Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 70 (1906)
- Issue
- Heft 27 (6.7.1906)
- Date
- 1906-07-06
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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—s— 4 ——■ ' ■< ■"; ' - wahren! (Auch wir beklagen in dem Dahingeschiedenen einen treuen Freund, dessen Andenken wir stets in Ehren halten werden. D. Red.) — Viele russische Juden, die aus Bialystok und anderen Orten, wo Judenmetzeleien stattgefunden haben, oder aus Furcht vor die bevorstehenden Judenverfolgungen Rußland verlassen haben, flüchteten nach Rumänien, wo sie jedoch infolge des bekannten Judengesetzes nicht geduldet werden. Sie treffen nun massenweise über Prede al in Ungarn ein. Der Minister des Innern hat jetzt den Grenzbehörden eine noch unter Tisza erlassene Verordnung zur strengen Beachtung empfohlen. Nach dieser Verordnung haben die russischen jüdischen Flüchtlinge in Ungarn nur das Durchzugsrecht, dürfen sich aber hier nicht länger aushalten. Das sind die jüngsten Großtaten des liberalen ungarischen Ministeriums! Von Ksh und Fern. Am Rudolf Virchow-Krankenhause wurden ernannt zum dirigierenden Arzt der chirurgischen Abteilung Dr. M. Borchardt, 1. Assistent von Pros. Bergmann, Sanitätsrat Dr. Wechseln! ann zum dirigierenden Arzt „an der Abteilung für Haut- und Geschlechtskranke, zum leitenden Arzt für das Röntgen- und Finsenlnboratorium Dr. Levy-Dorn, zum leitenden Arzt der orthopädischen und Röntgen-Abteilung beim Krankenhause Moabit Dr. Max Cohn. — Am 30. v. M. starb nach schwerem Leiden im 61. Lebensjahre der praktische Arzt Dr. Moritz Daus, der seit 1873 im Halleschen Torviertel praktizierte und sich wegen seiner Pflichttreue in weitesten Kreisen großerBeliebtheit erfreute. In seiner Jugend hat er das Breslauer Seminar besucht; später widmete er sich jedoch dem ärztlichen Berufe.— Der Handelsrichter Hermann Landsberger, früher Vorsitzender der Repräsentantenversammlung der jüdischen Gemeinde, und der Kaufmann Ferdinand Neumann, Inhaber der bekannten Strickgarn- und Wollwarenfirma, haben den Roten Adlerorden IV. Klasse erhalten. — Durch Vermittlung vom Verein für Arbeitsnachweis sind im Monat Juni 220 Personen in Stellung gebracht worden, und 51 Personen haben vorübergehende Beschäftigung erhalten. — Der antisemitische Deutschnationale Handlungsgehilfenverband in Hamburg bringt in seinem Organ „Deutsche Handelswacht" die Nachricht, der Verband beabsichtige den Ausschluß der Juden aus dem Verband deutscher Handlungsgehilfen durchzusetzen. Es wird uns mitgeteilt, daß, abgesehen davon, daß der Verband deutscher Handlungsgehilfen in Leipzig überhaupt politische und konfessionelle Verschiedenheiten innerhalb seiner Mitglieder nicht kennt, diese Unterstellung vollständig unwahr ist. — Herr Hermann Wittner in Leipzig wurde von der Gemeinde Borsdorf dadurch geehrt, daß sie eine ihrer Straßen zu seiner ehrenden Erinnerung mit seinem Namen benannt hat. — Der frühere Direktor der inneren Abteilung am Magdeburger Krankenhause, Geheimer Sanitätsrat Dr. Aufrecht, ein bekannter Forscher auf dem Gebiete der Bakteriologie, hat den Professortitel kürzlich erhalten. Derselbe hat seiner Vaterstadt Loslau zum Andenken an seine verstorbenen Eltern, Elias und Pauline Aufrechl'sche Eheleute, in hochherziger Weise 30 000 Mark zum Bau eines Waisen- und Siechenhauses gestiftet. — In Schlettstadt starb.im Alter von 69 Jahren der Großkaufmann Ferdinand See, der Chef des bekannten Hauses Saum-See, ein in allen Kreisen der Bevölkerung hochangesehener Bürger. Die Synagoge in Moskau, die gleich nach ihrer Erbauung im Jahre 1892 vom damaligen Generalgouverneur. Großfürsten Sergius geschlossen worden war, wird jetzt mit Genehmigung des Zaren wieder eröffnet werden. — In Libau wurde Dr. Nurock, der seinen Studien am Rabbinerseminar zu Berlin obgelegen hat, zum Rabbiner und Prediger gewählt. — In Grajewo wurde am letzten Tage der kirchlichen Umzüge ein als russischer Pope verkleideter Hooligan mit einer Kiste Bomben ergriffen. Er bekannte, daß die Bomben unter einige Teilnehmer der Prozession verteilt werden sollten. — Dem „Weg" wird aus Lowitsch gemeldet, daß dort Hooligans zugereist sind, die offen damit prahlen, daß sie die Erlaubnis zu einem fünftägigen Pogrom erhalten haben. — Aus Wilna wird geschrieben, daß während der Prozession ein Mann in der Uniform eines Obersten Aufrufe, die zu einer Judenhetze aufforderten, auf der Straße verteilte. Die Polizei hat auf Verlangen mehrerer christlicher Bürger den „Obersten" verhaftet.—In Tschifchew wurde auf dem Bahnhofe ein Mann in dem Augenblicke verhaftet, als er eine 30 Pud wiegende Frachtsendung mit Waren, die aus den Bialystoker Plünderungen stammten, übernehmen wollte. — Für ' die Opfer der Brandkatastrophe in Uretschje (bei Bobruick), die den halben Ort in Asche legte und 70 jüdische Familien aus das Schwerste betroffen hat — sie wurden sämtlich obdachlos — sind vom Hilssverein der deutschen Juden 5000 Mark bewilligt und zur zweckentsprechenden Verteilung sofort nach Petersburg überwiesen worden. — „Slowo" meldet: Der Generalstab hat auf die Anfrage der Reichsduma, wie er sich zur Frage der Gleichberechtigung verhalte, erwidert, er habe grundsätzlich nichts dagegen, finde aber, daß die Aufnahme von Juden in das Offizierskorps nicht zeitgemäß sei. Genau nach preußischem Muster! — Die Generalversammlung der Jewish Colonisation Association fand am 1. d. M. in Paris statt. Die Tagesordnung umfaßte: 1. Verlesung und Besprechung des Finanz- und des Jahresberichts; 2. Wahl von sechs Mitgliedern des Verwaltungsrats für eine Periode von fünf Jahren. (Es scheiden satzungsgemäß aus die Herren Leonard L. Cohen-London, Professor P. Errera-Brüssel. Charles L. Hallgarten- Frankfurt a. M., Narcisse Leven-Paris. H. G. Lousada-London und Professor Sal. Reinach-Paris). 3. Verschiedenes. (Bericht folgt.) — Der sozialistische Abgeordnete, Führer der „Reformisten", Turati brachte namens der Sozialisten eine Anfrage in der italienischen Kammer über die Verhaftung eines Italieners in Rußland ein und schloß mit einem Protest gegen die Massakers und mit Glückwünschen für die Duma. — Der Bankier Edgar Speyer in London hat den Baronettitel erhalten. — Eine bemerkenswerte Aenderung des Hofzeremoniells hat der König von England zugunsten der Juden verfügt. Während bisher eine jede Cour am Freitag abgehalten wurde, hat die dritte Cour dieser Saison am Donnerstag, den 28. Juni, stattgesunden. Mit dieser Aenderung wird bezweckt, dem Oberrabbiner und den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde die Teilnahme an den Hoffestlichkeiten zu ermöglichen, von der sie bisher durch die strenge Beobachtung des Sabbats ausgeschlossen waren. — In Buenos-Aires wird eine neue Synagoge gebaut. Sie soll 1500 Plätze erhalten und wird ca. 150000 Dollar kosten. Weinstuben Frühstück v. 10—1 Uhr Diner v. 1—7 Uhr Souper v. 7—12 Uhr mV* Unter den Linden — 56 ----- Telephon 1, 5977. Mathias Beckmann Treppchen - Kellerei Köln s Berlin NW., Mitteistr. 46. C Mt* FriedrichsdorferZwieback unter Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Rabb. Dr. Horowitz hergeftellt. — Täglicher Versand. — Glaube**, Bfrattffttrt a.M. Export "e