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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1906-05-02 · Heft 21 (2.5.1906) · p. Seite 251

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
70 (1906)
Issue
Heft 21 (2.5.1906)
Date
1906-05-02
Page
Seite 251 (sequence 11)
Language
German
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251 unseres „fyeiligcit Landes" lumniubeUmr je st stehen: dann ist die Weltmissivu des Christentums und des Judentums erfüllt. Bis dahin aber bleiben wir Juden die lebendigen Gotteszeugen in der Mitte der Menschheit durch unseren unverfälschten, reinen Gottesgedanken, durch unser unerschüttert festes Ausharren, durch unser Kümpfen und — Leiden! So, geehrter Herr, liest ein Jude „Hilligeulei". In Hochachtung Ihr ergebenster Dr. Aron Ackermann, Rabbiner. Die Antwort auf dieses Schreiben lautete: Meldorf. 12. 5. 06. Sehr geehrter Herr! Ich bin so ziemlich mit allem einverstanden, was Sie zu Ehren der jüdischen Religion sagen, und meine, daß ich das auch deutlich in meinem Buche bekenne, besonders kurz und klar im ersten Absatz des Schlußworts. Denn daß Sie annehmen, ich wüßte nicht, daß die dort angeführten beiden Worte Bekenntnisse jüdischer Religiosität sind, ist fast toll. Es ist nur darum ganz und gar verwunderlich, daß Sie mich wegen meines Buches schelten, statt mich zu loben, wie andere fromnre Juden tun. Das kommt davon: Sie wollen nicht sehen, daß ganze große Teile der jüdischen Religion, ganz wie bei den beiden Tochterreligionen, veraltet und verknöchert sind. Es handelt sich darum, aus ihnen allen den reinen Klang zu finden. Der klingt in jenen beiden Worten und in manchem Wort aus katholischen! und evangelischem Mund, am reinsten aus dem Mund des Heilands, der ein jüdischer Mann war und zu einer Zeit lebte, da jener reine Klang in seinem Volk verstummt war?) Ergebenst G. Freuisen. Die Antwort Frenssens mag gegenüber meinem Schreiben allzu kurz und summarisch erscheinen. Es wäre interessant gewesen, wenn Frenssen sein Einverständnis näher begründet bezw. seinen abweichenden Standpunkt ausführlicher gerechtfertigt hätte. Denn daß Frenssen die Priorität des Judentums auf ethischem Gebiet in seinem Buche bekenne, darf billig bezweifelt werden, wie auch die im „Schlußwort" angeführten Sätze, welche die tiefste Religion charakterisieren sollen, dort keineswegs/ als „Bekenntnisse jüdischer Religiosität" bezeichnet sind. Natürlich habe ich im Ernste nicht daran gezweifelt, daß Frenssen sie als solche kenne. Aber da er sein „heiliges Land" als das Land des geläuterten Christentums bezeichnet, ohne dem Judentum das ihm gebührende Mutterrecht zuzusprechen, mußte er darauf gefaßt fein, daß ein Jude als Verteidiger dieses Rechtes auftreten würde. Wie Frenssen dieses Auftreten als ein „Schelten" d. h. als einen Tadel feines Buches empfinden konnte, ist kaum zu verstehen. Kann man einem Buche ein höheres Lob spenden, als wenn man es als einen Markstein, in der Menschheitsentwicklung charakterisiert? So kurz aber auch Frenssens Antwort erscheinen mag und so sehr er sich auch im letzten Satze wieder dem Banne der modernen christlichen Theologie ausliefert, so wertvoll ist für uns Juden sein klares Zugeständnis, daß der „reine Klang", den er als tiefste Religion aus allen Religionen herausfindet, — „jüdische Religiosität" ist. h Diesen reinen Klang hätte aber gerade ein Dichter wie Gustav Frenssen aus dem haggädischen Schrifttum jener Zeit heraushoren müssen, wenn er dieses aus dem Original und nicht aus parteiischgesärbten Sekundürquellen kennen gelernt hätte. Die Red. Der Schammes. Von S. Meijels-Hamburg. ^^ierzig Jahre war Mendele Schamrrres in der heiligen Schule Synagogendiener von Beruf, aber er war in der Stadt doch nur unter dein Namen „Mendele Sopher" bekannt. Er war auch Thoraschreiber. Eigentlich wußte er selbst nicht, was seine Hauptbeschäftigung und was seine Nebenbeschäftigung sei. Der einer: wie der anderen war er mit gleich heiligem Eifer zugetan. Er war geradezu verwachsen mit seinen beiden Bernsen; sie bildeten fein Lebenselement, und erwürbe sich nie dazu entschlossen haben, der: einen zugnnsten des andern aufzugeben. Täglich sorgte er für die Reinheit und Sauberkeit der Schrrl, für das Putzen der Leuchter und das Brennen der „ewigen Kerze", und täglich mußte er mindestens einige Bibel- Verse auf das Pergament schreiben. Viel Arbeit und wenig Einkommen —- das war das Ergebnis seiner beiden Berufe. Aber Mendele klagte nie. Man schlägt sich drrrch, Gott verläßt nicht, pflegte er oft zu sagen und philosophierend hinzuzufügen: „Meine Arbeit, gelobt sei Gott, wirst doch etwas ab, und wieviel sie äbwirft, ist's gerrrrg, die Arbeit selbst ist auch Lohn. Die Schul ist doch eine Schirl, ein Gotteshaus, ein mokaum kodausch, und das Thoraschreiben ist eine heilige Arbeit. Vierzig Jahre der Schrrl gedient zu haben und im Leben zwanzig Sphorim (Thorarollen) geschrieben zu haben, das ist keine Kleinigkeit." Er Pflegte das oft mit einen: gewissen Stolz zrr betonen rrnd dabei, zrrfrieden lächelnd, seiner: kleinen grarren Bart zrr zupfen. Mendele war auch ein Gelehrter; zwar in: Talrnrrd nicht so außerordentlich bewandert, aber die Lerrte wußten es, daß er viel gelernt und viel versteht. Mendele hat schon unzählige Mal Maimouis „More" drrrchgenomrnerr urrd das Buch „Kusari" studiert. Er verstand daher schön zu reden und vernünftig zu rüsonnieren. Er hatte seine eigene Lebensweisheit. Ganz besonders schwärmte Mendele für „Kiddusch Haschern". Er war begeistert, so oft er davon sprach. Kein Heldenverehrer war er, sondern ein Märtyrervergötterer in des Wortes schönstem Sinne. Kidclusch Haschern, war seine gewohnte Redeweise, ist die höchste Stufe, rächt jeder kanrr sie erreichen. Werrn der Tischebeaw karr: und der Rablüner die bekannten Kinnoth „Arse halewonaun" „die Zeder:: Libanons, das sind die Schriftgelehrten", jene tragische Elegie, die ur:s den Tod der zehn jüdischen Märtyrer in herzerschütternder Weise schildert, zrr rezitieren begann, da füllten sich Meudeles Auge:: mit Tränen, und mit bebender Stimme erklärte er der:: ihn umgebenden Kreis der arrr:en Juden die hohe Bedeutung des Märtyrertums. Bon der: zehn Märtyrern weckte insbesonders Rabbi Chanina ben Tradjon sein Interesse. „Rabbi Chanina der: Tradjon," erklärte er seinen Leuten, „der-war eirr großer Mann, ein gottessürchtiger Mann, ein heiliger Marrn. Wisset ihr, wie er gestorben ist? In eine Thorarolle hatten sie ihr: gewickelt und so verbrannt. Seine Antrvort war: Ich sehe das Pergament brennen rrnd die Buchstaben in der Luft schweben."

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