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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-07-13 · Heft 28 (13.7.1906) · p. Seite 336

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 28 (13.7.1906)
Date
1906-07-13
Page
Seite 336 (sequence 12)
Language
German
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336 Eliel konnte dieses Leid nicht länger mit ansehen. Ersann und sann und zerbrach sich fast den Kopf darüber, wie er nur helfen könnte. Endlich sagte er: „Ich will's versuchen. Geh' ich auch nicht in die Christenkirche hinein, so sollen mir die Christen das Krönlein herausbringen. Gebt nur nur ein wenig von Eurem kleinwinzigen Hausrat, den ich den Mönchen zum Tausch anbieten könnte!" Da gab es nun große Freude unter dem Wichtelvölklein- Der König beriet sich sofort mit seinen Ministern, ob er nicht schnell einen Orden „für zukünftige Verdienste" gründen sollte, das Volk hüpfte und sprang jauchzend an Eliel empor und die zarten Wichteldämchen warfen ihm Kußhände zu. Die Klugen und Vernünftigen aber, die eilten davon und schleppten herbei an zierlichen Sächelchen, soviel sie nur tragen konnten. Kännchen und Schüsselchen aus getriebenem Golde, winzige edelsteingezierte Waffen, die herrlichsten über und über bemalten Musikinstrumente mit Perlmutter und farbigen Metallplättchen eingelegt, und was nur die. kleinen Hausfrauen an kostbaren Möbeln und Ziergeräten entbehren konnten, wurde auf dem Moosboden ausgestellt. Eliel wählte einige Gegenständchen aus und bat die Wichtelmännchen, die übrigen Sachen nur ruhig behalten zu wollen, man dürfe die Menschen bei Tauschgeschäften nicht allzusehr verwöhnen. Dann stand er aus und wollte sich auf den Weg machen. Der König ließ ihn aber noch nicht fort. Gar zu gerne hätte er ihm noch eine ganze Truhe voll der schönsten geschliffenen Edelsteine zum Dank für seine Bereitwilligkeit geschenkt, aber Eliel wies die kostbare Gabe einfach zurück. „Heute mache ich keine Geschäfte," sagte er, „die Sonne ist noch nicht ganz gesunken. Ich helfe Euch umsonst, weil Ihr mich dauert." Da griff der König gerührt nach jenem Tautröpfchen, daS noch immer am Rande der Glockenblume schwebte, blies darüber hinweg, da wurde es fest und hart, und reichte Eliel die kleine Kristallkugel hin: „So stecke wenigstens dieses unscheinbare Glaskügelchen zu Dir. Wenn Du einmal in Not bist, dann nimm es in die Hand und sprich einen Wunsch aus — er wird erfüllt werden." Ungläubig lächelnd ließ Eliel das Kügelchen in seine Tasche gleiten und ging davon. Anfangs langsam und behutsam, damit er ja niemanden zertrete, als er sich aber so weit entfernt hatte, daß er mit seiner Stimme niemanden mehr umblasen konnte, rief er noch ein herzliches „Lebt wohl!" herüber. „Und bring' das Krönlein ja noch vor dem Mittagläuten!" rief ihm der kleine König nach. „Noch vor dem Mittagläuten!" wiederholte Eliel. Er schritt rüstig vorwärts, im Eifer für sein gutes Werk alle Müdigkeit vergessend. Schon ragte der dreigiebelige Turm des Klosters aus den Bäumen hervor, immer näher und deutlicher erschien der ehrwürdige Ban in der Abenddämmerung. Ueber dem Kloster drängte sich die bleiche Sichel des Mondes durch die Wolken und gerade in der Mitte der Sichel tauchte das erste Sternlein am Himmel auf. „Das bedeutet Glück!" sprach Eliel halblaut vor sich hin und ging mutig auf das Kloster zu. Das Vesperglöcklein begann zu läuten. Geduldig wartete Eliel, bis es geendet hatte, dann erst wagte er schüchtern an der Klosterpforte zu schellen. Das Herz pochte ihm, als er Schritte nähen und einen Schlüsselbund raffeln hörte. Alles Blut drang ihm zur Stirne. Sollte er nicht doch lieber umkehren? Wenn ihn die Mönche mit Schimpf davonjagten? Da öffnete sich das Schiebefenster und ein Paar freundliche blaue Augen blinzelten ihm entgegen: „Gelobt sei-Hu! das ist ja gar Eliel, der Jude! Ja was hat denn jetzt Dich zu uns hergeführt?" Und die blauen Augen verschwanden ganz in den von Gesundheit geröteten Wangen des laut auflachenden Paters. Das klang nicht wie Feindschaft. Rasch entschlossen langte Eliel in die Tasche und brachte'eine kleine Harfe daraus zum Vorschein. Sie war wirklich ganz allerliebst. Sogar die Saiten waren aus gesponnenem Golde und an der goldenen Harfe selbst war ein entzückendes Engelsköpfchen angebracht. Der Bruder Pförtner klatschte in die Hände vor Vergnügen, als Eliel sie ihm darreichte. „Ich war .heute in der Stadt," stammelte dieser, „und hatte einige Kleinigkeiten eingehandelt. Da ich weiß, daß Ihr dergleichen sammelt, möchte ich sie Euch zuerst anbieten." Da war sie heraus, die Lüge, und Eliel war recht froh, daß wenigstens der Versöhnungstag schon vorüber war. „Ja, hast Du denn noch mehr so schöne Dinge?" fragte der Klosterbruder und lachte in freudiger Erwartung einer Zusage über das ganze Gesicht. Statt jeder.Antwort grub Eliel weiter in seiner Tasche und zog die ganze Hand mit zierlichen Sächelchen gefüllt heraus. Fein ziselierte Tellerchen und eine silberne Hellebarde, ein Laternchen mit Fensterscheiben aus echtem Smaragd, eine goldene Posaune und noch mehr solcher kleiner Wunder hielt er zwischen seinen Fingern fest. Da riß der Klosterbruder in freudiger Hast die Pforte auf und zog Eliel herein in die Klosterküche. „Jude, Du bist ein Prachtkerl!" rief er ein über das andere Mal aus und holte jubelnd die anderen Brüder herbei. Da war des Be, wunderns nun kein Ende und immer wieder zog Eliel neue Schütze ans Tageslicht. Wie die Kinder erfreute sich jung und alt an den feinen kleinen Kunstwerken und Eliel bekam mehr als ein Kompliment für seinen guten Geschmack. Endlich fiel es ihnen ein, zu beraten, was sie sich denn von den schönen Sachen auswählen sollten, dazu mußten aber ihre Vorräte erst nochmals übersehen werden. Sie schoben Eliel, ihm wohlwollend auf die Schulter klopfend, vor sich her in ein kleines Geinach, in dein bloß einige Schränke und Truhen standen. (Fortsetzung folgt.) Literarische Mitteilungen. — Wie ich bereits in meinem Zirkular vom 21. September v. I. mitgeteilt habe, sehe ich mich außerstande, die Verwaltung des Neic mim-Vereins fortzuführen. Die hierbei von mir ausgeführte Hoffnung, daß es gelingen wird, jüngere Kräfte für die Weiterführung des Unternehmens zu gewinnen, hat sich nicht erfüllt. Indem ich somit meine Tätigkeit für den Verein abschließe, gebe ich zugleich nachstehend den Bericht der Herren Revisoren bekannt. Berlin, 27. Juni 1906. Prof. A. Berliner. Am heutigen Tage haben die Unterzeichneten die Schlußrechnung für den 20. Jahrgang des Ne^e-^iräaniini-Vereins (1905) nach den vorhandenen Belegen über Einnahmen und Ausgaben geprüft und richtig befunden. Die Einnahmen betrugen 4413 Mark, die Ausgaben ebensoviel, so daß ein Restbestand nicht verbleibt. Die Unterzeichneten nehmen hierbei gern Veranlassung, Herrn Prof. Dr. A. Berliner für die langjährige Tätigkeit und Bemühung, die derselbe seit Begründung des Vereins in der Verwaltung desselben entwickelt hat, den tiefgefühltesten Dank auszusprechen. Berlin,-am 22. Juni 1906. Dr. Meier Hildesheimer, Jakob Sänger, in Firma M. Poppelauer, I. H. Wagner. Druck und Verlag von N u d o l f M o s s e iu Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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