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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-06-29 · Heft 26 (29.6.1906) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 26 (29.6.1906)
Date
1906-06-29
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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letzte Sitzung war die ordentliche Generalversammlung. Der Vorsitzende Rabbiner Höxter erstattete den Bericht über das vergangene Vereinsjahr. Im Februar vorigen Jahres begründet, hat der Verein (außer in zwei Monaten) regelmäßig seine Sitzungen, in denen stets ein Vortrag gehalten wurde, abgehalten. Die Zahl der Mitglieder beträgt zurzeit 29. Nachdem sodann der Rendant den Kassenbericht erstattet, wird der alte Vorstand, nämlich die Herren Rabbiner Höxter, Dr. Bleichrode und Dr. M. Hildesheimer, in den Vorstand wiedergewählt. Hierauf hielt Herr B. May einen Vortrag über das Thema: „Etwas über Mädchenunterricht in jüdischen Religionsschulen." Von einer .Programmarbeit des verstorbenen Rabbiner- Dr. I. Hildesheimer (aus dem Jahre 1870) ausgehend, legt er als das notwendige Ziel des Madchenunterrichts das Verständnis der Bibel im Urtext dar; zum wenigsten müßten sie dem Vortrage der Torahvorlesung mit Verständnis folgen können. Freilich unterscheidet sich der Unterricht in Mädchenklassen durch seine Methodik von dem der Knaben; hierbei erörtert der Redner den psychologischen Unterschied zwischen den beiden. Diese Verschiedenheit erstreckt sich auch auf den Unterricht in biblischer Geschichte. An den Vortrag schloß sich eine angeregte Diskussion. o. Stettin, 21. Juni. Aus dem'52. Jahresberichte des hiesigen Israelitischen Waisenhauses betreffend das Verwaltungsjahr 1905 geht hervor, daß von-- den Zöglingen zwei die Anstalt verließen, einer wurde neu ausgenommen, so daß sich jetzt elf Knaben in der Anstalt befinden. Die Zöglinge besuchten sämtlich die Barnimschule und die jüdische Religionsschule. Ihre Leistungen waren gute und die Fortschritte befriedigten. An dem seit längeren Jahren in der Anstalt eingeführten Handfertigkeitsunterricht nahmen sämtliche Knaben mit Eifer und Erfolg teil. Nach dem Rechenschaftsbericht betrug das Vermögen am 1. Januar 1905: 167 345,37 Mark, eingegangen sind 11361,91 Mark, verausgabt wurden 11 737,37 Mark, so daß 374,46 Mark mehr ausgegeben wurden. Zum Grundsond sind jedoch außerdem gekommen 800 Mark, so daß sich am 31. Dezember 1905 ein Bestand von 167770,91 Mark, also ein Mehr von 425,54 M. gegenüber dem Vorjahre ergab. Mitglieder sind 340 verzeichnet. — Posen, 22. Juni. Ter Verein jüdischer Lehrer der Ostprovinzen hielt am 1. Feiertag die ordentliche Generalversammlung im Sitzungssaale der hiesigen Shnagogen-Gemeinde ab. Den Vorsitz führte Hanptlehrer HerbsdLissa i. P. Eingeleitet wurde die Sitzung durch eine Ansprache des Vorsitzenden, worauf ein gemeinsames Lied angestimmt wurde. Es erfolgte dann das Hoch auf den Kaiser, an das sich die Nationalhymne anschloß. Als Ehrengäste erschienen Herr Israel Friedländer im Aufträge des Vorstandes der hiesigen Synagogen-Gemeinde, des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes in Berlin und des Verbandes der Synagogengemeinden des Regierungsbezirks Posen, dann Herr Brodnitz als Vertreter der Repräsentantenversammlung der hiesigen Synagogen-Gemeinde. Dem Jahresberichte ist zu entnehmen, daß der Verein 66 Mitglieder zählt und ein Zweigverein des Verbandes jüdischer Lehrer im deutschen Reiche ist. Einige Begrüßungsschreiben gelangten zur Verlesung. Lehrer Behle-Lissa erstattete den Kassenbericht, nach dem die Gesamteinnahme 230,50 M., die Ausgabe 181,10 M. betrug, so daß ein Bestand von 49,40 M. verblieb. Die Lehrer Auerbach-Posen und Schneider-Koschmin hatten nach Prüfung der Rechnung die Dechargeerteilung anempfohlen, die auch erfolgte. Lehrer Sender-Birnbaum und Lehrer Kadisch-Gollub berichteten über die religionswissenschaftlichen Fortbildungskurse der Lehrer in Breslau und Berlin. Der angekündigte Vortrag des Lehrers Samuel-Hohensalza über die Notwendigkeit der Umgestaltung der Methode im hebräischen Unterricht mußte wegen der Behinderung des Referenten von der Tagesordnung abgesetzt werden. Dagegen brachte Lehrer Cohn-Lissa über dieses Thema sehr interessante Ausführungen Nachstehende Resolutionen wurden gefaßt: 1. Der Verein jüdischer Lehrer der Ostprovinzen erklärt die vom Herrn Direktor Driesner gewünschte Methode als ein sehr erstrebenswertes Ziel, aber zurzeit im hebräischen Unterricht für nicht durchführbar. Der Verein spricht aber die Hoffnung aus. daß es jedem Lehrer des Hebräischen gelinge, die bisher übliche Wortmethode umzugestalten, daß sie anfhört, eine rein mechanische zu fein und dadurch. in Zukunft gute Erfolge erzielen lasse. 2. Der Verein hält eine Umgestaltung der Methode im hebräischen Unterricht nicht für notwendig, die oftmals geringen Erfolge haben ihren Grund in der Interesselosigkeit des Elternhauses und in der allzugering bemessenen Zeit, welche dieser Disziplin zu Gebote steht, sowie in dem Umstande, daß der Unterricht noch oft von pädagogisch und wissenschaftlich nicht genügend vorgebildeten Personen erteilt wird. Die Delegierten sollen ermächtigt werden, die Sache des hebräischen Unterrichts in der Sitzung des Verbandes zur Sprache zu bringen. Es soll dahin gewirkt werden, daß an allen Orten, in denen jüdische Lehrer amtieren, diese den hebräischen Unterricht erteilen. Bei dieser Vorverhandlung erschien auch Gemeinde-Rabbiner Dr. Feilchenfeld, der an der Debatte sich rege beteiligte. Herr Friedenthal, bevollmächtigt von der Gemeindebehörde, nahm ebenfalls an der Sitzung teil. Zum Schluffe wurde über die Themen für die nächste Generalversammlung verhandelt und Posen als Versammlungsort wiedergewählt. Nach beendeter Sitzung vereinigten sich die. Mitglieder anderwärts zu einem fröhlichen Bierschoppen und verließen dann unsere Stadt in dem Bewußtsein, Ersprießliches für die Schule geleistet zu haben. i. Leipzig, 18. Juni. Gestern nachmittag verstarb Hierselbst im 86. Lebensjahre der Schriftsteller und frühere Rabbiner Dr. Bernhard Fischer. Geboren am 12. Januar 1821 in Budikau in Böhmen, besuchte er in seiner Jugend das Piaristenkolleg in Prag, wurde dann Privallehrer und war von 1857-1862 Rabbiner in verschiedenen israelitischen Gemeinden Böhmens. Seit dem Jahre 1863 lebte er in Leipzig, vorzugsweise schriftstellerisch tätig. Sein letztes Hauptwerk „Die Rundreise des menschlichen Geistes um die Erde" hat er noch vollenden können; es wird demnächst erscheinen. Auf jüdischem Gebiete hat derselbe folgende Schriften publiziert: Biblischtalmndisch-rabbinische Blumenlese (Leipzig 1878), Joh. Buxtorfii Lexikon ehald.-talmud.-rabbinicum (Leipzig 1879), Bibel und Talmud in ihrer Bedeutung für Philosophie und Kultur (Leipzig 1881), Talmudische Chrestomathie (Leipzig 1883), Hebräische Unterrichtsbriefe (Leipzig 1889), Talmud und Schulclian Aruch (Leipzig 1891). Außerdem hat er 1863 eine hebräische Monatsschrift Bikoret halttim herausgegeben. o. Ahlem, 22. Juni. Der Bericht über die Israelitische Erziehungsanstalt Ahlem gibt ein Bild ihrer Entwicklung im Jahre 1905, erwähnt u. a. die Vollendung des Anbaues an das Knabenhaus, das nunmehr die Unterbringung von 100 Zöglingen ermöglicht, verbreitet sich über die Gärtnerei- und sonstigen daselbst ausgeübten gewerblichen Betriebe, insbesondere die Bäckerei und Schuhmacherei, und ist in der Lage, auf eine hervorragende Auszeichnung auf der letzten Nordwestdeutschen Obstbau-Ausstellung Hinweisen zu können. Die allenthalben anerkannte große Bedeutung der israelitischen Erziehungsanstalt in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht wird noch erhöht durch die erfreuliche Entwicklung des Mädchenhauses, das, nebenbei erwähnt, den gemeinsamen Unterricht von Knaben und Mädchen unter 14 Jahren eingesührt hat. Der Handfertigkeits- und Gartenbau-Unterricht der Schüler hat befriedigende Erfolge gezeigt. In der Lehrlingsabteilung (wir wollen nur dies hervorheben) fanden bislang 126 junge Leute ihre Ausbildung, zwei zu Tischlern, einer zum Bäcker, alle übrigen zu Gärtnern. Daß manche — wenn auch nur ein kleiner Prozentsatz — den Beruf wechselten, zeigt, wie u. a. noch gewisse Einflüsse und Vorurteile, insbesondere von seiten der Angehörigen, sich nachteilig geltend machen. Der Bericht über die Finanzen der Anstalt ist insofern recht günstig, als sowohl die Jahresbeiträge als auch die Spenden eine beachtenswerte Zunahme aufweisen. Trotzdem erscheint es notwendig, daß noch immer weitere Kreise sich die Unterstützung der Anstalt angelegen sein lassen, die wohl geeignet ist, die regelmäßig von antisemitischer Seite wiederkehrende Behauptung zu widerlegen, daß die Juden sich nicht zu körperlicher Arbeit eignen. M. Hamburg, 15. Juni. Der Israelitische Unterstützungsverein für Obdachlose hielt seine diesjährige Generalversammlung unter Vorsitz des Rechtsanwalts I. Alexander ab. Der Vorsitzende hob bei Erstattung des Jahresberichts hervor, daß dem Verein auch' im vergangenen Jahre die nötigen Geldmittel zur Ausübung seiner segensreichen Tätigkeit in reichlichem Maße zuflossen, ein Beweis, wie sehr das Interesse und Mitgefühl für unsere leidenden Glaubensbrüder geweckt ist. Allen Freunden und Spendern sei nochmals herzlichst gedankt und die Bitte hinzugefügt, auch fernerhin das Werk

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