Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 70 (1906)
- Issue
- Heft 21 (2.5.1906)
- Date
- 1906-05-02
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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in dem er alle Wohlfahrtsvereine zum gemeinsatnetl Kampf gegen Not und Elend aufruft,, zum Segen unserer.Glaubensgenossen,. zum Wohle des. Judentums und der gesamten Menschheit, endete die schöne Feier. Kp. Aus -er Provinz Posen, im Mai. Der an der Simnltanschule zu Krojanke angestellte jüdische Lehrer Lehmann beging kürzlich sein 25jähriges Amtsjubiläum. — Kantor Lasowski in Obornik ist in gleicher Eigenschaft an die Synagogengemeinde in Schocken berufen worden. — Das Abraham Hirschbergsche Ehepaar in Danzig feierte neulich das Fest der goldenen Hochzeit. Aus diesem Anlas; ist ihn: die Ehejubilänmsmedaille verliehen worden. — Kaufmann Eng lä nder in Gnesen ist zilm Mitglied der Bromberger Handelskammer gewählt worden. — Medizinalrat Dr. Lißner in Kosten ist zum Ehrenmitglied des dortigen Landwehrvereins ernannt worden. — Die Synagogengemeinde in Grätz erhebt pro 1900 zehn Prozent inehr als im Vorjahre, nämlich 60 Prozent der Staatssteüern, zur Bestreitung des sich ans 7100 Mark belaufenden Etats. — Bei einem der Stadt Ostrowo jüngst gemachten Besuch besichtigte der Oberpräsident von Posen, Exzellenz von Waldow, auch die dortige Synagoge und erkundigte sich eingehend über die synagogalen und sozialen Verhältnisse der Juden in der Gemeinde. Rabbiner Dr. Freilnd hielt vorher an ihn eine erhebende Begrüßungsansprache. Auch mit den Lehrern der jüdischen Schule unterhielt er sich in eingehender Weise über ihre Schulverhältnisse. Natibor, 11. Mai. Ein Dr. F. hier war von dem Synagogenvorstand zu Synagogenbeitrügen herangezogen worden, obwohl er bereits im Jahre 1894 zur evangelischen Landeskirche übergetreten war. Als er 1905 nach Ratibor übergesiedelt war, hatte er vor Gericht eine entsprechende Erklärung abgegeben, der Synagogenvorstand forderte jedoch trotzdem von ihm noch 57 Mark Synagogenbeiträge. Nach fruchtlosem Einspruch erhob Dr. F. Klage beim Bezirksausschuß, der indessen die Klage abwies. Wenn Dr. F. aus der jüdischen Religionsgemeinschaft auch schon vor vielen Jahren ausgetreten sei, so komme für seine Befreiung von den Synagogenbeiträgen doch erst der Zeitpunkt in Betracht, 31t dem die gerichtliche Erklärung über den Austritt erfolgt sei. Das Oberverwaltungsgericht änderte aber die Vorentscheidung ab und setzte die Heranziehung des Dr. F. außer Kraft. — Nach dein Gesetz über den Austritt ans jüdischen Synagogengemeinden vorn 28. Juli 1876 hört in der Regel die Teilnahme an den Rechten der Mitglieder der Synagogengemeinden mit dem Tage der Austrittserklärung auf. Die Befreiung von Leistungen, die aus der persönlichen Angehörigkeit zur Synagogengemeinde beruhen, beginnt mit denr Schlüsse des auf die Austrittserklärung folgenden Kalenderjahres. Unbeschränkt ist nur die Dauer der Leistungen für Zwecke der öffentlichen jüdischen Schulen. ---- Dresden, 18. Mai. Die Generalversammlung des Allgemeinen Deutschen Kantorenverbandes wird am 5. und'6. Juni hier (Logen-Lokal, Marschallstraße 14) stattfinden. Die Tagesordnung! ist folgende: Erster Tag: 1. Berichterstattung des Vorstandes; 2. Rechenschaftsbericht; 3. Bericht der Kommission für Anstellungsverhältnisse (Referent: Vellak-Frankfurt a. O.); 4. Der liturgische Gesang in der jüdischen Schule (Fabisch-Göttingen); 5. Verschiedenes. Zweiter Tag: 1. Statutenberatung; 2. Vorstandswahl; 3. Bericht der Kommission für Kantorenfortbildung (Referent: Henle-Hamburg); 4. Ursprung und Entwicklung der jüdischen Musik (Zivi-Elberfeld). 3. Gotha, 17. Mai. Hier ist, wie schon kurz gemeldet, am 6. d. M. im Alter von 58 Jahren der Kommerzienrat Jakob Goldschmidt gestorben. Der Dahingeschiedene hatte wegen seines geraden, offenen Charakters und seiner persönlichen Liebenswürdigkeit ungemein zahlreiche Freunde und Verehrer. Als Zeichen, welcher Hochachtung er sich unter seinen Glaubensgenossen erfreute, darf gelten, daß er fast ununterbrochen während 25 Jahre der erste Vorsteher der israelitischen Kultusgemeinde in Gotha war. Um die freisinnige Sache hat Herr Goldschmidt sich hohe Verdienste erworben. War er doch stets bereit, mit Opferwilligkeit und tatkräftiger Hilfe den entschiedenen Liberalismus zu unterstützen und zu fördern. Die Freisinnige Volkspartei auch außerhalb Gothas wird, ebenso wie die hiesige Gemeinde, dem Verstorbenen stets ein ehrenvolles Andenkerl bewahren. 0. München, 14. Mai. Der älteste Verein in unserer Gememoe, die Chewrah Kadischäh, feierte am 13. Mai, am Lag Beomer, sein 100 jähriges Stiftungsfest. Vor 100 Jahren waren es 13 »vackere Männer, welche hier in München zusammentraten, urn einen Verein für religiöse Bildung zu gründen, und erst später, als es den Juden gestattet war, hier einen eigenen Friedhof anzulegen, vermehrte der Verein seine Aufgaben imb widmete sich auch der Krankenpflege, der Wohltätigkeit und der Totenbestattnug. Mit unentlvegter Treue hat der Verein das Jahrhundert hindurch seine Ausgaben erfüllt, und auch jetzt, da die Gemeinde eine Anzahl von wohl 10,000 Seelen umfaßt, wetteifern gottessürchtige Männer und Frauen in der Erfüllung der übernommenen Liebespflichten. Für die religiöse Belehrung wird durch eine besondere Lehrkraft gesorgt; in den ersten Zeiten des Vereins hat der Gemeinderabbiner auch dieses Amt verwaltet. Aber schon zu Zeiten des Rabbiners Aub, seligen Andenkerls, waren die Rabbinatsgeschäfte so ausgedehnt, daß es notwendig wrrrde, eine besondere Lehrkraft anzustellen. Gegenwärtig versieht dieses Amt Herr Dr. Ehrentreu, der auch zu den: Jllbeltage die 100jährige Geschichte des Vereins in einer lehrreichen Festschrift darstellte. Arn Sonntag, dem 100jährigen Gedenktage, fand auf deul Friedhofe eine erhebende und unvergeßliche Feier statt. Mit Psalmen, die von denr ersten Kantor Herrn Kirschner ulld den: Chor unter Leitung des Herrn Kantor Frei vorgetragen wurden, wurde irr würdiger Weise die Feier eingeleitet.. Herr Rabbiner Dr. Werner, Ehrenmitglied der Chewra Kadischah, hielt die Festrede, anknüpfend an das Wort des nächsten Sabbatabschnittes: „Ihr sollt heiligen das 50. Jahr. und ein jeder kehre zu seinem Eigentum zurück." Unter Zugrundelegung der drei Namen des Friedhofes: „Hans der Ewigkeit, Haus des Lebens, Hans der Gräber", schilderte er die drei Ideale der Chewra, die Treue gegen Gott, die Treue gegen die Lebenden, die Treue gegen die Toten, als die heiligsten Pflichten der jüdischen Gesamtheit. — Nach einer Ansprache des Herrn Dr. Ehrentreu, der den Wunsch zum Ansdruck brachte, daß für alle Zeiten Märmer und Frauen die Pflichten der Chewra in selbstloser Weise wie bisher erfüllen möchten, wie nach den von Herrn Rabbiner Tr. Werner verrichteten üblichen Seelellgedächtnisgebeten und Chorgesängen schloß die erhebende Feier. — Am Abend fand ein Festessen statt. Von den verschiedensten Rednern wurde die Chervra tu all ihren Organen, Rabbinat, Verwaltung, alle bei der Festlichkeit Mitwirkendeu gefeiert. Ein Huldigungstelegranlnl wurde au den Prinzregenten abgesandt, für welches huldvollst von Allerhöchster Stelle gedankt wurde. Hervorzuheben ist noch, daß zu Ehren des Festtages eine größere Summe gesammelt worden war. Herr Rabbiner Tr. Wenter übergab dieselbe dem Vorstande der Chewra und knüpfte daran die Bestimmung, daß an jedem Lag Beomer die Zinsen dieser Summe an würdige jüdische Gelehrte tutd an bedürftige Kranke verteilt werden sollen. In dem letzten Jahrzehnt wurde innerhalb unserer Gemeinde eine große Anzahl von Vereinen gegründet. Alle diese Neugründungen etltsprechen dringenden Bedürsnissen auf religiösen, sozialen, karitativen und literarischen Gebieten; doch diese jüngsten Vereine in Verbindung mit den älteren werden gern in der Chewra Kadischah nicht bloß den ältesten, sondern auch den lvichtigstett Vereirr anerkennen, der seit eitlem Jahrhundert ben Lebenden und Sterbenden zum Segen gereicht. <1. Freibnrg i. Br., 17. Mai. Der hiesige israelitische Franenverein begittg anr 29. v. M. feilt 25 jähriges Stiftungsfest. Dasselbe wurde durch einen Damenchvr eröffnet, worauf die Präsidentill, Frau Zivi-Lang, die zahlreiche Festversamrnlung durch eine Ansprache begrüßte. Hierarif hielt Herr Hauptlehrer Heidingsfeld, der langjährige Sekretär des Vereitrs, die Festrede, in welcher er den Werdegang desselben während seines 25jährigen Bestehens sowie die Tätigkeit des Vorstandes ausführlich entwickelte. Der Redner gedachte dabei ehrend aller derer, die sich um den Verein schon verdient gemacht haben, besonders aber des Grttirders desselben, seines sel. Vorgängers Bodenheimer, sowie der Frau Präsidentin mtd der Recyneriu, Frau Moritz Mayer, die dem Vorstande seit 25 Jahren ununterbrochen angehören Ulld während dieser langen Zeit unermüdlich auf dem Gebiete der Wohltätigkeit gewirkt haben. Herr Vorsteher, Rechtsanwalt Kasselvitz, übermittelte die Glückwünsche des Synagogenrates und der Gemeinde in einer All spräche, Herr Dr.