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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-07-13 · Heft 28 (13.7.1906) · p. Seite 330

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 28 (13.7.1906)
Date
1906-07-13
Page
Seite 330 (sequence 6)
Language
German
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einmal an die Generalversammlung zurückgewiesen werden. Als Altersgrenze für die jetzigen Kollegen wird 60 Jahre, für die später der Kasse beitretenden 50 Jahre festgesetzt. Darauf erhält Rosenthal-Köln das Wort betreffs Abfassung des Militärgebetbuches. Der abweisende Bescheid der Militärbehörde beziehe sich auf die kostenlose Verabreichung des Militärgesangbuches an die Soldaten. Da aber von seiten des Rabbinerverbandes das Militärgebetbuch den Soldaten übergeben werden sollte, so könne dies trotz des ablehnenden Bescheides geschehen. — Horovitz spricht sich hiergegen aus, denn nur, wenn die Militärbehörde das Gebetbuch den Mannschaften überreiche, läge darin eine Anerkennung der jüdischen Religion, während ein tatsächliches Bedürfnis für die Soldaten, unsererseits ein Gebetbuch herauszugeben, nicht fühlbar ist. Salfeld befürwortet, für die jüdischen Soldaten das Recht zu erwirken, daß sie periodenweise am Gottesdienste teilnehmen könnten. Bei Punkt 4 der Tagesordnung: „Die nächste Generalversammlung und deren Tagesordnung" beantragt Werner, Berlin als Ort der Versammlung in Aussicht zu nehmen und sie um die Weihnachtszeit stattfinden zu lassen. Für deren Tagesordnung bringt er in Vorschlag: 1. Bericht über die Pensionskasse. 2. Der Rabbinerverband soll dafür eintreten, daß wenn die vollständige Sonntagsruhe eingeführt werde, soweit es unter obwaltenden Verhältnissen möglich ist, auf die Geschäfte Rücksicht genommen werde, welche am Sabbat geschlossen seien. 3. Es .oll ein Vortrag über ein populär-wissenschaftliches Thema gehalten werden. Bei der nun folgenden Diskussion stimmt Winter den unter Punkt 2 geltend gemachten Gesichtspunkten zu, indem er der Meinung Ausdruck gibt, der Verband der deutschen Juden müsse für die Sache gewonnen werden. Horovitz befürwortet, schon heute eine solche Meinungsäußerung zu beschließen. Die Delegierten des Rabbinerverbandes bei der demnächst stattfindenden Ausschußsitzung des Verbands der deutschen Juden sollen dann hören, ob man dort für die Sache einzutreten bereit sei. Vogelstein bezweifelt, daß die Sache Erfolg haben werde. Werner tritt noch einmal für seinen Antrag ein, und Horovitz schließt sich ihm an, da auch diejenigen, die einen greifbaren Erfolg bezweifeln, zugeben, daß der Rabbinerverband in dieser, den Lebensnerv des Judentums berührenden Frage das Wort ergreifen müsse. Dementsprechend erklärt es der Zentralausschuß des Rabbinerverbandes für seine Pflicht und seine Aufgabe, in Rücksicht darauf, daß, durch gesetzgeberische Maßnahmen die vollständige Sonntagsruhe eingeführt werden solle, alle Schritte einzuleiten, um so weit es möglich, zu erwirken, daß auf die Sabbatheiligung Rücksicht genommen werde. Als Punkt 4 für die Tagesordnung der Generalversammlung schlägt Werner die Schechitaangelegenheit vor. Vogelstein schlägt als Punkt 5 das Thema: „Rabbiner und Lehrer" vor. Kopfstein ist gegen einen solchen Punkt der Tagesordnung, ebenso Cohn-Kattowitz. Vogelstein zieht hierauf seinen Antrag zurück. Rosenberg beantragt aus die Tagesordnung der Generalversammlung zu setzen: Es möge danach gestrebt werden, daß der Religionsunterricht für jüdische Kinder bis zum 14. Lebensjahre als obligatorisch erklärt werde. Der Antrag wird abgelehnt. Salfeld beantragt, die Dimissoriale zu ordnen. Es soll ein diesbezüglicher Punkt auf die Tagesordnung der Generalversammlung kommen. Salfeld hält es ferner für notwendig, religionswissenschaftliche Volksbücher zu beschaffen. Kopfstein beantragt, die Seelsorge zur Verhandlung auf der Generalversammlung zu stellen, doch zieht er diesen Antrag wieder zurück, da Eschelbach er e-npfiehlt, die Sache zuvor in der nächsten Ausschußsitzung zu behandeln. Darauf wird die Sitzung um 73/4 Uhr abends geschlossen. Lin Mahnruk. Von Leo Herzberg-Fränkel. as entsetzliche Blutbad, welches die zu reißenden Bestien verwilderten Russen in Bialystok anrichteten — die dortigen Polen würden sich nicht zu einem solchen Akte fürchterlicher Barbarei, auch nicht mit dem Freibrief der Polizei in der Tasche hergegeben haben — sind ein flammendes Menetekel an jene zahlreichen Vereine in Deutschland, Oesterreich und England, die sich mit der Emigration und Kolonisation der verfolgten Juden beschäftigen. Vereine in Menge, Einigkeit nirgends, und man kommt nicht um einen Schritt vorwärts, während in Rußland viel mehr Juden gemordet, viel mehr Existenzen vernichtet werden, wie zur Zeit der Inquisition und der Verfolgungen früherer Jahrhunderte. Die schwerste Sünde begehen die im starren Festhalten an der Herzlschen Utopie verharrenden Zionisten, die jede Ansiedlung anderswo perhorreszieren und auf eine weite Erwerbung in Palästina spekulieren, obschon längst die Aussichtslosigkeit dieses Projektes erkannt und obschon wiederholt darauf hingewiesen wurde, daß der Boden teuer, die besten Parzellen in festem Besitz, die arabischen und griechischen Stämme feindlich gesinnt, und die katholischen Mächte diesem Vorhaben nicht geneigt sind. Wenn selbst der Sultan einwilligen und jedes Hindernis beseitigt würde, fände die Kolonisation ntir wenig ertragfähigen, steinigen, wasserarmen, unzusammenhängenden Boden, der sehr hoch zu stehen käme, sobald' große Käufe, wie sie erforderlich sein würden, realisiert werden sollen. Es ist ein hübscher bestechender Gedanke, das ehemalige jüdische Reich für die verfolgten Juden zu erwerben und dort die alte Fahne zu hiffen, aber diese Idee erwies sich schon zur Lebzeit von Dr. Herzl als eine Utopie, als eine schillernde Fata-Morgana, die längst nicht mehr leuchtet. Und doch halten die meisten an dieser Phantasmagorie fest! Es ist auch vielseitig auf Asien hingewiesen worden, auf das ehemals so fruchtbare, paradiesische Gebiet zwischen dem Eirphrat und dem Tigris, das sich zu weitläufigen Ansiedlungen außerordentlich eignen würde. Ich selbst brachte nach Professor Sprenger, der Babylonien bereiste und genau studierte, wiederholt detaillierte, aus alten Archiven geschöpfte Daten vor, welche klar dartun, wie reich das Land den Fleiß seiner Bebauer lohnen würde, wenn die früheren Bewässerungskanäle hergestellt sein werden, wobei noch hervorzuheben ist, daß der Sultan geneigt ist, ein großes, weites, früher zur Zeit der Wasserleitung sehr fruchtbares Gebiet zu einem Pfund Sterling den Morgen zu verkaufen und die Ansiedlungen im Bedarfsfälle zu schützen, da am Rande der Wüste unfreundliche Stämme Hausen. Dies Land ist das zwei Stunden lange Tal zwischen dem Libanon und Antilibanon, vom Litani durchströmt, nicht übermäßig heiß, ztiweilen im Winter sogar Schnee, mit köstlicher, des abends erfrischender Luft und kaum zum fünfzigsten Teile bewohnt. „Unter allen Ländern der Erde," schreibt Professor Sprenger, „gibt es keins, das wie Syrien und Assyrien so sehr zur Kolonisation einladet. Hier gibt es keinen Urwald auszurotten, keine Naturschwierigkeiten zu überwinden, man hat bloß den Boden aufzukratzen, zu säen und zu ernten." — Weiter winkt aus Ostafrika die helfende Hand Großbritanniens, welches in großmütiger Weise der russischen Judenheit ein zur Kolonisation geeignetes, von dem britischen Banner gedecktes Gebiet anbietet. Unter englischem Schutze kann man ruhig seinen Garten bauen und seine Rebe pflanzen, seine Nationalität, seine Religion, seine Gewohnheiten pflegen, ohne einen Widerruf oder eine Bedrückung befürchten zu müssen! Es ist somit

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