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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-07-13 · Heft 28 (13.7.1906) · p. Seite 331

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 28 (13.7.1906)
Date
1906-07-13
Page
Seite 331 (sequence 7)
Language
German
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331 die von der lv^errit^OeZanisatioa (Ito) in London einstimmig gefaßte, Resolution, „das Anerbieten der britischen Regierung zu akzeptieren", nur zu billigen, wird aber doch von den Zionisten hartnäckig bekämpft. Während nun die einen rechts, die andernlinks ziehen, fließt in der Mitte ein Strom von Menfchenblut! Staatsbeamte und Militär, welche zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung, zum Schutze von Leben und Eigentum der Bürger bestellt und bezahlt sind, machen gemeinsame Sache mit den Auswürflingen der Strolche, Hetzen die Mordbrenner auf schuldlose Menschen und verwüsten das eigene Land, wo früher Friede und Wohlstand herrschten. So etwas ist noch nie und nirgends vorgekommen! Und in Rußland wird es kaum mehr besser werden, selbst nicht, wenn ein Regent mit der eisernen Faust Nikolaus I. auf den Zarenthron käme. Die Regierung selbst hat die niedrigsten Leidenschaften geweckt, die Bestie hat Blut gekostet, hat am hellichten Tag, unter dem Beifall von hohen Offizieren und Staatsbeamten, sengen, plündern, rauben und morden dürfen; Geistliche und Richter partizipierten an der Beute; in von Garnisonen besetzten Städten, mit Arsenalen von Kanonen und Maschinengewehren, wird von einem entfesselten Mob so ungeniert und straflos geraubt, wie ehemals in den Abruzzen oder in den mazedonischen Bergen — das hemmt keine Gewalt mehr, selbst wenn eine solche Gewalt bestände, wenn sie könnte und wollte! Bei jedem ungünstigen Anlasse, bei jeder Erhebung des Volkes, bei jeder Meuterei der Soldateska, wirdman zur Ableitung und Bestechung einige hundert, oder, da das Blut der Juden der russischen Regierung so billig ist, einige tausend Juden zum Fraß hinwerfen. Ein bloßes Schauspiel, wie in Spanien das Stiergefecht — das Volk amüsiert sich! Der Schrei des Entsetzens, den die Menschenschlächterei in ganz Europa, ja in allen Weltteilen weckte, wo kaum noch eine so blutige Tragödie wie jüngst in Bialystok erlebt wurde, dürste die russische Regierung zu einer Reserve bestimmen, die ihr auch die wachsende Geldnot aufzwingen wird, aber diese unfreiwillige Enthaltsamkeit wird von nur kurzer Dauer sein, Katastrophen werden Katastrophen folgen, Eruptionen, Eruptionen und diesen kann die' wehrlose Minderheit nur durch die Flucht entgehen. Gleichviel wohin! Amerika ist verstopft, Palästina unzugänglich, so kann nur zwischen Syrien und Ostafrika gewählt werden: aber es darf nicht länger gezögert werden. Jeder Tag kann neue Opfer fordern und inauche Lache jüdischen Blutes in den Gassen russischer Städte verdampfen! Schnell, mit aller Energie, mit — vollen Segeln ans Werk. Man öffne dem Strome der Emigration alle Schleusen, man fördere und beschleunige die Flucht aus dem Bereiche der Hooligans, in dem täglich, stündlich die entsetzlichsten Todesarten auf Menschen lauern, deren einziges Verbrechen ihr Dasein ist! Hembrsndt und die Juden. Von Dr. Adolph Kohut. ie ganze gebildete Welt nicht nur in Holland, sondern weit über die Grenzen desselben hinaus, in aller Herren Länder, wo man nur Sinn für das Schöne, das Große, und das Bleibende in der Kunst hat, rüstet sich, um das Jubiläum des 300. Geburtstages eines Unsterblichen auf dem Gebiete der Malerei und der Radierkunst weihe- und pietätvoll zu begehen. Am 15. Juli 1606 hat der gewaltige Historien-, Porträt-, Landschaftsmaler und Radierer Rembrandt van Ryn in der holländischen Stadt Leiden das Licht der Welt erblickt, und seine zahlreichen Schöpfungen gehören auch heutzutage, obschon, wie gesagt, drei Jahrhunderte seit der Geburt des gottbegnadeten Genius dahingerauscht sind, noch immer zu dem Köstlichsten und Bleibendsten, was überhaupt die Palette geschaffen. Die überragende Größe dieses einzigartigen Künstlers ist gerade in unserer Zeit voll gewürdigt worden. Wenn ihm jetzt in seiner Heimat Leiden ein ehernes Standbild errichtet, und wenn in den Niederlanden eine wohlfeile Ausgabe der Hauptwerke Rembrandts, die in Schule und Haus dringen soll, veranstaltet wird, so beschränkt sich die Jubelfeier zu Ehren des größten und originellsten Malers der holländischen Schule nicht auf das Land seiner Geburt allein, sondern auch bei uns wird man den Meister in Wort und Schrift feiern. Dieses Rembrandt- Jubilämn darf man nicht mit anderen dergleichen Festivitäten in eine Reihe stellen. In unserer denkmals- und jubiläums- .süchtigen Zeit huldigt man oft init großem Geräusch und Trara angeblichen Geistesgrößen, die durch ihre Werke und ihre Taten die allgemeine Huldigung, die ihnen entgegengebracht wird, nicht immer verdienen, während dieser Meister in des Wortes edelster Bedeutung zum Erzieher geworden ist, und nicht für seine Zeit, sondern für alle Zeiten gelebt hat. Wenn die gesamte Külturwelt mit Fug und Recht des unvergeßlichen Künstlers, der zu denen gehört, von denen der Prophet Daniel sagt, daß sie in unverlöschlichem Glanze wie ein ewiger Stern am Firmament strahlen, heute gedenkt, so darf speziell auch das Judentum als solches nicht zurückstehen, wenn es gilt, einen Kranz der Liebe und Verehrung auf das Grab des Ruhmvollen zu legen. Rembrandt war ein Sohn des Volkes. Sein Vater war Bäcker in Leiden, und allezeit verleugnete der Künstler seine Abstammung nicht. Die starken Wurzeln seiner künstlerischen Kraft ruhen eben in dem Boden des Volkes, das er wie kein zweiter kannte und schilderte, mit dem er dachte und fühlte, mit dem er liebte und haßte, dessen Freuden und Leiden auch die seinigen waren, und das seinem Herzen Zeit seines Lebens nahe stand. Auf den Höhen seines Ruhmes und seines Erfolges, als er für seine Werke riesige Honorare erhielt und von den Reichen und Großen der Erde mit Aufträgen überschüttet wurde, aber auch in seinem Niedergange, als er infolge der veränderten Geschmacksrichtung seinerzeit, seiner kostspieligen Sammelpassiönen und allerlei Umstände an den Bettelstab gelangte, und seinen finanziellen Ruin erleben mußte, war und blieb er immer der Bäckersohn aus Leiden, dem Pracht, Glanz und Purpur nur in der Kunst, aber nicht im Leben imponierte, dessen Herz stets nur für die Armen und Elenden, für die Verfolgten und Geächteten, für die mühsam Arbeitenden und die ihrer Nationalität und Glaubens wegen Verfolgten warm schlug. Der große Meister des Helldunkels liebte auch die Schattenseiten des Lebens und jene Gestalten, die infolge der Zeitverhältnisse und der Schicksalsschläge in den Niederungen und den Finsternissen des Daseins hinschleichen müsien und sich nie einen Platz an der Sonne erobern können. Seine Biographen erzählen uns, daß er nie die Fürsten um Auszeichnungen umbuhlte und am liebsten mit einfachen und schlichten Menschen aus dem Volke verkehrte. Er hat das schöne Wort geprägt: „Wenn ich meinen Geist ausspanneu will, dann suche ich nicht Ehre, sondern Freiheit." Als er Ende 1631 oder Anfang 1832 seine Vaterstadt Leiden verließ und nach Amsterdam übersiedelte, wo er sich einen Hausstand gründete, sich 1634 mit seiner geliebten Saskia verheiratend, schlug er seinen Wohnsitz mitten im MÜiliiäitaaiUii

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