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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-07-06 · Heft 27 (6.7.1906) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 27 (6.7.1906)
Date
1906-07-06
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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der Gemeinden die Befugnis beigelegt wird, diese in jeder Weise nach außen hin rechtlich zu vertreten. --- Nürnberg, 1. Juli. Heute feiert unser allgemein beliebter Rabbiner Dr. Bernhard Ziemlich das 25jährige Jubiläum seiner Amtstätigkeit. In gewohnter Bescheidenheit ist der Jubilar allen Feierlichkeiten und Ovationen, die geplant waren, aus dem Wege gegangen. Er befindet sich mit seiner Frau, bekanntlich einer Tochter des sel. Dr. Joel-Breslau, in Bad Brückenau in stiller Zurückgezogenheit. Welche Beliebtheit Herr Dr. Ziemlich in unserer Gemeinde genießt, dürfte auch weiteren Kreisen bekannt sein. Man kann wohl sagen, daß nur wenige Rabbiner in Deutschland einer solchen Popularität sich erfreuen. Alle Kreise, alle Richtungen und alle Parteien vereinigen sich in der Achtung und Liebe für unseren Rabbiner, der seinen Beruf so ernst und ideal ausfaßt und ausübt. Von seiten der Kultusgemeindeverwaltung wurde Dr. Ziemlich durch eine Adresse, ein Uhrengeschenk und eine beträchtliche Gehaltserhöhung gefeiert. Auch von seiten des Magistrats, der Stadtverordneten und des städtischen Armenpflegschaftsrats erhielt er Gratulationsschreiben, ebenso von den verschiedenen humanitären Vereinen. Aber auch die Mitglieder der Gemeinde ließen es sich nicht nehmen, ihren Rabbiner * zu gratulieren und so erhielt er hunderte von Depeschen und Briefen nach Brückenau geschickt. Möge es unserer Gemeinde noch lange beschieden sein, sich dieses Seelsorgers zu erfreuen! i. Fürth, 28. Juni. Am 14. v. M. fand hier die 12. Jahressihung des Ausschusses des Land es Vereins für israelitische Kultusgemeinden in Bayern statt. Anwesend waren 34 Mitglieder, vertreten ließen sich 12 Mitglieder, den Vorsitz übernahm Geheimrat Josephthal, Nürnberg, nachdem unter allgemeinem Bedaaern konstatiert worden war, daß der Vorsitzende, Justizrat Gunzenhäuser, Fürth, durch Unwohlsein am Erscheinen verhindert sei. Tie reichhaltige Tagesordnung umfaßte 11 Punkte, von denen die wichtigsten hervorgehoben seien: Bericht der Kommission für die Ausbildung der Lehrer, Besprechung über die Stellung des Landesvereins zum Verband der deutschen Juden, Gesuch um eine Beihilfe ur Einrichtung eines Fortbildungskursus für Lehrer. Im Anschluß an den Bericht der Kommission für die Ausbildung der Lehrer wurde auf die Besserung der Verhältnisse in Würzburg hingewiesen, zu der die vom Landesverein gegebenen Anregungen wesentlich beigetragen hätten, lieber den Hauptpunkt der Tagesordnung, ob der Landesverein dem Verband deutscher Juden beitreten solle, entspann sich eine lebhafte Diskussion. Von seiten der Herren, die den Eintritt des Landesvereins in den Verband befürworten, werden die Befürchtungen, als ob sich der Verband in bayerische Verhältnisse einmischen könnte, zerstreut. Namentlich wird von den Anhängern des Beitritts betont, daß nach der Entwicklung in der jüngsten Zeit vom Verband keine Förderung irgendwelcher Konsistorialbestrebungen zu erwarten sei. Um aber auch den juristischen Bedenken, die gegen den Eintritt des Landesvereins geltend gemacht worden seien, zu begegnen, wurde vorgeschlagen, dem Verbände zwar nicht beizutreten, aber ihm jährlich einen Beitrag von 100 Mark zu leisten. Trotz des Einspruchs der Gegner wurde schließlich folgende Resolution angenommen: 1. Der Landesverein bewilligt dem Verband deutscher Juden einen Jahresbeitrag von 100 Mark. 2. Die am 14. Juli in Fürth tagende Ausschußsitzung des .Landesvereins für israelitische Kultusgemeinden in Bayern erklärt sich gegen jede Bestrebung, welche irgendwie oder irgendwo auf die Einrichtung von Konsistorien, Synoden oder ähnliche, die religiöse Autonomie der Gemeinden einschränkende Organisationen hinzielt. Die anwesenden orthodoxen Mitglieder gaben einen Protest und Vorbehalt hinsichtlich ihrer weiteren Zugehörigkeit zum Landesverein zu Protokoll. — Dazu wird uns von angesehener Seite geschrieben: Das-bekannte süddeutsche Orthodoxen-Blatt enthält über die Frage des Anschlusses unseres Vereins an den Verband der deutschen Juden eine Notiz, welche einer Berichtigung bedarf, da dort behauptet wurde, es sei der Eintritt in den Verband abgelehnt worden. Vielmehr wurde, da der erste Befürworter des Antrags, Rabbiner Dr. Werner-München, die srüher lautgewordenen, aus den für Kultusgemeinden geltenden bayrischen Normen entnommenen Kompetenzbedenken erwähnt und diese der Vorsitzende Geh. Hofrat Josephthal- Nürnberg als unzutreffend und jedenfalls nicht hierher gehörig bekämpft hatte, von den beiden genannten Mitgliedern, um unter allen Umständen diesen Bedenken Rechnung getragen zu haben, nachstehende Formel für den dann auch mit 26 gegen 13 Stimmen angenommenen Antrag vorgeschlagen: „Der Landesverband bewilligt dem Verband deutscher Juden einen Jahresbeitrag von 100 Mark." Die für, wie die gegen diesen Antrag Stimmenden, letztere säst ausnahmslos Orthodoxe, waren darüber einig, daß mit Annahme dieses Antrags auch der Landesverein — bei den größeren bayerischen Gemeinden ist dieses ohnehin schon der Fall — tatsächlich in den Verband eiugetreten ist, was die Minorität auch durch einen von einem Teil derselben zum Protokoll eingelegten Protest bekundete. Gesterretch-Angsrn. A Wien, 2. Juli. In der letzten Sitzung des Kult ns- Vorstandes interpellierte Dr. M. Steiner den Präsidenten, ob und welche Schritte derselbe zu unternehmen gedenke, um die von einem Redner, dem tschechischen Abgeordneten Kramarz, in der österreichischen Delegation jüngst erhobene unwahre Behauptung, daß die russischen Juden an der Spitze der Revolutionäre stehen und daher die gegen sie verübten Greueltalen selbst verschuldet haben, zu widerlegen. Der Präsident brachte die Rede nach dem stenographischen Protokolle zur Verlesung. Er erklärte, daß er die Entrüstung in vollstem Maße teile. Er werde unverzüglich das ihm geeignet Scheinende verfügen, ein Schreiben an den Präsidenten der Delegation, Prinzen Lobkowitz, richten und über das Weitere in der nächsten Vorstandssitzung berichten. Bei diesem Anlasse teilte der Präsident auch mit, daß das Präsidium der Kultusgemeinde voraussichtlich gemeinsam mit dem Präsidium der „Allianz" angesichts der jüngsten Judenverfolgungen in Rußland dem Minister des Aeußern neuerlich eine Eingabe mit der Bitte um Intervention bei der kaiserlich russischen Negierung überreichen werde. — Der Kaiser hat dem Großindustriellen und emeritierten Präsidenten der Prager Handels- und Gewerbekammer Gott lieb Bondy das Komturkreuz des Franz Joseph-Ordens mit dem Sterne verliehen. Die Auszeichnung wurde Herrn Bondy für die Herausgabe eines bedeutsamen Regesten-Werkes über die Geschichte der Juden in Böhmen und Mähren zuteil. — In Budapest ist am 28. v. M. der durch seine statistische Arbeit bekannte Direktor des Statistischen Amtes der Stadt Budapest, Professor Dr. Josef v. Körössy, Mitglied der ungarischen Akademie der Wissenschaften, gestorben. Körössy, der am 20. April 1844 zu Budapest geboren, widmete sich frühzeitig nationalökonomischen und statistischen Arbeiten. 1368 wurde er Mitglied und Schriftführer der ungarischen Statistischen Zentralkommisston, 1869 Direktor des durch ihn errichteten Statistischen Amtes der Stadt Budapest. Seine zahlreichen amtlichen Arbeiten (42 Bände Volkszählung, Unterrichtsstatistik, Bautätigkeit usw., sowie seine nichtamtlichen Arbeiten (über Vaccinationsstatistik, über Epidemien, über die Reform der Aktienstatistik usw.) habenseinen Ruf als Statistiker begründet. Der internationale statistische Kongreß übertrug ihm die Abfassung der internationalen Statistik der Großstädte- Neben Boeckh verdankt man ihm die Erkenntnis der Gesetze der ehelichen Fruchtbarkeit (seine Fruchtbarkeitsstatistik wurde von der Royal Society herausgegeben). Um die Stadt Budapest machte er sich durch Einführung prophylaktischer Maßregeln gegen Epidemien, die Maßnahmen gegen die Verschleuderung des bedeutenden unbeweglichen Vermögens der Stadt verdient. Ehre seinem Andenken! — Einen großen und schweren Verlust haben wir alle durch das plötzliche Hinscheideu des Abgeordneten Dr. Emil Byk erlitten. Er war Präsident der jüdischen Gemeinde zu Lemberg und wurde von der Stadt Brody in das Abgeordnetenhaus gewählt. In jüngster Zeit wurde sein Name oft genannt, da er als Gegner der jüdischen Autonomie auftrat. Er starb im 61. Lebensjahre am 23. v. M. an einem Herzschlag. Byk war eine der bestgehaßten Persönlichkeiten — aber selbst seine schärfsten Gegner werden die Energie seines Charakters und sein warmes Eintreten für die Sache der galizischen Juden mit gerechtem Lob anerkennen müssen. Sein Tod reißt eine tiefe Lücke — wer wird sie ausfüllen? Bei der Trauerfeier vor Ueberführung der Leiche nach Lemberg sprachen Oberrabbiner Dr. Güdemann, Kultusvorsteher Dr. Alfred Stern, der Präsident des Polenklubs, Ritter von Abrahamowiez, Rektor Dr. Schwarz, Dr. v. Feistmantel, der Präsident der > Advokatenkammer, Reichsratsabgeordneter Dr. Straucher. Der Name j Byk wird in der Geschichte der Juden Galiziens hohes Ansehen be-

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