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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-05-02 · Heft 21 (2.5.1906) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 21 (2.5.1906)
Date
1906-05-02
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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Klein die der Breisgau-Loge. Außerdem liefen noch von verschiedenen Seiten Glückwunschtelegramme ein. Um den unterhaltenden Teil, der aus musikalischen, gesanglichen und dramatischen Vorträgen bestand, machte sich besonders Herr Hamburger, der das ganze Arrangement leitete, verdient, sowie Herr Stud. Kochmann, der einen prächtigen Prolog dichtete und schöne Verse zu den lebenden Bildern, die zur Aufführung gelangten, lieferte. Das ganze Fest nahm einen würdigen Verlauf. Oesterreich-Ungarn. eJe Wien, 21. Mai. Die russische Anleihe hat in der Kultusgemeinde zwei Opfer gefordert: O. Marmorek, der inzwischen zum Baurat ernannte Zionistenführer, legte seine Vorstandsstelle nieder, weil das Mitglied des Vorstandes Ritter v. Taussig die russische Anleihe vermittelte und weil der Kultusvorstand mit diesem Vorgehen Taussigs allem Anscheine nach einverstanden war, wenigstens hütete er sich, etwas dagegen zu unternehmen. Und Ritter v. Taussig legte auch seine Stelle nieder. Inzwischen ist leider auch der zweite Vizepräsident der Gemeinde, kaiserlicher Rat Moritz Hirsch am 15. d. M. im 67. Lebensjahre gestorben. Er war ein Mann, der sich namentlich um die Finanzen unserer Gemeinde große Verdienste erworben hat. Ehre seinem Andenken! —Dem Abgeordnetenhaus ist eine Interpellation Sturm (christlich-sozial) zugegangen, die unter Hinweis auf die Ausführungen des preußischen Ministers des Innern, die durchaus zu billigen seien, die Regierung fra gt, was sie gegen die Gefahren einer Masseneinwanderung jüdischer Staatsangehöriger aus Rußland zu tun gedenke. Man darf sich also wieder auf stürmische Debatten gefaßt machen. — Die Freude über den Niedergang der christlich-sozialen Richtung ist eine kurze gewesen. Bei den Gemeinderatswahlen am 16. d. M. zum zweiten Wahlkörper wurden in sämtlichen Bezirken, einschließlich auch des zweiten, dessen vier Mandate bisher die Fortschrittlichen inne hatten, Christlich-Soziale gewählt. Auch bei den gleichzeitiges Wahlen für die Bezirksvertretung des zweiten Bezirks, der bisher fortschrittlich vertreten war, siegten die Christlich-Sozialen mit Ausnahme eines Mitgliedes. — Wie die hiesigen Blätter melden, haben in Wien in den letzten zwei Monaten 110 Taufen von Juden stattgefunden, die zum Katholizismus übergetreten sind!! — Im Schlosse Ronsperg in Böhmen starb am 13. d. M. der dortige Herrschaftsbesitzer Dr. Graf Heinrich Coudenhove-Kalergi im 47. Lebensjahre. Er war ein bekannter Diplomat und Schriftsteller. Viel Aufsehen erregte seinerzeit sein Buch „Das Wesen des Antisemitismus", in dem GrafCoudenhove die Forschungen der bedeutendsten Linguisten, Historiker, Mediziner und Naturforscher für die Erörterung des Problems herangezogen hatte. — In Jaroslau ist am 11»d. M.' der Rabbiner Samuel Waldberg im Alter von 75 Jahren gestorben. 4 Er fungierte mehr als 30 Jahre daselbst. 1890 wurde ihm Rabbinat in Prag angeboten, er hat es aber aus Altersrücksich^en - abgelehnt. Er gehörte zu den intelligentesten Rabbinern Galiziens^ und hat viele talmudische Werke herausgegeben. Der Verstorbene war ein Bruder des vor einigen Jahren hier verstorbenen Baron Moses Waldberg und der Schriftstellerin Julie Thenen. — Das Redaktionskomitee der ungarischen Geschichte des Judentums hielt in einem Sitzungssaale der Pester israelitischen Mligionsgemeinde eine Sitzung, um die Grundprinzipien eines auch die Geschichte des ungarischen Judentums enthaltenden sechsbändigen Werkes festzustellen. An der Konferenz nahmen zahlreiche Rabbiner, Schriftsteller und Journalisten aus Budapest und der Provinz teil. Es wurde beschlossen, das grundlegende Werk des Professors Graetz, ohne Bibelkritik und mit Benutzung der neueren Resultate der historischen Wissenschaft, bis auf unsere Tage fortsetzend zu übertragen. Von Ash und ftm. Der Alliance Israelite Universelle sind im Laufe dieses Monats in Berlin 600 neue Mitglieder beigetreten. Bravo! — Der älteste Rechtsanwalt am Landgericht II, Justizrat Dr. jur. Gustav Lebin, feierte am 16. d. M. in seltener Rüstigkeit und Geistesfrijche sein 50jähriges Dienstjubiläum. Aus Anlaß seines Jubiläums ist der geschützte Anwalt zum Geheimen Justizrat ernannt worden. — Der Hilfslehrer Josua Friedländer ist zum Oberlehrer an der 3. Oberrealschule gewählt worden. — Der »Fall Graf Pückler—Levi" beschäftigte jetzt das Reichsgericht. Wie noch erinner lich sein wird, hatte in einem vornehmen Berliner Gasthof der Kaufmann Leopold Levi den Grasen Pückler-Klein-Tfchirne mit einem Schlagring angegriffen. Der Graf schlug mit seinem Schirm zu und es gab eine Rauferei, bis die Gegner durch, einen Hotelbediensteten auseinander gebracht wurden. Darauf verurteilte das Landgericht I am 2. Juni v. I. Levi zu drei Monaten Gefängnis. Seine Revision ist jetzt vom Reichsgericht verworfen worden. — Rohe Hände haben in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend auf dem alten Friedhofe der israelitischen Gemeinde in A nklam eine große Anzahl von Grabdenkmälern aus der Erde gerissen und umgeworfen. Der Vorstand der Gemeinde setzt für Ermittelung der Täter eine Belohnung von *29 Mark aus. — Die Posener Landwirtschaftskammer hat, wie uns ein Privaitelegramm meldet, 160 russische Juden für Zwecke der Landarbeit in der .Provinz Posen eingeführt. Bestätigt sich diese so wäre sie angesichts der gegenwärtigen Lage von großer Bedörikkuig. — verstorbene Rentner Buchholz in Dortmund hatte, wie das „Dortm. Tageblatt" berichtet, für den Bau des Stadttheaters 5000 Mark vermacht, unter der Bedingung, daß nicht mehr als höchstens IlUPsozent der Schauspieler und Sänger Juden fein dürften. Die Erben wollen sich jetzt um die Fortsetzung der Zahlungen drücken. Sie werden nun darauf verklagt werden und es fragt sich, ob die Klausel respektiert werden muß; sie sieht mehr nach einem schlechten „Witz"'aus. — Nach dem jetzt vorliegenden offiziellen Ergebnis der letzten Volkszählung gehören von den 294431 Einwohnern Nürnbergs 6819 dem jüdischen Glaubensbekenntnis an. — Justizrat Dr. Sigmund Held in Nürnberg ist Meister vom Stuhle der Lvgi „Josepha zur Einheit" geworden, deren Mitglieder in weitaus großer Zahh Christen sind und den höchsten Gesellschaftskreisen angehören. Helö ist auch Verwaltungsmitglied der israelitischen Gemeinde: -- Der Kaufmann Louis Bechwann in Fürth wurde zuK Kommerzienrat, der Arzt Dr. AdolstTeilhaber in München ß>ofva£ j&ncmnt. — Dem Oberlehrer am Gymnasium in. M ühthaLise^n, wurde der Professortitel verliehen.'.— Am M.Alexander Ritter von Goldschmibt verschie^n/e§emE^*Thef ÄnEangesehenen Bankhauses. Er'starb im 71. LöbensjÄhre.' Alexander von Goldschrv.idt genoßwegen seiner Herzens gü-MnKiner opferwilligem humanen Gesinnung allgemeine ll^ehWNg.-Bei den Stichwahlen in- Frankreich Knd Josef Rein ach, ^er nach dem Dreysus-HandeL äus der Kammer verschwand, uKd Theodor Reinach, dessen Bruders gewählt worden. Dagegen itz der größte Teil der klerikal ^antisemitisches ^Ärreier durch- ^^pllen. — Ans 25. und 28. v. M. war' das jüdische Viertel, die Mra, in Tunis der Schauplatz aufregender Szenen.- Eingeborene eHAHAten HAlteten sich zusammen, machten Lärm, griffen die Passanten Wund Haderten eine Anzahl jüdischer Läden. ' Ein Jude wurde sMver veMmkAet und mußte ins Spital gebracht werden, wo er in hed^nMchern Zustand danie'derliegt. des energischen Eingreisens^^Polrzei wurde die Ordnung schnell wieder her gestellt. — Die Soldaten, Wxstch an den Unruhen beteiligten, wurden verhaftet. — Die finnischen Duden haben dem Senat eine Petition eingereicht, worin sie für ihre Gleichberechtigung plädieren. In der Presse haben die Juden Sympathie gefunden; es wirv-behauptet, es sej^eine Schande für Finnland, nM immer so grausame Gesetze für "die^Juden ausrecht zu erhalten. — Der soeben erschienenen amtlichen Statistik über die Einwanderung in Argentinien für das Jahr 1905 entnehmen wir folgend Daten: Die Gesamteinwanderung betrug im Jahre 1905 177 117 gegenüber 125 567 im Jahre 1904. An erster Stelle stehen die Italiener mit 88 950. Es folgen dann die Spanier mit 53 029. An dritter Stelle die Juden mit 7516. — Eine größere Anzahl eingewanderter russischer Juden haben ein Territorium für 400000 Pesas in Baradero, Provinz Buenos-Aires, angekauft und eine landwirtschaftliche Kolonie unter dem Namen Max Nordan begründet. Die Kolonie hat die besten Auspchten, schnell emporzublühen. — Endlich ist die vielumworbene Stelle des Predigers am Temple Emanuel in Newyork — die beste in Amerika — durchRev. Dr. J.L. Magnes, der auch die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums besucht hat, besetzt worden.

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