Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-07-06 · Heft 27 (6.7.1906) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 27 (6.7.1906)
Date
1906-07-06
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3228690-3228718--62745-3289914
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

70. Jahrgang. No. 27. l!erlin’ 6> Juli lm Beilage zur „Allgemeinen Leitung de§ Judentums". KorrrlponÄmrm und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 1. Juli. Die Schlußsitzung der Repräse ntanten- Versammlung am heutigen Datum unter Teilnahme von 20 Mitgliedern, darunter nur 1 Stellvertreter — dieses Faktum erscheint uns wohl wert, ausdrücklich registriert zu werden. An Veratun gsstoff war vor den Ferien allerdings noch eine Fülle vorhanden, denn nicht weniger als 41 Vorlagen standen für die öffentliche und geheime Sitzung noch zur Erledigung. Die gesamte Tagesordnung wurde in der Tat restlos zur Verabschiedung gebracht, zwar im Eilmarschtempo, aber nicht zum Schaden der Vorlagen, welche meist Geldbewilligungen betrafen. — Der nochmals in den Ausschuß zurückgesandte Antrag Baginskh, betr. Bereitstellung von Synagogenplätzen für Repräsentanten und deren Stellvertreter hat auch in der Kommissionssitzung keine Annahme gefunden, dagegen erhielt eine Resolution Blumenthal die Mehrheit, den Gemeindevorstand zu ersuchen, zu erwägen, ob beim Bau der neuen Synagoge in der Fasanenstraße besondere Plätze für die Repräsentanten und Deputierten der Gemeinde hergerichtet werden können. Der Referent Professor Geiger bezeichnet übrigens den Antrag Baginsky als durchaus gerechtfertigt; insbesondere erklärte er es für unerläßlich, daß, falls die Repräsentanten eingeladen werden, einen neuen Prediger oder Kantor zu hören, die Beschaffung geeigneter Plätze dem Gemeindevorstand pflichtgemäß zufalle. Das Plenum stimmte ebenfalls der Resolution Blumenthal zu. — Eine Zuwendung der Frau Emma Ma gnus - Alsleben zur Errichtung einer Stiftung für zwei Betten im Hospital, im Betrage von 12 00O Mark. wird angenommen, ebenso das letztwillige Legat des Kommerzienrats Joseph Pinkuß au das jüdische Krankenhaus im Betrage von 15000 Mark. Rach Einrichtung der ghnaekologischen Station sollen die Zinsen der letztgenannten Stiftung den Zwecken dieser Abteilung überwiesen werden. — Dem Religionsverein Oranienburger Vorstadt wird eine Subvention von 3000 Mark und ein Extra beitrag von 1000 Mark bewilligt, für die Religionsschulen des Vereins Ahavvath Torali eine Subvention von 1000 Mark, dem Verein Ahawath Scholaurn eine Subvention von 2500 Mark und eine einmalige Beihilfe von 500 M. Der letztgenannte Verein war um eine Unterstützung in Höhe von 7000 Mark vorstellig geworden, war aber den Beweis zur Begründung dieser hohen Forderung schuldig geblieben. Justizrat Veit Simon regte hierbei an, den Vereinen nahezulegen, nicht so exorbitante Forderungen zu stellen, deren Nichtbewilligung sie voraussetzen müssen, und ihnen zu erklären, daß sie im Wiederholungsfall gar keine Subvention erhalten. Dem Synagogenverein Lippmann Tauß werden 2800 Mark bewilligt, obwohl die Subventionskommission 3000 Mark vorgeschlagen hatte. Es handelt sich hier um den Abstrich einer speziellen Position für Inkassospesen, die über 200/o der einzuziehenden Vereinsgelder betragen haben. Ein Antrag Cohn auf Erhöhung der Subvention aus 3000 Mark fand nicht die Zustimmung der Versammlung. Es wurden ferner debattelos bewilligt: 1500 Mark an den Verein „Jüdische Arbeiterkolonie und Asyl", 300 Mark an den Verein Jüdisches Kinderheim, 300 Mark an den Allgemeinen deutschen Kantorenverband, 2000 Mark, wie bisher, an den Verein für Arbeitsnachweis, 100 Mark an die Israelitische Kinderheilstätte in Kissiugen,300Mark an den Israelitischen Fortbildungsverein Montefiore. Zur Vermehrung der Standrohren auf dem Friedhöfe in Weißensee werden 750 Mark, zur Erweiterung der Blumeuhalle ebenda, welche trotz der vor einigen Jahren bewirkten Erweiterung den gegenwärtigen Anforderungen nicht mehr entspricht, 15 000 Mark gewährt. Zur anderweitigen Einteilung der Räume im Verwaltungsgebäude Oranienburgerstraße 29 wird ein Betrag bis zur Höhe von 11 500 Mark genehmigt. Von den Neueinrichtungen sind die wesentlichsten: die räumliche Trennung des Zentralbureaus von dem Hauptbureau, die Einrichtung eines Sprechzimmers für den Vorsitzenden des Gemeindevorstandes, eines Sprech- und Arbeitszimmers für die übrigen Mitglieder des Gemeindevorstandes und eines Arbeitszimmers für die Verwaltungskommissionen. Auch der Vorsitzende des Repräsentantenkollegiums wird nunmehr einen gesonderten Arbeitsraum zugewiefen erhalten. — Die nachträgliche Bewilligung von 1055.16 Mark zu den Kosten aus Anlaß des 25 jährigen Dienstjubiläums des Herrn Professor Dr. Maybaum wird ausgesprochen; die Ausgabe von 48 Mark zum Zwecke der Pessachbeköstigung jüdischer Strafgefangener in Graudenz wird nachträglich genehmigt. Die Entlastung für den Rechnungsabschluß der Armenkommission betreffend die Speisung der hiesigen Gefangenen am diesjährigen Pessachfeste wird erteilt. Es wurden im Untersuchungsgefängnis 33, im Zuchthause 11, im Stadtvoigteigefängnis 5, im Frauengefängnis 7, in der Strafanstalt Plötzensee 107 und im Arbeitshause zu Rurnmelsburg 15 Personen, insgesamt 178 Personen (gegen 174 Personen im Vorjahre) beköstigt und hierfür 1102,06 Mark verausgabt. - Eine längere Debatte veranlaßte die Festsetzung des Dienstalters der Lehrer der zehnten Religionsschule, der früheren Charlottenburger Religionsschute. Der Gemeindevorstand vertritt den Standpunkt, daß die Lehrer noch der Uebernahme sich den für die Religionsschuleu in langer Beratung festgesetzten Gehaltsnormen zu unterwerfen haben. Hierdurch tritt in der Tat eine Verkürzung der augenblicklichen Gehälter dieser Lehrer ein. Schulvorstand und Ausschuß haben dagegen beantragt, daß die Lehrkräfte ihr bisheriges Honorar so lange weiter beziehen wollen, bis sie nach den ausgestellten Grundsätzen in eine höhere Gehaltsstufe aufrücken. Dieser Antrag wurde von den Herren Professor Blaschke. Professor Kalischer, Professor Geiger und Justizrat Simon warm befürwortet, während Justizrat Lachmaun und Gemeindesyndikus Justizrat Lilienthal betonen, daß die für die Gemeindeverwaltung aufgestellte Gehaltsskala nicht durchbrochen werden dürfe, um nicht ein für die Zukunst bedenkliches Präjudiz zu schaffen. Die Mehrheit der Versammlung schloß sich der Ansicht des Gemeindevorstandes an, der Antrag des Ausschusses fiel gegen acht Stimmen. — Zur Vorbereitung der Ausführung und zur Leitung des Synagogenbaues auf dem Grundstücke Fasanenstraße 79/80 wird eine gemischte Deputation gewählt, in welche die Herren Hirsch, Geheimrat Senator, Gerson Simon und Löwenthal entsandt werden. In die Kommission zur Beschaffung des Koscherfleisches und die Quellbadkommission wird Herr Felix Gold sch mid t, in die Kommission für die Friedhofsangelegenheiteu und den Vorstand der neuen Synagoge Herr Siegfried Sachs gewählt. Alsdann gelangten noch einige dringliche Vorlagen zur Beratung. Ein Antrag Baginsky, der Baukommission der neuen Knabenschule den Austrag zu geben, zu prüfen, ob die au den Fenstern angebrachten kleinen Scheiben den schulhygienischen Anforderungen entsprechen, fand keine Gegenliebe bei der Versammlung und wurde abgelehnt. — Die Uebertragung der Inkassos der Grabpflegegebühren au die Packetfahrtgesellschaft wurde genehmigt. Bewilligt wurden ferner 950 Mark für einen eisernen Schrank zur Aufnahme der Neumannschen Sammlung in der Gemeindebibliothek, die Kosten zur Herstellung einer direkten telephonischen Verbindung der beiden Verwaltungsgebäude, 1221 Mark zu den Reparaturen in der Synagoge Lützowstraße, 1875 Mark als Beitrag zum Gesamtarchiv der deutschen Juden. Schließlich wird der Antrag der Subventionskommission angenommen, einigen Religionsvereinen, deren Subventionsanträge noch nicht geprüft sind, vorläufig für das erste Quartal den Teilbetrag der ihnen im vorigen Jahre gewährten Beihilfe auszuzahlen. s. Berlin, 28. Juni. Gestern feierte Herr Professor Dr. Martin Philippson seinen 60. Geburtstag. Bei der großen Beliebtheit unv dem hohen Ansehen, dessen sich der gefeierte Historiker in weiten und sehr verschiedenartigen Kreisen zu erfreuen hat, wurde

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.