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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-06-01 · Heft 22 (1.6.1906) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 22 (1.6.1906)
Date
1906-06-01
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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mmm, «WWWMWMGWM 2 und das dadurch bedingte Martyrium in uns wach erhalten soll. Der Redner schloß mit der Bemerkung, daß er sich bewußt fei, nichts Vollkommenes dargeboten zu haben, er hoffe indessen, einige Anregungen zu einer fruchtbaren Behandlung dieses wichtigen Stoffes gegeben zu haben. Die Zahl der Mitglieder ist um zwei gewachsen. Der Name des Vereins lautet jetzt: Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen zu Berlin. 8. Berlin, 20. Mai. Der aus einem längst empfundenen sozialen Bedürfnis hervorgegangene humanitäre Verein „Israelitisches Lehrerinnen h eim" hat seit seiner Begründung einen erstaunlich raschen Erfolg zu verzeichnen. Der Zweck desselben: würdigen, alleinstehenden, gealterten Lehrerinnen und Erzieherinnen, die nach langer privater Tätigkeit keine staatliche Versorgung erreichen konnten, ein sorgenfreies, lebenslängliches Altersheim zu schaffen, hat in allen Kreisen freudigen Anklang gefunden. Dank der . regen Teilnahme wohlwollender Gönner konnte das erste Heimathaus für israelitische Lehrerinnen in Groß-Lichterselde-West, Karlstraße 112 a, schon vor einigen Jahren seiner Bestimmung übergeben werden. Das mit der Anstalt verbundene Rekonvaleszentenheim für noch aktive erholungsbedürftige Lehrerinnen und Erzieherinnen, zu vorübergehendem Aufenthalt bestimmt, erfreut sich des lebhaftesten Zuspruches. Den gegenwärtigen Mitteln entsprechend, haben bereits 15 Damen in dem Altersheim Aufnahme gefunden, und fortwährend gehen uns neue Gesuche von Aspirantinnen aus allen Teilen des deutschen Reiches zu. Jedoch bedarf es noch sehr großer Mittel, um die idealen Bestrebungen des Vereins zu fördern und allen Bewerberinnen die lebenslängliche Versorgung im Heim zu sichern. Wir bitten daher alle Wohlgesinnten, in tatkräftiger Weise dieser Stiftung ihr Interesse zuzuwenden. Besonders wünschenswert ist die Bildung neuer „Ortsgruppen", wie deren schon in Frankfurt a. M., Grätz, Hamburg, Hannover, Königsberg i. Pr., Leipzig, Nürnberg, Posen, Stargard i. P. und Stettin bestehen. Dieser Weckruf gilt besonders auch den deutschen israelitischen Lehrerinnen und Erzieherinnen des Jn- und Auslandes, als Mitglieder dem Berliner Verein sich anzuschließen. Anfragen und Anmeldungen können an den ersten Vorsitzenden Herrn Dr. Oliven, Berlin, Lützowstraße 89/90; an die zweite Vorsitzende und Begründerin Fräulein Pauline Münchhausen, Berlin W. 10, Friedrich Wilhelmstraße 17, an die dritte Vorsitzende Frau Direktor Henriette May, Berlin, Wilhelmstraße 133, oder an die Ortsgruppen gerichtet werden. Statuten und Jahresberichte stehen überall bereitwilligst zur Verfügung. s. Berlin, 24. Mai. Zur Feier der 25jährigen Amtstätigkeit des Rabbiners Professor Dr. Maybaum veranstalteten die Hörer der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums am 22. d. M. einen Kommers in Neumanns Festsälen. Eine stattliche Schar von Gästen war erschienen; von Korporationen waren vertreten das Kuratorium der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums mit seinen! Vorstand Herrn Justizrat Dr. Veit Simon, sowie der gesamte Lehrkörper, der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, vertreten durch die Herren Justizrat Dr. Eugen Fuchs und Justizrat Dr. M. Horwitz, der Deutsch-Israelitische Gemeindebund durch Professor Dr. Martin Philippson und Dr. W. Neumann. Das Rabbinat der Berliner jüdischen Gemeinde vertraten die Rabbiner Dr. Adolf Rosenzweig, Dr.L.Blumenthal und Dr. Warschauer. Von der jüngeren jüdischen akademischen Welt waren anwesend Vertreter des Akademischen Vereins für jüdische Geschichte und Literatur, die jüdische Burschenschaft Sprevia, die jüdische Verbindung Dahlemia u. a., von ehemaligen Hörern der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums die Rabbiner Dr. Stein-Dresden und Dr. Silberstein - Stargard. Unter den Klängen aus Meyerbeers „Prophet" betrat Rabbiner Professor Maybaum an der Seite seiner Gattin, allseitig lebhaft begrüßt, den Saal. Kand. phil. Schemel begrüßte die Gäste und wies auf den Zweck der Feier hin, die dem hochverehrten Meister der Beredsamkeit und Homiletik an der Lehranstalt gelte, dessen Name weit über Deutschlands Grenzen genannt und dessen Taten und Wirken auch an höherer Stätte Anerkennung gefunden haben. Die Worte des Vorsitzenden klangen in eine Huldigung für den Kaiser aus, zu dessen Ehren ein Salamander gerieben wurde. Nach dem Gesänge des Liedes „Hier sind wir versammelt zu löblichem Tun" hielt Rabbinatskaudidat Salomonski die Festrede. Ter Redner schloß seine Worte mit dem Gelübde, dem Meister treu zu bleiben. Die Korona sang das Festlied. Das Hoch auf die Dozenten der Lehranstalt brächte Rabbinatskattdidat Dr. Artur Rosenzweig aus. Die Korona sang das „Gaudeamus" in der vorzüglichen hebräischen Übersetzung des Dr. Baneth. Hierauf dankte Professor Dr. Maybaum den Veranstaltern des Abends, den er als die höchste Ehrung seines Amtsjubiläums betrachte. Ter heutige Abend wecke das Gefühl der Liebe. Das Liebesverhältnis zwischen Lehrern und Schülern kennzeichne die Religion und Geschichte Israels. Die heutige Ehrung sei ein Zeugnis dafür, daß man in seiner amtlichen Tätigkeit die Tätigkeit des praktischen Theologen verwirklicht sehe. Die praktische Theologie könne nur von einem praktischen Rabbiner mit Erfolg gelehrt werden. Aus dem Verhältnis von Lehrer und Schüler erwachse aber reicher Segen für die praktische Tätigkeit. Aber in ihr dürfe eins nicht vergessen werden, die rabbinische Wissenschaft, deren Beherrschung gerade in unseren Tagen dem Theologen ans Herz zu legen sei. Gerade in unserer Zeit der Reformen, wo man Neues an Stelle des Alten setze, heiße es zu den Quellen der Tradition herabsteigen. sollen die Reformen traditionär sein und nicht einen Bruch mit der Vergangenheit darstellen. Die großen Reformatoren des Judentums, wie Geiger im vergangenen Jahrhundert, konnten nur darum ihren Reformen den Nachdruck und das Verständnis verleihen, weil sie als ausgezeichnete Beherrscher des talmudischen Gebiets die historischen Grundlagen und Quellen des Judentums kannten und an sie anknüpfen konnten. Die Aneignung talmudischen Wissens sei in keiner Zeit mehr not als heute, nicht nur im Kampfe gegen die Widersacher, sondern gegen Hast und Ueberstürzung. Aber zu allem gehöre die Liebe, und darum möge die Liebe, das Freundschaftsverhältnis, andauern zwischen Lehrer und Schüler. Der Jubilar dankte den Vertretern des Kuratoriums der Lehranstalt, dem Gemeindebund und allen Vertretern, die ihn heute geehrt. Als ältester Hörer der Lehranstalt sprach in längeren Ausführungen Rabbiner Dr. Rosenzweig. Er feierte das Andenken von Geiger, Levh, David Cassel und Steinthal. Sein Glas weihte er den Hörern und Lehrern der Lehranstalt. Nachher sprach Herr Dr. Elbogen. An die Hörer der Lehranstalt wandte sich der Vorsitzende des Kuratoriums, Justizrat Dr. Veit Simon. Er kennzeichnete die liberale, radikale, die positive Richtung innerhalb des heutigen Judentums und betonte, daß die Lehranstalt die große Aufgabe habe, dem Judentum und der Welt zu zeigen, daß man zugleich liberal und positiv sein könne. Nur auf historischer und wissenschaftlicher Grundlage könne es gelingen, die Religion des Judentums mehr zu entwickeln. Redner kennzeichnete Maybaums Beredsamkeit, seine künstlerische Beherrschung des Stoffes und der Form. Den Jüngern der Lehranstalt, die große Aufgaben für die Zukunft zu lösen hätten, weihte er sein Glas. Professor Dr. Martin Philippson widmete als Vertreter des Deutsch- Israelitischen Gemerndebundes dem Jubilar und seiner Gattin seine Worte. Es sprachen noch Dr. Gustav Karpeles namens des Mahbaum-Komitees und Lehrer Levy für die Lehrerschaft der Gemeindereligionsschulen, sowie die Vertreter des Akademischen Vereins für jüdische Geschichte, der Sprevia und Dahlemia. Sodann brachte cand. Phil. Salomonski die sehr witzige und geistvolle Bierzeitung „Das Manuskript" zur Verlesung. Die Mimik, die eine Homiletik- Stunde in der Lehranstalt treffend darstellte, fand allgemeinen Beifall. Das ganze Fest war ein wohlgelungenes. --- Hannover, 26. Mai. Ein rechtlich in verschiedener Hinsicht interessantes Strafverfahren hat das Kammergericht in Berlin dieser Tage erledigt. Die hannoversche Schulordnung für die jüdischen Schulen verpflichtet alle jüdischen Eltern, ihre Kinder am jüdischen Religionsunterricht teilnehmen zu lassen. Herr Dr. Cohen in Hannover war nun wegen Nichtbeachtung dieser Vorschrift auf Grund des hannoverschen Polizeistrafgesetzbuches (8 125) angeklagt worden, weil er als Jude seinen Sohn Rudolf seit Beginn der Schulzeit nicht am jüdischen Religionsunterricht (wohl aber am christlichen) habe teilnehmen lassen. Der Sohn besuchte ein Gymnasium. Die Anklage legte Wert darauf, daß Cohen, der allerdings 1893 aus der jüdischen Religionsgemeinschaft, und besonders aus der Synagogengemeinde, förmlich ausgetreten war, im Jahre 1898 zu Protokoll erklärt hatte, auf seinen Austritt aus der jüdischen Religionsgemeinschaft zu ver-

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