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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-07-06 · Heft 27 (6.7.1906) · p. Seite 321

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 27 (6.7.1906)
Date
1906-07-06
Page
Seite 321 (sequence 9)
Language
German
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321 ihr Ab. Ich möchte mir über den für Preußische Verhältnisse berechneten Entwurf, der, mag er realisiert werden oder nicht, eine höchst wertvolle Arbeit bleibt und jedenfalls in Baden zu manchen Verbesserungen anregen wird, kein maßgebendes Urteil erlauben; nur soviel möchte ich als meine aufrichtige Ueberzeugung aussprechen, daß die von Rosin entworfene Verfassung gerade so wie die badische für jene Kategorie von Orthodoxen, welche in dem Aufrufe zu Worte kam, in der Tat nicht geeignet ist, allerdings nicht aus den in dem Aufruf angegebenen Gründen, sondern deswegen, weil die Einbeziehung jener Fraktion in eine Gesamtorganisation nicht im Interesse einer gedeihlichen Entwicklung des Judentums läge. Lelekrüchtr. ine Mitteilung von großem Wert und weittragender Bedeutung, die eigentlich an die Spitze des Blattes gehörte, bringen die Tagesblätter in folgender Form: In der Gesamtsitzung der königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften am 14. Juni, Vorsitzender Sekretär Herr Waldeyer, las Prof. Eduard Meyer über Sumerierund Semiten inBabylonien. Die ältesten Denkmäler Babyloniens zeigen, daß die Sumerier und die Semiten Babyloniens scharf geschiedene Volkstypen repräsentieren. Die Sumerier sind aber nur in Südbabylonien nachweisbar, und ihre Götter zeigen nicht sumerischen, sondern semitischen Typus; sie müssen dieselben mithin den Semiten entlehnt haben. Somit scheint es, daß die älteste Bevölkerung Babyloniens semitisch war und daß die Sumerier erobernd in den Süden des Landes eingedrungen sind. Sie haben, vor allem durch die Erfindung und Ausbildung der Schrift, für die Kulturentwicklung Babyloniens die größte Bedeutung gehabt, stehen aber auch umgekehrt von Anfang an unter semitischem Einfluß. Was wird nun Herr Friedrich Delitzsch zu dieser Erklärung des Herrn Eduard Meyer sagen, der auf diesem Gebiete mindestens dieselbe Autorität für sich in Anspruch nehmen kann, und, nebenbei gesagt, durchaus kein Freund der Semiten ist? * In einem Artikel von Georg Lomer: „DieBeziehungen von Selbstmord und Geisteskrankheit zur Rasse" im Aprilheft der „Politisch-Anthropologischen Revue" heißt es mit bezug auf die Juden: „Einer gesonderten Besprechung bedarf die weiße Atterweltsrasse der Juden. Sie gehören — das unterliegt keinem Zweifel — im ganzen betrachtet, zu den begabtesten Nassen der Welt. Vermöge des ihnen aufgedrungenen intensiven Kampfes ums Dasein haben sie äußerst widerstandsfähige Typen herangezüchtet, in denen sichJntelligenz und Rasseneigenart vereinigt. Die von ihnen absichtlich sehr bevorzugte Inzucht setzt sie indessen auch den mit konsanguinen Ehen untrennbar verbundenen Gefahren bezüglich körperlicher und geistiger Gesunderhaltung in höherem Grade aus, als andere Rassen. Sie verfallen geistigen Erkrankungen vier- bis sechsmal häufiger, als der Durchschnitt der Kulturnationen, in deren Mitte sie leben. Minderwertigkeit und Perversion findet sich häufig in der Jugend, ja bereits die Kinder leiden oft an hochgradiger Neurasthenie. Letztere ist überhaupt unter den Juden sehr verbreitet, insbesondere beim männlichen Geschlecht, während das weibliche mehr zur Hysterie neigt. Durchschnittlich erkranken die Männer mit 37, die Frauen mit 36 Jahren, während das Durchschnittsalter psychischer Erkrankungen sonst 43 Jahre ist! Epilepsie ist selten. Dagegen nimmt die Paralyse einen höheren Prozentsatz ein als bei der anderen Bevölkerung (etwa 21 v. H. sämtlicher jüdischer Anstaltsaufnahmen, gegen 10 bis 13 v. H. der anderen). Merkwürdigerweise stellen die Frauen das größere Krankheitskontingent. Nach den Untersuchungen von A. Pilcz (A. Pilcz, Sur les psychoses chez les Juifs 1902) ist auch zur Verrücktheit (Paranoia) eine erhöhte Neigung vorhanden, was um so bemerkenswerter ist, als diese Affektion allermeist auf degenerativer Grundlage entsteht. Im Gegensatz zu den Juden zeigen die reinen Angehörigen der semitisch-hamitischen Rasse diese hohe Krankheitsziffer nicht. So die Aegypter, Araber, Abessinier." # Die schlimmste Krankheit freilich, und die unheilbare, ist leider nicht unter den Juden zu finden — aber sie haben unter ihr zu leiden. Eine fürchterliche Ironie liegt deshalb in dem folgenden Impromptu: Ein belauschtes Gespräch. Ort der Handlung: Bialystok. Personen: Mehrere Juden. Der erste Jude: „Ich muß sagen, ich fühle mich nicht mehr wohl in Rußland! Seit drei Wochen keine Judenmetzelei mehr! Wo uns doch nichts eine größere Freude bereitet als gemetzelt zu werden!" Der zweite Jude: „Wie wär's, wenn wir den Popen ermordeten?" Der erste Jude: „Das langt nicht! Wir müssen sie bis zur Besinnungslosigkeit reizen! Bedenkt die Enttäuschung, wenn sie uns nicht hinschlachteten! Dann hätten wir die ganze Mühe umsonst gehabt!" Der dritte Jude: „Wie wär's, wenn wir die Kirche in Brand steckten?" Der zweite Jude: „Auch das wirkt nicht sicher!" Der erste Jude: „Wenn wir aber eine Bombe in die Prozession würfen?" Die beiden anderen (entzückt): „Gott segne Dich für diesen Gedanken! Du zweiter Salomo! Oh, das wird wirken! Ich fühle schon, wie mir die Augen ausgestochen werden! Welche Wonne! Ich sehe ein Blutbad ohne Gleichen! Heil uns, daß wir endlich die saumseligen Christen dazu bringen werden, uns zu metzeln!" — Das russische regierungsfreundliche Blatt, das dieses Impromptu bringt, fügt hinzu: „Und so kam es denn auch! Unser Bericht ist um so glaubwürdiger, da ihn eben jener Agent der Regierung selbst geschrieben hat, der die Bombe in die Prozession warf." Der Jude von Lgllenltedt. Ein Märchen von Mathilde von Leinburg. i. 7| «f der mit mächtigen alten Bäumen geschmückten Landstraße ging einsam Eliel, der Jude, dahin. Müde und matt marschierte er durch die dicke Staubwolke, die seine schlürfenden Tritte vom Boden aufwirbelten, mit seinen Schritten im Takte entrangen röchelnde Atemzüge sich seiner Brust, brennend rot erglühte ihm die linke Hälfte des Gesichtes, während die rechte erschreckend bleich war, und feucht klebten ihm die ergrauten, noch immer rötlich schimmernden Locken an der Schläfe. Schon begann die Sonne hinter dem Berge zu sinken und die ärgste Hitze des Tages schien überstanden. In traumhafter Beleuchtung hoben sich die scharlachroten Vogelbeerbüschel der Bäume vom stahlgrauen Himmel ab, und aus dem herbstlich bunt gefärbten Laubwald herüber wälzte sich näher der gewitterverkündende Sturm. Nur noch eine halbe Stunde, dann wäre das verwitterte Häuschen erreicht, in dem die hochbetagte Gattin sehnsüchtig Eliels Heimkehr harrte. Sie konnte freilich jetzt nicht mehr mitkommen, um den ganzen Feiertag in der Synagoge zu verbringen, wie sie es früher getan hatte, aber ihr Gatte war ja noch so rüstig, sollte er da den großen Versöhnungstag nicht so halten, wie ihn das Gesetz vorschreibt?

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