Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 70 (1906)
- Issue
- Heft 28 (13.7.1906)
- Date
- 1906-07-13
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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o k» 28 Dpx Gemeindebote. VeHsge zur „Allgemeinen lkorrelpondm?m und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 8. Juli. Die jüdische Gemeinde in Berlin hat einen Skizzenwettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für den Neuball eines Krankenhauses ausgeschrieben. Die Preise betragen 6000,4000 und 2000 Mark. Außerdem können Entwürfe zum Preise von je 1000 Mark angekauft werden. Die Entwürfe sind bis zum 1. Oktober 1906 nachmittags 6 Uhr beim Vorstande der jüdischen Gemeinde in Berlin, Oranienburgerstraße 29, einzuliefern, von dem auch die Unterlagen und Bedingungen für den Wettbewerb gegen Erlegung von 3 Mark bezogen werden können. Dieser Betrag wird dem Eiulieferer eines Entwurfes nach der Preisverteilung zurückgezahlt. 22 Berlin, 9. Juli. Der Vorstand des K rankenhau ses der jüdischen Gemeinde hat beschlossen, die Kur- und Verpflegungskostensätze für Erwachsene und Kinder gleichzustellen und von jetzt ab sür in Berlin ortsangehörige kranke Kinder 2,50 Mark, für auswärts wohnende kranke Kinder 3 Mark für den Tag und Kopf, ebenso wie bisher für Erwachsene, zu erheben. 8. Berlin, 5. Juli. Der siebzigste Geburtstag des Handelsrichters Herrn an n Landsberger gab am 2. d. M. vielen die Gelegenheit, diesem auf dem Gebiete der Wohltätigkeit hochverdienten Marlne Dank- und Glückwünsche abzustatten. An der Spitze von Abordnungen erschienen die Herren Kommerzienrat Kopetzky, Moritz Manheimer, Komrnerzienrat Friedländer und feierten' unter Ueberreichung von Adressen den rüstigen Jubilar. Ehemalige Angestellte des inzwischen in Liquidation getretenen Welthauses Jacob Landsberger, dessen Chef der Jubilar gewesen ist, überreichten einen kunstvollen silbernen Aussatz. Die mit Blumenspenden reich geschmückte Wohnung in der Lennestraße war den ganzen Tag über der Sammelpunkt zahlreicher Gratulanten. Herr Landsberger war mehrere Jahre hindurch Vorsitzender der Repräsentantenversanlmlung der jüdischen Gemeinde. Er erfreut sich in weiten Kreisen großer Beliebtheit. Möge es ihm noch lange beschieden sein, Gutes zu tun! 8. Berlin, 6. Juli. Wegen der Aufforderung zu einem Pogrom ist die gestern in den Arminhallen tagende Pückler- Versammlung aufgelöst worden. Der Graf unterhielt seine zahlreich erschienenen Anhänger zunächst mit seinen persönlichen Erlebnissen auf der Festung Weichselmünde, von der er bekanntlich beurlaubt ist. Er habe sich jetzt ein neues Attest von einem Sanatorium in Thüringen verschafft und werde dort seine Ferien weiter verleben. Dann ging Graf Pückler auf die gegenwärtigen Verhältnisse in Rußland ein, die er als vorbildlich für Deutschland hinstellte. Als er auf die Judenverfolgungen in Bialystok zu sprechen kam und seine Anhänger aufforderte, das Beispiel der Russen nachzuahmen, wurde die Versammlung durch den überwachenden Beamten aufgelöst. i. Potsdam, 10. Juli. Seinen 90. Geburtstag feierte heute der Bankier Samuel Zielen zig er. Der hochgebildete Jubilar erfreut sich vollkommen körperlicher Rüstigkeit und so frischen Geistes, daß er auch heute noch das regste und verständnisvollste Interesse an allen Erscheinungen des öffentlichen und privaten Lebens bekundet. In seiner frühesten Jugend mit seinen Eltern aus Arneberg a. E. nach Potsdam übergesiedelt, begründete er dort vor nunmehr 54 Jahren ein Bankgeschäft, welches sehr bald dank der strengsten Rechtlichkeit und Menschenfreundlichkeit d.es Besitzers zu hohem Ansehen gelangte. Alle Schichten der Einwohnerschaft brachten ihm unbedingtes Vertrauen entgegen, welches er jederzeit durch Fürsorge für seine Kundschaft rechtfertigte. 1888 errichtete Zielenziger in Berlin und im Jahre 1898 in Essen Zweiggeschäfte, die ebenfalls in hoher Blüte stehen. Erst anfangs dieses Jahres trat der greise Herr von den Geschäften zurück. Der weit über den Rahmen seiner zweiten Heimat hinaus geschätzte Jubilar hat sich besonders um die hiesige jüdische Leitung deS Judentums. Gemeinde verdient gemacht, indem er vier Jahrzehnte hindurch Mitglied der Repräsentantenversammlung und den größten Teil hiervon ihr Vorsitzender war. — Königsberg i. Pr. Am 4. d. M. hielt der Verein jüd. Religionslehrer Ostpreußens seine 19. Jahresversammlung in Königsberg ab. Sie begann mit der Generalversammlung der vom Verband der ostpreußischen jüdischen Lehrerschaft gemeinsam unterhaltenen Pensionskasse sür jüdische Religionslehrer und Kultusbeamte in Ostpreußen, die in Vertretung des ersten Vorsitzenden der Kasse, Rechtsanwalts Scheh-Allenstein, der stellvertretende Vorsitzende, Waisenhausinspektor Peritz-Königsberg, leitete. Dieser erstattete auch den Jahresbericht der Kasse. Diese erstrebt, sich bei genügender Stärkung ihrer materiellen Mittel zu einem Schul- und Pensionsfonds sür die jüdischen Gemeinden Ostpreußens auszugestalten, um dann auch die so dringliche Erhöhung der unzureichenden Beamtengehälter in vielen kleinen Gemeinden unserer Provinz sich zur Aufgabe zu machen. — Der: eigentlichen Kassenbericht erstattete der Schatzmeister der Kasse, Herr Josef Simonsohn-Königsberg. Um 9 Uhr vormittags eröffnete der Vorsitzende des Lehrervereins, Prediger Sturmann-Osterode, die Generalversammlung des Vereins, in der die internen Angelegenheiten des Vereins verhandelt wurden. Die Versammlung beschloß u. a. die Einrichtung eines Fortbildungskursus in Religionssächern für die jüdischen Lehrer unserer Provinz in die Wege zu leiten. Um IOV2 Uhr begann dann die öffentliche Versammlung des Lehrervereins, zu der außer Vertretern mehrerer Gemeinden auch eine Anzahl Gäste aus der Stadt sich eingefunden hatten. Nach Begrüßung der Erschienenen durch den Vorsitzenden und einem kurzen Gebet nahm Universitätsprofessor Dr. Saalschütz das Wort zur Bewillkommnung der Versammlung namens der hiesigen Synagogengemeinde. — Stadtrat Professor Dr. Lassar-Cohn sprach zugleich namens des Verbandes der Synagogengemeinden Ostpreußens. — Rabbiner Dr. Perles-Königsberg sprach dann über „Bibellesen". Der Vortragende gab u. a. eine Reihe praktischer Anweisungen zur rechten Benutzung der Bibel im Unterrichte. — Waisenhausinspektor Peritz-Königsberg referierte über das neue Volksschulunterhaltungsgesetz in Rücksicht ans die jüdischen Schulen und die Interessen der jüdischen Kinder in den durch das Gesetz innerlich umgestalteten allgemeinen Volksschulen. — Die Versammlung nahm mit großer Majorität folgende Resolution an: „Der Verein jüdischer Religionslehrer Ostpreußens erklärt es mit Rücksicht auf die Veränderung, welche das Wesen der allgemeinen Volksschulen nach seiner religiösen Seite durch das neue Volksschulunterhaltungsgesetz erfährt, für dringend notwendig, daß überall, wo es irgend möglich ist, eigene jüdische Volksschulen errichtet werden." Den nächsten Vortrag hielt Prediger Sturmann-Osterode über die methodische Umgestaltung des hebräischen Unterrichts. Die vom Referenten aufgestellten Leitsätze wurden angenommen. Kantor Wollheim-Königsberg Zeigte in einer vorzüglich gelungenen Lehrprobe die Weise der von dem Vorredner empfohlenen neuen Methode dieses Unterrichtsfaches. — Mit der Versammlung war auch eine kleine Lehrmittelausstellung neuerschienener Bücher, speziell für den hebräischen Unterricht, verbunden. Einzelne derselben wurden von Oberkantor Birnbaum und Lehrer Guttmann eingehend besprochen. — Um 4 Uhr schloß sich an die Versammlung ein gemeinsames Mittagessen, bei welcher Gelegenheit dem verdienten Vorsitzenden des Vereins, Prediger Sturmann, anläßlich seiner kürzlich vollendeten 40jährigen Amtstätigkeit in seiner Gemeinde Osterode und seines ebenso langen hingebenden Wirkens für die Interessen der ostpreußischen jüdischen Lehrerschaft ein wertvolles Silbergeschenk überreicht wurde. Kp. Ans der Provinz Posen, im Juli. Lehrer Baruth in Rogowo ist an die städtische Knabenschule zu Hohensalza berufen worden. — Kaufmann Adolf Lesser in Strelno ist zum ersten Vorsteher der dortigen Synagogengemeinde gewühlt worden. — Die Regierung zu Bromberg hat jüngst entschieden, daß die Synagogengemeinde in Witkowo nicht mehr wie bisher nur von drei Vor-