Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 70 (1906)
- Issue
- Heft 25 (22.6.1906)
- Date
- 1906-06-22
- Page
- Seite 300 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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die der Chebra arisstiegen und sich in die WohnMg der Leidtragenden begaben. / - An einer langen Tafel nahm der Oberrabbi obenan seinen Sitz, ihm zunächst saß Herr Nürnberger, dann kamen die übrigen Herren, die mit ihm angekommen waren, und den untern Teil der Tafel nahmen die Familienmitglieder des Hauses ein, denn so hatte es der Oberrabbj angeordnet; und nachdem seine Frage, ob auch alle Anverwandten des Hauses anwesend seien, bejaht worden war, erhob er sich und sprach ernst und feierlich: „Wir haben mehrere Tage hindurch von einem der achtungswürdigsten und edelsten Dahingeschiedenen aus unserer Gemeinde einen niedrigen und entehrenden Verdacht gehegt: getäuscht durch den trügerischen äußern Anschein, haben wir mit Lieblosigkeit von einem Manne geurteilt, der unserer höchsten Liebe so würdig war. Ich meine den unter den frommen Engelscharen wandelnden Herrn Lipinann Kroner, den einstigen Stolz unserer Gemeinde! Ich werde Sorge tragen, daß ihm im Namen der ganzen. Gemeinde eine eklatante Abbitte gescheheund wohlwollend und sanft, und voll Nachsicht, wie er stets es im Leben war, wird er uns sicherlich auch Vergebung angedeihen lassen. Auch werde ich morgen die schuldige Ehrenerklärung im Gotteshause von der Kanzel herab aussprechen, indem ich erwarte, daß jeder ehrliche Mann es gern übernehmen werde, zur schnellsten und weitesten Verbreitung meiner Erklärung beizutragen. Indem ich aber Sie, meine Herren, hier versammeln ließ, geschah es in der Absicht, damit Sie aus dem Munde dieses Herrn — er zeigte auf Herrn Nürnberger — die wundervolle Verkettung einer Begebenheit vernehmen, worüber ein authentisches Dokument, unterschrieben und gesiegelt von dem Rabbinate und dem Gemeindevorstand zu Fürth, keinen Zweifel zuläßt." «Schluß folgt.) Sprrchfaal. Sehr geehrter Herr Redakteur! ch bin der einzige liberale Theologe, dessen Name unter der Protesterklärung der orthodoxen Rabbiner steht, und sehe mich veranlaßt, um eine falsche Beurteilung meiner Person zu verhindern, Ihnen die Erklärung dafür zu geben. Ich bekam vor einiger Zeit von dem Rektor des Berliner Nabbinerseminars den Ihnen bekannten Aufruf. Derselbe weiß, daß ich meines religiösen Standpunktes wegen das Seminar verlassen habe, ich mußte also annehmen, daß es sich um eine Kundgebung von Theologen beider Richtungen handelt. Ich fand es allerdings seltsam, daß mir ein Aufruf zugeschickt wird, in dem die „Neologen" heftig angegriffen werden, aber da ich in der Sache selbst mit den Herrn übereinstimme und die Einrichtung eines Konsistoriums für bedenklich halte, habe ich meine Zustimmung zur Protesterklärung erteilt, aber ausdrücklich hinzugefügt, daß ich nicht auf orthodoxem Standpunkt stehe. Ich dachte, es handle sich um eine Erklärung, wie sie der Zentralausschnß des Rabbinerverbands später veröffentlicht hat. Hätte ich gewußt, daß sie in orthodoxem Sinne gehalten sein wird, dann hätte ich natürlich nicht unterschrieben. Mit der Bitte, meine Zeilen sreundlichst zu veröffentlichen, bin ich Schneidemühl, 18. Juni. Hochachtungsvoll Dr. Lewkowitz, Rabbiner. & Geehrter Herr Redakteur! estatten Sie mir. Sie zu bitten, folgende Zeilen in Ihrem geschätzten Blatte zu veröffentlichen, in der Annahme, daß durch deren Inhalt der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde sein besonderes Interesse unserer Begräbnispflege zuwendet. Die Beisetzungen von weniger Bemittelten oder Armen erfolgen „ ohne die geringste Ausschmückung der Halle, es wird eben nur das Gebet gesprochen, monoton hergesagt, wie es ja auch anders gar nicht möglich durch die vielen Wiederholungen durch ein und dieselbe Person. Jegliche Andacht geht dabei völlig verloren. Ganz anders, wenn die Mittel dazu vorhanden sind, die Halle zu schmücken, Kerzen anfzustellen, und von einem Kanzelredner trostreiche Worte gesprochen werden; dann erscheint" die Feier erst eine würdige. Der Tod macht keine Unterschiede, ob arm oder reich, der Sarg richtet sich nach anderen Maßen, die Gruft erhält die vorgeschriebene Größe! Warum also Unterschiede vor dem letzten Gange? Um diese zu vermeiden, unterbreite ich folgende Vorschläge: Da die Gärtnerei des Weißenseeer Begräbnisplatzes in Gemeindeverwaltung steht, so können die Lorbeer- und Palmenbäume, die sonst gegen Entgelt in der Halle Ausstellung finden, ein für allemal in derselben verbleiben. Hierdurch entstehen der Gemeinde absolut keine Kosten. Für die Kandelaber ließ sich die Einführung des elektrischen Lichtes empfehlen; der Verbrauch desselben würde jemalig einige Pfennige kosten. Was nun das Predigen anbetrifft, so würde sich noch leicht ein Ausweg finden. Das Material hierzu könnten die Hochschule liefern, ja man würde hierbei zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen können. Man stationiere immer für eine Woche einen Kandidaten im Verwaltungsgebäude, dieser spricht den Leidtragenden die Worte des Trostes und für den Herren selbst wäre es eine Uebungsstunde. Natürlich darf es niemand benommen werden, sich einen Rabbiner zu engagieren oder Ehorgesang zu bestellen. Es lag in meiner Absicht, nur in weitläufigen Zügen dem Vorstand der jüdischen Gemeinde einen Anhalt zu geben, wie er sich, ohne Frage, großen Dank aller derer erwerben würde, die, so wie ich, Anstoß genommen an der bisherigen Handhabung der Beisetzung Armer oder weniger Bemittelter! Berlin, 18. Juni 1906. Ergebenst Geehrter Herr Redakteur! den antisemitischen Zeitungen inserieren eine Anzahl Hotels und verbieten sich darin direkt oder indirekt jüdischen Besuch. Da ich seit Jahren viel reise und an der jüdischen Bewegung aktiv teilnehme, habe ich dieser Sache mein spezielles Augenmerk gewidmet. Eine ganze Anzahl jüdischer Touristen und Reisende, speziell mit Familien, besitzen nicht die Routine eines langjährigen Reisenden. Daher ist es gut, die jüdischen Blätter machen diese Häuser namhaft, bei denen Juden eine unfreundliche oder keine Aufnahme finden. Untenstehend gebe ich Ihnen eine genaue Aufstellung der Häuser und notiere dabei die speziellen Bemerkungen in den betreffenden Inseraten. Meine Notizen stammen aus einer Jnseratenbeilage, betitelt „Gute Reise", aus der „Täglichen Rundschau" vom 13. Mai a. c. Mit Hochachtung Hamburg, 30. Mai 1906. N. B. Buckow, Bezirk Frankfurt a. O.: Christliches Erholungshaus Wilhelmshöhe. — Frankfurt a. M.: Bahnhof-Hotel „Kölner Hof". Jüdischer Besuch verbeten. — Pyrmont: Richters Pension. Kein jüdischer Besuch. — Schierke O. Harz: Haus Tannenheim. Der christlich. Gesellschaft empfohlen. — Wernigerode a. Harz: Sommerfrische „Harzfriede". Christliches Erholungsheim. — Groß-Tabarz i. Thürg. Pension Hanna, Villa Voelcker. Keine Inden. — Cuxhaven: Nordsee- Hotel. Besitzer Genz. — Oberlauchringen i. Baden: Gasthos zum Wutachtal, Besitzer Jacob Albies. — Karlsbad i. Böhmen: Elisabethhof. Besitzer W. R. Thomas. Besaß speziell Gläser mit Inschrift: „Nur für Juden." Druck und Verlag von Rudolf Mofse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauch Witz in Berlin.