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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-07-13 · Heft 28 (13.7.1906) · p. Seite 329

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 28 (13.7.1906)
Date
1906-07-13
Page
Seite 329 (sequence 5)
Language
German
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329 Protokoll drr Sitzung des Lrntrslauslchulles des Kabbinerorrbands in Deutschland, in Berlin am 7. Mai 1906 im Sitzungssaals der jüdischen Gemeinde, Oranienburgerstraße 30/31. er Vorsitzende Professor May bäum eröffnet um 10^4 Uhr die Sitzung, indem er die Anwesenden willkommen heißt, und ernennt zu Schriftführern Rosenberg-Thorn und Rosenthal- Köln. Erschienen sind: Cohn-Kattowitz, Cohn-Jchenhausen, Eschelbacher-Berlin. Freudenthal-Danzig, Gronemann-Hannover, Kopfstein-Beuthen, Maybaum- Berlin, Munk-Marburg, Rosenberg-Thorn, Rosenthal-Köln, Rosenzweig-Berlin, Salfeld-Mainz, Bogelstein-Stettin, Werner-München, Winter-Dresden. Die Kollegen Guttmann und Rosenthal-Breslau, Frank-Köln, Plaut-Frankfurt a. Main, Rülf-Braunschweig und Silberstein-Wiesbaden haben ihre Abwesenheit entschuldigt. Aus dem ausführlichen Bericht, den der Vorsitzende erstattet, ist hervorzuheben : Der Verband hatte im vergangenen Jahre die willkommene Gelegenheit, einer Reihe von Kollegen bei freudigen Anlässen herzliche Teilnahme zu bekunden, hat aber leider auch den Tod dreier Kollegen zu.beklagen gehabt. Zu Ehren der Dahingeschiedenen — Prager- Kassel, Fried-Ulmund, Rich ter-Filehne — erhebt sich die Versammlung von den Sitzen. Der Bericht gedenkt weiter der schweren Judenverfolgungen in Rußland; der vom zionistischen Aktionskomitee aus diesem Anlaß nach Brüssel einberufenen Konferenz, zu welcher auch der Rabbinerverband eingeladen war, glaubte der geschüftsführende Vorstand nur unter der Bedingung anwohnen zu können, daß ihm vorher die genau detaillierte Tagesordnung zugesandt würde; da diesem Verlangen nicht rechtzeitig entsprochen wurde, sah man von einer Beteiligung ab. In der Schulgesetz frage hob der Bericht den Anteil hervor, den der Rabbinerverband an der vom Verband der deutschen Juden aus diesem Anlaß beim preußischen Abgeordnetenhaus eingereichten Denkschrift genommen hat. Hinsichtlich der Schächtfrage wurde berichtet, daß der neuerlichen, aus Grund des Schwarzschen Buches unternommenen Agitation der Gegner mit einer neuen Ausgabe der Rabbinererklärung zur Sch ächtfrage von 1894 entgegen getreten werden soll. Seitens des Kriegs Ministerin ms war im Berichtsjahr ein freundliches Entgegenkommen zu verzeichnen, insofern der Bitte des Rabbinerverbandes um Verschiebung des Dienstantritts stattgegeben worden ist; dagegen ist der Antrag des Rabbinerverbands, die Ueberweisung von Gebetbüchern an jüdische Soldaten betreffend, durch Bescheid vom 7. April d. I. gegenstandslos geworden. An den Bericht des Vorsitzenden schloß sich eine überaus lebhafte Diskussion, die sich in der Hauptsache um die Schulgesetzfrage und die dabei von den verschiedenen Seiten getroffenen Maßnahmen, und im Anschluß daran um die Tätigkeit des Verbandes der deutschen Juden in Sachen des Rosinschen Gesetzentwurfs drehte. Horovitz- Frankfurt brachte die Debatte in Fluß durch Hinweis auf ein Schriftstück des Verbandes, das dieser in Sachen des Schulgesetzes an die Regierung gerichtet hat, und in dem ausgeführt ist, „daß die Gemeindevorsteher zu entscheiden Hütten, was jüdischer Religionsunterricht sei". Nach seiner Ansicht, die sicher auch die Ansicht aller Kollegen ist, hätte man der Regierung als Autorität, die darüber zu entscheiden hat, was für die betreffende Gemeinde jüdischer Religionsunterricht sei, den Rabbiner bezeichnen sollen mit der Hinzufügnng, daß man die Gemeinden, die keinen Rabbiner haben, einfach fragen könne, welcher benachbarte Rabbiner für sie maßgebend sei. Mit dieser Frage in Zusammenhang stehen die Bestrebungen nach einer Konsistorialverfassung. denen mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten sei. Da dieser Gegenstand auf der Tagesordnung der nächstens stattfindenden Sitzung vom Ausschuß des Verbandes der deutschen Juden steht, so stelle er (Horovitz) den Antrag, der Ausschuß des Rabbinerverbandes soll in seiner heutigen Sitzung eine gegen diese Konsistorialbestrebungcn gerichtete Resolution und das Eintreten für die Bildung von Bezirksrabbinaten beschließen. Zur Schächtangelegenheit, die er in Vertretung des Vorsitzenden geleitet, teilt Horovitz mit, daß von 270 deutschen Kollegen sich bereits 248 mit ihrer Unterschrift bei der neuen Abwehrerklürung des Rabbinerverbandes beteiligt hätten. Maybaum verliest ein Rechtfertigungsschreiben des Verbandes der deutschen Juden. Vogel stein - Stettin bemängelt, daß die Rabbiner der Provinzen Hannover und Hessen in der Schulgesetzfrage auf eigene Faust gehandelt haben, ohne sich mit dem Rabbinerverband in Verbindung zu setzen. Löb-Emden, Gronemann- Hannover und Munk-Marburg erheben gegen diesen Vorwurf Einspruch und rechtfertigen ihr Vorgehen. Salfeld-Mainz weistauf die auch für die jüdischen Gemeinden von Hessen-Darmstadt vorgeschlagene Konsistorialverfassung hin, welche den Rabbiner vollständig ausscheidet, und erhofft von einer diesbezüglichen Resolution des Rabbinerverbandes auch für die genannte Provinz eine günstige Wirkung. Zur Schächtsrage bemerkt er, daß das Meyersche Konversationslexikon seinen bekannten schächtungünstigen Schlachtartikel im Nachtrag über „Schächten" wieder gut machen werde. Der Bericht des Vorsitzenden wird darauf gutgeheißen., In bezug auf die Zentralisierungsbestrebungen innerhalb der preußischen Judenheit wurde die nachstehende Resolution Horovitz-Werner angenommen (nur Vogelstein und Maybaum stimmten gegen den ersten Teil derselben, weil sie die unter bestimmten Kautelen einzurichtenden Synoden für eine segensreiche Einrichtung halten), welche den verschiedenen, im Laufe der Diskussion geäußerten Ansichten und Bedenken fast aller Anwesenden gerecht wird: „Der Zentralausschuß des deutschen Rabbinerverbandes spricht sich mit aller Entschiedenheit gegen alle Bestrebungen aus, die auf staatlich organisierte konsistoriale, synodale oder ähnliche Einrichtungen innerhalb der jüdischen Gesamtheit hinzielen, und sieht in der Einrichtung von staatlich anzuerkennenden Bezirksrabbinaten, wie in der Einrichtung von Landes- und Provinzialverbänden die zweckentsprechendste Lösung, um den besonders in kleinen Gemeinden obwaltenden Mißständen entgegenzutreten." b) Nachmittagssitzun g. Der Vorsitzende Professor Dr. Maybaum eröffnet um 4 Uhr nach 1V2 stündlicher Pause die Sitzung wieder und erteilt zu Punkt 3 der Tagesordnung: „Bericht über die Pensions- und Reliktenkasse" Freudenthal-Danzig das Wort. Dieser teilt mit, daß die Satzungen der Pensions- und Reliktenkasse am 14. September 1905 an die Aufsichtsbehörden abgesandt wurden. Am 18. November schrieb das Aufsichtsamt, daß an der formellen Seite der Vorlage wenig zu ändern sei, aber sehr viel an der materiellen. Nach dem Entwurf sollten die jüngeren Kollegen zugunsten der älteren etwas mehr zahlen. Dies wurde beanstandet. Ferner wurde gerügt, daß der Mathematiker nur den jetzigen, nicht den künftigen Zustand der Kaffe ins Auge gefaßt. Außerdem hatte eine Beanstandung über die Anlage der Gelder stattgefunden. Freudenthal hatte am 12. Dezember eine mündliche Besprechung mit den Beamten des Aufsichtsamts, aber ohne Erfolg. — Es müsse nun ein neuer Tarif ansgearbeitet werden. Der würde aber den Eintritt der älteren Kollegen unmöglich machen. Deshalb sei es ratsam, nur die Witwen- und Waisenkasse ins Leben zu rufen. Bei der nun folgenden Diskussion befürwortet Cohn-Jchenhausen eine prozentuale Reliktenversorgung. Er hebt ferner hervor, daß falls nur die Witwen- und Waisenkasse gegründet würde, auch die süddeutschen Kollegen beitreten könnten. Rosenberg bezweifelt, daß die Rabbiner hohe Beiträge zahlen würden, da sie mit dem Gedanken rechnen müßten, daß Fälle eintreten könnten, in denen sie ihre sämtlichen Beiträge verlieren würden. Kopfstein befürwortet, die fehlenden Gelder durch eine Lotterie zu beschaffen. Werner empfiehlt, die Kasse einstweilen ins Leben zu rufen und der General-. Versammlung darzulegen, daß dies nur der geringe Anfang sei Löb ist für ein Fallenlassen der Karenzzeit. Vogel st ein will die Sache nicht noch einmal der Generalversammlung vorlegen lassen. Rosenberg beantragt, die Karenzzeit fallen zu lassen und dafür die Pensionsquoten nötigenfalls herabzusetzen. Löb stimmt dem zu, ebenso Coh n - Jchenhausen und Werner. Freudenthal spricht sichgegen den Wegfall der Karenzzeit aus. Der Antrag Rosenberg wird bei der Abstimmung angenommen. Die Sache soll nicht noch.

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