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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-07-08 · Heft 23 (8.7.1906) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 23 (8.7.1906)
Date
1906-07-08
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 die hier angestellten jungen Mädchen, die den Familienanschluß entbehren, ein Heim gegründet werden. Der Vereinsvorstand ist bereit, auch den auswärtigen jungen Mädchen, die hier Stellung suchen — oder sich zu ihrer weiteren Ausbildung in Stettin aufhalten — fördernd zur Seite zu stehen und an seinen Wohlfahrtseinrichtungen teilnehmen zu lassen. Dieser Zweck wird am besten erreicht durch Herstellung einer ständigen Verbindung der israelitischen Frauenvereine der Provinz mit dem Vorstande des Stettiner israelitischen Frauenvereins. — Gleiwitz, 6. Juni. Die in dem altbewährten' Solbade Königsdorff-Jastrzemb im Jahre 1890 gegründete Israelitische Kind er heil statte hat im Mai ihre Pforten wieder geöffnet. Die Anstalt, die als eine ausgezeichnete Wohlsahrtseinrichtung sich bewährt hat, bewilligt unbemittelten Kindern halbe oder ganze Freistellen und nimmt bemittelte Kinder gegen Entrichtung der Selbstkosten aus. So gereicht das Institut den verschiedenen Bevölkerungsklassen zum Segen. Das schmuckvolle Anstaltsgebäude liegt in der Nähe des großen Parkes, mit seinen prächtigen, alten Baumbeständen, und ist von schönen Gartenanlagen umgeben. Die Erhaltung der Anstalt, die der Förderung edler Menschenfreunde würdig ist, geschieht durch milde Beitrüge. Nähere Auskunft erteilt der Vorsitzende, Rabbiner Dr. Wilhelm Münz in Gleiwitz. p. Breslau, 1. Juni. Nach den allgemein günstigen Erfahrungen, welche im vergangenen Jahre mit der Einrichtung von Ferienkursen in Religionswissenschaften für jüdische Lehrer gemacht worden sind, beabsichtigt der Vorstand des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen, wieder solche in den laufenden Sommerferien Hierselbst ins Leben treten zu lassen. Wiederum hat der Lehrkörper des hiesigen jüdisch-theologischen Seminars, die Herren Seminarrabbiner Professor Tr. Lewy, Dozenten Dr. Braun und Dr. Horowitz, ferner die Herren Stiftsrabbiner Dr. Zuckermandel und Rabbiner Dr. Deutsch, im Interesse der Wichtigkeit des Unternehmens in liebenswürdiger Weise seine Mitwirkung uns in Aussicht gestellt. Aus den verschiedensten Gebieten werden Vorlesungen gehalten werden, doch ist die Zeitdauer der Kurse auf drei Wochen beschränkt worden, um den Teilnehmern einen Teil ihrer Ferien noch zur Erholung zu überlassen. Die Stundenzahl ist auf höchstens 18 in der Woche festgesetzt worden. Eine genaue Aufstellung des Studienplans wird in nächster Nummer an dieser Stelle veröffentlicht werden. Die Ausbildung im Kantorat wird vom Herrn Oberkantor Cerini im Verein mit Herrn Kapellmeister Elsner geleitet. Bereits haben der hochwohllöbliche D. I. G. B.. der Vorstand der hiesigen Synagogengemeinde, der bereitwilligst Bestrebungen unterstützt, welche die Hebung und Belebung des Judentums betreffen, größere Subventionen bewilligt, | um den Teilnehmern der Kurse durch Gewährung von Beihilfen den Aufenthalt zu erleichtern. Eine besondere Kommission, bestehend aus den Herren Graf, Kochanowski und Moops, wird sich für den Nachweis preiswürdiger Wohnungen mit oder ohne Beköstigung interessieren, wie ebenso.bemüht sein, den Kollegen während der Kursusdauer den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Auch Lehrern und Lehrerinnen anderer Vereinigungen ist die Teilnahme gern gestattet. Meldungen sind an Lehrer Moops, Breslau VII, Sadowastraße 69 zu richten, der sich zu weiteren Auskünften bereit erklärt. n. Breslau, 2. Juni. Die Repräsentanten-Versammlung der Synagogengemeinde beschloß in der letzten Sitzung am Dienstag, die Steuerklasse von 900—1050 Mark Einkommen von der Steuerzahlung zu befreien. Hierdurch gehen 400 Gemeindemitglieder ihres Wahlrechts verlustig, falls sie nicht freiwillig weiter Steuern zahlen. Gegen diesen Beschluß opponierten die Herren Prof. Badt und D. N. Schlesinger, da durch die Nichtheranziehung zur Gemeindesteuer die betreffenden Gemeindemitglieder statutengemäß ihr Wahlrecht verlieren. Die verschiedenen Vorschläge, wie man den minderbemittelten Schichten gegenüber sozial handeln könne, ohne sie zu entrechten (Hergabe einer freien Tempelstelle und 'dergleichen), wurden vom Vorstande als undurchführbar oder statutenwidrig zurückgewiesen. — Am 20. v. M. fand die Generalversammlung der Israelitischen Krankenverpflegungs- und Beerdigungs-Anstalt statt. Den Hauptpunkt derselben bildete die Vorstandswahl. Das Ergebnis war die Wahl der gesamten liberalen Liste. Gewählt wurden auf sechs Jahre Eduard Sachs, David Mugdan, Louis Schlesinger, Hermann Neustadt, Rechtsanwalt Joel; aufdrei Jahre Simon Pfeffer, Ludwig Sachs. — Der Vorstand der Synagogen-Kemeinde hat sich konstituiert und zu seinem Vorsitzenden Herrn Stadtrat Pringsheim, zu seinen: Stellvertreter Herrn Landgerichtsrat Wöllstein, zum Kassenvorsteher seinen frühern Vorsitzenden wiedergewählt. — Ein vorbereitendes Komitee hat vor kurzem eine Versammlung einberufen zur Gründung einer Ortsgruppe des „Vereins der Sabbatfreunde", die am 3. d. M. in den Unionsälen tagte. Es waren 40 bis 50 Herren erschienen. Herr Martin Fränkel entwickelte das Programm des Vereins, und Herr Aron Kober teilte die Satzungen des Frankfurter Vereins mit, die für die neue Ortsgruppe maßgebend sein sollen. Herr Rabbiner Dr. Rosenthal forderte noch in kurzen Worten zu zahlreichem Beitritt auf. Darauf konstituierte sich die Ortsgruppe. Es zeichneten sofort 45 Mitglieder. Hoffentlich finden sich bald noch mehr Leute, die an der Förderung der Sabbatruhe in unserer Gemeinde teilnehmen wollen und ihre Kräfte in den Dienst des Vereins stellen. — Herr Oberkantor Cerini feierte am 13. d. M. unter allgemeiner Beteiligung der Gemeindemitglieder das Fest seiner silbernen Hochzeit. o. Dessau, 1. Juni. Am 14. v. M. ist die Grundsteinlegung unserer neuen Synagoge vollzogen worden, zu welcher sich Vorstand und Repräfentantenkollegium, zahlreiche Gemeindemitglieder und Vertreter der Stadt eingefunden hatten. In wirksamer Rede führte Landrabbiner Dr. Walter die Gedanken aus, zu denen die Grundsteinlegung anregen, sowie die Lehren, welche daraus gezogen werden sollen, und schloß mit den: Wunsche, daß in dem neuen Gotteshause der Glaube herrschen, daß der Geist der Erkenntnis von ihm ausgehen, das uralte Banner der Menschenliebe, des Friedens und der Menschenverbrüderung, allezeit auf ihm wehen möge. Nachdem hierauf Kommissionsrat Probst eine Liste der in den Grundstein. eingelegten Dokumente und Druckschriften und Stiftungssekretär Rosenbaum eine von ihm verfaßte, auf Pergament geschriebene Entwicklungsgeschichte unserer Gemeinde verlesen, wurde die Kapsel geschlossen, verlötet und in den Grundstein eingefügt. Mit den üblichen Hammerschlägen schloß die Feier. Der Bau der Synagoge, welcher nach den Plänen der Architekten Krämer und Wolffenstein in Berlin ausgeführt wird, und der des Gemeindehauses, das bereits unter Dach gebracht wurde, ist auf 377 000 Mark veranschlagt, wozu, noch 140 000 Mark Grunderwerbskosten kommen. 8i. Bocholt, 4. Juni. Der Hilfsverein Esraß Kefufim versendet den Bericht über seine Wirksamkeit im verflossenen Jahre. Der Verein zählt gegenwärtig 278 Mitglieder. Im Verwaltungsjahre flössen ihm von den Mitgliedern 1390 Mark zu. Zu diesen Einnahmen kommen noch Spenden, so daß sich die Gesamteinnahmen auf 5 551,95 Mark belaufen. Ihnen gegenüber stehen 5 262,65 Mark Ausgaben. Zwei Petenten konnte der Verein ein zinsfreies Darlehen von 1095 Mark gewähren. 540 Mark vergab der Verein an Unterstützungen. Aus freiwilligen Zuwendungen des Vereins und deren Zinsenerträgnis erhalten seit 1901 auch mittellose Bräute Aussteuerbeihilfen und arme Handwerker jüdischen Glaubens, nicht rückzahlbare Subventionen. Das Vereinsvermögen ist von 21 701 Mark auf 23 260 Mark gestiegen. Darlehen gibt der Verein nur an solche Personen jüdischen. Glaubens innerhalb des Bezirks, von denen die Rückzahlungsverpflichtung übernommen werden kann. 2 713,30 Mark flössen dem Verein im Berichtsjahre wieder an solchen Rückzahlungen zu. Insgesamt sind in den 16 Jahren des Bestandes 73 Personen zinsfreie Darlehen mit einem Gesamtbetrag von 35 454,15 Mark bewilligt worden, von denen von 32 Personen bereits 23 903,69 Mark zurückerstattet sind. N. Heidelberg, 6. Juni. Am 27. v. M. hielt Herr Siegmund Berget aus Berlin, der unermüdliche und erfolgreiche Werber für den Hilssverein, hier einen überaus interessanten und fesselnden Vortrag über „Die Ziele und Leistungen des Hilfsvereins der deutschen Juden", zu dem seitens des Herrn Bezirksrabbiners Dr. Pinkuß und des Vorstehers Herrn Ernst Carlebach Einladungen ergangen waren. Es gelang dem Redner durch seine ergreifende Schilderung der Not unserer Glaubensbrüder, die Versammlung von der Existenzberechtigung und Notwendigkeit des Hilfsvereins so sehr zu überzeugen, daß sich fast alle Anwesenden in die Listen als Mit-

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