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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-06-22 · Heft 25 (22.6.1906) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 25 (22.6.1906)
Date
1906-06-22
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Berlin, 22. Juni 1906?«». & Dxr Oemetndebote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deK IudentnmK". korrklpmden?m und Sschrichtm. Deutschland. 8. Berlin, 19. Juni. Tie Grohloge für Deutschland des Ordens Bnei Briß erhielt zu Händen ihres Präsidenten Justizrat Timendorfer hier aus dem Geheimen Zivilkabinett des Kaisers folgendes Schreiben: „Ihre Majestäten der Kaiser und König und die Kaiserin und Königin haben die Allerhöchst ihnen von der Großloge zur Feier der silbernen Hochzeit in einer geschmackvollen Adresse dargebotenen Glückwünsche sowie die Meldung von der aus diesem Anlasse errichteten Stiftung von 20 000 Mark zur Fürsorge für Waisen verstorbener Mitglieder gern entgegengenommen und lassen sür die freundliche Kundgebung herzlich danken. Zugleich wollen Allerhöchstdieselben die Bezeichnung der Stiftung als „Kaiser Wilhelm und Kaiserin Auguste Viktoria-Stiftung" huldvollst genehmigen. Allerhöchstem Aufträge zufolge setze ich die Großloge hiervon ergebenst in Kenntnis. Der Geheime Kabinettsrat, Wirkliche Geheime Nat Lucanus." s. Berlin, 18. Juni. Für Zwecke der Auswandererfürsorge in Bremen find vom Hilfsverein der Deutschen Juden in der letzten Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses auf Antrag von Herrn Rabbiner Dr. Rosenak in Bremen 3000 Mark bewilligt worden. Im Einvernehmen mit den Behörden zu Bremen werden daselbst sanitäre Einrichtungen getroffen werden, die in bestimmten leichten Krankheitsfällen eine gründlich ärztliche Hilfe ermöglichen. Den Auswanderern, die innerhalb der deutschen Grenze erkranken, wird damit, eine große Wohltat zuteil. Sie sind nun in der Lage, ihre Gesundung abzuwarten, ehe sie die Reise über See antreten. — Das Lehrerseminar des Hilfsvereins der Deutschen Juden in Jerusalem hat mit Beginn des neuen Schuljahres den geplanten vollständigen Ausbau erhalten. Der Präparandenklasse und den beiden Seminarklassen ist die oberste Klasse jetzt angegliedert worden. Die Schülerzahl der einzelnen Klassen setzt sich wie folgt zusammen: Präparandenklasse 14, III. Seminarklasse 10 lund 2 Hospitanten). II. Seminarklasse 7, I. Seminarklasse 5 Schüler, in Summa 36 resp. 38. Unter den neu aufgenommenen Schülern befinden sich drei Flüchtlinge aus Rußland. 8. Berlin, 17. Juni. Am 15. d. M. ist hier im 58. Lebensjahre der allgemein bekannte Sanitätsrat Dr. Max Jarislowsky gestorben. Derselbe nahm unter den Berliner praktischen Aerzten eine bevorzugte Stellung ein. Er war in Hultschin in Schlesien geboren und hatte seine medizinische Ausbildung überwiegend an der Breslauer Universität erhalten. Sie fand eine Unterbrechung durch seine Teilnahme an dem Feldzug von 1870/71. Kurze Zeit nach seiner Approbation ließ sich Jarislowsky in Berlin als Arzt nieder und erwarb sich bald eine recht umfangreiche Praxis. Seine Patienten rühmten an ihm, daß er ihnen nicht nur ärztlicher Berater, sondern auch ein Freund war. Weiten Kreisen ist er durch seine Stellung als Anstaltsarzt des Admiralsgartenbades bekannt geworden. Schon frühzeitig bedachten ihn seine Kollegen mit Ehrenstellen, er gehörte seit vielen Jahren dem Geschäftsausschuß der Berliner ärztlichen Standesvereine und der Aerztekammer an, fast regelmäßig entsandte ihn der ärztliche Standesverein der Friedrichstadt als Vertreter zu beu deutschen Aerztetagen. Dr. Jarislowsky starb an den Folgen eines Straßenunfalls. Auf dem Wege zu seiner Arbeitsstätte im Admiralsgartenbad war er beim Abspringen vom Omnibus zu Fall gekommen; er geriet mit einem Bein, in die Räder einer vorüberfahrendeu Droschke und erlitt eine Zersplitterung der Knochen des Kniegelenks, an die .sich eine Blutvergiftung anschloß. Außer Gattin und Kinder betrauern ihn seine hochbetagten Eltern, die schon vor längerer Zeit das seltene Fest der diamantenen Hochzeit gefeiert haben. Der Heimgegangene war ein guter Jude, der an allen Angelegenheiten des Judentums warmen Anteil nahm. Ehre seinem Andenken! A. Tilsit, 12. Juni. Am 24. v. M. hielt hier der Verband der ostpreustischen Shnag ogen-Gemeinden seine 22. ordentliche Generalversammlung ab. Zur Versammlung waren außer zahlreichen Mitgliedern und Gästen 24 offizielle Vertreter von 14 Verbandsgemeinden erschienen. Nach Eröffnung der Versammlung durch deu Verbandsvorsteher, Rechtsanwalt Schey-Allenstein, wurde das Bureau gebildet aus den Herren R. A. Schey-Allenstein, Vorsitzender, Amtsgerichtsrat Blumenfeld-Jnsterburg, Stadtrat Glaser-Tilsit. Dr. Kamnitzer-Allenstein. Julius Lazar-Königsberg und Waisenhaus-Inspektor Peritz-Königsberg. Im Geschäftsbericht, erstattet vom Verbandsvorsitzenden Rechtsanwalt Schey, gedachte derselbe zunächst des Heimganges des langjährigen verdienstvollen Ausschußmitgliedes Nathan Lublinski-Johannisburg und des persönlichen Mitgliedes des Verbandes H. Prinz-Tilsit. Darauf berichtete der Vorsitzende über die mannigfache erfolgreiche Tätigkeit des Verbandes für Förderung des Religionsunterrichts in den kleinen Gemeinden der Provinz, dessen Vorarbeiten für die Feststellung einer regelrechten Schiedsgerichtsordnung zur Schlichtung und Entscheidung von Streitigkeiten zwischen Gemeinden und Beamten der Provinz und des gedeihlichen Fortschritts der Vorarbeiten zur Errichtung eines jüdischen Alters- und Siechenhauses für Ostpreußen. Den Kassenbericht über das Etatsjahr 1905—06 erstattete der Verbandskassierer Herr Jacob Silberstein- Allenstein, der eine fortschreitende Entwickelung der Kassenverhältnisse konstatieren konnte. Das Jahr schloß bei einer Einnahme von 2575,78 Mark mit einem Ueberschuß von 537 Mark ab. Das Stammvermögen des Verbandes beträgt zurzeit 12 291,78 Mark. Dem Kassierer wuroe Decharge erteilt. Herr Julius Lazar-Königsberg trug darauf namens des Ausschusses den Etat pro 1906/07 vor, der, mit 2000 Mark in Einnahme und Ausgabe bilanzierend, von der Versammlung angenommen wurde. Im Anschluß daran fand auch die Beratung und Beschlußfassung über Subventionsgesuche mehrerer Gemeinden im Interesse der Förderung ihrer Neligionsschulverhältnisse statt. Eine Kommission, bestehend aus den Herren Rechtsanwalt Schey-Allenstein, Otto Eichelbaum-Jnsterburg, Obersekretär Klein und Waisenhausinspektor Peritz-Königsberg, wurde, mit der Aufgabe betraut, die Zusammenlegung mehrerer kleiner leistungsfähiger Gemeinden zu einem Synagogenverbande zu betreiben. Der folgende Bericht über die Schulinspektion des Verbandes, den der Vorsitzende nach dem Konzept des behinderten Schulinspektivns-Vorsitzenden, des Herrn Rabbiners Tr. Vogelstein-Königsberg, vortrug, konnte einen kleinen Fortschritt in den Religionsschulverhältnissen unserer Provinz konstatieren. Im vergangenen Jahre wurden 22 Schulen revidiert. Ueber den Stand und die Entwickelung der Penstonskasse für die jüdischen Beamten der Provinz Ostpreußen berichtete Herr Waisenhausinspektor Peritz-Königsberg. Der Kaffe ist es gelungen, fast sämtliche Gemeinden der Provinz, soweit dieselben ihre Beamten nicht in Selbstversorgung halten, und zwar 41 Gemeinden mit 44 Beamten, bei sich zu vereinen und nach erst 5jährigem Bestände ein Vermögen von 41 838 Mark anzusammeln. Die Kasse ist auf festester Grundlage organisiert und sieht auch in Zukunft einer gedeihlichen Entwickelung entgegen. Als weiteres Ziel der Kasse ist ihre Ausgestaltung zu einem Schul- und Penstonsfonds für die jüdischen Gemeinden Ostpreußens gedacht. Den nächsten Punkt der Tagesordnung bildete das Referat des Herrn Amtsgerichtsrat Blumenseld- Jnsterburg über die neue Schiedsgerichtsordnung des Verbandes der Synagogengemeinden Ostpreußens; neben der Pensionskasse, dem Normalkontrakt und dem weiter im Entstehen begriffenen Alters- und Siechenhaus eine neue, bedeutsame Errungenschaft des Verbandes. Ueber das in Vorbereitung befindliche jüdische Alters- und Siechenhans in Ostpreußen und die dafür vorgelegten Statuten referierte Dr. Kamnitzer-Allenstein. Für das Heim sind bereits 18 000 Mark gesammelt, darunter zirka 4000 Mark au laufenden Beiträgen. Das Heim soll im nächsten Jahre in Allenstein, wo bereits ein Haus dafür erworben ist, eröffnet werden. Die vorgelegten Statuten wurden mit

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