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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-06-15 · Heft 24 (15.6.1906) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 24 (15.6.1906)
Date
1906-06-15
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Berlin, 15. Juni 1906. 70 wrg.ng n. 24 Dxx Oemeindeüote. Brilagr zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums. korrklponden?rn und Mschrichtrn. Deutschland. . 8. Berlin, 10. Juni. In kurzer, geschäftsmäßiger Sitzung erledigte die heutige Repräsentanten - Versammlung ihre Tagesordnung. Die Vorlage betreffend Zuteilung von Ortschaften aus den Kreisen Teltow und Niederbarnim zum Synagogenbezirk Berlin war, wie erinnerlich, dein Ausschuß III überwiesen worden. Auch im Ausschuß wurde die Meinung vertreten, daß die Repräsentantenversammlung bei solchen prinzipiell wichtigen Fragen nicht ausgeschaltet werden dürse. Es fand deshalb die von Rechtsanwalt Dr. Cohn vorgeschlagene Resolution Annahme, den Gemeindevorstand zu ersuchen, der Repräsentanten-Versammlung von jeder seitens der Staatsbehörden beabsichtigten Aenderung des Synagogenbezirks Kenntnis zu geben und mit ihr über die letztere vor Eintritt in die Verhandlung mit den Staatsbehörden zu beraten. Das Plenunr billigte einstimmig die Resolution. Der Antrag eines Mitgliedes der Versammlung betr. Bereitstellung von Synagogenplätzen für. die Repräsentanten und deren Stellvertreter wanderte nach kurzer Debatte in den Ausschuß. Der Antragsteller Professor Ba g insky hat es als unbehaglich empfunden, daß die Repräsentanten bei offiziellen Anlässen nicht wissen, wohin sie sich in der Synagoge zu setzen haben, während dem Gemeindevorstand besondere Plätze zur Verfügung stehen. Dr. Cohn hält diesen Antrag, der übrigens mehrfach Opposition gefunden, für zu delikat, um ohne Vorberatung gleich im Plenum zur Debatte gestellt zu werden. Sein Antrag auf Ausschußberatung wurde mit großer Mehrheit angenommen. Der Rechnungsabschluß über die Kosten für die Speisung von 21 Soldaten am diesjährigen Pessachfeste mit 288,70 Mark wurde genehmigt, ebenso der Abschluß über die Beschaffung und Verteilung von Mazzoth mit der Ausgabe von 8775 Mark. An das Kurhospiz für arme Israeliten in Bad Kissingen wurde die bisherige Subvention im Betrage von 100 Mark wiederum bewilligt. Zur Herstellung von Partituren und Stimmen für den Gottesdienst an den hohen Feiertagen sowie zur Honorierung der Chordirigenten für die Beaufsichtigung der Znterimschöre wurden die erforderlichen Ausgaben gewährt. — Zur Einreichung von Projekten für den Neubau des Krankenhauses soll eine öffentliche Ausschreibung stattfinden. Für die Anfertigung der Skizzen (1:200) ist eine Frist von drei Monaten festgesetzt worden. Für die Ausschreibung steht ein Betrag von 20 000 Mark zur Verfügung. Die drei Preise betragen 6000, 4000 und 2000 Mark, wäbrend der Rest für die Honorierung der Jurymitglieder und zur Deckung der Auslagen Vorbehalten ist. Tie Ausschreibung soll arn 1. Juli veröffentlicht werden, geeignete Projekte sollen vom Gemeindevorstand angekauft werden. In der Diskussion gaben Professor Kalischer, Baginsky und Maurermeister Fränkel ihrer Freude über das öffentliche Ausschreiben Ausdruck, denn in den vorberatenden Ausschüssen hatte sich mehrfach der Wunsch nach einer engeren Konkurrenz unter einer Anzahl bekannter Baumeister geltend gemacht. — In dringlicher Vorlage wurden alsdann noch 46 000 Mark zur Anschaffung des Inventars für die Gemeindeknabenschule gefordert und nach längerer Debatte bewilligt. Pros. Baginsky beklagt, daß in der vorberatenden Kommission ein schulhygienischer Sachverständiger fehlt, da die Schulmeister keine hinreichende Erfahrung betreffs des geeigneten Inventars hätten. Pros. Bla schk e rettet die Ehre der angegriffenen Kollegen, welche sich durch langjährige Erfahrungen in der Praxis wohl ein maßgebendes Urteil in diesen Dingen bilden können. Damit schloß die öffentliche Sitzung, der eine kurze geheime folgte. — Berlin, 10. Juni. Der Jüdische Volksverein, hier, hat sich die praktische Fürsorge für die durchwandernden russischen Juden zur Aufgabe gemacht. Diesem Zwecke dient zunächst eine Bahnhossabteilung,. welche die ankommenden Emigranten auf den Bahnhöfen empfängt und denjenigen Herbergen zuführt, welche sich unter die Aufsicht des Vereins gestellt haben. Sie sorgt ferner für das Gepäck und für die richtige Weiterbeförderung der Auswanderer. Außerdem unterhält der Verein ein Bureau in der Sophienstraße 20 (Telephon: Amt III, 3757, geöffnet von 12 bis 1'^ und 5 bis 7 Uhr), in welchem über Reise-, Arbeitsllsw. Angelegenheiten Auskünfte erteilt, und in dem Speisemarken an Bedürftige abgegeben werden. Ferner werden gedruckte Ratgeber vom Verein verausgabt und schon jenseits der Grenze gratis an die Auswanderer verteilt. Wer die Unbeholfenheit der armen Flüchtlinge auf der Reise und in der Weltstadt je mit angesehen hat, und wer je Zeuge war des entsetzlichen Elends, das gewissenlose Reisebegleiter, Herbergswirte usw. in fluchwürdiger Habgier über diese Unglücklichen gebracht haben, der wird den Segen eines auf brüderlicher Basis arbeitenden Schutzkomitees ermessen können. Schon in den ersten beiden Monaten dieses Jahres wurde die Hilse des Vereins von über 3000 Personen in Anspruch genommen Jegliche weitere Auskunft erteilt das Bureau, welches auch Spenden entgegenninrmt. s. Berlin, 11. Juni. Der Ausbau der Organisation des Verbandes der Sab b atfrennde hat in den letzten Tagen und Wochen sehr erfreuliche Fortschritte zu verzeichnen. Nachdem sich bereits in den früheren Monaten vier Ortsgruppen. Berlin mit ca. 200 Mitgliedern, Frankfurt a. Main mit ca. 420, Stuttgart mit 18 und Kempen mit 39 Mitgliedern gebildet hatten, sind jetzt im Laufe der letzten drei Wochen folgende neue hinzugekommen: Fulda mit 130 Mitgliedern, Hanau mit 48, Gießen mit 47, Posen mit ca. 80 Mitgliedern, Mannheim, München mit ca. 50 Mitgliedern. Die Gründung von Ortsgruppen in Köln, Nürnberg, Fürth, Homburg, Karlsruhe, Königsberg i. Pr. usw. steht unmittelbar bevor. Diese Erfolge sind vorzugsweise der aufopfernden Tätigkeit der Herren Vorstandsmitglieder der Frankfurter Ortsgruppe, I. Rosenheim und Moritz A. Loeb, zu verdanken, welche in Vortrügen über die Ziele und Erfolge des Verbandes an sämtlichen vorgenannten Orten referierten und die etwa hervortretenden Widerstünde und Mißverständnisse zu entkräften suchten. Auch in Berlin hielt Herr Moritz A. Loeb am 21. v. M. im „Cafe Gärtner", Bahnhof Bellevue, einen Vortrag für die Sektion NW. der Ortsgruppe Berlin, der von einem zahlreichen und gewählten Publikum überaus beifällig ausgenommen wurde und den Beitritt von 46 Mitgliedern zur Folge hatte. Sind diese Erfolge auf dem Wege zu dem Ziele, der Zusammenfassung aller Sabbatfreunde, auch mit Freude zu begrüßen, so bedeuten sie doch nur eine kleine Etappe aus dem Wege dahin, und es wird nach wie vor lebhafter agitatorischer Tätigkeit bedürfen, um dieses Ziel zu erreichen. Die bisherige Erfahrung lehrt, daß Erfolge nur durch persönliche Wirksamkeit, indem in Vorträgen über die Tendenz und das Wesen des Vereins Aufklärung verbreitet wird, zu erzielen sind. Im Interesse des Verbandes und der Idee, die er vertritt, wäre es daher von höchster Bedeutung und größtem Nutzen, wenn Freunde dieser Sache, die redegewandt sind und über freie Zeit verfügen können, sich dem geschästsführenden Ausschuß als Wanderredner zur Verfügung stellen, da von zahlreichen Orten aus allen Gegenden Deutschlands Mitteilungen vorliegen, welche für den Fall, daß dort ein Vortrag gehalten würde, ein Erwachen des Interesses für den Verband versprechen zu können glauben. «■^V Berlin, 2. Juni. Arn 25. v. M. sarrd die alljährliche Generalversammlung des Israelitischen Fortbildungsvereins „Montefiore" statt, die in anregendster Weise und unter lebhafter Beteiligung verlief. Nach dem Bericht des Vorstandes über seine reiche Tätigkeit im abgelaufenen Vereinsjahr entspann sich eine längere Debatte. Diese drehte sich zur Hauptsache um Bibliotheksangelegenheiten und lieferte ein schönes Zeugnis für die rege Anteilnahme der Mitglieder am Gedeihen

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