Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 70 (1906)
- Issue
- Heft 24 (15.6.1906)
- Date
- 1906-06-15
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 des Vereins. Auch der in zweiter bedeutend vermehrter Auflage erschienene Katalog der Bibliothek rief lebhaften Beifall hervor. Den Schluß der Versammlung bildete die Neuwahl des Vorstandes und setzt sich der Vorstand für das kommende Vereinsjahr aus folgenden Herren zusammen: Dr. Ed. Biberfeld, Ehrenvorsitzender, Dr. D. Winter, Vorsitzender, Dr. N. Moses, erster Schriftführer, James Halberstadt, zweiter Schriftführer, Hans Lehmann. Kassier, Arthur Wolff, Bibliothekar. Mit den: Wunsche, daß dem Verein noch ein recht langes segensreiches Wirken beschieden sein möge, schloß die Versammlung. r. Stettin, 6. Juni. Wie leichtfertig gewisse antisemitische Blätter ihre publizistischen Pflichten auffasfen, wurde heute in einer Verhandlung vor dem hiesigen Schöffengericht grell beleuchtet. Der hiesige Kunstmaler Georg Lewin hatte gegen den verantwortlichen Redakteur des Organs des Reichstagsabgeordneten Krösell „Der Mittelstand" in Pyritz, Theodor Weber, wegen Beleidigung Klage erhoben. In Nummer 64 des „Mittelstand" vom 17. März d. I. war ein der Stettiner antisemitischen „Deutschen Hochwacht" entnommener Artikel erschienen, worin gegen den Privatkläger unter Namensnennung schwere Beleidigungen erhoben wurden. Er habe ein junges Mädchen unter dem Versprechen der Heirat verführt und dann verlassen, worauf sich das Mädchen, das eines Kindes genesen sei, das Leben genommen habe. Die Unwahrheit der Beschuldigungen ergab sich schon daraus, daß die angebliche Selbstmörderin als Zeugin vor Gericht erschien. Auch sonst war alles erfunden. Das Gericht erkannte auf einen Monat Gefängnis. Die Verhandlung gegen den verantwortlichen Redakteur der „Deutschen Hochwacht", Thomas Hübbe, gegen den Herr Lewin gleichfalls die Beleidigungsklage angestrengt hatte, mußte verschoben werden, da H. ein ärztliches Krankheitsattest beigebracht hatte. Lp. Aus dev Provinz Posen, im Juni. Jn B orek ist kürzlich im Alter von 70 Jahren der langjährige Repräsentantenvorsteher Gabriel Werner gestorben. — Irr Kempen ist Rechtsanwalt Schacher zum Direktor des Vorschußvereins gewählt worden. — Das langjährige Mitglied des Stadtverordnetenkollegiums in Kempen Kaufmann S. Lubliner, ist im Alter von 73 Jahren gestorben. — Der als Sekretär nach Königsberg berufene israelitische Lehrer Hoffm ann in Ho he nsal za ist vom Turnverein daselbst, dessen langjähriger Turnwart er gewesen ist, zum Ehrenmitglied ernannt worden. — Kaufmann M. Baruch in Fordon ist zum ersten Vorsteher der dortigen Synagogengemeinde neugewählt worden.—Justizrat Hamburger in Posen ist zum Notar ernannt worden. — Die Gemeindeverwaltung in Ostrowo hat beschlossen, für das Etatsjahr 1906 an Korporationsbeiträgen 80 Prozent der Einkommensteuer zu erheben. — An Stelle des Kaufmanns und Stadtverordneten Willy Kiewe in Labischin, welcher von dort verzieht, wurde Rentier Isidor Rynarzewski zum Vorsteher der jüdischen Gemeinde gewählt. Herr Kiewe hat aus Anlaß seines Scheidens der jüdischen Gemeinde 500 Mark zur Verschönerung des Friedhofes und 100 Mark zur Verteilung unter die jüdischen Armen überwiesen. B. Dt.-Krone, 10. Juni. Hier ist am 6. d. M. der in weiten Kreisen bekannte Herr Nathan Werner gestorben. Am 2. d. M. hatte er, umgeben von seinen Geschwistern, sämtlichen Kindern und Enkeln, seinen achtzigsten Geburtstag gefeiert. Verdientermaßen waren ihm an diesem Tage von Vertretern des Magistrats, von dem Vorstande und sämtlichen Repräsentanten der Gemeinde, deren Vorsitzender er eine Reihe von Jahren hindurch und bis zu seinem Tode gewesen ist, und von den Vertretern der Gbewca-Ladiseba, zu deren Begründern und vieljährigen Vorstehern er gehörte, Ehrungen 'dargebracht. Noch hatten nicht alle Festgäste das gastliche Haus verlassen, als der Tod die Freude in Trauer verwandelte. Einer angesehenen Familie entstammend, hat er durch seine Tugenden, insbesondere durch seine Frömmigkeit, Wohltätigkeit und sein reges Interesse an allen öffentlichen Angelegenheiten, vorbildlich gewirkt. Seine besondere Sorgfalt galt der Ghewra-K; discha, die sich rüstet, in diesem Jahre ihr 25 jähriges Jubiläum festlich zu begehen. Sein Andenken wird in diesem Vereine so wenig, wie in der ganzen Gemeinde vergessen werden. Hannover, 8. Juni. Unsere Gemeinde bot in den lehten Monaten wieder das unerfreuliche Bild heftiger Kämpfe, bei denen es sich abermals um die Anstellung eines zweiten Rabbiners handelte. Jetzt ist die Sache in ein neues Stadium getreten. In einer Gemeindeversammlung, die von dem ersten Vorsteher der Gemeinde, Senator Fischer, geleitet wurde, waren fast zwei Drittel (446) der stimmfähigen (706) Mitglieder erschienen. Nach längerer Geschäftsordnungsdebatte wurde gegen den Antrag der Minorität beschlossen, keinerlei Diskussion mehr zuzulassen. Der Antrag der Minorität, die Abstimmung nicht namentlich, sondern durch geheime Wahl (Stimmzettel) vorzunehmen, wurde einstimmig angenommen. Das Resultat war, daß fast zwei Drittel der erschienenen Mitglieder (268) für den Antrag des Repräsentantenkollegiums, einen zweiten Ortsrabbiner anzustellen, stimmten. — Am 4. und 5. d. M. tagte hier der zehnte Delegiertentag der deutschen Zionisten, der von 103 Vertretern aus allen Gegenden Deutschlands besucht war. Rechtsanwalt Dr. Bodenheimer gab als Präsident des Zentralkomitees den Jahresbericht, an den sich sofort eine lebhafte Debatte über die prinzipiellen Fragen der zionistischen Politik anschloß. Es handelt sich im wesentlichen um die Frage, ob die politische Tätigkeit oder die praktische Vorarbeit in Palästina in den Vordergrund der Interessen treten soll. Die Debatte ergab insbesondere auf Grund der Ausführungen des Professor Dr. Warburg-Berlin eine Uebereinstimmung dahin, daß die politische Tätigkeit den Schwerpunkt der Arbeit der Zentrale bilden müsse, und daß sich die Aktionen in Palästina, entsprechend den Beschlüssen des siebenten Zionistenkongresses in Basel, auf gewisse vorbereitende Maßregeln beschränken müssen. Der Bericht des Zentralbureaus ergab ein starkes Anwachsen der Bewegung in Deutschland. Der Delegiertentag beschäftigt sich ferner mit der Angelegenheit der Parteipresse und beschloß die Einführung einer besonderen Palästinasteuer. Der Kaiser dankte telegraphisch für ein Huldigungstelegramm, das an ihn abgesandt worden war. K. Essen, 8. Juni. Die Feier des 50jährigen Bestehens des Vereins israelitischer Lehrer Rheinlands und Westfalens wurde am 5. d. M. unter lebhafter Beteiligung seiner Mitglieder und zahlreicher geladener Ehrengäste mit herzlichen Vegrüßungsworten des derzeitigen Vorsitzenden, des Hauptlehrers Graf, eröffnet. Nach einem kurzen Rückblick auf die Vergangenheit des Vereins erinnerte er an die Aufgaben, die Gegenwart und Zukunft zur ideellen Förderung und materiellen Sicherstellung des Lehrerstandes erfordern und schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf unfern Kaiser. Den Neigen der zahlreichen Glückwünschenden eröffnete RegierunL-srat Dr. Voigt, der die herzlichsten Glückwünsche der Kgl. Regierung in Düsseldorf überbrachte, dem Verein und seiner Pensionskasse, die schon so manche Träne getrocknet, bestes Gedeihen und reichsten Segen wünschend. Namens der Stadt und der Schuldeputation hielt nunmehr Herr Kgl. Schulrat Dr. Dcham eine Ansprache, die bei der zahlreichen Zuhörerschaft ein begeistertes Echo fand und allgemeine Verbreitung verdiente. Dr. Fiegel-Berlin überbrachte die Glückwünsche des Deutsch-Israelitischen Lehrerverbandes, Sanitätsrat Dr. Apfel die des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes und des Verbandes rheinischer Synagogeugemeiuden, Herr Steinhardt-Magdeburg rief dem Jubelverein im Namen des Lehrervereins Mitteldeutschlands ein herzliches Glückauf zu. Herr Nußbaum-Wiesbaden überbrachte die Grüße der nassauischen, Dr. Höxter die der Frankfurter, Herr Wertheim-Heldbergen die der hessischen und Rektor Feiner die der Hamburger Kollegen. Die hiesige Synagogeugemeinde hatte Herrn Siegfried Rosenbaum entsandt, die Lehrer und ihren Verein zu begrüßen und zu beglückwünschen. Des weiteren sprachen sodann noch die Herren Flörsheim-Dortmund namens des Verbandes der westfälischen Gemeinden, Rabbiner Dr. Rosenthal aus Köln für den Rheinischen Rabbinerverband und Herr L. Treu-Essen als Sohn des einstigen Gründers des Vereins, der dem Vorstande aus Anlaß des Jubelfestes die Originnlhandschriften überwies, die sich auf die ersten Anfänge des Vereins beziehen. Auf Vorschlag des Vorsitzenden wurde hierauf Herr Bankier Herz Hirschland, der demnächst seinen Wohnsitz nach Münster verlegt, als Zeichen des Dankes für seine aufopfernde Tätigkeit zum Ehrenmitglied ernannt, für welche Ehrung Herr Hirschland herzliche Worte des Dankes aussprach. Herr Liepmannssohn-Minden hielt hierauf die Festrede, in der er in schwungvollen Worten die Vereinsgeschichte und ihre hervorragendsten Leiter und Vertreter am