Geisenberg-Marienwerder schloß mit einem Kaiserhoch. Der Schriftführer Kollege Mannheim- Graudenz erstattete den Tätigkeitsbericht des Vereins während seines zehnjährigen Bestehens. Der Verein ist als Kind des Verbandes zu betrachten. Neun Kollegen beteiligten sich an der Gründung, drei traten bald darauf noch hinzu. 1897 stieg die Mitgliederzahl auf 14, 1898 auf 17, 1899 auf 24, 1900 auf 31, 1901 auf 37, 1902 aus 38, 1903 auf 42 und seit 1904 blieb die Zahl auf 40 stehen. Der Referent gab eine Aufstellung der in den zehn Jahren gehaltenen Vorträge und Referate, sowie des sonstigen Arbeitsstoffes. Es wurden im ganzen sieben pädagogische und zehn allgemeine Themata behandelt. Fünf Referate bezogen sich auf die Besserstellung des Standes. Auch wurden drei Lehrproben gehalten. Das Hauptaugenmerk des Vorstandes war auf die Bestrebung gerichtet, die Stellung des jüdischen Religionslehrerstandes in Preußen zu heben. Redner ging nun auf die Tätigkeit des Verbandes ein und beleuchtete dieselbe kritisch. Der Kassenbericht des Rendanten Rynarzewski-Pr.-Stargard ergab einen Bestand von 63,60 Mark. Die Kollegen Jaeger-Konitz und Lange- Culmsee prüften die Rechnung und die Belege. Darauf wurde die Entlastung erteilt. Im Anschluß hieran beantragte Mannheim- Graudenz die Erhöhung des Jahresbeitrags von 1,50 Mark auf 2 Mark. Der Antrag wurde angenommen. Der Referent Mannheim- Graudenz besprach das von I. B. Levy (Verlag M. Lehrberger & Co., Rödelheim) hauptsächlich für die Schule herausgegebene Gebetbuch Schaareh Tefillah, ferner Sefath Emeth, Gebetbuch von Dr. Bleichrode (Verlag S. Lehrberger & Co. Rödelheim), zwei neue Fibeln von Levy und Abraham, Schaareh Thora von I. B. Levy. und Rahmers hebräisches Gebetbüchlein von Abraham, Steinern, Die zehn Sinaigebote (Verlag M. W. Kaufmann. Leipzig), Stern, Bibl. Geschichte (Verlag I. Kaufmann, Frankfurt a. M.). Die freien Besprechungen nahmen diesmal einen breiten Raum in den Verhandlungen ein. Das Schmerzenskind des Verbandes, die Verbands-Pensionskasse, beschäftigte die Versammlung wieder in eingehender Weise. Nach langer Debatte wurde folgende Resolution einstimmig angenouunen: „Nachdem die Möglichkeit ausgeschlossen erscheint, daß die betreffende Verbands-Pensionskasse dem Verbände nutzbar gemacht werden kann, so erklärt es der Verein jüdischer Religionslehrer Westpreußens für notwendig, eine neue Kasse ins Leben zu rufen, die unter allen Hin* ständen der Leitung des Verbandsvorstandes unterstellt werden muß. Zur Vermeidung der Zersplitterung wird es für dringend erforderlich angesehen, daß das Komitee für die Bildung einer neuen Zentralhilfskasse die eingehenden Beträge dem Verbandsvorstande zu diesem Zwecke mit dem ausschließlichen Verfügungsrechte des letzteren übergebe." Es wurde beschlossen, dem Herrn Michael Cohn-Neumark, der den Antrag betreffend die Gründung einer Pensions-, Witwen- und Waisenkasse für jüdische Gemeindebeamte Westpreußens auf dem letzten Gemeindetage zu Danzig eingebracht hat, ein Dankschreiben zu senden. Ferner wurde es für wünschenswert gehalten, daß auch zwei Vertreter des Lehrervereins in die Kommission gewählt werden, welche über den Antrag beraten soll. Bezüglich der Bildung der Bezirksrabbinate wurde von einer Stellungnahme abgesehen, weil nach dem Geschäftsbericht des Westpreußischen Gemeindeverbandes ein Versuch in dieser Hinsicht einen negativen Erfolg hatte. Die Versammlung beschloß ferner, eine Enquete über den Stellenwechsel und die Kündigungsgründe in den letzten 15 Jahren in Westpreußen zu veranstalten, um auf Grund der Erhebungen eine Petition an den Herrn Regierungspräsidenten verfassen und einreichen zu können. Als Ort der nächsten Jahresversammlung wurde Culmsee bestimmt. s. Breslau, 8. Juli. Am 5. d. M. wurde Hierselbst der zweite Ferienkurfus in Religionswissenschaften für jüdische Lehrer in dem Klassenzimmer I der Religionsschule im Gemeindehause durch eine Ansprache des Herrn Rabbiner Dr. Rosenthal feierlich eröffnet. Der Redner begrüßte zunächst die erschienenen

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